News-Archiv: 2009

Diabetischer Fuß

(2009)

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Dagmar Gail

Versorgungswirklichkeit

“Alle halbe Jahre ins Gefäßzentrum!”

Der diabetische Fuß führt noch immer zehntausende Mal im Jahr zur Amputation. Was kann man tun, davor und danach? Wir sprachen mit Dagmar Gail, der Vorsitzenden der Amputierten-Initiative e.V., dem Bundesverband für Arm- und Beinamputierte/Gefäßkranke.

Diabetes>News Zeitung: Sie haben am 18. Januar 1991, ziemlich genau vor 18 Jahren, eine Selbsthilfe-Gruppe für Amputierte gegründet. Wie viele der Menschen, die sich an Sie wenden, sind Diabetiker?

Dagmar Gail: Das kann ich prozentual nicht sagen, weil die Diabetiker überwiegend gleichzeitig PAVK- krank sind. Die nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes verweist auf die arterielle Minderdurchblutung als Hauptrisikofaktor für die Majoramputation der Beine.

Diabetes>News Zeitung: Ein gutes Jahr vor der Gründung der Amputierten-Initiative wurde die unter Diabetologen bekannte St. Vinzenz-Deklaration zur Verhinderung schwerer Folgeschäden des Diabetes verabschiedet. Gerade in Bezug auf Amputationen gab es ein ehrgeiziges Ziel, die Reduktion um 50% in 5 Jahren. Was hat sich seitdem getan?

Dagmar Gail: Nicht nur von mir, auch von allen Gefäßchirurgen, Angiologen und Orthopäden hören Sie, dass eigentlich nicht viel Gutes zu berichten ist. Es hat sich nicht viel verbessert, im Gegenteil. Ich denke, der Hauptaspekt ist, dass die Menschen zu wenig informiert sind. Wir als Initiative klären überall auf und weisen darauf hin, was Gefährdete alles präventiv unternehmen sollten, damit sich ein Zustand nicht verschlechtert, sondern wenigstens stagniert. Unsere Erkrankung geht weiter, aber man kann erfreulicherweise immerhin das Tempo aufhalten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Betroffenen die einzige dafür von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft zugelassene Infusion auch bekommen. Denn diese vasoaktiven Substanzen verbessern eben unsere Gefäßsituation!

Diabetes>News Zeitung:Unter dem Stichwort Fußnetze haben sich aber doch in den letzten Jahren Partner der verschiedenen Gesundheitsberufe zusammengetan, um eine bessere Versorgung beim diabetischen Fuß sicherzustellen. Ist das ein Tropfen auf den heißen Stein oder eine Trendwende?

Dagmar Gail: Ich möchte nicht unhöflich sein, aber für mich ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich finde es auch eine tolle Sache, dass die Podologen inzwischen in Deutschland tätig sein können. Als das Podologengesetz noch nicht einmal herausgekommen war, habe ich mich schon flammend dafür eingesetzt, dass Gefäßkranke zum Podologen geschickt werden sollten. Allerdings nicht nur Diabetiker, sondern auch PAVK-Kranke ohne Diabetes, dort ist eine Verletzung an den Zehen genauso schlimm. Für die PAVK-Kranken wird die Behandlung aber leider von den Krankenkassen noch nicht bezahlt.

Es müsste aber noch viel mehr getan werden. Das Wichtigste ist eine gute Diagnostik. Allen meinen Mitgliedern, egal ob Diabetiker oder PAVK-krank, sage ich: “Alle halbe Jahr müssen Sie ambulant in ein Gefäßzentrum und Ihren Gefäßstatus feststellen lassen!” Das können Sie mit dem Knöchel-Arm-Index, dem ABI, machen, wenn dieser unter 0,9 geht, muss man Obacht geben, eventuell sollte eine Ultraschall- oder tcpO2-Untersuchung durchgeführt werden, damit die Durchblutung auf der Haut gemessen werden kann. Dann kann auch schnell gehandelt werden!

Wenn Sie zum Beispiel eine zwei Zentimeter lange Stenose im Oberschenkel haben, in der Arteria femoralis superficialis, und Sie erkennen diese nach einem halben Jahr, die Arterie ist nur zu 80 Prozent zu, dann können Sie sofort dilatieren. Sonst stellen Sie diese vielleicht erst fest, wenn starke Schmerzen zu spüren sind oder bereits ein Beininfarkt eingetreten ist. Ich habe es mehrfach erlebt in den vergangenen Jahren, dass in dem Augenblick, in dem Wunden entstehen, die Menschen zu den Wundkompetenzzentren gehen und dort in jeder Woche einmal zur Behandlung kommen. Da wird die Wunde gesäubert, neu verbunden, zusammen mit einer Schmerztherapie und dem Hinweis, in der nächsten Woche wiederzukommen – das halte ich nur partiell für den richtigen Weg. Wenn wir offene Wunden nur äußerlich behandeln, versäumen wir zu fragen, warum es zur Öffnung der Haut gekommen ist. Oft wird keine Angiografie durchgeführt, ich halte es für dringend notwendig, dass alle Gefäßpatienten, und dazu gehören auch die Diabetiker, sich ausschließlich in ein Gefäßzentrum begeben, entweder ambulant oder stationär. Denn in den Leitlinien steht ja zu Recht: Die Amputationen entstehen letztendlich aufgrund von Durchblutungsstörungen. Wir hatten zum Beispiel im Dezember 2006 den Fall einer Frau, einer Diabetikerin, die nicht in einem Gefäßzentrum behandelt wurde und der eine Zehe abgenommen werden sollte; es wurde keine Infusion und keine Angiografie durchgeführt. Wir haben sie rausgeholt, was nicht ganz einfach war, aber die Frau läuft heute noch mit allen Zehen herum! Und das sind Fälle, die wir eigentlich an jedem Tag antreffen.

