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Ernährung: Der schöne Schein trügt

Die meisten Deutschen schaffen es, sich im Alltag gesund und ausgewogen zu ernähren, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium in einer gerade veröffentlichten Umfrage herausgefunden. Doch Ernährungsexperten widersprechen: Die Realität sieht anders aus.

Was Deutschland isst  – Report 2016

Gute Nachrichten kamen vergangene Woche vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Die meisten Deutschen schaffen es, sich im Alltag gesund und ausgewogen zu ernähren, so die Ergebnisse einer Umfrage des Forsa Institutes unter 1000 deutschen Bürgern. Sie waren in den Report „Deutschland, wie es isst“ eingeflossen, vorgestellt von Minister Christian Schmidt am 5. Januar 2016. Demnach hat eine gesunde Ernährung für viele Menschen einen hohen Stellenwert. Dazu hat sich nun die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) geäußert: „Diese Darstellung des Ministeriums widerspricht fundamental der Ernährungsrealität in Deutschland“, erklärt ihr Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz und wirft dem Ministerium vor, dem dringend politischen Handlungsbedarf auszuweichen.

Übergewicht und ungesunde Ernährung sind Realität

Der Verbrauch von Zucker, Fett und Salz in Deutschland sei viel zu hoch, so die DDG. Mehr als die Hälfte der Frauen und Zweidrittel der Männer seien übergewichtig. Von gesunder und ausgewogener Ernährung könne also keine Rede sein. DDG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs wirft dem Ministerium vor, mit suggestiven Fragen erwünschte Ergebnisse bei der Befragung produziert zu haben. Zwei Beispiele: Die in der aktuellen Diskussion häufig geforderte Einschränkung von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, wurde gar nicht abgefragt. Bei der Frage nach einer Besteuerung ungesunder Lebensmittel wurde einseitig die Verteuerung hervorgehoben („sodass diese für den Verbraucher deutlich teurer werden“), aber nicht darauf hingewiesen, dass gleichzeitig eine Verbilligung gesunder Lebensmittel erfolgen sollte.

Forderung nach einer Zucker-Fett-Steuer

Die Organisationen diabetesDE und Deutsche Diabetes Gesellschaft fordern seit längerem, dass Maßnahmen zur Diabetes-Prävention in einem nationalen Diabetesplan gebündelt und koordiniert werden müssen. Die Organisationen setzen dabei auf vier Kernforderungen: 1. Für jeden Schüler an jeder Schule mindestens eine Stunde Bewegung/Sport pro Tag. 2. Verpflichtende Qualitätskriterien für die Schulernährung. 3. Ein Marketingverbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel. 4. Eine Zucker-Fett-Steuer bei gleichzeitiger Steuersenkung für empfehlenswerte Lebensmittel. Diese Forderungen werden von Bund und Ländern – je nach Zuständigkeit – bisher mehrheitlich abgelehnt.