News-Archiv: 2009

Nicht invasive Blutzuckermessung

(2009)

Glukosemonitor nicht-invasiv

Nicht-invasiver Glukose-Monitor von Solianis schafft den Durchbruch im Test zur Alltagtagstauglichkeit – zur rascheren Entwicklung Verwaltungsrat verstärkt

Mitte Dezember 2008 wurde eine Testreihe erfolgreich abgeschlossen, in der Diabetiker mit einem von Solianis entwickelten Multisensor-Gerät zur nicht invasiven kontinuierlichen Blutzuckermessung ihren Zucker zuhause und am Arbeitsplatz überwachten. Die Resultate belegen, dass der Glukose-Monitor Blutzuckerschwankungen im Alltag zuverlässig aufzeigt. „Dies ist die erste jemals durchgeführte Studie über ein nicht-invasives Blutzuckerüberwachungssystem im Heimversuch und am Arbeitsplatz. Die Daten zeigen eindeutig, dass die Technologie funktioniert und dass wir dieses Gerät nun zur Serienreife bringen können“, sagt Mario Stark, CEO von Solianis. Die Firma plant die Einführung ihres neuen Produkts in Europa im Jahr 2010 nach der Freigabe durch die EU. Die ersten dieser nicht-invasiven Messgeräte sind für insulinpflichtige Diabetespatienten bestimmt. Spätere Modelle richten sich an alle Patienten mit Diabetes und solche mit beeinträchtigter Blutzuckertoleranz.

Zur rascheren Entwicklung des Prototypen und zur zügigen Markteinführung hat Solianis seinen Verwaltungsrat mit 2 bekannten Industrie-Experten verstärkt:

Russ Potts ist Doktor der Biochemie. Bei Pfizer arbeitete er an der perkutanen Medikamentenverabreichung, und bei Cygnus war er bis 2002 als Vize-Präsident Forschungs- und Entwicklungsdirektor. Cygnus entwickelte den ersten von der FDA geprüften minimal-invasiven kontinuierlichen Glukose-Monitor „Glucowatch“. Bei Cygnus war Dr. Potts u. a. verantwortlich für FDA Technical Liaison & Fund Raising, aber auch für technische und strategische Fragen. Heute ist er Berater für Arzneimittelverabreichungs- und Blutzuckerüberwachungsgeräte. Dr. Russ Potts wird Solianis im Bereich Technik und Patente unterstützen sowie in der strategischen Planung und den Kontakten zum FDA.

Anders Weber ist Doktor der Immunologie der Royal Veterinary and Agricultural University Kopenhagen. Er studierte optische Immunosensoren an der Universität Michigan, Ann Arbor, und am Biotechnologischen Zentrum in Pittsburg. Seine Karriere in der Industrie begann er als Entwicklungsingenieur bei Radiometer A/S in Kopenhagen in dem Entwicklungsteam amperometrischer Glukose- und Laktat-Sensoren. Dann leitete er dort die „Advanced Sensors Development Unit“. In verschiedenen Funktionen initiierte und leitete er zwölf Start-up-Firmen im Auftrag der „Danish Development Finance Corporation“ und anderen Investoren.

Die Solianis Monitoring AG ist eine medizinal-technische Firma, die Geräte entwickelt zur nicht-invasiven kontinuierlichen Blutzuckermessung für Diabetespatienten. Die Technologie beruht auf einer einmaligen und proprietären Multisensortechnik zur Überwachung physiologischer Parameter. Solianis wurde im Mai 2005 gegründet und wird durch private Investoren und den Pionier Fond der Zürcher Kantonalbank finanziert. Das nicht-invasive Solianis-Gerät liefert vergleichbare Resultate wie die bereits FDA-bewilligten minimal-invasiven Geräte.

Magenband anerkannt

(2009)

Magenbänder zur Rückbildung eines Diabetes 2

LAP-BAND(TM) ist in Europa das erste Adipositas-Interventions-System zur Gewichtsgewichtsreduktion, das bei Typ-2-Diabetes eine Rückbildung oder Verbesserung erzielen konnte

Mediziner fordern eine stärkere Berücksichtigung von Magenbändern bei der Behandlung von adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Das LAP-BAND(TM) AP System von Allergan zur Behandlung der Adipositas hat als erstes Gewichtsreduktionssystem, das eine Rückbildung oder Verbesserung eines bereits bestehenden Typ-2-Diabetes bewirkt, eine offizielle europäische Zulassung erhalten. Der Type-2-Diabetes hat pandemische Ausmaße angenommen[i] und das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist bei adipösen Personen gegenüber dem Rest der Bevölkerung um den Faktor 10 erhöht. Adipositas liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 vor. Adipositas und Typ-2-Diabetes werden im nächsten Jahrzehnt wahrscheinlich die größten Herausforderungen für die Gesundheitssysteme darstellen.[ii] Nachhaltiges Abnehmen kann durch den gegenwärtigen Lebensstil und die derzeitigen pharmakologischen Ansätze bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes mit nur wenig Erfolg erreicht werden.[iii],[iv],[v]

„Der Type-2-Diabetes wird immer mehr zu einem Problem, da die Prävalenz von schwerer oder krankhafter Adipositas in der Bevölkerung steigt. Der nachweislich erfolgreiche Einsatz von Magenband-Verfahren bei diesen Patienten kommt daher genau zur rechten Zeit. Damit steht uns eine leistungsstarke Behandlungsalternative zur Verfügung, mit der wir das Problem der Morbidität und Mortalität, die mit der Kombination von Diabetes und Adipositas (»Diabesity«) einhergeht, angehen können. Der Begriff »Diabesity« wurde von Shape Up America kreiert, um die direkte Beziehung zwischen Diabetes und Adipositas zu umreißen“, so Dr. Jonathan Pinkney, Consultant Senior Lecturer und Diabetologe, Cornwall.

