HbA1

(= Hämoglobin A1) Hämoglobin ist der rote Farbstoff der Blutkörperchen (Erythrozyten). Seine biologische Funktion ist die Bindung von Sauerstoff, der damit durch die Erythrozyten vom Ort der Aufnahme (Lunge) zum Ort der Verwendung (Gewebe) transportiert werden kann. Hämoglobin gibt es beim Menschen in 4 Variationen: HbA0 (90%), HbA1 (6%), HbA2 (2-3%) und HbF (1%). HbA1 ist seiner Struktur nach fast identisch dem HbA0. Der einzige Unterschied liegt in einem Zuckermolekül, das das HbA1 zusätzlich trägt. HbA1 wird daher glykolisiertes („gezuckertes“) Hämoglobin genannt.

Die HbA1-Fraktion läßt sich in weitere Untergruppen einteilen: HbA1a, HbA1b, HbA1c. Die Bedeutung der HbA1-Bestimmung in der Überwachung der Diabeteseinstellung liegt darin, dass es einen engen Zusammenhang zwischen den mittleren Blutzuckerwerten, der vorangegangenen Zeit und der Höhe des HbA1-Wertes gibt. Einfach ausgedrückt: je höher die Blutzuckerwerte der letzten Wochen, um so mehr Hämoglobinmoleküle werden mit Zucker beladen, also um so höher ist der HbA1-Wert. Der HbA1-Wert verändert sich jedoch nicht durch einen einmalig erhöhten Blutzuckerwert, sondern erst dann, wenn die Blutzuckerspiegel längere Zeit in höheren Bereichen liegen. Umgekehrt bildet sich bei besserer Blutzuckerlage der HbA1-Wert nicht sofort zurück, sondern erst wenn über längere Zeit (etwa 4-6 Wochen) bessere Blutzuckerwerte vorliegen. Der HbA1-Wert ist somit „das Gedächtnis“ der Blutzuckereinstellung. Während ein einzelner Blutzuckerwert im Grunde nur eine Momentaufnahme darstellt, sagt der HbA1-Wert sehr zuverlässig, ob in den letzten 4-6 Wochen im Schnitt eine gute Einstellung vorgelegen hat, d.h. er erlaubt eine Langzeitaussage in Bezug auf die Qualität der Blutzuckereinstellung.

Durch zahlreiche Untersuchungen weiß man mittlerweile, dass der Zusammenhang zwischen der Höhe des HbA1-Wertes und den mittleren Blutzuckerwerten sehr zuverlässig ist. (Mittlere Blutzuckerwerte sind der Durchschnitt der Einzelwerte). Innerhalb der Gesamt-HbA1-Fraktion kann man noch einzelne Untegruppen bestimmen (z.B. HbA1c). Dies im einzelnen zu erörtern würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen. Es ist wichtig zu wissen, dass bei der Bestimmung von Gesamt-HbA1 die Werte etwas höher liegen als bei der Bestimmung der Untergruppe HbA1c. Angegeben wird der HbA1-Wert in Prozentwerten (% des Gesamthämoglobins). Als grobe Richtlinien sprechen HbA1-Werte unter 9% für eine gute, HbA1-Werte über 12% für eine unzureichende Diabeteseinstellung. Falsch niedrige Werte (d.h. fälschlicherweise zu gute Werte) ergeben sich beim Vorliegen von Blutarmut (Anämie) sowie bei Schwangeren. In diesem Fall kann die HbA1-Bestimmung nicht oder nur unter geänderten Gesichtspunkten zur Kontrolle der Einstellungsqualität herangezogen werden. Für die genaue Beurteilung seines HbA1-Wertes sollte jeder Diabetiker den HbA1-Normalwert beim Hausarzt erfragen. In allen anderen Fällen hat sich die HbA1-Bestimmung als zuverlässiger Marker für die Kontrolle der Diabetestherapie fest etabliert.