News-Archiv: 2009

Diabetes-Messe 2010

(2009) diabetes-news-messe-muenster

Patiententag

Diabetes Messe 2010 bietet Vorträge, Workshops und Gesundheitstests

Viele Diabetiker müssen mit einem permanenten Brennen, Kribbeln und Stechen leben. Die Ursache, ein erkranktes Nervensystem, wird häufig übersehen und das Leiden falsch therapiert. Chronische Schmerzen bilden daher einen Themenschwerpunkt des Patiententags, der am Sonntag, 28. Februar, im Rahmen der Diabetes Messe 2010 in Münster, Messe und Congress Centrum Halle Münsterland, stattfindet.

Chronischen Schmerzpatienten die Angst nehmen

Wer sich über seine Krankheit informiert, kann seine Lebensqualität steigern. Dabei unterstützt die Diabetes-Messe erneut Betroffene und alle Interessierte. Sie können am Patiententag mit renommierten Experten ins Gespräch kommen und praktische Anregungen für ein gesünderes Leben mitnehmen. Jeweils rund 6.000 Besucher nutzten in den vergangenen Jahren dieses Angebot, das den zweitägigen Fachkongress ergänzt. Maßgeblich mitgestaltet wird das Programm des Patiententages vom Deutschen Diabetiker Bund und der Deutschen Schmerzliga. „Chronische Schmerzen können nicht mit Mitteln aus der Hausapotheke therapiert werden“, unterstreicht deren Vizepräsident Harry Kletzko. Denn in diesem Fall leiten die Nerven nicht bloß die Schmerzen ans Gehirn weiter, sondern sind selbst Ausgangspunkt eines äußerst quälenden Leidens. „Das betrifft gerade viele Diabetiker, deren Nerven durch eine nicht optimale Einstellung irreparabel geschädigt wurden“, erklärt er. Diabetes und Schmerzen würden aber oft getrennt voneinander behandelt, der Zusammenhang bleibe unerkannt. „Wir möchten, gemeinsam mit Ärzten, Betroffenen die Angst vor den schmerztherapeutischen Maßnahmen nehmen und darüber aufklären, wie chronische Nervenschmerzen erkannt und therapiert werden“, erläutert Harry Kletzko. „So können zu einer medikamentösen Behandlung, was viele Schmerzpatienten gar nicht wissen, auch Antidepressiva oder Antiepileptika gehören.“

Wer sich über neue Produkte und Dienstleistungen informieren möchte, ist auf der Diabetes Messe 2010 richtig. 6.000 Betroffene und Gesundheitsinteressierte werden zum Patiententag am 28. Februar in Münster erwartet.

In weiteren Vorträgen erfahren Betroffene von Ärzten, Unternehmen und Verbänden, wie sie Folgeerkrankungen eines Diabetes mellitus mildern. Dabei geht es auch um weniger bekannte Komplikationen, darunter Zahnfleischschwund. Außerdem zeigen mehr als 100 Aussteller auf 4.000 Quadratmetern ihre Produkte, darunter neue Antidiabetika. Noch größer als zuletzt fällt das „Forum Prävention“ aus. Ärzte testen Sehkraft, Hörfähigkeit, Fußdruck sowie Cholesterin- und Blutzuckerwerte der Besucher. Angesprochen sind alle Altersgruppen: Demenz und Diabetes wird ebenso thematisiert wie Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, die ein spezielles Sportprogramm ausprobieren können.

Näheres unter www.diabetes-messe.com.

Folgeschäden bei Diabetes

(2009)

Diabetikern fehlt Gefäßschutz durch Vitamin B1

Diabetiker scheiden mehr Vitamin B1 aus als Gesunde. Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente

Schäden an Nieren, Nerven und Augen zählen zu den gefürchteten Spätfolgen des Diabetes. Doch der chronisch erhöhte Blutzucker ist nicht alleine schuld – zumindest nicht direkt. Er sorgt auch dafür, dass der Löwenanteil des zugeführten Vitamin B1 bei Diabetes über die Nieren ausgeschieden wird, statt im Körper zu bleiben. Vitamin B1 (Thiamin) ist notwendig, um den Organismus von gefäßschädigenden Abbauprodukten zu entgiften.

Abhilfe versprechen hochdosierte Supplemente. Zwei aktuelle klinische Studien mit Diabetikern stellten positive Effekte hochdosierter Vitamingaben auf eine vorhandene Albuminurie bzw. Polyneuropathie fest. Eine weitere Studie erklärt den Mechanismus, und warum das Labor selbst extreme Thiamindefizite oft nicht entdeckt.

Mit Vitamin B1 gegen neuropathische Schmerzen

Diabetische Polyneuropathie ist ein Folge angegriffener Nerven und Blutgefäße. Symptome sind Schmerzen oder auch Schmerzlosigkeit in den Füßen, Missempfindungen, Muskellähmungen. Eine Studie der Gießener Universitätsklinik untersuchte, ob die Gabe des Vitamin-B1-Ablkömmlings Benfotiamin gegen die Symptome hilft. Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe von Vitamin B1, die der Körper wesentlich besser aufnimmt als das wasserlösliche Vitamin selbst. Die Diabetiker erhielten sechs Wochen lang täglich 300 oder 600 mg Benfotiamin, oder Plazebo. Nach dieser Zeit hatte sich der Neuropathische Symptomen Score (NSS) in der Patientengruppe, die das Studienprotokoll eingehalten hatte, signifikant gebessert. Ein Zufallsergebnis war also ausgeschlossen. Tendenziell wurden auch Schmerzen reduziert: „Benfotiamin lindert auch ohne zusätzliche Gabe anderer Wirkstoffe die Schmerzen deutlich“, sagte der Endokrinologe Prof. Reinhard Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Gießen. Die deutlicheren Erfolge erzielte jeweils die höhere Dosis mit 600mg Benfotiamin. Die Verträglichkeit beider Dosierungen war gut.