Diabetes>News Zeitung:Obwohl die Vermeidung der Amputation ja als Ziel allgemein anerkannt ist.

Dagmar Gail: Ja, das sagen sie alle. Ich sehe am Ergebnis, dass das nicht so korrekt durchgeführt wird, sonst könnten wir nicht so viele Menschen davor bewahren. Ich sehe manchmal, dass die Diabetiker nicht mit der notwendigen Schärfe informiert werden. Nur ein umfassend informierter Patient kann selber dazu beitragen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Da fehlt manchmal die Aufklärung, dass eine Amputation in Betracht gezogen werden muss, wenn nicht die Risikofaktoren wirklich gut eingestellt sind. Manche Menschen wissen gar nicht, an welcher gefährlichen Krankheit sie leiden, und sie wissen auch nicht, welche Möglichkeiten sie selbst haben, Amputation, Beeinträchtigung der Sehfähigkeit und Nierenschäden bis hin zur Dialyse zu verhindern.

Diabetes>News Zeitung: Wenn Prävention und Interventionen zur Rettung von Fuß oder Bein vergebens waren, wie sieht es mit der Betreuung der Amputierten aus? Was funktioniert, was liegt im Argen?

Dagmar Gail: Der Arzt interessiert sich ja zurecht dafür, ob nach der Amputation eine gute Wundheilung vonstatten geht. Damit wird auf die psychischen Belange aber nicht eingegangen, man muss das ja alles erst einmal verarbeiten. Eine Amputation ist ein irreversibler Verlust eines Körperteiles und ein Verlust der körperlichen Integrität. Man weiß nicht, wie es weitergeht, nach der Amputation beginnen die Probleme ja erst. Man glaubt, von den Schmerzen befreit zu sein, doch die Schmerzen sind furchtbar! Die noch schmerzvolleren Augenblicke kommen aber, wenn man sich anguckt und sagt: “Ich bin kein vollständiger Mensch mehr.” Wie sehen einen Ehepartner, Freunde, Verwandte und Kollegen? Wie geht es wirtschaftlich weiter, kann ich überhaupt in dem Zustand noch arbeiten? Eine Amputation ist ein unglaublicher Eingriff in das Leben eines Menschen. Eigentlich müsste den Betroffenen von Anfang an, wenn sie es wünschen, ein Psychologe zur Seite stehen, weil man eigentlich erst mal fassungslos ist. Leider denken viele Menschen: “Ach, eine Amputation ist ja nicht so schlimm, es gibt ja heutzutage schöne Prothesen.” Doch gilt zu bedenken, dass es gefäßgesunde und gefäßkranke Amputierte gibt, und die gefäßkranken überwiegen in unserer Gesellschaft, das sind rund 90 Prozent. Die Gefäßgesunden können wenigstens problemlos laufen und können teilweise auch gottlob an Paralympics teilnehmen. Wir haben auch großen Respekt, dass die Athleten die Kraft aufbringen, regelmäßig zu trainieren. Aber ehrlich gesagt, ein wenig verfälschen sie das Bild in der Öffentlichkeit und den anderen, 90 Prozent, wird häufig vorgeworfen: “Das könntet Ihr eigentlich auch!”

Diabetes>News Zeitung: Was können Sie als Initiative da tun?

Dagmar Gail: Ich sage jedem einzelnen: Wir müssen Mut fassen! Wir sind amputiert, aber wir haben keinen Grund, Minderwertigkeitskomplexe zu entwickeln. Wir haben unser Bein verloren, aber nicht unseren Kopf und unser Herz! Es gilt, die Akzeptanz der Amputation zu bejahen, um die gewaltige Erschütterung in eine neue, uns bisher nicht bekannte Lebensqualität umzuwandeln. Für einen Amputierten, der langsamer geworden ist, für den eröffnet sich eine neue Welt. Nie aufgeben! Wir beraten die Menschen am Telefon, auch schriftlich, wir gehen in die Krankenhäuser. Wir binden auch die Angehörigen mit ein und treffen uns einmal im Monat und unternehmen auch vieles gemeinsam. Viele Menschen denken auch, sie wären die einzigen, die amputiert worden sind. Nein, wir sind viele! Wenn wir sehen, dass wir mindestens 60.000 Majoramputationen im Jahr haben, leider, dann sind wir zu viele.

