News-Archiv: 2009

Metformin

(2009)

Wirkstoff des Monats: Metformin

Normalisiert überhöhten Blutzuckerspiegel

Diabetes Typ II ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit in Deutschland und weltweit. Bei dieser Krankheitsvariante sinkt die Empfindlichkeit des Körpers auf das „Anti-Zucker-Hormon“ Insulin. Die daraus relutierende Folge ist ein überhöhter Blutzuckerwert. Die Erkrankung beruht in der Regel auf einem ungesunden Lebenswandel, sie trifft vor allem Menschen mit Übergewicht.

Während sie früher meist erst im Erwachsenenalter auftrat, leiden heute auch immer mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ II. Häufig verläuft der Diabetes Typ II in der Anfangsphase ohne Symptome. Erste Anzeichen können ständige Müdigkeit oder eine Verschlechterung des Sehvermögens sein. Die Überzuckerung des Blutes führt zu Veränderungen der Blutgefäße, die ihrerseits gravierende Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme und Nervenschäden auslösen können.

Die ersten und wichtigsten Therapiemaßnahmen bei einem Diabetes Typ II sind Gewichtsreduktion und Sport. Sinken die Blutzuckerwerte dadurch jedoch nicht ab, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Meist ist Metformin das Mittel der Wahl. Metformin normalisiert den Blutzucker, indem es an mehreren Stellen in dessen Stoffwechsel eingreift: Er reduziert die körpereigene Zuckerproduktion in der Leber, er erhöht die Sensibilität des Muskel- und Fettgewebes für Insulin und er verhindert die Aufnahme von Zucker aus dem Darm in das Blut. Metformin verringert den Blutzuckerspiegel durchschnittlich um 20%.

Bei Metformin besteht keine Gefahr einer gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie). Zu seinen unerwünschten Wirkungen gehören insbesondere Übelkeit, Blähungen, Durchfall und ein metallischer Geschmack im Mund. Eine sehr seltene, aber äußerst schwerwiegende Komplikation ist die Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure. Da Metformin bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht angewendet werden darf, ist der Wirkstoff bei älteren Patienten meistens kontraindiziert. Metformin wird sowohl als Monopräparat als auch in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten verwandt.

Metformin kam im Jahr 1973 auf den deutschen Markt. Dem unabhängigen Marktforschungsinstitut INSIGHT Health zufolge liegt sein Umsatzvolumen derzeit bei 51 Millionen Euro pro Jahr. Das erste Metformin-Generikum gab es 1993. Mittlerweile entfällt auf die preisgünstigen Generika mit diesem Wirkstoff nach Umsatz ein Marktanteil von rund 95%.

www.progenerika.de/de/12583627184204766/show/publik/wirkstoff.html

DDG-DAG-Kongress Berlin 2009

(2009)

diabetes-news-prof-dr-christoph-rosak
Prof. Dr. Christoph Rosak

Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes

„Mehr als 80% der Menschen mit einem Typ 2 Diabetes sind übergewichtig“. Deshalb beschäftigt sich der DDG-DAG-Kongress in Berlin mit der Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes. Interview von Susan Röse mit dem Kongresspräsidenten Herrn Prof. Dr. Rosak

Herr Prof. Dr. Rosak können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Christoph Rosak. Ich bin derzeitig Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Endokrinologie/Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt. Meine internistische und endokrinologisch/diabetologische Ausbildung habe ich am Zentrum für Innere Medizin des Universtitätsklinikums Frankfurt bei Prof. Dr. Karl Schöffling erhalten. 2 Jahre Post-Doctoral-Fellowship an der University of Massachuesetts in den Vereinigten Staaten. Seit 1987 Chefarzt am Krankenhaus Sachsenhausen.

Sie sagen, dass für beide Erkrankungen die nicht pharmakologischen Maßnahmen mit Ernährungsmodifikation und Bewegungstherapie Grundlage einer jeden Behandlung sind, welche neuen Erkenntnisse gibt es auf dem Gebiet der Ernährung und der Bewegungstherapie, sollten beide nicht absolute Priorität in der Behandlung beider Krankheitsbilder haben?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre ist der Zusammenhang von Zunahme der Fettgewebsmasse und sekretorischer Aktivität des Fettgewebes. Bei zunehmendem Körpergewicht werden „entzündungsfördernde Substanzen“ wie TNF-a und Interleukin-6 gebildet, die in Kombination mit verminderter Adiponektin-Sekretion die Basis zu früher und verstärkter Atherogenese an den Gefäßwänden bilden. Diese Vulnerabilität wird durch Dislipidämie (Erhöhung der freien Fettsäuren), erhöhte Tromboseneigung (verstärkte Bildung von PAI-1) und verstärkte Angiotensinogenbildung, welche Hypertonie induziert, verstärkt. Zusammen führen diese Phänomene zu verstärkter und verfrühter Makro- und Mikroangiopathie.

