Diabetes und Übergewicht
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Fettverteilung: Das Gehirn entscheidet mit

Wie das Gehirn auf Insulin reagiert, spielt eine große Rolle für die Fettverteilung im Körper und den Erfolg beim Abnehmen und Halten des Gewichts. Diese Erkenntnisse des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung helfen bei der Entwicklung von Therapien gegen Übergewicht.

Warum lagern manche Menschen eher Fett am Bauch (viszerales Fett) an, andere dagegen eher an Po, Oberschenkeln und Hüfte? Dieser Frage sind Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Helmholtz Zentrums München und der Universitätsklinik Tübingen in einer Langzeitstudie nachgegangen. Die Antwort darauf fanden sie im Gehirn der Studienteilnehmer. Ihre Beobachtung: Reagiert das Gehirn empfindlich auf das Hormon Insulin, fällt es den Menschen deutlich leichter abzunehmen, ungesundes Bauchfett zu reduzieren und das neue Gewicht langfristig zu halten. Reagiert das Gehirn dagegen wenig oder gar nicht auf Insulin, fällt das Abnehmen schwer, man nimmt schneller wieder zu und das ungesunde Bauchfett steigt langfristig weiter an.

Insulinempfindlichkeit entscheidend für die Fettverteilung

In ihrer Langzeitstudie* haben die Forschenden die Daten von 15 Teilnehmern des Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramms analysiert. In diesem zweijährigen Programm hatten die Teilnehmer ihr Leben auf gesunde Ernährung und mehr Bewegung umgestellt, um abzunehmen und ihre gesundheitlichen Risikofaktoren zu reduzieren. Zu Beginn der Studie war bei ihnen die Insulinempfindlichkeit mittels einer Magnetoenzephalographie untersucht worden. Insgesamt wurden die 15 Personen über neun Jahre begleitet, um die Entwicklung ihres Gewichts sowie der Fettverteilung zu beobachten – also noch sieben Jahre nach Beendigung des Programms.

Grafik: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Änderung des Lebensstils ist nicht bei allen Menschen erfolgreich

Die Studienergebnisse erklären auch, warum manche Menschen eher von einer Umstellung auf einen gesunden Lebensstil mit ballaststoffreicher Ernährung und Sport profitieren als andere. Das Gehirn könnte hier eine entscheidende Rolle spielen. Wenn das Gehirn eine hohe Insulinempfindlichkeit aufweist, ist die Lebensstiländerung deutlich erfolgreicher als bei einer Insulinresistenz im Gehirn. Dies bestimmt nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Fettverteilung an sich – und damit auch das Gesundheitsrisiko, das mit dem erhöhten Körpergewicht einhergeht. Beeinflussen kann man die Insulinempfindlichkeit selbst nicht. Aber die Forschenden in Tübingen arbeiten bereits an neuen Therapien, um die Insulinresistenz im Gehirn aufzuheben und so die Körperfettverteilung günstig zu beeinflussen.

Bauchfett birgt zahlreiche Gesundheitsrisiken

Lagert sich Fett im Bauch (viszeral) an, ist das besonders ungünstig. Denn das viszerale Fett setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken, die Freisetzung des Hormons Insulin beeinflussen und Entzündungen auslösen können. Dies erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebsarten. Das Unterhaut-Fett (subkutanes Fett), das sich am Po, Oberschenkeln und Hüften anlagert, hat dagegen keine bekannten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

*Kullmann et al. (2020): Brain insulin sensitivity is linked to adiposity and body fat distribution. (https://doi.org/10.1038/s41467-020-15686-y)Nature Communications, DOI: doi.org/10.1038/s41467-020-15686-y

Quelle: Medieninformation des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) vom 24. April 2020

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