Diabetes>News Zeitung: Gibt es neben solchen mehr ideellen Dingen auch auf der eher bürokratischen Seite Hilfsbedarf, Stichwort Krankenkassen?

Dagmar Gail: Ja, wir müssen uns herumschlagen mit manchen Bürokraten, mit einigen Mitarbeitern vom Medizinischen Dienst. Da gibt es manchmal wirklich despektierliche Aussagen. Wir müssen zum Beispiel kämpfen, um eine Pflegestufe für eine 45-Jährige, die beide Oberschenkel verloren hat und im Rollstuhl sitzt. Der MDK meinte, sie brauche keine Treppenhilfe. Ich appelliere an alle Verantwortlichen in diesem Land, dass sie die amputierten Menschen respektieren sollten und ihnen nicht noch zusätzliches Leid bereiten. Unsere Gefäßerkrankung steht im Schatten, wir kennen den Hirninfarkt, wir kennen den Herzinfarkt, aber bei den Becken-Bein-Arterien sagen wir “gestörte Durchblutung”, nicht Beininfarkt – das ist ja verharmlosend!

Es ist eine heimtückische Erkrankung! Die renommierte angiologische Dozentin Dr. Espinola-Klein weist zurecht darauf hin, dass auch bei der PAVK 112 gewählt werden sollte. Die Erkrankung wird unterschätzt und bagatellisiert. Ich denke, das trägt auch dazu bei, dass die Zahl der Amputationen so hoch ist. Wir haben zu wenig Akzeptanz in der Gesellschaft. Und wenn die Erkrankung nicht genug ernst genommen wird in der Gesellschaft, wird auch der Erkrankte nicht genug ernst genommen. Das geht bis zu den Hilfsmitteln, um die wir kämpfen müssen. Es kostet uns als Initiative viel Kraft, Zeit, Nerven und Geld, jedem Einzelnen zu seinem Recht zu verhelfen, bei der Frau mit den beiden Oberschenkeln mussten wir von März bis Dezember kämpfen – die Frau war suizidgefährdet, sie lebt alleine.

Diabetes>News Zeitung: Wie hoch ist der Anteil an solchen Fällen, bei denen Sie Ärger haben?

Dagmar Gail: Inzwischen immer höher. Aber wir kämpfen weiter.

Diabetes>News Zeitung: Sie weiten den Tätigkeitsbereich Ihres Vereins gerade noch weiter aus. Was wird die Aufgabe der Amputierten-Stiftung sein?

Dagmar Gail: Die Idee haben wir im Moment etwas zurückgestellt, weil uns Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Die Krankenkassen haben uns in diesem Jahr um zwei Drittel heruntergekürzt – das würde man eben bei anderen Erkrankungen nicht wagen.

Das Interview führte Marcus Sefrin

PINGUIN-Studie

(2009)

Studie der Forschergruppe Diabetes in München: Postpartale Intervention bei Gestationsdiabetikerinnen unter Insulintherapie

- die PINGUIN-Studie – Hilfe für Schwangerschaftsdiabetikerinnen

Wenn Frauen während ihrer Schwangerschaft an einem insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes erkranken, beträgt das Risiko für sie 61%, in den ersten 3 Jahren nach der Geburt einen Typ 2 Diabetes mellitus zu entwickeln. Hier möchte PINGUIN eingreifen.

PINGUIN ist deutschlandweit die 1. Placebo-kontrollierte Präventionsstudie zum Typ 2 Diabetes nach einem Gestationsdiabetes. Die Einnahme von Vildagliptin (Galvus®) hemmt den Abbau des körpereigenen Hormons Glucagon-likepeptide 1 (GLP-1), das für die Insulinausschüttung während der Nahrungsaufnahme zuständig ist. Dadurch verbleibt GLP-1 länger im Blut und kurbelt die Insulinausschüttung an. Das hat den positiven Effekt, dass der Blutzuckerhaushalt ausgeglichen wird. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass vermutlich auch eine Entzündung in der Bauchspeicheldrüse am Krankheitsprozess des Typ 2 Diabetes beteiligt ist. Im Tierversuch hat man festgestellt, dass Vildagliptin diese Entzündung heilen kann. Es ist davon auszugehen, dass Vildagliptin auch bei dieser Hochrisikogruppe der Gestationsdiabetikerinnen eine regenerative Wirkung auf die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse hat.

Dieser Erfolg soll den Teilnehmerinnen dieser Untersuchung zugute kommen. Vildagliptin ist seit September 2007 in Europa zur Behandlung des Typ 2 Diabetes zugelassen. Ziel dieser Untersuchung ist es, mit diesem Wirkungsprofil die Entwicklung zum Typ 2 Diabetes zu verhindern. Zur Therapie im Rahmen der PINGUIN-Studie gehört neben der Einnahme von Vildagliptin auch eine intensive Beratung zu Ernährung und körperlicher Aktivität.