Diabetes geht an die Nieren

Hilft auch die Gabe von Vitamin B1 selbst gegen diabetische Folgeschäden? Das Vitamin wird lediglich in „physiologischen“ Dosen von bis zu 1 mg vollständig vom Körper aufgenommen. Als Hochdosiertes Thiamin vermag dennoch in experimentellen Studien der Entwicklung einer Mikroalbuminurie (Übermäßige Ausscheidung von Bluteiweiß bei einer Nierenschädigung) vorzubeugen.

Inwieweit dies auch beim Menschen der Fall ist, untersuchte eine Forschergruppe der Diabetesklinik in Lahore/Pakistan. In der kleinen Studie bekamen 40 Typ-2-Diabetiker mit erhöhter Albuminausscheidung nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) entweder für drei Monate täglich 3 x 100 mg Thiamin oder ein wirkstofffreies Plazebo. Weder Arzt noch Patient wussten, wer einen Wirkstoff (Verum) und wer Plazebo erhält (Doppelblindstudie). In der Verumgruppe sank die Albuminausscheidung im Urin hochsignifikant um 17,7mg pro 24 Stunden, während sich unter Plazebo kein signifikanter Effekt zeigte. Man untersuchte noch weitere stoffwechselrelevante Zielgrößen, doch auf Blutzucker, Blutfette und Blutdruck hatte die Vitamintherapie keinen Einfluss. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. „Hochdosierte Thiamingaben können die Behandlung früher Stadien diabetischer Nehropathie verbessern“, resümieren die Forscher.

Thiamin hilft, gefäßschädigende Stoffe abzubauen

Das B-Vitamin Thiamin (Aneurin) spielt eine zentrale Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Thiamin ist auch für die Funktion eines wichtigen Entgiftungsenzyms, der Transketolase, unentbehrlich. Dieses Enzym bremst die zerstörerische Wirkung des erhöhten Blutzuckers. Fehlt Thiamin, ist dieser Entgiftungsprozess gestört. Zudem ist Vitamin B1 maßgeblich an der Erregungsleitung im Nervensystem beteiligt. Wegen der begrenzten Speicherkapazität und der hohen Umsatzrate muss Thiamin täglich in ausreichender Menge aufgenommen werden. Die empfohlene physiologische Zufuhr liegt bei täglich 1,1 bis 1,5 mg. Zur Vorbeugung und Therapie von Gefäßschäden werden wesentlich höhere Dosierungen eingesetzt.

Vitamin B1 bremst Glukosegiftigkeit

Die Konzentration des wasserlöslichen Vitamins im Bluplasma liegt bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes rund 75% niedriger als bei Gesunden, fanden britische Forscher heraus. Ursache des Thiamin-Defizites sei eine übermäßig gesteigerte Ausscheidung über die Nieren: Gegenüber Gesunden war diese bei Typ-1-Diabetikern 24-fach und bei Typ-2-Diabetikern 16-fach erhöht.

„Hohe Blutzucker-Konzentrationen unterdrücken in vitro die Expression eines Thiamin-Transporters in der Niere“, erklärte Dr. James Larkin aus der britischen Arbeitsgruppe. „Dieses Molekül begrenzt normalerweise die Thiamin-Ausscheidung. Fehlen Thiamin-Transporter, geht das Vitamin über den Urin verloren.“ Es unterbleibt die genügende Aktivierung der Transketolasen, somit wird das körpereigene Entgiftungssystem für Zwischen- und Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels ausgebremst.

Dies alles deutet darauf hin, dass der Weg von einem schlecht eingestellten Zuckerstoffwechsel hin zu mikrovaskulären Komplikationen wohl über den Verlust von Vitamin B1 führt, meinen die Forscher. Schädliche Effekte der Blutglukose auf die Gefäße nehmen zu. Für diesen Zusammenhang spricht auch der Anstieg von Blut-Markern für Gefäßschäden und Adernverkalkung bei Diabetikern mit Thiaminmangel. Die therapeutische Gabe von Vitamin B1 bzw. vitaminähnlicher Stoffe wie Benfotiamin kann die Aktivität der Transketolase um das Drei- bis Vierfache steigern – eine aussichtsreiche Option zur Vorbeugung und Behandlung diabetischer Gefäßkomplikationen.

Thiaminmangel maskiert sich selbst

Eine Erklärung, warum die starken Vitamin- B1-Verluste bei Diabetikern bisher weithin unbekannt waren, liefern die Wissenschaftler gleich mit: Bei der konventionellen Bestimmung des Thiamins, der Messung des Thiamin-Effekts in den Erythrozyten, wird der Mangel maskiert. Denn rote Blutkörperchen sind in der Lage, bei Thiaminmangel die Bildung von Transportproteinen zu steigern, die Thiamin in die Blutkörperchen einschleusen. Über diese ausgleichenden Mechanismen scheinen aber die gefährdeten Gewebe von Diabetikern, wie beispielsweise Nieren, Augen und Nerven, nicht zu verfügen. Hier kommt es zum Thiaminmangel auch in den Zellen – mit komplexen Stoffwechselstörungen als Folge.

Adipositas-Epidemie

(2009)

Adipositas und der Einfluss von Fastfood auf die Appetitkontrolle

Fastfood und Fertigprodukte haben großen Einfluss auf die Appetitregulation. „Der Gefräßig-Macher“ ist ein Buch mit der Thematik Regulation von Appetit und Sättigung. Interview von Susan Röse mit Prof. Dr. Hermanussen

Herr Prof. Dr. Hermanussen, können Sie sich bitte kurz vorstellen (wer sind Sie, wo arbeiten Sie, welche Studie betreuen Sie aktuell, welche noch offenen Fragen werden geklärt)?