Sie sagen, dass bei den pharmakologischen Strategien nicht nur neue Therapieansätze diskutiert werden, sondern deren Umsetzung und Anwendung, wie soll man sich das genau vorstellen, welches sind Ihrer Meinung nach die besten Ansätze für die Zukunft?

Die Anwendung der derzeitigen Pharmaka und von Insulin muss sich vor dem Hintergrund der ACCORD-Studie neu definieren:

  1. Voraussetzung ist eine Zielwertdefinition des HbA1c-Wertes für den individuellen Patienten.
  2. Vermeidung von Hypoglykämien
  3. Vermeidung von Gewichtszunahme

Dies wird sich nur dann realisieren lassen, wenn man den repetitiv geschulten Patienten wieder in den Mittelpunkt stellt, auf lang wirksame Sulfonylharnstoffe weitgehend verzichtet. Eine Option könnten die DPP-4-Inhibitoren und Inkretin-Mimetika sein. Patienten, die unter Humaninsulin unter Hypoglykämien leiden, sollten auf Insulinanaloga umstellt werden.

Sollte nicht die Prävention, die Früherkennung und die gesellschaftspolitische Verantwortung (frühe Aufklärung und Information, stärkerer
Verbraucherschutz), dieser beiden Krankheitsbilder stärker in den Vordergrund gerückt werden?

Die Antiraucherkampagne hat gezeigt, dass es möglich ist, einen gesellschaftlichen Trend umzukehren. Im Hinblick auf den Diabetes brauchen wir eine ähnliche multimediale Anstrengung, um die derzeitige negative Ernährungsweise in einen positiven Trend umzukehren. Dies erfordert Aufklärung und Kampagnen in den Massenmedien, bessere Kennzeichnung der Lebensmittel und Zugang zu Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen im Sinne präventiver Aufklärung und Schulung. Diese Maßnahmen sind auch bei Patienten erforderlich, die bereits medikamentös ihren Diabetes behandeln müssen.

Welche Neuheiten gibt es im Bereich der Diabetologie?

Die Erforschung der Inkretine und ihrer Stoffwechselwirkungen hat zur Entwicklung der Inkretin-Mimetika (Exenatide und Liraglutide) und der DPP-4-Inhibitoren (Sitagliptin, Vildagliptin, und Saxagliptin) geführt. DPP-4-Inhibitoren führen über die Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 zu dem verzögerten Abbau des Hormons GLP-1 und somit zu einer Erhöhung seiner Konzentration um das 2-3 fache.

Die DPP-4-Inhibitoren zeichnen sich durch eine blutzuckerdefinierte Verstärkung der Insulinsekretion bei gleichzeitiger Senkung der erhöhten Glukagonspiegel unter Vermeidung von Hypoglykämien aus. Dadurch werden Nüchternblutzucker und postprandialer Blutzucker gesenkt. Die Verzögerung der Magenentleerung bedingt eine verlängerte und verminderte Kohlenhydratanflutung nach den Mahlzeiten. Als zentraler Angriffspunkt wird das Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit eher aktiviert. Die Inkretin-Mimetika führen darüber hinaus zu einer deutlichen Gewichtsreduktion, im Mittel um 4-6 kg.

Herr Prof. Dr. Rosak wie sieht die Zukunft in der Diabetologie aus (auch in Zusammenhang mit Adipositas)?

Auf die Verstärkung der präventiven und nicht-pharmakologischen Maßnahmen wurde bereits hingewiesen. An den entstehenden Kosten müssen sich die Kostenträger entsprechend beteiligen. Pharmakotherapeutisch wird man um die Ablösung bzw. um den Einsatz der lang wirkenden Sulfonylharnstoffe nicht herumkommen, die sich durch Gewichtszunahme und eine hohe Hypoglykämierate auszeichnen. Die glukozentrische Sicht der Diabeteserkrankung wird abgelöst durch einen komplexeren Ansatz mit Behandlung der Glukose- und Fettstoffwechselstörung sowie des Hypertonus und der Adipositas.