Übergewicht gilt als einer der Hauptauslöser für Typ 2 Diabetes. Deshalb ist es wichtig, neben der medikamentösen Behandlung auch diesen Aspekt im Auge zu behalten. Wir möchten die Chance nutzen, diese jungen Frauen vor dem Typ 2 Diabetes zu schützen, und hoffen, dass dies ein zukunftsweisender Präventionsansatz ist, so Frau Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des Instituts für Diabetesforschung in München.

Die Behandlung mit Vildagliptin ist ganz einfach.

Der Wirkstoff wird in Tablettenform einmal am Tag morgens eingenommen. Vildagliptin wirkt nur in Verbindung mit einer Mahlzeit. So ist die Gefahr einer Unterzuckerung so gut wie ausgeschlossen.

Mitmachen können alle Schwangerschaftsdiabetikerinnen, die

  • während ihrer letzten Schwangerschaft einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatten, danach aber ohne Insulin oder Diät wieder normale Blutzuckerwerte haben
  • vor weniger als 9 Monaten entbunden haben
  • mindestens 18 Jahre alt sind.

Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos

Interessierte melden sich bei der Forschergruppe Diabetes, PINGUIN-Team unter der

Telefonnummer 089 30682917 oder
per Mail an: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

Detaillierte Informationen zum Thema PINGUIN-Studie erhalten Sie unter www.pinguin-studie.de

Blutzuckerselbstmessung

(2009)

Blutzuckerselbstmessung sinnvoll in Diabetes-Therapie einbauen

Berlin – Messen Patienten regelmäßig ihre Blutzuckerwerte, kann dies ihre Diabetes-Therapie verbessern. Die Diabetesorganisation diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) setzen sich deshalb in einer Stellungnahme dafür ein, die Selbstmessung der Blutglukose-Werte als Bestandteil der Therapie weiterhin zu finanzieren und auf diese Weise hohe Kosten für Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden. Eine Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird in Kürze veröffentlicht.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht zurzeit den Nutzen dieser Messung bei Typ 2 Diabetes ohne Insulinbehandlung und hat ein vorläufiges Ergebnis veröffentlicht.

Die Selbstmessung bringt zwar – isoliert betrachtet – keinen Nutzen für die Verbesserung der Werte. Sinnvoll ist sie jedoch, wenn Patienten ihre Ernährung, Bewegung und Medikation den selbst gewonnenen Werten entsprechend anpassen und Ärzte sie zur Überprüfung ihrer Therapieempfehlungen heranziehen. “Es gibt bisher kaum Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen der diagnostischen Methode der Selbstmessung unter Berücksichtigung des Patienten- und Arztverhaltens auf den Krankheitsverlauf untersucht haben”, so die Diabetes-Experten um Professor Dr. Stephan Martin, die eine Stellungnahme von diabetesDE und DDG zur IQWiG-Untersuchung verfasst haben.

Das Hauptproblem in der isolierten Bewertung liege darin, dass die heutigen Behandlungskonzepte eine ganze Palette an Maßnahmen beinhalten. Entsprechend schwierig sei es, den Einfluss der Selbstmessung allein zu betrachten. Die Experten fordern deshalb, die Selbstmessung weiterhin in der Therapie des Diabetes Typ 2 zu belassen. Eine praktikable Leitlinie für den sinnvollen Einsatz der Selbstmessung wird derzeit von einer Expertengruppe entwickelt, die unter anderem die Pflichten von Patienten und Arzt nennt, wenn Blutglukoseteststreifen verordnet werden. Diese Leitlinie wird in Kürzte in der Fachzeitschrift “Der Diabetologe” publiziert und auf der Internetseite www.diabetesde.org veröffentlicht.

Das IQWiG führt zurzeit eine Untersuchung zum Thema “Urin- und Blutzuckerselbstmessung bei Diabetes mellitus Typ 2″ im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Behandlung des Diabetes Typ 2 ohne Insulin durch. Das Institut stellt in einem vorläufigen Ergebnis fest, dass die herangezogenen Studien – in denen die Blutzuckerselbstmessung isoliert bewertet wird – keine Verbesserung der Blutzuckerwerte durch Blutzuckerselbstmessung belegen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen jedoch bereits, wie wichtig eine gute Blutzuckereinstellung ist, um Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus zu verhindern. Nur eine auf jeden Patienten individuell angepasste Therapie kann dazu beitragen, Schäden wie zum Beispiel Nierenversagen, Blindheit, Herz-Kreislauferkranken oder Fußamputationen zu vermeiden. Gelingt es, durch eine gute Diabetes-Therapie diese schweren und auch teuren Folgen zu verhindern, erhöht dies die Lebensqualität der Patienten und senkt Krankheitskosten.