„Das Einsetzen eines Magenbands ist eine sehr wirksame Behandlungsoption bei ausgewählten Patienten mit Adipositas, die mit herkömmlichen Methoden zur Gewichtsreduktion nicht an Gewicht verlieren. Die Anerkennung eines Medizinprodukts von der Art des LAP-BAND(TM) AP Systems durch die europäischen Gesundheitsbehörden ist ein wichtiger Fortschritt für die Ärzteschaft und die adipösen Patienten in unseren Bemühungen um eine effektive Behandlung des Typ-2-Diabetes.“

Das operative Einsetzen eines Magenbands ist bereits eine etablierte Methode, mit der ein nachhaltiges Abnehmen erzielt werden kann. Im Jahr 2006 empfahl das National Institute of Clinical Excellence bariatrische Operationen wie das Einsetzen eines Magenbands als Behandlungsoption für adipöse Menschen mit einem BMI zwischen 35kg/m2 und 40kg/m2 und Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck sowie für Menschen mit einem BMI über 40kg/m2.[vi] Paul Super, ein auf Adipositasintervention spezialisierter bariatrischer Chirurg, sagt: „Es gibt viele Menschen, die, obwohl sie von einem Magenband profitieren würden, derzeit nicht zur Durchführung des Eingriffs überwiesen werden. In Anbetracht dieser neuen Entwicklung sollten Ärzte, die adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes behandeln, das operative Einsetzen eines Magenbands ernsthaft als Option in Erwägung ziehen. Der Eingriff kann solchen Patienten dabei helfen, ihr Gewicht zu reduzieren und unter Kontrolle zu halten. Bezeichnenderweise macht die erweiterte Kennzeichnung für das LAP-BAND(TM) AP System deutlich, dass dessen Nutzen über die reine Gewichtsreduktion hinaus anerkannt wird und auch die Rückbildung oder Behandlung des Typ-2-Diabetes mit einschließt. Diese wichtige Änderung der Kennzeichnung bestätigt die Erkenntnisse, die zeigen, dass das Anlegen eines Magenbands die Behandlung des Typ-2-Diabetes erleichtern könnte.“

Der TÜV SÜD – eine benannte Stelle der Europäischen Union, die für die Zertifizierung von Medizinprodukten verantwortlich ist, hat das LAP-BAND(tm) AP System als erstes Medizinprodukt für die Adipositasintervention anerkannt, das in Europa offiziell für die Gewichtsreduktion zugelassen wurde, weil die damit erreichte Gewichtsreduktion zur Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes führt. So ist jetzt in der Gebrauchsanweisung des LAP-BAND(TM) AP Systems bzw. der Kennzeichnung festgehalten, dass die Gewichtsreduktion in Zusammenhang mit dem LAP-BAND(tm) AP System nachweislich zu einer Verbesserung oder Rückbildung des Typ-2-Diabetes geführt hat. Die Daten, die zur Erweiterung der Produktkennzeichnung geführt haben, stammen aus einer wegweisenden, zweijährigen, randomisierten, kontrollierten klinischen Studie. Diese Studie hat gezeigt, dass bei Patienten, die mit dem LAP-BAND(TM)AP System an Gewicht abgenommen hatten, die Wahrscheinlichkeit der Rückbildung des Typ-2-Diabetes fünf Mal höher war als bei Patienten mit konventioneller Diabetestherapie (73% gegenüber 13%). Es handelt sich hierbei um die erste randomisierte, kontrollierte Studie, in der eine chirurgisch herbeigeführte Gewichtsreduktion mit der konventionellen Therapie zur Behandlung des Typ-2-Diabetes bei adipösen Patienten verglichen wurde. Diese Resultate bestätigen die Ergebnisse vorangegangener Beobachtungsstudien.[vii]

Informationen zu Allergan, Inc.

Das 1950 gegründete Unternehmen Allergan, Inc., mit Sitz in Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien, ist ein in verschiedenen Spezialbereichen tätiges Gesundheitsunternehmen, das innovative Pharmazeutika, biologische Produkte und Medizingeräte entdeckt, entwickelt und vermarktet. So verhilft das Unternehmen Menschen zu größtmöglicher Lebensqualität – sie können klarer sehen, sich freier bewegen und sich optimaler selbst verwirklichen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 8.000 Mitarbeiter und betreibt hochmoderne F&E-Einrichtungen und Produktionsstätten von Weltklasse. Neben seiner Forschungsorganisation, die das gesamte Spektrum von der Entdeckung bis zur Entwicklung abdeckt, ist Allergan mit seinen globalen Marketing- und Vertriebsfähigkeiten in über 100 Ländern vertreten.

Was ist das LAP-BAND(TM) AP System?

Bei dem LAP-BAND(TM)AP System handelt es sich um ein System, das eine Langzeitgewichtsreduktion unterstützt und die mit schwerer und krankhafter Adipositas einhergehenden Gesundheitsrisiken senkt. Im Gegensatz zur Magen-Bypass-Operation wird bei diesem Verfahren der Magen nicht aufgeschnitten und geklammert und es wird auch keine Umleitung des Darmes vorgenommen. Der Eingriff ist reversibel.[viii],[ix],[x] Unter Verwendung von laparoskopischen (Schlüsselloch-) Techniken wird ein aufblasbares Silikonband um den oberen Abschnitt des Magens des Patienten gelegt, so dass eine kleine Tasche entsteht. Das Wirkprinzip des LAP-BAND(TM)AP Systems beruht auf einer Verkleinerung der Kapazität des Magens des Patienten, die dazu führt, dass sich früher ein Sättigungsgefühl einstellt. Das LAP-BAND(TM)AP System ist anpassbar, d. h., das aufblasbare Band kann enger oder weiter gestellt werden und hilft so dem Patienten, ein Maß an Sättigung zu erreichen und gleichzeitig eine gesunde Ernährung beizubehalten.

Biografien

Dr. Jonathan Pinkney ist ein Diabetologe beim Royal Cornwall Hospitals NHS Trust.

