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Die Deutschlandkarte der Dicken

Beim Übergewicht gibt es ein Gefälle von Nordost nach Südwest. Ausnahmen bilden die Stadtstaaten.

Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 weist nahezu jede/r zweite Deutsche auf. Jede/r vierte hat sogar eine Adipositas mit einem BMI von 30 oder mehr. Das bestätigen Daten des "German Metabolic and Cardiovascular Risk Project", einer repräsentativen Querschnittsstudie mit nahezu 36000 Hausarztpatienten.

Noch kritischer als einen überhöhten BMI beurteilen Ernährungsexperten heute einen dicken Bauch, der auf eine Zunahme des Eingeweidefettes hinweist. Problematisch wird es bei einem Taillenumfang von mehr als 102 Zentimetern bei Männern und mehr als 88 Zentimetern bei Frauen. Diese »Stammfettsucht« liegt schon bei fast 40 Prozent aller Patienten in deutschen Wartezimmern vor. Sie geht besonders häufig mit Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Regionales Nord-Süd-Gefälle

Um regionale Betreuungsprogramme durch Ärzte zu organisieren, wurden die Studiendaten nach Bundesländern ausgewertet. Dabei zeigte sich: Die Pfunde sind in der Republik sehr ungleich verteilt. Tendenziell steigt das Körpergewicht von Südwest nach Nordost. Ausnahmen bilden wie "Inseln" die Stadtstaaten.

Mit fast 40 Prozent der Bevölkerung leben die meisten Übergewichtigen in Thüringen. Berliner überschreiten die BMI-Grenze von 25 "nur" zu 31 Prozent. Die meisten Fettleibigen finden sich mit 28,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. In Bremen haben sie nur einen Anteil von knapp 20 Prozent an der Bevölkerung.

Das regionale Gefälle besteht auch beim Taillenumfang. Extreme Werte fanden die Forscher mit 42,1 Prozent am häufigsten in Sachsen-Anhalt, am seltensten in Hamburg mit 30,5 Prozent. In allen Bundesländern haben Frauen häufiger Gewichtsprobleme als Männer.


Vermeidbarer Risikofaktor Nummer 1

"Übergewicht und Fettleibigkeit zählen zu den wichtigsten vermeidbaren und vorzubeugenden medizinischen Problemen der Gegenwart", kommentiert diese Zahlen Professor Dr. med. Hans Hauner vom Lehrstuhl für Ernährungsmedizin der TU München. Menschen mit Übergewicht riskieren Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen oder Schlaganfall. Etwa die Hälfte aller Neudiagnosen eines Typ-2-Diabetes stellen Ärzte bei Menschen mit einem BMI über 30. Fast ein Fünftel der Patienten hat bei Diagnose sogar einen BMI von über 35. Fettleibige bedürften deshalb medizinischer Behandlung.

[29.10.2009] Quelle: 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Symposium Ernährung und Diabetes, 18. April 2009, Wiesbaden

Redaktion: Ralf Schlenger, Apotheker und Medizinjournalist

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