Ich bin Kinderarzt und Professor an der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Teilweise arbeite ich als niedergelassener Kinderarzt in meiner Praxis, teilweise betreue ich Studenten und bin in der Forschung tätig. Meine Arbeitsgebiete sind Wachstum und Entwicklung von Kindern, seit etwa 7 Jahren beschäftige ich mich insbesondere mit Fragen zu Adipositas und Sättigungsregulation.

Kann man heute von einer Adipositas-Epidemie sprechen?

Ich halte diesen leider sehr oft benutzten Ausdruck für eher problematisch. Von einer Epidemie spricht man, wenn es um ansteckende Erkrankungen geht. Das ist natürlich bei der Adipositas nicht der Fall.

Ist die Adipositas eine Essstörung?

Natürlich ist die Adipositas eine Essstörung. Ich finde es aber viel interessanter zu fragen, warum es zu dieser Essstörung kommt.

Ist das Fastfood verantwortlich für die Adipositas?

Wir wissen, dass gemeinsam mit der weltweiten Verbreitung von Fastfood-Ernährung die Menschen dicker werden. Es ist aber nicht wirklich klar, warum das so ist. Die gängige Vorstellung – Fastfood enthalte zu viel Fett und mache deshalb dick – ist sicher falsch. Fastfood scheint eine Reihe von verschiedenen Mechanismen auszulösen, die die Regulation des Appetits unterlaufen.

Wie groß ist der Einfluss von Fastfood auf die Appetitregulation?

Das ist schwierig zu beantworten und zum heutigen Zeitpunkt sicher nicht wirklich bekannt.

Was sagt der „Gefräßig-Macher“ dazu? (Können Sie bitte erst in ein- bis zwei Sätzen Ihr Buch vorstellen und dann die Frage beantworten?)

Wir betrachten die Adipositas als einen Ausdruck gestörter Sättigungsregulation. In unserem Buch „Der Gefräßig-Macher“ beschreiben wir einen wichtigen Faktor in dieser Regulation – das Glutamat – und zeigen, auf welche Weise diese Substanz in die Regulation von Appetit und Sättigung eingreift. So können wir relativ unmittelbar zeigen, warum das übliche Fett- und Kaloriensparen der falsche Weg zu einer Behandlung des Übergewichtes ist. Wie beim Puzzeln legen wir in unserem Buch wissenschaftliche Veröffentlichungen zu einem neuen Bild der Sättigungsregulation zusammen. Wir berichten – hoffentlich allgemeinverständlich – über die biochemischen Zusammenhänge zwischen unserer täglichen Kost, der Appetitregulation im Hirn und unserem Stoffwechsel und unternehmen kleine Ausflüge zu Insulin, Fastfood und Geschmacksempfindungen. So wird für den interessierten Laien deutlich, wie der so genannte Geschmacksverstärker Glutamat, aber auch der Eiweißgehalt unserer Nahrung, auf unser Essverhalten einwirkt.

Was ist Kindergesundheit24?

www.Kindergesundheit24.de ist ein kostenloses, sponsorenfinanziertes Online-Vorsorgeportal für Eltern, Kinder und Jugendliche. Das hat es in dieser Form bisher nicht gegeben. Indem wir mit Hilfe einer komplexen Software nach Körpergröße, Körpergewicht und – je nach Alter und Geschlecht des Kindes – nach einer Vielzahl standardisierter Details fragen, gelingt es, den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes automatisch zu beurteilen. Auf diesem Wege können viele Entwicklungsstörungen bereits über ein Internetportal, d.h. ohne Zutun eines Arztes, früh erkannt und ggf. die kinderärztliche Behandlung zum frühestmöglichen Zeitpunkt vorbereitet werden. Das Portal wird von international anerkannten Spezialisten auf dem Gebiet der Wachstumsforschung mitbetreut.

Sollte sich der Verbraucherschutz mehr dem Schutz unserer Kinder widmen?

Die Werbung suggeriert, dass viele Produkte eine normale Ernährung mit frischem Obst und Gemüse vom Markt ersetzen, dabei ist der Zuckeranteil in solchen künstlichen Produkten sehr hoch. Nicht nur der Zuckeranteil ist ein Problem in der kindlichen Ernährung. Wir wissen seit vielen Jahren, dass – ganz entgegen allgemeiner Routineempfehlung – auch der Eiweißanteil in der kindlichen Kost zur späteren Entgleisung des Körpergewichtes beiträgt. Auch die heute üblichen Ideen zu Fettkonsum und Adipositas sind großenteils überholt. Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel neues Wissen angesammelt, das bisher aber kaum zur Kenntnis genommen und von der Werbung komplett ignoriert wird. Das ist sehr betrüblich.

Wie können wir Ihrer Meinung nach der Adipositas Epidemie wirksam begegnen?

Wir wissen, dass die Adipositas noch vor 30 Jahren kein Problem war. Wenn wir uns so ernähren und annähernd so bewegen wollten, wie es noch unsere Eltern getan haben, ginge es uns bedeutend besser. Wir sollten also vor allem darauf achten, den Konsum von Fastfood und Fertiggerichten erheblich einzudämmen – die industrielle Aufbereitung der Nahrung scheint für unsere Sättigungsregulation ein großes Problem zu sein – und unseren Eiweißkonsum zu beschränken. Das ist nicht schwer und bedeutet: weniger Fleisch und Fleischprodukte, weniger Milch und Milchprodukte und die Rückkehr zu einer eher (aber nicht notwendigerweise ausschließlich) vegetarischen Kost. Lassen Sie sich nicht von der Milchwerbung beeinflussen! Wir sind keine Kälber, die überwiegend von Kuhmilch leben. Und der allgegenwärtige Fanatismus hinsichtlich kalziumreicher Kost ist wissenschaftlich nicht begründet.

