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Potenzprobleme - Vorboten des Infarkts

Potenzprobleme weisen auf Gefäßschäden hin, die Jahre später zum Herzinfarkt führen können.

Lässt bei älteren Männern die Fähigkeit zur Erektion nach, kann dies ein erstes Anzeichen für Gefäßschäden im ganzen Körper sein. Die Betroffenen sollten sich deshalb vom Spezialisten untersuchen lassen, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Eine Ursache - viele Erkrankungen

Erektionsstörungen und Herzkreislauferkrankungen haben viel gemeinsam: Sie nehmen im Alter zu und treten häufiger bei Diabetikern, Rauchern und Männern mit hohem Blutdruck oder hohen Cholesterinspiegeln auf. Das deutet auf die gemeinsame Wurzeln hin, eine zunehmende Funktionsstörung des Endothels. Diese hauchdünne Zellschicht ist nicht, wie man früher glaubte, bloß eine "Tapete", die die Blutgefäße von innen auskleidet. Das Endothel und sein Signalgeber, das Stickstoffmonoxid, halten den Blutfluss aufrecht. Sie stellen die Gefäße weit, regulieren die Blutgerinnung und halten Ablagerungen fern. Das gilt für die Herzkranzgefäße, wo ein Herzinfarkt entstehen kann, genauso wie für die so genannten Helixarterien, durch die das Blut in die Schwellkörper des Penis fließt.

Potenzprobleme als Vorboten für Herz-Kreislauferkrankungen

Interessanterweise gehen Erektionsstörungen den Herz-Kreislauferkrankungen, der häufigsten Todesursache, meist um Jahre voraus. In einer an der Universität des Saarlandes durchgeführten Studie berichteten vier von fünf Patienten mit zunehmender Herzschwäche über Potenzstörungen, deren Beginn bis zu sieben Jahre zurücklag. "Erektile Dysfunktion ist eindeutig ein Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen", so Studienleiter Prof. Böhm. Deshalb sollten betroffene Männer das Problem nicht alleine mit Potenzpillen "kurieren", sondern regelmäßig die Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen überprüfen lassen: Blutzucker, Blutdruck, Blutfette, Belastbarkeit des Herz-Kreislaufsystems usw. Der Vorsorgecheck beim Hausarzt deckt diese Risikofaktoren mühelos auf.


Blutdrucksenker als Potenzmittel?

Therapeutisch kommen nach diesen Befunden Wirkstoffe, die die Endothelfunktion verbessern, womöglich auch zur Behandlung von Potenzproblemen infrage. Normalerweise werde beispielsweise ACE-Hemmer und Sartane (letztlich Hemmstoffe des Eiweißes Angiotensin II) gegen hohen Blutdruck und bei Herzinsuffizienz verordnet. Man weiß, dass Angiotensin II nicht nur den Blutdruck steigert, sondern auch nach dem Geschlechtsverkehr den Penis erschlaffen lässt. Im Tierexperiment kann Angiotensin II eine Erektion verhindern - es sei denn, die Tiere wurden zuvor mit Angiotensin-II-Hemmstoffen behandelt. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartane) sind kürzlich in größeren Studien an Patienten mit Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen verglichen worden. Derzeit wird ausgewertet, ob sich bei den Teilnehmern auch eine eventuell vorhandene erektile Dysfunktion gebessert hat. Ein nächster Schritt wäre zu prüfen, ob sich die Medikamente gezielt gegen Potenzstörungen einsetzen lassen. Doch heute ist das noch Zukunftsmusik.

[03.07.2009] Quelle: Symposium "Subklinische Endorganschäden", 115. Internistenkongress, 21. April 2009, Wiesbaden

Redaktion: Apotheker Ralf Schlenger

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