Herr Prof. Dr. Rosak, danke für das Interview

Pressekontakt
Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

Spitzenreiter Deutschland

(2009)

Fett und Kalorien in deutschen Gerichten

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen
„Men’s Health“-Jury kürt die ungesündesten Hauptmahlzeiten und Desserts – Pfälzer Saumagen ist „das teuflischste aller Gerichte“

diabetes-news-schweinebraten Die klassische deutsche Küche strotzt vor Fett und Kalorien. Zwar hat jede Region ihre kulinarischen Eigenheiten – doch die Liebe zu deftigen Speisen vereint alle Bundesbürger. Deutschland steht auf Platz 1 der Hitliste der dicksten Menschen Europas. Gemeinsam mit einer Experten-Jury, bestehend aus dem Sternekoch Frank Buchholz aus Mainz, der Ökotrophologin Franca Mangiameli vom Kompetenzzentrum für Ernährungsberatung in Gießen und dem Men’s Health Foodredakteur Rufus Rieder, hat das Männer-Lifestylemagazins „Men’s Health“ (Ausgabe 11/2009, EVT 14.10.2009) jetzt die Sieger im Wettbewerb um die schlimmsten Hauptgerichte und Desserts aus Deutschland gekürt.

Den Experten geht es dabei allerdings nicht um den Verzicht auf die leckeren Katastrophen, sondern sie geben ihren Lesern Tipps zur effektiven Reduzierung der Kalorien. Meist sind in der Tat nur sehr geringe Änderungen des Rezeptes nötig, um aus einem kulinarischen Dickmacher ein ernährungsphysiologisch wertvolles Essen zu machen.

Mit 1.022 Kalorien und 75 Gramm Fett pro Portion liegt der berühmte Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut an der einsamen Spitze der von der Jury gekürten katastrophalen Gerichte. Diese Schweinefleisch-Spezialität aus dem Südwesten ist nach Ansicht der Experten sogar „das teuflischste aller Gerichte“ in Deutschland. Auf Platz 2 der kulinarischen Katastrophen schaffte es die nicht nur im Rheinland beliebte Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei: 1.018 Kalorien und 79 Gramm Fett pro Portion wirft die Blutwurst-Mahlzeit in die Waagschale, denn die Wurst besteht zu 70 Prozent aus reiner Schwarte. Auf Platz 3 kam das „entsetzliche Eisbein“ mit Sauerkraut und Semmelknödeln aus Deutschlands Nordosten. 991 Kalorien und 47 Gramm Fett enthält eine durchschnittliche Portion dieser zumindest für die Gesundheit fragwürdigen Spezialität. Dabei ist die Entschärfung der Kalorien-Bomben überhaupt kein Kunststück. Bratkartoffeln kann man durch fettlos im Ofen gebackene Kartoffeln ersetzen, Kartoffelbrei schmeckt auch ohne Butter gut, mageres Fleisch gibt es in allen Varianten, und schließlich lässt sich der Zuckeranteil vieler Speisen leicht reduzieren – das gilt auch für kalorienreiche Desserts.

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen aus Deutschlands Regionen

Hauptgerichte

  1. Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut (Südwesten) – 1.022 Kalorien/75 Gramm Fett pro Portion
  2. Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei (Rheinland) – 1.018 Kalorien/79 Gramm Fett pro Portion
  3. Eisbein mit Sauerkraut und Semmelknödeln (Nordosten) – 991 Kalorien/47 Gramm Fett pro Portion
  4. Weißwurst mit süßem Senf, Brezel und Hefeweizen (Süden) – 982 Kalorien/52 Gramm Fett pro Portion
  5. Holsteiner Grützwurst mit Kartoffelbrei und Apfelkompott (Nordwesten) – 903 Kalorien/51 Gramm Fett pro Portion
  6. Schwartenmagen mit Sahnepüree, Sauerkraut und Brot (Hessen) – 696 Kalorien/34 Gramm Fett pro Portion
  7. Mutzbraten mit Brot und Sauerkraut (Südosten) – 681 Kalorien/35 Gramm Fett pro Portion