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Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

Saisonale Grippe

(2009)

Saisonale Grippeimpfung – für chronisch Kranke ein Muss

Im Zuge der Impfung bestimmter Bevölkerungsgruppen gegen die Neue Grippe Typ H1N1 – die Schweinegrippe – sollte die Impfung gegen die jährlich auftretende, saisonale Grippe nicht vergessen werden. Der Kreis der Personen, für die die beiden Formen der Grippeimpfung empfohlen werden, unterscheidet sich zum Teil. Eine Gruppe, für die in jedem Fall beide Impfungen – gegen die Schweinegrippe und die saisonal auftretende Grippe – empfohlen wird, ist die Gruppe der Menschen mit chronischen Erkrankungen. Doch gerade dieser besonders stark durch die Grippe gefährdete Personenkreis hat sich hier bisher nachlässig gezeigt – zu wenige ließen sich in den letzten Jahren gegen die saisonale Grippe impfen.

Nur jeder vierte chronisch Kranke gegen saisonale Grippe geimpft

Während sich gut die Hälfte der Über-60-Jährigen, für die die saisonale Grippe ebenfalls eine besonders große Gefahr darstellt, jedes Jahr impfen lässt (56% im Winter 2007/2008), sind von den chronisch kranken Menschen nur wenig mehr als ein Viertel vor der saisonalen Grippe geschützt (28% im Winter 2007/2008). Dabei kann die Infektion gerade für diese Gruppe sehr gefährlich sein, warnt Dr. Peter Lehmann, der als Internist in München häufig Grippeerkrankungen behandelt: „Bei chronisch Kranken ist die körpereigene Abwehr oft geschwächt, deshalb erkranken sie schwerer und sie leiden häufiger unter Komplikationen einer Grippe als gesunde Menschen“, so der Grippe-Experte.

Zu den gefürchteten Komplikationen einer Grippe zählen laut Dr. Lehmann Lungenentzündungen, schwere Bronchitis, Herzinfarkte und Schlaganfälle. „Außerdem kann sich die chronische Erkrankung durch eine Grippe erheblich verschlimmern“, sagt Dr. Lehmann. So kann es zum Beispiel bei Asthma-Erkrankungen durch eine Grippe zu besonders schweren Asthma-Attacken kommen. Asthmatiker gehören daher wie auch Menschen mit chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und angeborener oder erworbener Immunschwäche zu dem Personenkreis, für den eine Impfung gegen die saisonale Grippe ausdrücklich von den Gesundheitsbehörden empfohlen wird. „Wer an einer chronischen Erkrankung leidet und noch nicht gegen saisonale Grippe geimpft ist, sollte dies umgehend nachholen“, rät Lehmann daher.

Die Impfung gegen die saisonale Grippe ist gut verträglich

Standard-Grippeimpfstoffe sind bei gesunden, jüngeren Erwachsenen gut wirksam. Bei chronisch Kranken kann jedoch die Schutzwirkung der Impfung mit einem gewöhnlichen Grippeimpfstoff etwas geringer ausfallen. Grund ist das schwächere Immunsystem bei dieser Gruppe, das in manchen Fällen zur Folge hat, dass nach der Impfung weniger Antikörper gegen die Grippeerreger gebildet werden. Deswegen auf die Impfung zu verzichten, wäre aber völlig falsch, meint Dr. Lehmann: „Ein etwas geringerer Schutz gegen die Grippe ist in jedem Fall besser als gar keiner – gerade bei diesen besonders gefährdeten Patienten.“

Vorteile durch wirkungsverstärkten Impfstoff

Vorteile bei Menschen mit geringerer Immunfunktion bietet der Einsatz eines wirkverstärkten Grippeimpfstoffs (Fluad®). Ein solcher Impfstoff steht bereits seit über 12 Jahren für Menschen ab 65 Jahren zur Verfügung und hat sich bei diesem Personenkreis bewährt. Er enthält eine wirkungsverstärkende Substanz (MF59), die die Reaktion des Immunsystems auf Impfungen steigert und dazu führt, dass bei den geimpften Senioren mehr Antikörper gegen Grippeviren gebildet werden als bei Standardimpfstoffen. Auf diese Weise wird auch bei dieser Gruppe trotz schwächerem Immunsystem ein besserer Schutz gegen die Grippe erzielt. Hinzu kommt, dass dieser Impfstoff auch dann noch schützt, wenn plötzlich leicht veränderte Grippeviren kursieren sollten. Ein weiteres wichtiges Argument für die Impfung ist die Auswertung von Fallkontrollstudien, die bei entsprechend geimpften Senioren im Vergleich zu Ungeimpften einen erheblichen Rückgang akuter stationärer Klinikaufenthalte aufgrund von Grippe-Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Schlaganfällen und akuten Herzerkrankungen während der Grippesaison gezeigt hat. Die Impfung ist gut verträglich. MF59 besteht im Wesentlichen aus Squalen, einer Substanz, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Die Substanz wird nach der Impfung vollständig im Körper abgebaut.

Weitere Informationen unter: www.influenza.de

Regelmäßige Untersuchungen gefordert

(2009)

Durchblutungsstörungen verkürzen Lebenszeit bei Diabetes

Deutsche Diabetes-Gesellschaft fordert regelmäßige Untersuchungen

Ist der Zuckerhaushalt gestört, leiden als Folge die großen und kleinen Blutgefäße. Menschen mit Diabetes mellitus erkranken deshalb doppelt so häufig an einer peripheren Durchblutungsstörung (pAVK) wie Menschen ohne Diabetes. Eine aktuelle Studie bei fast 7000 älteren Menschen zeigt, dass die Kombination pAVK und Diabetes die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) empfiehlt daher, dass Ärzte Diabetiker regelmäßig auf die Verschlusskrankheit untersuchen. Wird diese früh erkannt, können Risiken wie Schlaganfall und Herzinfarkt reduziert werden. Die periphere Durchblutungsstörung ist eine häufig unterschätzte Folgeerkrankung des Diabetes. Tritt sie mit Diabetes gemeinsam auf, haben Erkrankte eine verkürzte Lebensdauer.

