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Insulinpumpen auf dem Vormarsch

Insulinbehandlung für Fortgeschrittene

Die Behandlung mit einer Insulinpumpe glättet Blutzucker-Wogen - nicht nur bei Typ 1-Diabetikern, sondern auch bei vielen schwer einstellbaren Diabetikern vom Typ 2. Die kontinuierliche subkutane Insulin-Infusion (CSII) ist aber nur für motivierte, geschulte Patienten eine Option. Der Patient, der mit dieser Therapie klarkommt, gewinnt an Sicherheit, Lebensqualität und Selbstbewusststein.


Eine Insulinpumpe bringt Diabetikern mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität und Selbstbewusststein Mehr als 35000 Diabetiker in Deutschland tragen eine Insulinpumpe, kleiner als eine Zigarettenschachtel, aber mit einer zuverlässigen, über 25 Jahre gereiften Technik.

Die High-Tech-Winzlinge kommen nicht nur für Typ-1-Diabetiker in Frage, sondern auch z.B. für schwer einstellbare Typ-2-Diabetiker, sofern sie auch bei intensivierter Therapie (ICT) zu Unter- oder Überzuckerung neigen. Außerdem empfiehlt sich die CSII für diabetische Schwangere und für Kinder.

Als messbare Vorteile der CSII nennt Prof. M. Dreyer vom Krankenhaus Bethanien in Hamburg signifikant niedrigere Blutzucker- und HbA1c-Werte und geringere Schwankungen der Plasmaglukose.

Technische Probleme wie verstopfte Katheter, die in der Anfangszeit der Pumpentherapie Probleme machten, wurden immer seltener, bedingt durch bessere Materialien und den Wechsel von U 40- auf U 100-Insulin. Auch gelang die Herstellung stabiler Pumpeninsuline. Bei ihnen ist die Ausfällung (Präzipiation) von Insulin und damit die Gefahr des Katheterverschlusses minimiert.


Welche Insuline sind für die Pumpentherapie zugelasssen?

Für die Insulinpumpe sind derzeit als U100-Insuline zwei Humaninsuline (Insuman® Infusat und Actrapid® Human PP) und ein Schweineinsulin (Velosulin®) verfügbar, außerdem die kurz wirkenden Insulinanaloga Lispro und Aspart (Humalog® bzw. (NovoRapid®)

 
Insulin Konzen-
tration
Her-
steller
Bemerkung
Insuman® Infusat U 100 Aventis - Vorgefüllte Ampullen für H-TRONplus
   und Dahedi
- Stabilisiertes Pumpeninsulin
- Normalinsulin
Humalog® U 100 Lilly - Vorgefüllte Penampullen für D-TRON/
   D-TRONplus
- Schnell wirksames Insulin-Analogon
Actrapid®
Human
100 PP
U 100 Novo Nordisk - In Leerampullen aufziehen
- Genapolfreies Insulin
- Normalinsulin
NovoRapid® U 100 Novo Nordisk - In Leerampullen aufziehen
- Schnell wirksames Insulin-Analogon


Nicht jedes Insulin kann von vorn herein für die Pumpentherapie verwendet werden, sondern muss erst vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden. Dazu müssen die Insulinhersteller zusätzliche Untersuchungen vorlegen
Quelle: Disetronic Pumpenforum (12/2002)


 
Die Verwendung der kurz wirkenden Analoga für die CSII bessert gegenüber der üblichen intensivierten Therapie (ICT) noch einmal signifikant den Blutzuckerverlauf. Deutlich niedrigere postprandiale Werte wurden in mehreren Studien festgestellt, berichtete Dr. R. Renner, München, auf einer Tagung deutscher Diabetologen.


Für wen eignet sich die Insulinpumpe?

Die Insulinpumpentherapie setzt einen motivierten und geschulten, zum Selbstmanagement fähigen Patienten voraus. Dosisbestimmung, temporäre Anpassung der Basalrate, Verhalten bei Sport und Erkrankungen - das will geübt sein.

Als "Pumpentrainer", der die fachliche Erstschulung und Einstellung durchführt, kommt nach den Vorgaben des DMP (Disease Management Programm) Diabetes mellitus Typ 1 nur ein diabetisch geschulter Arzt bzw. Diabetes-Team mit längerer Erfahrung in der CSII-Therapie in Frage.

Dabei gilt, dass die Insulinpumpentherapie als "Variante der intensivierten Insulintherapie ein fester Bestandteil innerhalb der DMP ist", so Prof. Dreyer. Die Einbindung in die DMP machen vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung der Pumpentherapie qualitätsgesicherte Patientenseminare nötig, wie sie beispielsweise von Disetronic (Roche Diagnostics) organisiert werden. Ein solches zielgruppenspezifisches Schulungs- und Trainigsprogramme wird derzeit in einer Studie evaluiert.


Pluspunkte für die kindliche Entwicklung

Vorteile der CSII kommen insbesondere bei (Klein-)Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes zum Tragen. Zum einen verhält sich ihr Stoffwechsel oft besonders instabil: Sie neigen zu schweren, nächtlichen Unterzuckerungen und dem Dawn-Phänomen (starker Glukoseanstieg am frühen Morgen). Zum anderen ist bei diabetischen Kindern besonders auf die kognitive Entwicklung zu achten.

Eine fein abstufbare und gut steuerbare Einstellung sowie große Flexibilität der Therapie sind nach den Worten von Dr. C. Klinkert vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen für die normale kindliche Entwicklung von großem Vorteil.

Der basale Insulinbedarf ist bei Kindern keine konstante Größe. Er hängt vom Körpergewicht ab und steigt mit dem Alter. Der gewichtbezogene Bedarf steigt nach Dr. Klinkerts Erfahrungen von ca. 0,15 I.E/kg bei Kleinkindern auf 0,3 bis 0,4 I.E./kg bei den Jugendlichen. Die individuelle Streubreite ist dabei hoch.

 
[13.09.2004], Quelle: Anforderungen an die Insulinpumpen-Therapie
in Theorie und Praxis
, Symposion von Roche Diagnostics, DDG-Tagung 2004

Redaktion: Ralf Schlenger


 
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