Desserts

  1. Germknödel mit Vanillesoße und Mohnzucker (Süden) – 687 Kalorien/16 Gramm Fett pro Portion
  2. Windbeutel (Nordosten) – 630 Kalorien/39 Gramm Fett pro Portion
  3. Badische Linzertorte ((Südwesten) – 501 Kalorien/28 Gramm Fett pro Portion
  4. Pfützenkuchen (Hessen) – 439 Kalorien/31 Gramm Fett pro Portion
  5. Milchreis mit Zucker und Zimt (Rheinland) – 434 Kalorien/12 Gramm Fett pro Portion
  6. Baumkuchen (Südosten) – 427 Kalorien/22 Gramm Fett pro Portion
  7. Franzbrötchen (Nordwesten) – 323 Kalorien/15 Gramm Fett pro Portion

Insulinpumpen sinnvoll bei Diabetes Typ 1 einsetzen

(2009)

Hohe Blutzuckerwerte oder gefährliche Unterzuckerungen vermeiden

Insulinpumpen sinnvoll bei Diabetes Typ 1 einsetzen

Berlin – Viele Menschen mit Diabetes Typ 1, deren Stoffwechsel sich mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) nicht ausreichend einstellen lässt, profitieren von den Vorteilen einer Insulinpumpe. Vor dem Erhalt einer solchen Insulinpumpe, muss der Krankenkasse der bisherige Verlauf der Diabetes-Erkrankung und -Therapie jedoch umfangreich dokumentiert werden. Erst dann wird eine Insulinpumpe von der Krankenkasse genehmigt, oft sind aber Formfehler der Grund, weshalb Pumpen nicht genehmigt werden. Dass Ärzte diese Pumpen für sinnvoll halten wird hierbei nicht berücksichtigt. DiabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) raten daher Patienten, Eltern und Ärzten, die Anträge sehr sorgfältig und umfassend auszufüllen. Mehr zum Erhalt und Beantragung der Pumpe ist als Schwerpunktthema in der Fachzeitschrift „Der Diabetologe“ zu finden.

Treten trotz aller Anstrengungen bei den Patienten hohe Langzeitblutzuckerwerte sowie häufiger Unterzucker oder das Dawn-Phänomen ( hohe Blutzuckerwerte am frühen Morgen ) auf, sollte sich der Arzt für eine Insulinpumpentherapie entscheiden. Langfristigen Schäden und auch kurzfristigen lebensgefährlichen Normabweichungen kann dadurch sinnvoll vorgebeugt werden. Die Verordnung einer Insulinpumpe wird vorab vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen ( MDK ) geprüft. Wie bereits angesprochen kann jedoch aufgrund des hohen bürokratischen Aufwands der kleinste Formfehler zu einer Ablehnung des Antrags führen.

Eine Insulinpumpentherapie ist rechtlich nur dann von der Krankenkasse finanzierbar, wenn der Stoffwechsel mit der ICT unter Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten nicht ausreichend einstellbar ist. Der MDK erstellt anhand genauer ärztlicher Dokumentationen der Erkrankung und der medizinischen bereits angewandten Maßnahmen ein umfassendes Gutachten. Auch der Patient muss seine Bemühungen, den Blutzucker durch eine ICT kontrolliert zu haben durch ein zwölf Wochen geführtes Blutzuckertagebuch nachweisen können. Ein Blutzuckertagebuch enthält Informationen über, enthält täglich gemessene Blutzuckerwerte, Insulindosis, durch die Nahrung aufgenommene Brot- oder Kohlenhydrateinheiten, sportliche und besondere körperliche Aktivitäten sowie akute Erkrankungen.

Wird der Antrag vom MDK genehmigt, erhält der Patient zunächst probeweise eine Insulinpumpe für die Dauer von 4 Monaten. Eine ICT für den Erhalt einer Insulinpumpe ist im Säuglings- und Kleinkindalter nicht notwendig. Ein Nachweis über die Motivation und den Umgang mit der Insulintherapie der Eltern sowie die Dokumentation der bisherigen Therapie ist bei älteren Kinder erforderlich. Neben der Dokumentation der bisherigen Therapiemethoden ist es wichtig die Notwendigkeit sowie die Fragebögen des MDK bei allen Anträgen sorgfältig auszufüllen! Eine Insulinpumpe ist derzeit überwiegend nur für Patienten mit Diabetes Typ 1 vorgesehen.

