HLA-System

Teil der Erbanlagen des Menschen. Die wichtigste Funktion des HLA-Systems ist die Regulierung und Überwachung des Abwehrsystems (Immunsystem). Das Abwehrsystem des Organismus beruht darauf, dass fremdes Gewebe bzw. auch fremde Zellen (z.B. Krankheitserreger) als fremd erkannt und bekämpft werden. Körpereigene Zellen werden als eigen erkannt und nicht bekämpt. Die Funktion des HLA-Systems besteht darin, jede Zelle des Organismus zu prägen, d.h. ihr einen „Stempel aufzudrücken“ wodurch diese als körpereigen erkannt wird. Fremde Zellen dagegen tragen diesen „Stempel“ nicht und werden so als schädlich erkannt. Als „Stempel“ fungieren dabei Strukturen, die auf der Oberfläche der einzelnen Zellen abgelagert werden. Diese Strukturen heißen HLA-Antigene. Wird nun Gewebe von einem Organismus auf einen anderen übertragen, so kontrollieren die Zellen des Empfängerorganismus zunächst die „Stempel“ (d.h. den Besatz an HLA-Antigenen) des Spendergewebes. Wird dieser als fremd erkannt, so kommt es zu der gefürchteten Abstoßungsreaktion. Die Abstoßungsreaktion unterbleibt, wenn die Zellen des Empfängers die gleichen HLA-Antigene (= Stempel) haben wie die des Spenders. Aus diesem Grunde erfolgt vor einer geplanten Organverpflanzung (z.B. Nierentransplantation) eine exakte HLA-Bestimmung bei Empfängern und Spendern. Diese HLA-Bestimmung sieht so aus, dass die einzelnen Zellmerkmale (HLA-Antigene) bestimmt und genau identifiziert werden. Die jeweiligen HLA-Antigene werden dabei mit Buchstaben und Zahlen belegt (z.B. HLA DR 3, HLA DR 2, HLA B 8 usw.). Ergibt sich eine Übereinstimmung von Spender und Empfänger, so kann das Organ verpflanzt werden. Bei Nierentransplantationen werden die Daten der vorgesehenen Empfängerzentrale gespeichert. Die zur Verfügung stehende Niere erhält dann der, der mit den Daten des Spenders im HLA-System übereinstimmt.

Die Bestimmung der HLA-Antigene erfolgte zunächst nur zur Abschätzung der Gewebeverträglichkeit im Rahmen von Organverpflanzungen. Dabei ergab sich aber eine zusätzliche Bedeutung des HLA-Systems. Man fand, dass beim Vorhandensein bestimmter HLA-Antigene einzelne Krankheiten überdurchschnittlich häufig auftreten. So ist z.B. beim Vorhandensein der HLA-Merkmale B 8, B 15, DR 3 und DR 4 in wesentlich höherem Prozentsatz mit dem Auftreten von Typ-1- Diabetes zu rechnen als beim Fehlen dieser Antigene. Gleiches gilt für andere Krankheiten. Somit erlaubt die HLA-Bestimmung in einzelnen Fällen Vorhersagen über mögliche spätere Erkrankungen.