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Beate Schweizer
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G-BA-Entscheidung contra Patient

(2009)

Pressemitteilung des Deutschen Diabetiker Bundes e. V. Kassel, den 6. Juni 2009

Mit Unverständnis reagierte der Deutsche Diabetiker Bund auf die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Streichung der Erstattungspflicht lang wirksamer Insulinanaloga bei Typ 2-Diabetikern. Der Bundesvorsitzende des DDB, Dieter Möhler, bedauerte nachdrücklich: “Bei allen Entscheidungen des G-BA geht es offensichtlich nur noch ums Geld.” Erstmalig werde jetzt ausschließlich aus Kostengründen verlangt, Patienten von einer erfolgreichen auf eine fragliche Medikation umzustellen. Dabei werde eine Gefährdung der Patienten billigend in Kauf genommen. Alle begründeten Einwände gegen das Vorhaben, lang wirksame Insulinanaloga sowie Glitazone von der Liste der bezahlten Medikamente zu streichen, wurden einfach ignoriert. Der Stellvertretende Bundesvorsitzende des DDB, Prof. Hermann von Lilienfeld-Toal, hält die Begründung für das Streichen der Insulinpräparate für falsch. Das angestrebte Behandlungsziel kann nach seiner Auffassung mit Humaninsulin nicht ebenso zweckmäßig, aber kostengünstiger erreicht werden.

Begründung für das Streichen aller Glitazone ebenso falsch

Es zeigt sich, dass das gesamte Prüfungs- und Beschlussverfahren “unehrlich” ist. Mit scheinbar sachlichen Argumenten werden vermeintlich zu teure Präparate einfach vom Markt gedrängt. Dass die Patienten bei der Therapie Ihrer Krankheit von diesen, bisher verordnungsfähigen Medikamenten profitiert haben, interessiere nicht. In den Reihen des Deutschen Diabetiker Bundes zeigen sich Wut und Entsetzen über diese gegen die Interessen von Millionen Diabetikern in Deutschland gerichtete Entscheidung.

Auch die Festsetzungen zu den lang wirksamen Insulinanaloga macht offensichtlich, dass die im Sozialgesetzbuch (SGB) V fest geschriebene Konstruktion des Gemeinsamen Bundesausschusses als das entscheidende Gremium, welches sich auf die Begutachtung durch das IQWiG stützt, eine Fehlkonstruktion ist. Wenn Medikamente als zu teuer erscheinen, kann dies nicht dadurch beseitigt werden, dass man den Medikamenten ihre Wirksamkeit einfach abspricht. Es ist sicherlich besser, mit den Herstellern direkt über die Preise zu verhandeln.

Der Deutsche Diabetiker Bund fordert alle Betroffenen auf, sich an Protestaktionen zu beteiligen

Weil überflüssig bis schädlich

(2009)

“Diabetiker-Lebensmittel” vor dem Aus

Spezielle Diät-Lebensmittel für Diabetiker verschwinden bald aus den Regalen. Das forderten Experten schon lange

Über Jahre haben strenge Diäten mit dem Verbot von Zucker und genauem Abzählen von Broteinheiten (BE) den Diabetiker-Alltag geprägt – und belastet. Um den “Zuckerkranken” das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, brachte die Industrie spezielle Lebensmittel auf den Markt, von “Diät”-Marmeladen, -Brotaufstrichen, -Fruchtsäften, bis hin zu “Diabetiker”-Weinen und -Bieren. Einer Studie zufolge konsumiert ein Großteil der Diabetiker heute noch regelmäßig solche speziellen Diätprodukte.

Fachleute lehnen Diätlebensmittel für Diabetiker ab

Lebensmittel speziell für Diabetiker gelten jedoch heute unter Experten als unnütz, mitunter gar schädlich. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und Ernährungsexperten wie Dr. med. Monika Toeller vom Deutschen  Diabetes-Zentrum der Universität Düsseldorf fordern schon lange ihre Abschaffung, aus mehreren Gründen:

  • Das totale Zuckerverbot ist wissenschaftlich völlig überholt. Wie in der Allgemeinbevölkerung sollte die Aufnahme freier Zucker beim Diabetiker 10% der Gesamtenergie nicht überschreiten.
  • Ansonsten gelten für Diabetiker inzwischen die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für den Rest der Bevölkerung. Günstig ist eine “mediterran” geprägte Kost mit einem hohen Anteil von ballaststoffreichem Obst, Gemüse Hülsenfrüchten, wenig rotem Fleisch, eher Fisch, mehr einfach ungesättigten Fetten wie Olivenöl. Fette sollen nicht mehr als 35% der Gesamtenergie ausmachen. Ein normales Körpergewicht ist anzustreben.
  • Vielen Diabetikern ist nicht bewusst, dass ihre “Diät”-Lebensmittel zu viel ungünstige Fette enthalten, zu kalorienreich und überdies relativ teuer sind. Sie halten womöglich vom Verzehr gesünderer Lebensmittel (s.o.) ab.