Neue Forschungsergebnisse zu Fettleibigkeit

(2009)

Nach Einschätzungen einer britischen Studie sterben stark übergewichtige Männer bis zu 10 Jahre früher

Eine neue Studie der Cass Business School zeigt, dass ein junger, stark übergewichtiger Mann mit einem Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) von über 40 bzw. einem Taille-zu-Höhe-Verhältnis (Waist to Height Ratio, WHtR) von über 0,74 vermutlich mehr als 10 Jahre, wahrscheinlich sogar an die 20 Jahre früher stirbt als ein Mann mit optimalen Werten. Diese Zahlen beziehen sich auf Nichtraucher. Die Studie beruht auf in Großbritannien erhobenen Daten und stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer geringeren Lebenserwartung her.

Für ihre Forschungsarbeit „A study into the detrimental effects of obesity on life expectancy“, die die Cass Business School gemeinsam mit dem Berufsstand der Aktuare veröffentlicht hat, führte die Schule versicherungsmathematische Berechnungen mittels BMI- und WHtR-Werten (BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]) durch, um die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die Sterblichkeitsrate zu messen.

Dr. Ben Rickayzen, Koautor der Studie und Leiter der Fakultät für Aktuarswissenschaften und Versicherungswesen an der Cass Business School sagt: „Die vorliegende Studie befasst sich mit einem Thema, das das britische Gesundheits- und Versicherungssystem sowie die Sozialpolitik in Großbritannien gleichermaßen betrifft und die jüngste Regierungspolitik in ihrer umfassenden Ernährungskampagne bestätigt. Nach neuesten Berichten der englischen Gesundheitsbehörde sind etwa 24% der Bevölkerung fettleibig. Fettleibigkeit ist ein relativ neues Phänomen. Die Medizin kann dieses durch Ernährungs- und Sportprogramme bis zu einem gewissen Grad abfangen, die höheren Gesundheitsausgaben wird jedoch die Gesellschaft tragen. Sollte die Anzahl der Fettleibigen zudem weiter steigen, rechnen die Krankenkassen mit noch größeren Belastungen, da Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zunehmen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Starke Fettleibigkeit vermindert besonders bei Männern die Lebenserwartung. Eine 30-jährige Frau mit einem BMI von 45 bzw. einem WHtR von über 0,8 stirbt durchschnittlich 13 Jahre früher. Im Vergleich zu einer Frau mit normalen Werten entspricht dies einer Verringerung der Lebenserwartung um 23%. Ein Mann stirbt im Durchschnitt 20,8 Jahre früher, was einem Verlust von 42% der ursprünglichen Lebenserwartung entspricht. Diese Ergebnisse beruhen auf einer relativ kleinen Stichprobe und sind deshalb nicht ohne Vorbehalt zu betrachten.

Selbst Männer mit nur leichtem Übergewicht haben eine verringerte Lebenserwartung! Ein 30-Jähriger mit einem BMI von 34 stirbt durchschnittlich 4 Jahre früher, eine gleichaltrige Frau mit gleichem BMI nur 2 Jahre früher. Die gute Nachricht ist jedoch, dass übergewichtige Männer und Frauen ihre Lebenserwartung steigern können, indem sie ihren BMI oder WHtR reduzieren. Beispielsweise lebt ein 30 Jahre alter Mann 2,3 Jahre länger, wenn er statt 107 nur noch 97 kg wiegt. Die Forschungsergebnisse lassen somit vermuten, dass eine einfache Gewichtabnahme die Lebenserwartung steigert.

Stoffwechsel-Gedächtnis

(2009)

Unvergesslicher Diabetes

Stoffwechsel-Gedächtnis „lernt“ schädlichen Zuckerabbau

Gelernt ist gelernt. – Was für den Schüler die Basis des Erfolgs darstellt, ist für den Zuckerkranken allem Anschein nach die Basis schlimmer Folgeerkrankungen wie Nierenversagen, Augenschäden, Nervenschäden und Herzinfarkt: Wie US-amerikanische und britische Wissenschaftler in der renommierten Fachzeitschrift „Diabetic Medicine“ berichteten, hat auch unser Stoffwechsel ein Gedächtnis.