Herr Paul Super ist ein auf die Behandlung von Übergewicht spezialisierter Chirurg am Heartlands Hospital in Birmingham. Herr Super setzt durchschnittlich 20 Patienten pro Woche in seinen NHS- und Privatpraxen ein Magenband ein.

Weitere Informationen zur Gewichtsreduktion erhalten Sie unter: www.weightloss4diabetes.co.uk

Literatur
[i] Diabetes – the policy puzzle: is Europe making progress? FEND & IDF Europe report, second edition. 2008
[ii] Zimmet P, Alberti KG, Shaw J. Global and societal implications of the diabetes epidemic. Nature. 2001;414(6865):782-787.
[iii] Khan MA, St Peter JV, Breen GA, Hartley GG, Vessey JT. Diabetes disease stage predicts weight loss outcomes with long-term appetite suppressants. Obes Res.2000;8(1):43-48
[iv] Zimmet P, Shaw J, Alberti KG. Preventing type 2 diabetes and the dysmetabolic syndrome in the real world: a realistic view. Diabet Med. 2003;20(9): 693-702.
[v] Wing RR, Marcus MD, Epstein LH, Salata R. Type II diabetic subjects lose less weight than their overweight nondiabetic spouses. Diabetes Care. 1987; 10(5):563-566
[vi] Obesity: guidance on the prevention, identification, assessment and management of overweight and obesity in adults and Children. NICE Guideline December 2006
[vii] Dixon, JB, O’Brien, PE et al. Adjustable gastric banding and conventional therapy for type 2 diabetes: a randomized controlled trial. JAMA. Vol 299 (3) January 2008
[viii] Chapman A, Game P, OBrien P, Maddern G, Kiroff G, Foster B, Ham J. Executive summary: Laparoscopic adjustable gastric banding for the treatment of obesity: Update and re-appraisal. Australian Safety and Efficacy Register of New Interventional Procedures-Surgical (ASERNIP-S) Report No. 31, Second Edition. Adelaide, South Australia: ASERNIP-S, June 2002.
[ix] Parikh MS, Shen R, Weiner M, Siegel N, Ren CJ. Laparoscopic bariatricsurgery in super-obese patients (BMI>50) is safe and effective: a review of 332 patients. Obes Surg. 2005 Jun-Jul;15(6):858-63
[x] Chapman AE, Kiroff G, Game P, Foster B, O’Brien P, Ham J, Maddern GJ. Laparoscopic adjustable gastric banding in the treatment of obesity: a systematic literature review. Surgery 2004;135:326-351

Kostenfrage

(2009)

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Rechtsanwalt Dieter Möhler

„Therapiehinweis“ Ezetimib

Therapiehinweis schadet der Gesundheit von Diabetikern

Therapiehinweise sollen insbesondere bei hochpreisigen Wirkstoffen oder Therapieprinzipien das Wirtschaftlichkeitsgebot konkretisieren. Therapiehinweise müssen von den Vertragsärzten (der gesetzlichen Krankenkassen) beachtet werden. Ezetimib wird zur Senkung von erhöhten Blutfettwerten eingesetzt, wenn die Behandlung mit einem Statin nicht ausreicht. In diesen Fällen wird Ezetimib zusätzlich zum Statin eingesetzt.

Der am 17.12.2009 dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Entscheidung vorliegende Therapiehinweis zu Ezetimib lässt die Verordnung des Cholesterinsenkers nur noch in seltenen Fällen zu. Typ-2-Diabetiker mit zu hohen Cholesterinwerten gehören zu der Patientengruppe, deren Therapie durch diesen Therapiehinweis eingeschränkt wird. Ein nicht konsequent behandelter Cholesterinwert lässt gerade bei Typ-2-Diabetikern das sowie so erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko noch einmal steigen.

„Dies wird billigend in Kauf genommen“, sagt Rechtsanwalt Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes. Er beantragt, den Therapiehinweis nicht in die Arzneimittelrichtlinie aufzunehmen. „Juristisch ist es möglich, dass so genannte themenbezogene Vertreter schriftlich Anträge einreichen“, erläutert Möhler. Der Antrag des Deutschen Diabetiker Bundes ist der erste, der jemals von einer Patientenorganisation im Bezug auf die Arzneimittel-Richtlinie gestellt wurde. Die Erweiterung der Anlage 4 der Arzneimittel-Richtlinie soll verhindert werden. Sollte jedoch der Therapiehinweis zu Ezetimib vom Gemeinsamen Bundesausschuss in die Richtlinie aufgenommen werden, können nur noch wenige Patienten das blutfettsenkende Medikament Ezetimib von ihren Ärzten verschrieben bekommen.

Patienten mit einer schweren Fettstoffwechselstörung – eben Typ-2-Diabetiker – sind von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen. „Im Regen stehen dann Diabetiker, die auf die Standardbehandlung mit Statinen nicht ausreichend ansprechen, das heißt, die (inter)national empfohlenen Cholesterinwerte nicht erreichen.“ Daher beantragt Dieter Möhler, diesen Therapiehinweis ersatzlos zu streichen.