Die Studie „German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index“ (getABI) untersuchte 6880 Patienten aus knapp 350 Hausarztpraxen, die älter als 65 Jahre waren, über den Zeitraum von fünf Jahren. Das Risiko zu sterben, war bei Menschen mit Diabetes und PAVK um das Dreifache erhöht im Vergleich zu gesunden Menschen. „Ärzte müssen Menschen mit Diabetes und pAVK als Hochrisikopatienten behandeln“, so PD Dr. med. habil. Rainer Lundershausen, Pressesprecher der DDG, Erfurt.

Eine einfache, unblutige und sichere Diagnose der pAVK ist der Knöchel-Arm-Index oder „ankle brachial index“ (ABI): Bei dem Test misst der Arzt zunächst den Blutdruck an der Wade knapp oberhalb des Fußgelenks. Diesen Wert teilt er durch den Blutdruck, den er wie üblich am Arm misst. Liegt der ABI unter 0,9, spricht dies für eine Durchblutungsstörung der Beine. Diese bleibt ohne den Knöchel-Arm-Index oft lange unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Symptome auf wie Schmerzen in den Waden. Bei Diabetes-Patienten mit einer Mediasklerose, bei der die mittlere Wandschicht der Arterien verkalkt, liefert der Knöchel-Arm-Index allerdings keine sichere Diagnose.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft fordert, alle Diabetes-Patienten regelmäßig mit geeigneten Methoden auf pAVK zu untersuchen.

Knöchel-Arm-Index

(2009)

Mangeldurchblutung in den Beinen als Folge des Diabetes lässt sich durch eine einfache Untersuchung erkennen. Ärzte sollen Diabetiker regelmäßig testen, fordert die Deutsche Diabetes-Gesellschaft.

Ist der Zuckerhaushalt dauerhaft gestört, leiden die großen und kleinen Blutgefäße. Menschen mit Diabetes mellitus erkranken deshalb doppelt so häufig wie Stoffwechselgesunde an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK). Hierbei vermindern Durchblutungsstörungen der Arterien – nicht der Venen – die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Muskulatur in den Extremitäten (also in Armen und Beinen). Dies führt auch zu akuten Schmerzen bei Belastung. Die Betroffenen sind irgendwann nicht mehr in der Lage, auch nur kürzere Strecken zu Fuß zurück zu legen, ohne wiederholt innezuhalten. Den Zwangspausen beim Gehen verdankt die paVK den Beinamen „Schaufensterkrankheit“. Sie stellt eine unterschätzte Folgeerkrankung des Diabetes dar, die oft zu lange unbemerkt bleibt.

Durchblutungsstörungen verkürzen Lebenszeit bei Diabetes

Es ist länger bekannt, dass beide Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden sind. Eine aktuelle Studie bei fast 7000 älteren Menschen zeigt, dass besonders das Zusammentreffen von paVK und Diabetes die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Beim „German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index (getABI)“ untersuchte man 6880 Patienten aus knapp 350 Hausarztpraxen, die älter als 65 Jahre waren. Über einen Zeitraum von fünf Jahren gesehen, war das Risiko, vorzeitig zu sterben, bei Menschen mit Diabetes und PAVK im Vergleich zu gesunden Menschen um das Dreifache erhöht. „Ärzte müssen Menschen mit Diabetes und pAVK als Hochrisikopatienten behandeln“, fordert Dr. med. habil. Rainer Lundershausen, Pressesprecher der DDG.

paVK diagnostizieren ist recht einfach

Die Mangeldurchblutung bleibt zunächst oft lange unbemerkt. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium haben die Betroffenen Schmerzen in den Waden. Das Infarktrisiko ist jedoch schon vorher erhöht. Eine einfache, unblutige und sichere Diagnose der paVK erlaubt der Knöchel-Arm-Index oder „ankle brachial index“ (ABI): Hierbei misst der Arzt zunächst den Blutdruck an der Wade, knapp oberhalb des Fußgelenks. Diesen Wert teilt er durch den Blutdruck des Arms. Liegt der ABI unter 0,9, spricht dies für eine Durchblutungsstörung der Beine. Bei Diabetes-Patienten mit einer Mediasklerose, bei der die mittlere Wandschicht der Arterien verkalkt, liefert der Knöchel-Arm-Index allerdings keine sichere Diagnose.

Fazit: Regelmäßig testen

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) empfiehlt daher, dass Ärzte ihre diabetischen Patienten regelmäßig mit geeigneten Methoden auf eine arterielle Verschlusskrankheit untersuchen. Wird diese früh erkannt und behandelt, lassen sich die Risiken für Schlaganfall und Herzinfarkt reduzieren.