Dieses Stoffwechsel-Gedächtnis merkt sich quasi bei erhöhten Blutzuckerspiegeln krankhafte Stoffwechselwege. Schon in einem sehr frühen Stadium des Diabetes „lernt“ der Körper schädliche Zuckerabbauwege, welche Folgeschäden an Nerven, Blutgefäßen und Organen entstehen lassen. Sind diese Prozesse einmal initiiert, laufen sie auch dann weiter ab, wenn der Blutzucker später wieder gut eingestellt ist. Als Verursacher dieses Stoffwechselgedächtnisses ist eine durch den erhöhten Blutzucker ausgelöste irreversible Verzuckerung von Eiweiß-Molekülen in den Zellen anzusehen. Durch sie wird eine Kaskade an zerstörerischen Prozessen in Gang gesetzt. Unter anderem werden toxische Zucker-Eiweiß-Verbindungen, so genannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts), gebildet, die massiv die Folgeschäden des Diabetes vorantreiben.

„Für den Diabetiker bedeutet das, dass Frühdiagnose und intensive Frühtherapie für die Prognose ganz entscheidend sind“, kommentierte die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Primäre Maßnahme ist eine konsequent gute Blutzuckereinstellung. Eine weitere Strategie gegen den folgenschweren Lernprozess des Stoffwechsels und die Begleiterkrankungen des Diabetes sehen die Autoren in einer medikamentösen Unterdrückung der AGE-Bildung.

Ermutigende Nachrichten kommen hier aus der Biofaktoren-Forschung: „Studien zeigten, dass eine Vorstufe vom Vitamin B1, das Benfotiamin, die Bildung von AGEs im diabetischen Stoffwechsel wirksam hemmt“, erklärte die GfB. Benfotiamin aktiviere nach Ausführung der Wissenschaftler von der GfB ein körpereigenes Entgiftungsenzym, das den Zuckerabbau auf einen harmlosen Stoffwechselweg leitet. Dadurch werden im Frühstadium des Diabetes die Lernvorgänge unterbunden, aber auch in einem späteren Stadium noch die zur Gefäß-, Nerv- und Organschädigung beitragenden Mechanismen verzögert. Die vitaminähnliche Substanz wird schon seit vielen Jahren erfolgreich in der Prävention und Therapie diabetischer Nervenerkrankungen (Neuropathien) eingesetzt. Experimentell konnte Benfotiamin auch diabetische Nieren- und Augenschäden verhindern.

Literatur
Diabet. Med. 24, 582-586 (2007) – Weitere Infos: www.gf-biofaktoren.de

Neuer Standard für den HbA1c-Wert

(2009)

Prozent war gestern

Künftig liegt das HbA1c-Ziel nicht mehr bei 7%, sondern bei 53 mmol/mol …

Seit nun 13 Jahren dient der HbA1c-Wert dazu, die Blutzuckereinstellung der letzten 8 bis 12 Wochen wiederzugeben. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes soll er unter 7% liegen. Künftig wird als Ziel immer öfter zu lesen sein: 53 mmol/mol. – Denn die internationalen Diabetesorganisationen haben sich auf einen neuen Standard geeinigt, der genauer sein soll und weltweit eingeführt wird. Labore, Kliniken und Praxen müssen HbA1c-Werte künftig in mmol/mol angeben. Das Ende der „Prozentrechnung“ wird schon in diesem Jahr eingeläutet, mit einer Übergangsfrist bis zum 31. März 2010. Für den Patienten ändert sich nichts, außer dass er gelegentlich umrechnen muss. Dies geschieht nach der Formel

HbA1c (mmol/mol) = (% HbA1c – 2,15) x 10,929
diabetes-news-hba1c-einheiten-rechner
Oder einfacher mit einem Rechner, der im Internet unter diabetes-news.de zu finden ist. Der Referenzbereich für Gesunde liegt zwischen 20 und 42 mmol/mol.

Neues Verfahren soll genauer sein

Es ändert sich nicht nur die Dimension „Prozent“ zu „mmol“, sondern auch das Bestimmungsverfahren der Labors. Schon bei der Einführung des HbA1c im Jahr 1996 war kritisiert worden, dass nicht exakt die Menge des verzuckerten (glykierten) Hämoglobins gemessen wird, sondern verschiedene weitere Anteile der „HbA1-Fraktion“, was zu Ungenauigkeiten führt. Das tat aber der Vergleichbarkeit der Werte keinen Abbruch. Denn alle auf dem Markt befindlichen Messgeräte wurden seither auf das selbe Messverfahren geeicht.