Rechtliches

„Gegen den Therapiehinweis sprechen verfahrensrechtliche Argumente“, erläutert der DDB-Vorsitzende und Rechtsanwalt, „vor allem aber die Tatsache, dass dieser Therapiehinweis wie ein Verordnungsausschluss wirkt“. Das entspricht weder dem Sinn von Therapiehinweisen noch dem in der Zulassung erteilten Anwendungsgebiet des Medikaments. „Einerseits wird beklagt, das deutsche Gesundheitswesen schneide im europäischen und internationalen Vergleich zunehmend schlechter ab. Andererseits entfernt man sich mit der Verabschiedung solcher Therapiehinweise immer weiter von internationalen medizinischen Qualitätsstandards.“

Für den Fall, dass der Antrag auf Streichung des Therapiehinweises abgelehnt wird, legt Möhler vorsichtshalber gleich nach und fordert, den Text so abzufassen, dass die Behandlung mit Ezetimib „… Patienten mit schweren Fettstoffwechselstörungen (zum Beispiel Diabetikern) vorbehalten (bleibt), die … ein hohes Risiko für Ereignisse (wie Herzinfarkt oder Schlaganfall) haben. Möhler: „In dieser Sache muss sich der DDB für die berechtigten Interessen von Diabetikern und ihren Angehörigen einsetzen.“

Initiative

(2009)

Zukunft Ernährung

„Essen wir uns zu Tode?! – Initiative ist gefragt!“ Hochkarätiger Beirat stärkt neue Initiative „Zukunft Ernährung e. V.“

Wir lügen uns Tag für Tag in die Tasche, zumindest wenn es um unsere Ernährung geht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Infratest-Umfrage, die die neue Initiative „Zukunft Ernährung e. V.“ in Auftrag gegeben hat. 85% der deutschen Erwachsenen sind fest davon überzeugt, sich gesund zu ernähren. Dies steht im deutlichen Gegensatz zur Realität. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Experten aus Medizin, Wissenschaft und Lifestyle wurden diese Erkenntnisse diskutiert. Dabei wurden auch die Visionen und Ziele der Initiative „Zukunft Ernährung e. V.“ in München vorgestellt.

Herzinfarkt, Diabetes mellitus, Adipositas und Krebs

Das stetig steigende Aufkommen von Zivilisationskrankheiten macht nur zu deutlich: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Das bestätigt auch Prof. Dr. Dr. Karlheinz Schmidt, wissenschaftlicher Beirat der Initiative Zukunft Ernährung: „Die Multimorbidität (Mehrfacherkrankung) im Alter und der damit verbundene Pflegenotstand werden uns überrollen, wenn wir nicht unseren Lebensstil, d. h. Ernährung und körperliche Aktivität im Sinne der Krankheitsprävention ändern.“ Nach den Erfahrungen des Vorstandvorsitzenden der IPO (International Prevention Organization) essen wir nämlich im Hinblick auf den Energieverbrauch nicht nur zuviel, sondern auch das Falsche. So werden trotz aller Aufklärung die empfohlenen Tagesmengen an Obst und Gemüse unterschritten. Rund Dreiviertel aller Männer und Frauen sind unzureichend mit Folsäure und Vitamin D versorgt, daher kann man hier getrost von einer Unterversorgung sprechen.

Keine Lust, keine Zeit, kein Geld

Zeitnot, Geschmacksvorlieben, magelnde Motivation und zu hohe Kosten werden laut Infratest als Gründe für eine ungesunde Ernährung angegeben. „Der hohe Zeitaufwand kann kein Argument sein,“ betont Starkoch Holger Stromberg, der die Initiative ebenfalls als Beirat unterstützt. Für Ernährungsspezialistin Dr. med. Stephanie Grabhorn sind die in der Befragung genannten Argumente keine Überraschung. „Neben den Genen bestimmen nämlich Verhaltensmuster, die uns schon in frühester Kindheit antrainiert wurden, unser Essverhalten,“ weiß sie.

Rationale Entscheidungen beeinflussen nur sehr geringfügig die Lebensmittelauswahl. Dr. Grabhorn: „Deswegen ist es so schwierig, das Essverhalten eines Erwachsenen langfristig zu verändern.“ Die oberflächlichen Informationen aus den Medien, mit denen sich die meisten Deutschen über Ernährungsfragen informierten, könnten kein tiefergehendes Grundverständnis in ernährungsphysiologische Zusammenhänge vermitteln, kritisiert die Expertin.

„Preiswürdiges“ Engagement

Angesichts der bedenklichen Entwicklung gibt es bereits verstärkt staatliche Initiativen. Aber auch persönliches Engagement ist gefragt. So rief der Unternehmer Dr. Kristian Glagau die Initiative Zukunft Ernährung e.V. ins Leben. Unterstützt von hochkarätigen Experten aus Medizin, Wissenschaft, Sport und Lifestyle hat sie sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für die Bedeutung einer gesunden Ernährung zu schärfen. „Wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich Ernährungsmedizin wollen wir ebenso fördern wie alltagstaugliche Lösungsvorschläge,“ erklärt der Gründer der Initiative Dr. Kristian Glagau.

Herausragende Leistungen und Projekte aus dem Bereich Ernährung und Gesundheitsförderung werden künftig in besonderem Maße gewürdigt und mit dem neuen Award Zukunft Ernährung ausgezeichnet. Dieser ist mit 10.000 EUR dotiert und wird jährlich verliehen. Regelmäßige Foren „Zukunft Ernährung“ sollen den interdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaftlern, Medizinern, Ernährungsexperten und der breiten Öffentlichkeit anregen. Auch bestehendes Engagement wird unterstützt. So spendet die Initiative Zukunft Ernährung pro Beiratsmitglied (aktuell 16 Beiratsmitglieder) jährlich 1.000 EUR für gemeinnützige Projekte.

Informationen zur Initiative und ihren Projekten: www.zukunft-ernährung.de

Übergewichtsrisiko verringern

(2009)

Übergewicht bei Kindern von Müttern mit Typ 1 Diabetes vorbeugen

Ergebnisse der BABYDIAB-Studie von der Forschergruppe Diabetes der TU München und dem Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München

Eine Typ 1 Diabetes-Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft erhöht nicht per se das Risiko der Kinder, später Übergewicht zu entwickeln. Vielmehr beeinflussen Faktoren, die mit einem mütterlichen Typ 1 Diabetes in Zusammenhang stehen, den Gewichtsverlauf der Kinder. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler von der Technischen Universität München und dem Helmholtz Zentrum München bei einer Auswertung der BABYDIAB Studie. Untersucht wurde die Gewichtsentwicklung bis zum Alter von acht Jahren bei Kindern, die eine Mutter mit Typ 1 Diabetes haben im Vergleich zu Kindern einer nicht-diabetischen Mutter.