Kindern und Jugendlichen droht schlechtere Behandlung

(2009)

Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 droht schlechtere Behandlung

Fazit des IQWiG zu kurz wirksamen Insulinanaloga fehlerhaft

Kurz wirksame Insuline ermöglichen Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 ein fast normales Leben. Sie erhalten bisher entweder kurz wirksames Humaninsulin oder künstlich hergestelltes Insulin. Das heutige breite Therapieangebot hat messbare gesundheitliche Vorteile. Trotzdem könnte eines der Medikamente ?die kurz wirksamen Insulinanaloga ?schon bald nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, warnen diabetesDE und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetelogie (AGPD) der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Grund dafür ist ein kürzlich veröffentlichter Vorbericht des Instituts für Gesundheitswesen (IQWiG), in dem es den Zusatznutzen dieser Insulinart für Kinder und Jugendliche verneint. Die Diabetes-Experten fordern, dass das Institut in seinem Abschlussbericht den tatsächlichen Bedarf chronisch kranker junger Patienten berücksichtigt und das Therapieangebot erhalten bleibt.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen zurzeit unterschiedlich schnell und unterschiedlich lang wirkende Insuline. Diese ermöglichen eine Anpassung der Diabetes-Therapie an den Tagesablauf und damit ein altersgerechtes Heranwachsen. Die Therapievielfalt zahlt sich aus: In den letzten 15 Jahren habe sich der Stoffwechsel bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 messbar verbessert, betonen die Diabetes-Experten in einer Stellungnahme. So sei der Anteil der Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Normalbereich liegen, in diesem Zeitraum von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen.

Der aktuelle Vorbericht des Instituts für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Thema ?Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1? berücksichtige dies nicht: Der Nutzen kurzwirksamer Analoga sei nicht ausreichend belegt, um eine Erstattungsfähigkeit durch die Gesetzlichen Krankenkassen zu sichern, so das IQWiG. Nach Meinung der AGPD ist die Schlussfolgerung jedoch fehlerhaft: Aufgrund ethischer Bedenken bezüglich langfristiger pharmakologischer Studien mit Kindern und Jugendlichen liegt wenig Datenmaterial vor. Das IQWiG orientiert sich in seinem Bericht deshalb an Zielgrößen und Untersuchungen erwachsener Menschen. Er erfülle damit zwar formale Kriterien, so die AGPD, bilde jedoch nicht die Realität der pädiatrischen Diabetologie und den Bedarf chronisch kranker junger Menschen ab. Andere nationale Organisationen ? wie beispielsweise das National Institute for Health an Clinical Excellence in Großbritannien (NICE) ? bewertet das vorliegende Datenmaterial anders und empfiehlt kurz wirksame Insulinanaloga als Standard.

Die Experten der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen haben in einer ausführlichen Stellungnahme ihre Begründungen zum Vorbericht dem IQWiG zukommen lassen. Das Institut würdigt zurzeit die schriftlichen Stellungnahmen und erarbeitet einen Abschlussbericht für den Gemeinsamen Ausschuss (G-BA). Sollte das IQWiG bei seinem Ergebnis bleiben und der G-BA sich dieser Meinung anschließen, werden kurz wirksame Insulinanaloga zukünftig nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Die Diabetes-Experten von diabetesDE, AGPD und DDG fordern, das bisherige Therapie-Angebot zu erhalten, da es nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen spürbar verbessert. Es spart dem Gesundheitswesen auch viel Geld: Die Folgen von konstant normalen Blutzuckerwerten im Kindesalter sind deutlich weniger Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus. Insbesondere Fußamputationen, Nierenversagen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Blindheit lassen sich damit bei den erwachsenen Diabetes-Patienten vermeiden. Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Rund 25 000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland mit der bisher unheilbaren Erkrankung.

Weitere Informationen

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft / diabetesDE vom 07.07.2009 zum Vorbericht „Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 (Auftrag A08-01)“, verfasst vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).
Im Internet: http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/

Springendes Gen

(2009)

„Springendes Gen“ – Neue Erkenntnisse beim Typ-2-Diabetes

Das Wissenschaftsteam von Prof. Dr. Dr. Joost aus dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke(DIFE) entdeckte ein neues Diabetesgen. Das springende Gen vermindere die Aktivitäten des Risikogens. Es existiert ein Mechanismus, der dicke Mäuse weniger anfällig macht für Diabetes. Das springende Gen hemmt und schwächt die Wirkung eines neuen Risikogens für Tpy-2-Diabetes.

Interview von Susan Röse mit Prof. Dr. Dr. Joost

Herr Prof. Dr. Dr. Joost, können Sie sich bitte kurz vorstellen (wer sind Sie, wo arbeiten Sie, welche Studie betreuen Sie aktuell, welche noch offenen Fragen werden geklärt)?

Seit 2002 bin ich wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Pharmakologie der Universität Potsdam. Meine aktuellen Forschungsgebiete sind die Genetik der Adipositas und des Typ-2-Diabetes. Neben Ernährung und Lebensstil beeinflusst das Genom zu etwa 50 Prozent das Risiko für Typ-2-Diabetes. Da sich das Erbgut von Mensch und Maus sehr ähnelt, nutzten wir Mausmodelle, um noch unbekannte Krankheitsgene zu identifizieren. Anhand der Genfunktionen wollen wir einen tieferen Einblick in die Entstehungsmechanismen der Erkrankung bekommen, um beispielsweise neue Strategien für Medikamententherapien zu entwickeln. Obwohl Typ-2-Diabetes schon lange bekannt ist, weiß man doch erstaunlich wenig über die molekularen Mechanismen, die zur Entstehung der Krankheit beitragen.

Erst kürzlich wurden die Ergebnisse Ihrer Forschungsarbeit veröffentlicht, können Sie Ihre Forschungsarbeit über das springende Gen kurz vorstellen?

In unserer neuesten Studie haben wir das Erbgut von dicken und dünnen Mausstämmen miteinander verglichen, um Diabetesrisikogene zu identifizieren. Ähnlich wie beim Menschen ist auch bei Mäusen der Typ-2-Diabetes mit einer Adipositas assoziiert. Durch unsere Kreuzungsexperimente konnten wir einen Genbereich auf Chromosom 4 eingrenzen, der für Diabetes eine Rolle spielt und den wir mit Hilfe genetischer und molekularbiologischer Methoden genauer untersuchten.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Wir entdeckten nicht nur ein neues Diabetesgen, sondern auch einen neuen Mechanismus, der dicke Mäuse für Diabetes weniger anfällig macht. Ein Erbgutfragment, ein so genanntes springendes Gen oder Transposon, das bei einigen der von uns untersuchten Mausstämme natürlicherweise vorkommt, vermindert die Aktivität des Risikogens Zfp69. Wie wir zudem zeigen konnten, ist auch das entsprechende menschliche Gen, ZNF642, bei übergewichtigen Personen mit Diabetes verstärkt aktiv.