Wie es zu dem Zuckerverbot kam …

Bei der Stoffwechselkrankheit Diabetes produziert der Körper entweder gar kein Insulin mehr (Typ 1) oder nur noch in abnehmendem Umfang, verbunden mit geringerer Wirkung auf die Zellen, die Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen (Insulinresistenz Typ 2). Beide Formen des Krankheitsbildes bewirken, dass mit der Nahrung aufgenommene oder aus ihr gebildete Zuckerstoffe nicht als Energielieferanten oder Energiespeicher verwertet werden. Vielmehr reichert sich Zucker im Blut an und wird ungenutzt im Urin wieder ausgeschieden.

Daraus leitete man ursprünglich als Behandlungsprinzip ab, die Zuckerzufuhr mit der Nahrung streng zu begrenzen oder ihn durch Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose zu ersetzen.

… und warum es heute “out” ist

Diese Strategie greift jedoch aus zwei Gründen zu kurz, wie man heute weiß:

  • Der überhöhte Blutzucker ist nicht in erster Linie die Folge der Zufuhr von zu viel Süßem, sondern er entsteht durch Stoffwechselstörungen im eigenen Körper. Was der Mensch an purem Zucker über die Ernährung aufnimmt, ist wenig im Vergleich zu dem, was bei manifestem Diabetes auf das Konto mangelnder Insulinbildung und der Insulinresistenz geht.
  • Diabetes mellitus ist mehr als eine “Zuckerkrankheit”. Die metabolische Störung betrifft auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Maßnahmen, die nur auf den Zuckerhaushalt zielen, reichen nicht aus. Vor allem bei Typ-2-Diabetikern existieren Stoffwechselstörungen schon lange, bevor der Blutzucker anhaltend steigt und die Krankheit diagnostiziert wird. Um Diabetes vorzubeugen und zu behandeln, müssen sich individuelle Ernährungsmuster ändern. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind hierfür nicht erforderlich.

Was plant der Gesetzgeber?

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz plant eine Anpassung der nationalen Diätverordnung an den wissenschaftlichen Kenntnisstand. Der Entwurf zur Änderung der Diätverordnung sieht eine ersatzlose Streichung des § 12 mit spezifischen Regelungen für so genannte Diabetiker-Lebensmittel vor.

Die deutsche Diabetes-Organisation diabetesDE unterstützt das Vorhaben und dringt auf die rasche Umsetzung der Änderung der Diätverordnung. Die Übergangsfrist für so genannte Diabetiker-Lebensmittel solle so kurz wie möglich gehalten werden, um rasch die notwendige Klarheit für Menschen mit Diabetes zu gewährleisten. diabetesDE plädiert überdies dafür, die Angabe von Broteinheiten (BE) auf Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs im europäischen Markt abzuschaffen. Die lediglich didaktische Benennung “BE” finde sich nur noch in sehr begrenzten Gruppen in Deutschland. Stattdessen plädiert diabetesDE für die Angabe von Gramm Kohlenhydraten neben den anderen Nährstoffen auf allen verpackten Lebensmitteln, wie in den EU-Entwürfen vorgesehen.

BdSN nimmt Stellung

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Diabetes-Heilung nicht möglich

Berufsverband BdSN nimmt Stellung zu fehlerhaftem Bericht

Diabetes Mellitus Typ 2 ist nicht heilbar. Dies unterstreicht der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN). Der Verband nimmt damit Stellung zu einem kürzlich in mehreren Zeitungen erschienen Artikel zu einer angeblich möglichen Heilung der Diabetes mellitus. In dem Bericht stellt ein Chirurg des Monheimer St.-Josef-Krankenhauses die Behauptung auf, Diabetes Typ 2 sei durch eine so genannte Adib-Operation heilbar. Bei dieser Operation werden Teile des Magens und des Dünndarms entfernt, damit der Körper anschließend den Insulinhaushalt wieder selbstständig regulieren kann.

BdSN-Vorstandsmitglied Dr. Matthias Kaltheuner: “Wir würden uns freuen, wenn es anders wäre, aber leider ist eine Heilung des Diabetes derzeit einfach nicht möglich.” Operationen der beschriebenen Art sollten nur unter bestimmten Umständen durchgeführt werden, erklärt Dr. Kaltheuner. Den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft zufolge muss massives Übergewicht bestehen: “Eine Adib-OP sollte bei einem Diabetiker nur dann durchgeführt werden, wenn der Body Mass Index (BMI) über 35 liegt. Alle Adib-Operationen bei Menschen, die einen niedrigeren BMI aufweisen, sind ethisch äußerst fragwürdig”, erklärt Dr. Hans-Jürgen Kissing, ebenfalls im Vorstand des BdSN. Einen BMI von 35 hätten beispielsweise eine 90kg schwere und 1,60 Meter große Frau oder ein 113kg schwerer Mann mit einer Körpergröße von 1,80 Meter. Darüber hinaus sei laut der Leitlinie vor der Operation ein 6 bis 12-monatiges Programm zur Gewichtsreduktion durchzuführen. Erst wenn der BMI trotzdem nicht unter 35 sinke, komme eine Adib-OP in Frage. “Durch diese Maßnahmen soll auch die Mitarbeit der Patienten nach dem Eingriff gesichert werden, die dann beispielsweise auf eine spezielle Ernährung achten müssen”, verdeutlicht Dr. Kissing weiter.