Aus einer früheren Auswertung der BABYDIAB Studie ist bereits bekannt, dass Kinder von Müttern mit Typ 1 Diabetes häufiger mit einem erhöhten Geburtsgewicht zur Welt kommen. Außerdem ergab eine Auswertung von Daten zweier Studien des Instituts für Diabetesforschung und des Forschungsinstituts für Kinderernährung, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes ihre Nachkommen seltener und kürzer stillen. Beide Faktoren erhöhen das Risiko der Kinder, später übergewichtig zu werden. Die Ergebnisse der BABYDIAB Studie weisen daraufhin, dass Mütter mit Typ 1 Diabetes der Entwicklung von Übergewicht bei ihren Kindern vorbeugen können: Zum einen sollen sie versuchen, die Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft zu optimieren, damit das Geburtsgewicht des Kindes im Normbereich bleibt. Anzustreben ist ein HbA1c zwischen 5,7% und 7%. Zum anderen sollten schwangere Frauen mit Typ 1 Diabetes ermutigt und unterstützt werden, ihre Babys entsprechend den Empfehlungen der nationalen Stillkommission zu stillen. Das bedeutet, dass Mütter ihre Kinder bis zu sechs Monate voll stillen und mit der Einführung der Beikost nicht sofort abstillen sollten.

Literatur
Hummel S, Pflüger M, Kreichauf S, Hummel M, Ziegler AG. Predictors of Overweight during Childhood in offspring of Parents with Type 1 Diabetes. Diabetes Care, 2009
Schoen et al. Breastfeeding Duration in Families with Type 1 Diabetes Compared to Non-Affected Families: Results from BABYDIAB and DONALD Studies in Germany Breastfeeding Medicine 2008, Volume 3, Number 3: 171-175
Hummel S, Winkler C, Schoen S, Knopff A, Marienfeld S, Bonifacio E, Ziegler AG. Breast feeding habits in families with type 1 diabetes. Diabet Med 2007, 24: 671-676
Hummel M, Marienfeld S, Huppmann M, Knopff A, Voigt M, Bonifacio E, Ziegler AG. Fetal growth is increased by maternal type 1 diabetes and HLA DR4-related gene interactions. Diabetologia 2007, 50: 850-858

Risikofaktor Übergewicht

(2009)

Die Deutschlandkarte der Dicken

Beim Übergewicht gibt es ein Gefälle von Nordost nach Südwest. Ausnahmen bilden die Stadtstaaten.

Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 weist nahezu jede/r zweite Deutsche auf. Jede/r vierte hat sogar eine Adipositas mit einem BMI von 30 oder mehr. Das bestätigen Daten des „German Metabolic and Cardiovascular Risk Project“, einer repräsentativen Querschnittsstudie mit nahezu 36000 Hausarztpatienten. Noch kritischer als einen überhöhten BMI beurteilen Ernährungsexperten heute einen dicken Bauch, der auf eine Zunahme des Eingeweidefettes hinweist. Problematisch wird es bei einem Taillenumfang von mehr als 102 Zentimetern bei Männern und mehr als 88 Zentimetern bei Frauen. Diese »Stammfettsucht« liegt schon bei fast 40 Prozent aller Patienten in deutschen Wartezimmern vor. Sie geht besonders häufig mit Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Regionales Nord-Süd-Gefälle

Um regionale Betreuungsprogramme durch Ärzte zu organisieren, wurden die Studiendaten nach Bundesländern ausgewertet. Dabei zeigte sich: Die Pfunde sind in der Republik sehr ungleich verteilt. Tendenziell steigt das Körpergewicht von Südwest nach Nordost. Ausnahmen bilden wie „Inseln“ die Stadtstaaten. Mit fast 40 Prozent der Bevölkerung leben die meisten Übergewichtigen in Thüringen. Berliner überschreiten die BMI-Grenze von 25 „nur“ zu 31 Prozent. Die meisten Fettleibigen finden sich mit 28,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. In Bremen haben sie nur einen Anteil von knapp 20 Prozent an der Bevölkerung. Das regionale Gefälle besteht auch beim Taillenumfang. Extreme Werte fanden die Forscher mit 42,1 Prozent am häufigsten in Sachsen-Anhalt, am seltensten in Hamburg mit 30,5 Prozent. In allen Bundesländern haben Frauen häufiger Gewichtsprobleme als Männer.

Vermeidbarer Risikofaktor Nummer 1

„Übergewicht und Fettleibigkeit zählen zu den wichtigsten vermeidbaren und vorzubeugenden medizinischen Problemen der Gegenwart“, kommentiert diese Zahlen Professor Dr. med. Hans Hauner vom Lehrstuhl für Ernährungsmedizin der TU München. Menschen mit Übergewicht riskieren Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen oder Schlaganfall. Etwa die Hälfte aller Neudiagnosen eines Typ-2-Diabetes stellen Ärzte bei Menschen mit einem BMI über 30. Fast ein Fünftel der Patienten hat bei Diagnose sogar einen BMI von über 35. Fettleibige bedürften deshalb medizinischer Behandlung.

Blutzuckerselbstkontrolle

(2009)

Teuer und nicht sexy

Technisches, Praktisches und Erstaunliches erfuhren die Teilnehmer eines Symposiums zur Blutzuckermessung im Rahmen der DDG-Herbsttagung in Berlin. So unter anderem, dass es ein solches Symposium auf dem EASD-Kongress nicht gab – trotz jährlicher Kosten von 700 Millionen Euro.