Was heißt das genau für die Zukunft des Typ-2-Diabetes?

Gene, die bei Mensch und Nager gleichsam das Diabetesrisiko beeinflussen, sind besonders geeignet, um einen Einblick in die Mechanismen der Diabetesentstehung zu bekommen. Daher werden wir die Funktion von Zfp69 und die Wirkung des Transposons am Tiermodell unter kontrollierten Bedingungen untersuchen und dann die Daten für den Menschen nutzen. Am Menschen wären solche Untersuchungen aus praktischen aber auch aus ethischen Gründen nicht möglich. Unsere Arbeit trägt wesentlich dazu bei, die komplizierten Krankheitsmechanismen aufzudecken. Sie schafft so eine Grundlage für die Entwicklung neuer Präventions- und neuer Behandlungsmethoden, die von der Gesellschaft dringend benötigt werden, um der Diabetesepidemie Herr zu werden oder ihr zumindest entgegenzuwirken.

Dass zu 50% das Erbgut neben der Ernährung und dem Lebensstil das Risiko für Typ-2-Diabetes beeinflusst, ist erstaunlich. Wie erklärt sich das?

Personen, die Verwandte ersten Grades mit Diabetes haben, haben ein etwa 3,5-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Ebenso belegen Zwillingsstudien, dass das Erkrankungsrisiko für Typ-2-Diabetes erblich ist. Wie wir heute wissen, handelt es sich beim Typ-2-Diabetes um eine „polygene“ Erkrankung. Das heißt, dass nicht nur ein Gen, sondern mehrere Gene gleichzeitig an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Ihre genaue Zahl wissen wir nicht; derzeit sind jedoch 26 menschliche Gene oder Genregionen bekannt, die das Risiko, an Diabetes zu erkranken, beeinflussen.

Was sagen die Kritiker?

Hauptkritikpunkt ist, dass die Effekte der bisher identifizierten Diabetesrisikogene sehr klein sind und damit nur zu einem geringen Anteil die Erblichkeit der Erkrankung erklären. Die genetischen Zusammenhänge sind somit viel komplizierter als ursprünglich angenommen. Derzeit gehe ich davon aus, dass es genetische Modifikationen mit Wirkung auf das Diabetesrisiko gibt, die noch nicht identifiziert sind. Unsere neuen Daten könnten einen Weg weisen, idem sie zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur die Gene selbst, sondern auch die Transposons in der Nähe der Gene genauer zu untersuchen. Bislang hatte man diese Regionen nicht mit der Erblichkeit von Diabetes und Adipositas in Verbindung gebracht. Aber: Auch wenn die genetischen Daten derzeit wenig zur Vorhersage des Diabetesrisikos beitragen, liefern sie schon jetzt gute Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Strategien in Prävention und Therapie.

Wie sieht die Therapie in der Zukunft aus?

Ich rechne damit, dass in den nächsten Jahren weitere Medikamentengruppen verfügbar werden, die die Stoffwechseleinstellung des Patienten mit Typ-2-Diabetes verbessern. Zudem liegt ein Schwerpunkt der Forschung darauf, individualisierte Therapiekonzepte zu erarbeiten. Denn wie unsere und die Daten anderer Studien zeigen, ist die Erkrankung heterogen; die Patienten sind individuell sehr verschieden. Ob individualisierte Behandlungsansätze auf dem persönlichen genetischen Profil basieren können, wird sich zeigen. Schließlich wird intensiv an der verbesserten Erkennung von Hochrisikopersonen gearbeitet, um frühzeitig Präventionsmaßnahmen beginnen zu können. Auf diesem Gebiet sind wir am weitesten; der Hausarzt könnte schon jetzt mit unserem Risikotest und einigen Messungen von Blutwerten das individuelle Diabetesrisiko sehr genau bestimmen.

Danke für das Interview

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Susan Röse – Freie Journalistin
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Aktiv gegen Diabetes

(2009)

Diabetiker auf dem Westweg (Schwarzwald)

Aktiv gegen Diabetes

Bewegung ist gesund. Das weiß inzwischen wohl jeder! Dass körperliche Aktivität gerade für Typ-2-Diabetiker fester Bestandteil der Therapie sein sollte, hat sich inzwischen auch herumgesprochen. Und trotzdem. Die wenigstens Diabetiker setzen dieses theoretische Wissen in die Praxis um. Warum?

Sicher spielt dabei die persönliche Motivation eine entscheidende Rolle. Es fällt eben schwer, sich alleine aufzumachen und durch den Park zu spazieren. Und natürlich stellen sich gerade Ältere die Frage, woher sie Hilfe erhalten sollen, falls es unterwegs z. B. zu einer Hypoglykämie kommt.

Wir wollen Diabetiker motivieren, indem wir Bewegung zum Event machen

Wandern in der Gruppe unter fachkundiger Anleitung und medizinischer Betreuung bringts. Wandern hat in den letzten Jahren zu Recht den Ruf verloren, unmodern und langweilig zu sein. Wandern wurde zum Kult!

Am 19. April startet erstmalig die Initiative: „Aktiv gegen Diabetes – Diabetiker auf dem Westweg!“ Neben der Förderung der Gesundheit und der verbesserten Diabetestherapie der teilnehmenden Typ-2-Diabetiker wird das Ziel verfolgt, in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für das Thema Diabetes und Bewegung zu erreichen und die Akzeptanz dieses Themas bei den Betroffenen zu erhöhen. Die Initiative soll ab 2009 jährlich wiederholt werden.