Dr. Kaltheuner benennt die Risiken: “Bei Adib-OPs kommt es nicht selten zu Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Herz-/Kreislaufprobleme. Immerhin ein Prozent der Patienten stirbt nach einem solchen Eingriff.” Zudem bestünden keinerlei Langzeitdaten: “Selbst wenn die OP auf kurze Sicht eine attraktive Lösung zu sein scheint, wissen wir nichts darüber, wie es den Patienten, die heute operiert werden, in 10 oder 20 Jahren geht und inwieweit sich die Symptome des Diabetes wieder verstärken”, gibt der Diabetologe zu bedenken. “Solch eine OP kann bestenfalls dafür sorgen, dass die Patienten auf weniger Medikamente angewiesen sind oder vielleicht sogar zunächst ohne Präparate auskommen. Doch die Veranlagung zum Diabetes bleibt weiter bestehen”, erläutert Dr. Kaltheuner. Was nach erfolgreicher OP käme, sei in Wirklichkeit eine “Remission” des Diabetes: “Die Symptome des Diabetes sind zwar erst einmal verschwunden, doch eine Genesung hat also nicht stattgefunden.”

Nach dem Bericht in der Neuen Rhein Zeitung war es in einigen diabetologischen Schwerpunktpraxen verstärkt zu Nachfragen zur Adib-OP gekommen. “Wir möchten durch unsere Stellungnahme Missverständnisse aus dem Weg räumen und Unklarheiten beseitigen”, so Dr. Kaltheuner. “Die beste Maßnahme, um mit Diabetes langfristig beschwerdefrei zu leben, ist immer noch eine Umstellung der Lebensweise auf mehr Bewegung und gesündere Lebensmittel.”

Diabetische Folgeerkrankungen

(2009)

Vitamin B1 schützt die Netzhaut

Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen zunehmend, dass Vitamin B1 (Thiamin) und seine Vorstufe, das Benfotiamin, dazu beitragen können, vor schwerwiegenden Folgeerkrankungen des Diabetes wie beispielsweise Erblindungen zu schützen: Die italienische Wissenschaftlerin Elena Berrone von der Universität Turin berichtete am 30.9.09 auf dem Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft in Wien über neue experimentelle Studienergebnisse. Diesen neuen Erkenntnissen zufolge können Thiamin und Benfotiamin isolierte Blutgefäßzellen der Netzhaut des Auges (Retina) vor den zerstörerischen Auswirkungen schwankender Blutzuckerspiegel bewahren.

Die aktuellen Untersuchungen der Turiner Forscher zeigen auch, dass vor allem schwankende Blutzuckerkonzentrationen, wie z.B. Blutzuckerspitzen nach dem Essen, dramatisch den Untergang (Apoptose) der so genannten Perizyten in der Retina verstärken. Perizyten sind Zellen, die der Außenwand von kleinen Blutgefäßen anliegen und für deren Neubildung und Stabilisierung sehr wichtig sind. Werden Perizyten im Auge geschädigt, kann dies zur Erblindung führen.

Diabetes ist die häufigste Ursache für Erblindungen: Nach 15 Jahren Diabetesdauer sind 2% aller Diabetiker blind und bei 10% ist das Sehvermögen stark beeinträchtigt.

Die viel versprechende Erkenntnis der italienischen Wissenschaftler: Wurde Thiamin oder Benfotiamin zu den Perizyten-Zellkulturen hinzugefügt, konnte der schädliche Effekt der schwankenden Blutzuckerspiegel komplett vermieden werden. “Thiamin und Benfotiamin sind in der Lage, die Apoptose der Pericyten zu verhindern”, fasste Berrone zusammen. Das deute erneut darauf hin, dass das Vitamin ein Ansatz sein könnte, diabetischen Gefäßkomplikationen vorzubeugen und/oder diese zu behandeln, so die Wissenschaftlerin.

Schon in früheren internationalen Studien wurde nachgewiesen, dass Benfotiamin wirksam die gefäßschädigenden Mechanismen hemmt, die für Folgeerkrankungen des Diabetes verantwortlich gemacht werden. In der Prävention und Behandlung diabetischer Nervenschäden (Neuropathien) wird die gut verträgliche Thiamin-Vorstufe schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt.

Warum in der Praxis die Vitamin B1-Vorstufe Benfotiamin angewendet wird, erklärt die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB): “Benfotiamin ist fettlöslich und wird dadurch vom Körper und den Geweben in wesentlich größeren Mengen aufgenommen als wasserlösliches Vitamin B1. In den Zellen wird Benfotiamin dann in Thiamin ungewandelt.” Das sei eine wichtige Voraussetzung, um gefäß- und nervschützende Effekte zu erzielen, heben die Wissenschaftler von der GfB hervor.