Das soll auch in Zukunft der Fall sein. Über die Genauigkeit des neuen Verfahrens wacht eine internationale Gruppe von Referenzlaboratorien. Der neue, von der Internationalen Vereinigung für Klinische Chemie (IFCC) erarbeitete Standard geht von einer Mischung aus unverzuckerten HbA10 und HbA1c, der wichtigsten Unterfraktion des verzuckerten Hämolobins, aus. Das Analyseverfahren soll den wirklichen HbA1c-Spiegel genauer angeben als der alte.

Prof. Dr. Sawicki als befangen entlarvt

(2009)

Entwarnung: EU-Behörde sieht derzeit keine erhöhte Krebsgefahr durch Lantus

Mit Erleichterung hat der Deutsche Diabetiker Bund die aktuelle Mitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) zur Kenntnis genommen, wonach eine erhöhte Krebsgefahr durch das Analoginsulin Glargin (Handelsname: Lantus) nicht bewiesen sei. Nach eingehender Prüfung ist der EMEA-Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass die Studien wegen methodischer Schwächen zu widersprüchlich seien und nicht zu eindeutigen Ergebnissen kommen. Um den Verdacht endgültig ausräumen zu können, sollen weitere Untersuchungen auf den Weg gebracht werden.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Rechtsanwalt Dieter Möhler, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Mitverfasser der Studie, Prof. Dr. Peter Sawicki, durch seine Veröffentlichung Panik unter den Betroffenen ausgelöst habe. Hunderte von besorgten Anrufern mussten durch die Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter des DDB beruhigt werden.

Für Dieter Möhler beantwortet sich die Frage, warum Prof. Dr. Sawicki gerade jetzt mit diesen vermeintlichen Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen ist, wie von selbst. Prof. Dr. Sawicki ist Leiter des für die Kosten-Nutzenbewertung von Arznei-mitteln zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). In dieser Funktion ist er verantwortlich für eine gerade veröffentlichte Empfehlung an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Kostenerstattungspflicht von langwirksamen Insulinanaloga (und dazu gehört Lantus) aus dem Leistungs-katalog der Krankenkassen zu streichen. Im Übrigen ist soeben der Vorbericht „Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 – Nachfolgeauftrag“ erschienen. Da Prof. Dr. Sawicki seine Empfehlungen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses abgibt, muss er sich nun den Vorwurf eines Interessenkonfliktes gefallen lassen. Es ist ein Skandal, wenn IQWiG und Prof. Dr. Sawicki an einer Studie der AOK mitwirken und gleichzeitig in diesem Institut über die Kostenerstattungspflichten von Krankenkassen entscheiden. Von Unabhängigkeit kann in einem solchen Fall keine Rede mehr sein. Damit ist er in hohem Maße befangen. Dieter Möhler fordert deshalb, die Kosten-Nutzenbe-wertungen von Prof. Dr. Sawicki in seinem Institut neu aufzurollen.

Dieter Möhler weiter: „Wir verstehen das IQWiG als Verwaltungshelfer in diesem System. Auch bei diesem, als privat geltenden Auftrag, müssen die gesetzlichen Vorgaben wissenschaftlicher Ausarbeitungen sowie alters- und lebensspezifischer Besonderheiten unbedingt berücksichtigt werden.“ Die von der EMEA vorgenom-mene Ablehnung der Studie resultiert aus dem bewussten Übergehen gerade dieser Besonderheiten. Diese objektive Tatsache erregt bei uns Betroffenen die Besorgnis, dass die IQWiG-Darlegungen in dem Abschlussbericht nicht unparteilich, sondern einseitig „krankenkassenfreundlich“ sind. Das schließt eine Verwertbarkeit der IQWiG-Berichte aus, ebenso die weitere Mitwirkung von IQWiG-Mitarbeitern zu dem im Gemeinsamen Bundesausschuss anhängigen Insulinanaloga-Verfahrens.

