Deutscher Diabetes-Risikotest

Deutscher Diabetes-Risiko-Test

Zehn Fragen sind ohne Laborwerte zu beantworten

Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test ist im Internet in Deutsch und Englisch aufrufbar (German Diabetes Risk Score, GDRS). Zehn Fragen sind ohne Laborwerte zu beantworten und zielen stärker auf veränderbare als auf genetische Risikofaktoren.

Über den FINDRISK-Fragebogen hinaus wird der Einfluss von Ernährung und Genussmitteln recht genau abgebildet. Die Angaben müssen genauer gemacht werden als beim FINDRISK, erlauben jedoch auch eine detaillierte Aussage. Im Gegensatz zu FINDRISK ist der Deutsche Diabetes-Risiko-Test nicht sinnvoll anwendbar, wenn man schon einmal erhöhte Blutzuckerwerte hatte.

Aufbau

Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test wird online ausgeführt. Die Fragen umfassen:

  1. Alter: Das Diabetes-Risiko steigt mit dem Alter an. Bei Personen unter 40 Jahren tritt ein Typ-2-Diabetes sehr selten auf.
  2. Blutzucker: Wer zeitweise einen erhöhten Blutzucker hatte, kann ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes haben. Das trifft besonders auf Frauen zu, die während einer Schwangerschaft erhöhte Blutzuckerwerte (Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes) hatten.
  3. Körpergröße: Die Körpergröße beeinflusst das Diabetes-Risiko, da sie auch für die Fettverteilung am Bauch eine Rolle spielt.
  4. Diabetes in der Familie: Das Risiko ist erhöht, wenn leibliche Verwandte an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind oder waren. Diese Risikoerhöhung basiert vermutlich auf einem Zusammenspiel genetischer und familiär geprägter Lebensstilfaktoren.
  5. Körperliche Aktivität: Sie hilft, das Körpergewicht zu halten und verbessert gleichzeitig die Insulinwirkung. Hierdurch wird der Blutzuckerspiegel besser reguliert. Neben Sport tragen auch andere Aktivitäten wie Radfahren, Gartenarbeit oder Spazierengehen zu einem geringeren Typ-2-Diabetes-Risiko bei.
  6. Übergewicht (als Taillenumfang): Bei wem viel Fett im Bauchbereich (Taille) eingelagert ist, hat ein höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Studien haben gezeigt, dass eine Gewichtsreduktion das Risiko einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung deutlich senken kann.
  7. Vollkornbrot: Viele Studien weisen darauf hin, dass der Verzehr von Vollkornbrot und Vollkornprodukten das Typ-2-Diabetes-Risiko senkt.
  8. Fleisch: Der Verzehr von Rind-, Schweine-, Kalb- oder Lammfleisch erhöht das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dabei gilt: Je höher der Konsum, desto größer das Risiko.
  9. Kaffee: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und gesenktem Typ-2-Diabetes-Risiko.
  10. Alkohol: Ein mäßiger Alkoholkonsum (z.B. 1 Glas Wein oder 2 Glas Bier pro Tag) ist mit einem verminderten Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden. Vermehrter Alkoholkonsum erhöht dagegen das Typ-2-Diabetes-Risiko. Achtung: Höherer Alkoholkonsum kann zur Sucht, Leberschäden oder Krebserkrankungen führen.
  11. Rauchen: Starkes Rauchen ist mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden. Ebenso kann Rauchen zu Krebs und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Es ist immer ratsam, mit dem Rauchen aufzuhören.

Aussage

Mithilfe des Deutschen Diabetes-Risiko-Tests können Erwachsene im Alter zwischen 35 und 65 Jahren „online“ ihr prozentuales Risiko ermitteln, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Das Programm errechnet das Risiko in Prozent, dass sich innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Typ-2-Diabetes manifestiert. Der Test endet mit zusätzlichen individuellen Empfehlungen zur Senkung des Diabetesrisikos. Die Risikosenkung ist direkt als Prozentzahl zu ersehen

Vorteile

  • keine Laborwerte notwendig
  • sofort ein Ergebnis, das für den medizinischen Laien verständlich ist
  • Chance statt Risiko: konkrete Hinweise, was man ändern kann, um das Diabetesrisiko zu senken
  • Angabe, wie stark das Risiko durch welche Maßnahme gesenkt wird
  • akkurater als FINDRISC bei der Risiko-Einschätzung
  • Ernährungsdaten wesentlich genauer als im FINDRISK
  • Einbezug von Lebensstilfaktoren (Ernährung, Rauchen, Alkohol, Kaffee)

Nachteil

  • Berücksichtigt mit keiner Frage die Familienanamnese. Die erbliche Veranlagung bestimmt aber maßgeblich das Risiko für Typ-2-Diabetes
  • Setzt Internetanbindung voraus

Aufwand

Gering bis mittel, wenige Minuten. Viele Angaben erfolgen nicht kategorisch (in Gruppen) wie beim FINDRISC, sondern kontinuierlich (die Zahlen werden exakt eingegeben).

Verbreitung

Internet, Fachtagungen

Datenbasis

Die Risiko-Berechnungen basieren auf Zusammenhängen, die in der Brandenburger Ernährungs- und Krebsstudie (EPIC-Potsdam-Studie) beobachtet worden sind. Sie ist Teil der bislang größten prospektiven europäischen Ernährungsstudie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition – EPIC-Studie) mit 23 Zentren in zehn europäischen Ländern. Die Studie ist angelegt, Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen aufzudecken.

Wo zu finden

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) – www.dife.de

Redaktion: Ralf Schlenger