Man stelle sich das einmal vor: Auf der nächsten DDG-Tagung würde statt über die Leistung bei Blutzuckersenkung und Ereignisvermeidung über die Farbe der Tablette diskutiert werden – undenkbar. Für den Bereich der Blutzuckermessgeräte scheint Prof. Dr. med. Lutz Heinemann dies nicht für komplett ausgeschlossen zu halten, denn gleich zum Beginn des von ihm moderierten Symposium „Blutzuckermessung – Magie der Zahlen“ auf der DDG Herbsttagung drückte er seine Freude aus, „dass man sich weniger über die Farbe des Gehäuses unterhält denn über die Güte der Messung.“

Das von Menarini Diagnostics unterstützte Symposium informierte in drei Vorträgen über den richtigen Zeitpunkt, das richtige Messgerät und den richtigen Wert der Blutzuckermessung – und wie sehr sich die Koryphäen der Szene über eine solche Veranstaltung freuen, zeigt, dass das Thema im Alltag des Medizinbetriebs wohl wirklich ein wenig abseits steht.

Wann misst man postprandial?

Dr. med. Guido Freckmann vom Ulmer Institut für Diabetes-Technologie versuchte eine Antwort auf die Frage, wann man postprandial den Blutzucker messen sollte. Noch vorher müsse man aber wissen, welche postprandialen Werte man denn erreichen will, sonst könne man die Messung auch weglassen, warnte Freckmann.

Seine Gruppe hat dazu Untersuchungen an 24 Gesunden gemacht, die Standardabweichung des Werts sei bei Gesunden zwei Stunden nach einer Mahlzeit am geringsten, sein Maximum erreiche der Blutzucker bei ihnen zwischen 35 und 55 Minuten nach dem Essen. „Was sehr einheitlich ist, ist dass Gesunde rasant hoch und rasant runter gehen“, die höchsten Werte lagen um die 160. Bei gleicher Mahlzeit waren in entsprechenden Versuchen an Diabetikern die Blutzucker-Ausschläge nach dem Frühstück am höchsten, hier sei sogar bei kurzwirksamen Analoga ein Spritz-Ess-Abstand ratsam, so Freckmann. Nach seiner Erfahrung kann man mit Messungen vor dem Essen sowie eine, zwei und dreieinhalb Stunden nach der Mahlzeit die Blutzucker-Kurve ähnlich gut erfassen wie mit kontinuierlichen Glukose-Messsystemen. Für Maxima sei der Ein- oder Eineinhalb-Stunden Wert wahrscheinlich besser als der Zwei-Stunden-Wert, fasste er die Ergebnisse zusammen.

Messbare Erfolgsgeschichte

Über den „bunten Zoo“ der Blutzuckermessgeräte und die vielfältigen möglichen Einflussfaktoren auf deren Genauigkeit referierte der Labormediziner Dr. med. Christoph Niederau aus Dortmund. Als „gute Nachricht“ und „schönen Erfolg“ bezeichnete er die Entwicklungsgeschichte der Patientengeräte, deren Variationskoeffizienten seien „gut akzeptabel“. Unter den zahlreichen potentiellen Einflussfaktoren auf die Güte der gesamten Blutzucker-Messung hob Niederau Grundlegendes wie durch zu starkes Drücken bei Blutgewinnung hinzukommendes Gewebswasser hervor, aber auch eher Unbekanntes wie die in allen Beipackzetteln zu Messgeräten zu findende Warnung vor einem eingeschaltetem Handy in der Nähe des Geräts wegen elektromagnetischer Strahlung.

Auch eine Anekdote am Rande erzählte der Dortmunder Mediziner zum Thema Einflussfaktoren: Ein Hersteller von Messgeräten evaluiere seine Produkte zum Beispiel in den peruanischen Anden, da dort ein niedriger Sauerstoff-Partialdruck und Menschen mit einem hohen Hämatokrit zusammen vorzufinden sind. Eine gute Schulung, so der Labormediziner zum Schluss, sei aber ein viel beeindruckenderer Faktor als alle technischen Details für die Messgenauigkeit: Niederau zeigte eine Studie von Skeie und Kollegen, in der von Patienten aufgenommene Messreihen mit denen des technischen Personal verglichen wurden; die Werte der Fachkräfte lagen deutlich näher beieinander als die der Patienten. Während die Fachkräfte in der Studie zwischen 0 und 20 Prozent über dem mit einer Referenzmethode gemessenem Wert lagen, streuten die Patienten zwischen plus und minus 40 Prozent.

Wenig Daten

Heinemann selbst wies in seinem Vortrag mit dem Untertitel „Sind alle Messgeräte gleich?“ darauf hin, dass man bei einer Recherche nach Studien zum Thema Blutzuckermessung kaum Publikationen findet. Einige Fragestellungen, die er gerne einmal beantwortet hätte, nannte der Düsseldorfer Diabetestechnik-Experte:

  • Wie hoch ist die dem verwendeten Enzym und anderen Herstellungsfaktoren geschuldete Variabilität zwischen den verschiedenen Chargen der Teststreifen, auch jetzt in der Ära „ohne Codierung“?
  • Wie verändert sich die Leistung mit der Lebensdauer der Geräte?

Auch eine Clamp-Studie mit Blutzuckermessgeräten wünscht Heinemann sich, da gerade deren Richtigkeit und Präzision bei einem definiertem Glukosewert unter- und oberhalb des üblichen Bereichs 80 bis 200 mg/dL interessant seien. „Das Thema Blutzuckermessung ist nicht sexy genug“, fasst er die Lage zusammen, auf dem letztjährigen EASD-Kongress in Rom habe es zum Beispiel keine einzige Session zu diesem Komplex gegeben – bei rund 700 Millionen Euro Kosten in Deutschland im Jahr sei das erstaunlich.

Er wies auch darauf hin, dass mitnichten alle in Deutschland auf dem Markt befindlichen Geräte die Iso-Norm 15197 erfüllen müssen, lediglich ein CE-Zeichen ist Pflicht. Heinemann plädierte für einen Führerschein für Blutzuckermessgeräte, ganz wie beim Auto mit Theorie- und Praxis-Teil, inklusive dem Thema „Was tue ich mit dem Wert?“. Ein Plädoyer anderer Art erwartet Heinemann auch demnächst: Gerüchteweise komme der Iqwig-Vorbericht zur Blutzucker-Selbstkontrolle Anfang 2009.