Der Deutsche Diabetiker Bund wird beim unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess, wegen des vom IQWiG gesetzten „bösen Scheins der Befangenheit“ intervenieren. Eine weitere Mitwirkung von Prof. Dr. Sawicki im Verfahren zu den Insulinanalgo sollte unterbunden werden!

Entzündungshemmende Socke

(2009)

Gefahren des diabetischen Fußes mit Gesundheitssocken verringern

Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 30.000 Amputationen als Folge des diabetischen Fuß-Syndroms vorgenommen. Als Diabetiker sollte man mindestens einmal jährlich eine ärztliche Untersuchung seiner Füße vornehmen lassen. Der Diabetiker selbst sollte seine Füße täglich untersuchen, damit er keine Verletzungen übersieht. Die Behandlung eines diabetischen Fußes ist langwierig und aufwendig. Hier lohnt sich das Tragen von entzündungshemmenden Socken, damit es möglichst erst gar nicht zu Entzündungen kommt.

Die Nervenbahnen von Diabetikern sind oft in ihrer Funktion gestört. Dadurch werden schmerzhafte Wunden oder Druckstellen nicht richtig wahrgenommen. Das Leben mit diabetischen Füßen erfährt ein wenig Erleichterung durch spezielle Diabetikersocken. Die „levee“ Silbersocken sind so gearbeitet, dass sie ohne ein einschnürendes Gummi einen guten Halt bieten. Die Spitzen der Socken sind handgekettelt. Auch hierdurch werden Druckstellen bestmöglich verhindert.

In die Diabetikersocken von „levee“ wurde in die Innenseite ein Silberfaden eingearbeitet. Dieser wirkt antibakteriell und sorgt dafür, dass sich etwa vorhandene Wunden oder Druckstellen nicht weiter unbegrenzt entzünden.

Die Diabetikersocken von „levee“ sind deutschlandweit die ersten medizinisch zertifizierten Gesundheitssocken. Der Vertrieb wurde von der imc marketing & consult gmbh Geschäftsbereich Gesundheitssocken übernommen und optimiert.
Diabetes News Levee Gesundheitssocken

Chronisch kranke Kinder

(2009)

Mehr Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Chronisch kranke Kinder und ihre Familien optimal unterstützen

Übergewicht und Bewegungsmangel führen in Deutschland weiterhin zu einer wachsenden Zahl Jugendlicher mit Diabetes Typ 2. Aktuell beträgt diese Zahl rund 200 Neuerkrankungen pro Jahr. Sinnvolle Therapien für die Betroffenen und sinnvolle Präventionsmaßnahmen, um die Erkrankung in jungen Jahren zu verhindern, waren Themen der diesjährigen Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig. Zukünftige Therapien für Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 diskutierten die Experten in einem weiteren Symposium. An der bisher unheilbaren Stoffwechselerkrankung Diabetes leiden 25.000 Heranwachsende bis 19 Jahre. Die Jahrestagung der DDG fand vom 20. bis 23. Mai 2009 im Congress Centrum Leipzig statt.

Chronisch kranke Kinder benötigen speziell auf sie abgestimmte Behandlungskonzepte, die über die normale medizinische Behandlung hinausgehen. „Wir müssen alles tun, damit Kinder mit Diabetes Typ 1 und ihre Familien auch die pädagogischen, sozialen und psychologischen Folgen der schweren Stoffwechselerkrankung meistern können“, betont Professor Dr. med. Wieland Kiess, Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, Universität Leipzig. Bisher ist Diabetes Typ 1 unheilbar und die Betroffenen sind ihr Leben lang auf Insulin durch Spritzen, Pens oder Pumpen angewiesen. Zukünftige Therapien könnten jedoch die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse aufhalten bzw. diese wiederherstellen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Therapien stellten Experten auf einem Symposium der DDG-Jahrestagung in Leipzig vor.

Eine der Ursachen für Diabetes Typ 2 ist – neben genetischer Vorbelastung und Übergewicht – auch der Lebensstil. Wer sich wenig bewegt, trägt schon im Kindesalter ein hohes Risiko. 11 bis 13% aller Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig und etwa 6 bis 8% sogar fettleibig. „10 bis 20% aller adipösen Kinder haben eine Fettleber oder eine Kohlenhydratstoffwechselstörung im Sinne von Typ 2 Diabetes“, sagt Professor Kiess. Frühes Übergewicht im Säuglings- und Kleinkindalter sei besonders gefährlich.