Die für diese Initiative gegründete Arbeitsgemeinschaft: Aktiv gegen Diabetes mit den Mitgliedern AOK Mittlerer Oberrhein, Deutscher Diabetiker Bund – BV-Karlsruhe, Schwarzwaldverein e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, den wohl schönsten Höhenweg des Schwarzwaldes, den Westweg, von Pforzheim nach Basel, mit Diabetikern zu erwandern. Die Wanderung erfolgt in 8 Etappen, ab April an jeweils einem Wochenende im Monat. Die Gruppenstärke ist je Etappe auf 50 Teilnehmer beschränkt. Die medizinische Betreuung während der Etappen erfolgt ehrenamtlich durch einige der namhaftesten Diabetologen in Baden-Württemberg, außerdem sind bei jeder Wanderung Diabetes-Berater/innen bzw. Diabetes-Assistenten/innen mit unterwegs.

westweg-schwarzwaldroute

Zwei professionelle Wanderführer sorgen dafür, dass schöne und ungefährliche Wege gegangen werden, die Wanderer die Schönheiten des Schwarzwaldes sehenund pünktlich an den Zielorten ankommen. Die Wanderungen starten jeweils am Samstagmorgen und enden Sonntagnachmittag. Ein Begleitfahrzeug transportiert das Gepäck der Teilnehmer und ggf. auch Wanderer, die eine Pause brauchen. An den Samstagabenden wird der Tag gemeinsam bei einem gemütlichen Abendessen beendet und der Ablauf des nächsten Wandertages besprochen.

Folgende Etappen sind für 2009 geplant (Änderungen vorbehalten)

1 18. April Pforzheim Bahnhof Schwanner Warte 18,5
19. April Schwanner Warte Bad Herrenalb Bahnhof 15
2 16. Mai Skiheim Talwiese Gaistal Forbach 15
17. Mai Forbach Hundseck 16
3 20. Juni Hundseck Ruhestein 18
21. Juni Ruhestein Alexanderschanze 15
4 18. Juli Hausach Bahnhof Schöne Aussicht 16
19. Juli Schöne Aussicht Martinskapelle 15
5 22. August Martinskapelle Kalte Herberge 16
23. August Kalte Herberge Titisee Bahnhof 20
6 19. September Titisee Bahnhof Feldberger Hof 20
20. September Feldberger Hof Wiedener Eck 20
7 17. Oktober Wiedener Eck Müllheimer Egerten 20
18. Oktober Müllheimer Egerten Wollbach Egerten 17
8 14. November Wollbach Egerten Burg Rötteln 13
15. November Burg Rötteln Basel Badischer Bahnhof 13

Medizinische Betreuung

Als industrieller Hauptsponsor werden von Roche Diagnostic für jeden Teilnehmer Blutzuckertestgeräte und Teststreifen zur Verfügung gestellt. OMRON Medizintechnik hält für die Wanderer Schrittzähler bereit. Während der Wanderungen wird der Blutzucker regelmäßig gemessen und zusammen mit den gelaufenen Schritten, den aufgenommen Kohlenhydraten und den blutzuckersenkenden Medikamenten dokumentiert. Die Wanderer erhalten nach jeder Tour ein individuelles Streckenprofil.

Motivation

Die Wanderungen sollen unter den Teilnehmern ein „Wir-Gefühl“ erzeugen und sie dabei unterstützen, sich zum Diabetes bekennen zu können. Natürlich sollen die Wanderungen auch zu einem aktiveren und gesünderen Leben mit Diabetes motivieren. Sie sollen dazu beitragen, dass Diabetiker sich treffen, um gemeinsam aktiv zu werden und zu erleben, dass auch sie trotz einer chronischen Krankheit Herausforderungen annehmen können.

Diabetiker verunsichert

(2009)

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Prof. Dr. Haak

Diabetiker unnötig verunsichert – Warum Todesfälle in einer US-Studie kein Grund sind, hohe Blutzuckerwerte zu akzeptieren

In den USA musste eine Studie mit Diabetikern (Langzeitergebnisse der Studien UKPD, ACCORD, ADVANCE) abgebrochen werden, weil unter den besonders intensiv behandelten Patienten unerwartet viele Todesfälle auftraten. Der wahrscheinliche Grund: Der Blutzuckerspiegel wurde zu rabiat gesenkt. Deshalb nennt Professor Dr. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, die gelegentlich zu hörende Schlussfolgerung, höhere Blutzuckerwerte zu akzeptieren, „groben Unsinn“.

Die amerikanischen Kollegen hätten in einer Gruppe Langzeitwerte unter sechs Prozent angestrebt und dabei bis zu 5 Medikamente verabreicht. Bei diesen Patienten seien die Todesfälle aufgetreten. „Dieses Vorgehen entspricht nicht unserer täglich angewandten Therapie“, betont Haak in der „Apotheken Umschau“. Das Ziel sei vielmehr, den Langzeitwert unter 6,5 bis 7 Prozent zu bringen, ohne dabei Risiken wie unsichere Arzneikombinationen in Kauf zu nehmen. Die deutliche Senkung des Blutzuckers bleibe aber unverzichtbar, um dem Diabetiker Spätschäden möglichst zu ersparen. Besonders wichtig sei es, Unterzuckerungen zu vermeiden.

Professor Dr. Thomas Haak setzt nach Möglichkeit nur „ein einzelnes Medikament oder eine Zweierkombination“ ein. „Außerdem haben wir aus den Studien gelernt, dass wir nicht um jeden Preis bestimmte Therapieziele anstreben sollten“, so Haak. „Die maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Patienten ist das Gebot der Stunde.“