Stiftung Dianiño

(2009)

Diabetes-Nanny: nötig oder unnötig?

Professor Borkenstein, Universitätskinderklinik Graz

Ein bisher gesundes Kind wird zunehmend müde, verliert an Gewicht, hat viel Harn und viel Durst und wird aus diesem Grund beim Arzt vorgestellt. Die Diagnose lautet „Diabetes mellitus“ und Eltern und Kind wird mitgeteilt, dass eine lebenslange Behandlung mit Insulin nötig sein wird. Verständlicherweise ist diese Diagnose häufig für die Eltern, aber auch für das Kind ein Schock.

Man will die Diagnose Diabetes mellitus nicht wahrhaben und kann sich mit der Erkrankung nicht identifizieren. Die Erstbehandlung erfolgt meistens stationär in einer dafür eingerichteten Abteilung für Kinder und Jugendliche. Neben der Therapie der akuten Stoffwechselentgleisung und der Initiierung der folgenden Dauertherapie der diabetischen Stoffwechsellage beginnt durch ein Diabetesteam eine ausführliche Schulung von Eltern und Patienten, um das nötige Wissen zu vermitteln, damit Selbstkontrolle und Selbsttherapie ermöglicht werden.

Daneben spielen psychosoziale Aspekte eine große Rolle. Die Annahme und Verarbeitung der schockierenden Diagnose muss unterstützt werden. – Wie auch immer, irgendwann einmal kommt der Moment, wo das Kind wieder ins häusliche Milieu zurückkehrt und die Therapie dort durch die Familie und das Kind durchgeführt werden soll. Die Phasen der Krankheitsbewältigung laufen sehr individuell ab und nicht immer gelingt es den Beteiligten, zur Phase der Akzeptanz und des Annehmens zu finden. Häufig sind Kind und Familie, oft aber auch die sonstigen Betreuenden durch die Probleme mit der Erkrankung inhaltlich, zeitlich und im Detail überfordert. Dies betrifft nicht nur den medizinischen Teil (z. B. Blutzuckerbestimmung, Insulininjektion, Insulinanpassung, Diätanpassung …), sondern vor allem auch die psychosozialen Aspekte (Berufstätigkeit der Mutter, Kindergartenplatz, Schulbesuch, finanzielle Aspekte …).

Die im Jahr 2004 von Frau Ingrid Pfaff und MitarbeiterInnen gegründete Stiftung DIANINO hat es sich zur Aufgabe gemacht, Familien bei diesen Belastungen schnelle und praktische Unterstützung zu leisten. Die dafür etablierte Hilfe ist: Die Diabetes-Nanny

Wer kann eine Diabetes-Nanny werden, was sind deren Aufgaben?

Diabetes-Nanny kann werden, wer über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen mit dem Typ I Diabetes verfügt und bereit ist, ehrenamtlich zu arbeiten und in betroffene Familien, aber auch in Kindergärten, Schulen zu gehen und dort zu helfen. Die Unterstützung ist kann sehr unterschiedlich sein und umfasst ein großes und breites Spektrum: medizinische Probleme, Probleme im Handling der Erkrankung, Betreuungsprobleme, Integrationsprobleme, um nur einige wichtige Aspekte zu nennen. Je nach Problem ist auch die Dauer, welche die Diabetes-Nanny in den entsprechenden Familien verbringt bzw. den entsprechenden Familien zu Hilfe steht, durchaus unterschiedlich lang. Wichtig für die Familie ist, dass diese Hilfe schnell und unkompliziert zur Verfügung steht und dass der Familie dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Derzeit sind für die Stiftung Dianiño 50 Diabetes-Nannies kontinuierlich im Einsatz. Ca. 15% davon haben selbst ein oder mehrere Kinder mit Typ I Diabetes. Fast 80% kommen aus dem Bereich Kinderkrankenpflege, Diabetologie bzw. sind Kinderkrankenschwestern und DiabetesberaterInnen. Ungefähr 20% der Hilfsmaßnahmen betreffen die Diabetesbehandlung an sich (z. B. Insulininjektion, Anpassung, Selbstkontrolle). Der Rest betrifft Schulungsmaßnahmen (z. B. in Kindergarten und Schule) sowie Arbeiten im sozialen und organisatorischen Bereich. Besonders hingewiesen werden soll auf den hohen Anteil der Hilfeleistungen für Familien mit Migrationshintergrund (fast 15%).

Unterdessen sind bereits an die 300 Hilfseinsätze von Diabetes-Nannies durchgeführt worden, die von den betroffenen Familien, aber auch den Betreuenden durchweg positiv beurteilt werden. Wenn auch durch Diabetes-Nannys sicherlich nicht alle Probleme lösen können, die aus der unterschiedlich empfundenen Belastung durch die Erkrankung entstehen, so tragen diese Einsätze doch ohne Zweifel sehr dazu bei, dass sowohl die Krankheitsbewältigung an sich, als auch Probleme in der Therapie und in der Betreuung des Diabetes mellitus sowohl medizinischer als auch psychosozialer Art sehr positiv beeinflusst werden können.

Der Stiftung Dianiño ist für diese Initiative sehr zu danken und für die weitere Arbeit viel Erfolg zu wünschen!

Rheinland weltweit führend

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Fußnetz ausgeweitet

Fortschritt für Diabetiker: Das Fußnetz wurde ausgeweitet. Das Rheinland ist weltweit führend in der Versorgung von Patienten mit diabetischem Fußsyndrom.

Das Konzept ist so erfolgreich, dass es zum 1. April 2009 auf ganz Nordrhein ausgeweitet wurde. „Damit ist das Rheinland mit seinen 9,6 Millionen Einwohnern die weltweit größte Region, in der Patienten mit dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) in einer Netzwerkversorgung behandelt werden“, betont Dr. Dirk Hochlenert vom BdSN. Im Fußnetz, das 2005 in Köln, Düsseldorf und Leverkusen gegründet wurde, arbeiten Ärzte, Pflegedienste, Schuhmacher und Podologen (spezielle Fußpfleger mit zweijähriger Ausbildung) zusammen, um Diabetikern, die unter dem diabetischen Fußsyndrom (DFS) leiden, möglichst schnell und umfassend zu helfen. Insbesondere kooperieren ambulant und stationär tätige Diabetologen, Chirurgen, Gefäßspezialisten und Radiologen ohne lange Wege und Wartezeiten erfolgreich in der spezialisierten Wundbehandlung. Alle Patienten, die an der Netzwerkversorgung teilnehmen, führen eine Befundmappe mit allen wichtigen Unterlagen zu ihrer Behandlung mit sich, die sie den beteiligten Ärzten, Pflegern oder Schuhmachern vorlegen können. „So sind alle Beteiligten über die einzelnen Behandlungsschritte informiert und die Patienten werden aktiv mit einbezogen“, erklärt Dr. Hochlenert.

Diabetisches Fußsyndrom meist bei Typ-2-Diabetikern

Bei dieser Erkrankung bilden sich Geschwüre oder Ermüdungsbrüche am Fuß. Ursache für das DFS sind meist Durchblutungsstörungen und/oder ein vermindertes Schmerzempfinden infolge von Nervenschäden aufgrund des Diabetes. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 230.000 Menschen am Diabetischen Fußsyndrom, bei 30.000 Patienten führt die Krankheit zur Amputation von Zehen, Füßen oder dem ganzen Bein. Durch das Fußnetz kann das DFS effizienter behandelt werden. Dank der Netzwerkversorgung wird die Wahrscheinlichkeit einer Amputation auf 25 Prozent im Vergleich zur Versorgung außerhalb des Netzes gesenkt. Außerdem kommt es dank des Netzwerkes zu weniger Krankenhausaufenthalten, einer verringerten Sterblichkeitsrate sowie weniger Krankschreibungen. Und: Weniger Menschen müssen in ein Altenheim umziehen.

Dr. Hochlenert hofft, dass auch Patienten außerhalb des Rheinlandes künftig in Fußnetzen versorgt werden: „Wir haben hier wirklich sehr gute Erfolge erzielt und hoffen, anderen mit diesem Projekt Mut machen zu können.“

Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung Diabeteskranker weiter zu verbessern.

Potenzprobleme

(2009)

Potenzprobleme – Vorboten des Infarkts

Potenzprobleme weisen auf Gefäßschäden hin, die Jahre später zum Herzinfarkt führen können.

Lässt bei älteren Männern die Fähigkeit zur Erektion nach, kann dies ein erstes Anzeichen für Gefäßschäden im ganzen Körper sein. Die Betroffenen sollten sich deshalb vom Spezialisten untersuchen lassen, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Eine Ursache – viele Erkrankungen

Erektionsstörungen und Herzkreislauferkrankungen haben viel gemeinsam: Sie nehmen im Alter zu und treten häufiger bei Diabetikern, Rauchern und Männern mit hohem Blutdruck oder hohen Cholesterinspiegeln auf. Das deutet auf die gemeinsame Wurzeln hin, eine zunehmende Funktionsstörung des Endothels. Diese hauchdünne Zellschicht ist nicht, wie man früher glaubte, bloß eine „Tapete“, die die Blutgefäße von innen auskleidet. Das Endothel und sein Signalgeber, das Stickstoffmonoxid, halten den Blutfluss aufrecht. Sie stellen die Gefäße weit, regulieren die Blutgerinnung und halten Ablagerungen fern. Das gilt für die Herzkranzgefäße, wo ein Herzinfarkt entstehen kann, genauso wie für die so genannten Helixarterien, durch die das Blut in die Schwellkörper des Penis fließt.

Potenzprobleme als Vorboten für Herz-Kreislauferkrankungen

Interessanterweise gehen Erektionsstörungen den Herz-Kreislauferkrankungen, der häufigsten Todesursache, meist um Jahre voraus. In einer an der Universität des Saarlandes durchgeführten Studie berichteten vier von fünf Patienten mit zunehmender Herzschwäche über Potenzstörungen, deren Beginn bis zu sieben Jahre zurücklag. „Erektile Dysfunktion ist eindeutig ein Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen“, so Studienleiter Prof. Böhm. Deshalb sollten betroffene Männer das Problem nicht alleine mit Potenzpillen „kurieren“, sondern regelmäßig die Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen überprüfen lassen: Blutzucker, Blutdruck, Blutfette, Belastbarkeit des Herz-Kreislaufsystems usw. Der Vorsorgecheck beim Hausarzt deckt diese Risikofaktoren mühelos auf.

Blutdrucksenker als Potenzmittel?

Therapeutisch kommen nach diesen Befunden Wirkstoffe, die die Endothelfunktion verbessern, womöglich auch zur Behandlung von Potenzproblemen infrage. Normalerweise werde beispielsweise ACE-Hemmer und Sartane (letztlich Hemmstoffe des Eiweißes Angiotensin II) gegen hohen Blutdruck und bei Herzinsuffizienz verordnet. Man weiß, dass Angiotensin II nicht nur den Blutdruck steigert, sondern auch nach dem Geschlechtsverkehr den Penis erschlaffen lässt. Im Tierexperiment kann Angiotensin II eine Erektion verhindern – es sei denn, die Tiere wurden zuvor mit Angiotensin-II-Hemmstoffen behandelt. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartane) sind kürzlich in größeren Studien an Patienten mit Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen verglichen worden. Derzeit wird ausgewertet, ob sich bei den Teilnehmern auch eine eventuell vorhandene erektile Dysfunktion gebessert hat. Ein nächster Schritt wäre zu prüfen, ob sich die Medikamente gezielt gegen Potenzstörungen einsetzen lassen. Doch heute ist das noch Zukunftsmusik.