 

Bluthochdruck

(2009)

Viel Salz, hoher Blutdruck!

Der Welt-Hypertonie-Tag richtet die Aufmerksamkeit auf Risikofaktoren für Bluthochdruck und betont dieses Jahr den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck. Der 17. Mai steht unter dem Motto “Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!”

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nr.1 – die Zahl der Betroffenen nimmt in einem besorgniserregenden Maße stetig zu. Mindestens 30 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits zu hohen Blutdruck. Man schätzt, dass bei den über 60-Jährigen jeder zweite einen zu hohen Bluthochdruck hat.

Bluthochdruck hat gravierende Folgen, denn er erhöht das Risiko deutlich, gefährliche (kardio-)vaskuläre Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Retinopathie, Demenz) zu erleiden. In Deutschland werden gegenwärtig rund 200.000 Schlaganfälle pro Jahr registriert, von denen 90.000 tödlich verlaufen. Wenn man bedenkt, dass 40 Prozent dieser Schlaganfälle und die daraus resultierenden Todesfälle durch eine bessere Blutdruckeinstellung verhindert werden könnten, wird deutlich, wie wichtig die Prävention ist. Die Prävention umfasst eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck. Leider ist die Dunkelziffer der Hypertonie nach wie vor sehr hoch, denn ein zu hoher Blutdruck macht normalerweise keine Symptome. Der Bluthochdruck wird oftmals erst gar nicht bemerkt. Über die Hälfte der Patienten ist nicht diagnostiziert und nur jeder dritte diagnostizierte Patient wird auch behandelt.

Auch die Prävention von Bluthochdruck steckt noch in den Kinderschuhen

Zwar sind die Ursachen der essentiellen Hypertonie multifaktoriell und nicht endgültig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren sind bekannt und könnten gut beeinflusst werden. Dazu gehört neben dem Rauchen und dem Übergewicht auch die salzreiche Kost. Was den wenigsten Menschen bekannt ist: Ein hoher Salzkonsum stellt einen Risikofaktor dar und kann zu Bluthochdruck führen.

Der Salzkonsum ist besonders problematisch, da wir oft unwissentlich “verstecktes” Salz zu uns nehmen – und zwar via Konserven, Fertiggerichte oder Fastfood-Essen. Der durchschnittliche pro Kopf-Salzkonsum ist fast doppelt so hoch wie empfohlen. Nach Angaben der Welt-Hypertonie-Liga könnten jährlich weltweit 2,5 Millionen Todesfälle vermieden werden, wenn die Menschen ihren Salzkonsum auf maximal 6 Gramm/Tag halbieren würden. Der Welt-Hypertonie-Tag 2009 möchte darauf aufmerksam machen und das Bewusstsein für die Erkrankung Bluthochdruck schärfen. Das Motto des internationalen Aktionstages lautet: “Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!”

Die Erkrankung Bluthochdruck stellt eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft dar und ist bereits jetzt die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen. Der Bluthochdruck steht daher auch in diesem Jahr im Mittelpunkt des Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. in Wiesbaden unter der Kongresspräsidentschaft von Prof. Dr. med. Rainer E. Kolloch (Bielefeld). Im Rahmen der Kongresspressekonferenz am 20.04.2009 wurden die verschiedenen Aspekte der Hypertonie beleuchtet und Präventionsmaßnahmen dargestellt. Prof. Dr. med. Joachim Hoyer (Marburg), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. und der Deutschen Hypertonie Gesellschaft, wird auf der Pressekonferenz zur “weißen Gefahr” sprechen – sein dringender Appell lautet: “Weniger Salz für alle!”

Durch konsequente Präventionsmaßnahmen können Bluthochdruck und die daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen vermieden werden. Am Welt-Hypertonie-Tag, am 17. Mai 2009, werden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen und kostenlose Blutdruckmess-Aktionen durchgeführt, zu denen die Deutsche Hochdruckliga aufgerufen hat (Liste unter www.hochdruckliga.de). Zudem hat die Hochdruckliga einen Informationsflyer zum Thema “Salz und Bluthochdruck” erstellt, der ebenfalls online eingesehen und angefordert werden kann.

Diabetes News Welt Hypertonie Tag 2009

Insulinanaloga

(2009)

Deutscher Diabetikerbund fordert weitere Verordnungsfähigkeit langwirksamer Insulinanaloga

Der Bundesvorstand des Deutschen Diabetiker Bundes e.V. fordert nach wie vor vehement den Erhalt der Verordnungsfähigkeit langwirksamer Insulinanaloga bei Typ 2 Diabetes. Schätzungsweise acht Millionen Bundesbürger leiden an der Volkskrankheit Diabetes. Lediglich auf Kostenüberlegungen reduziert, zeichnet sich eine zunehmende Tendenz der gesetzlichen Krankenversicherer ab, die Versorgungsqualität einzudämmen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIQ) beauftragt, langwirksame Insulinanaloga auf Vorteile gegenüber dem Humaninsulin als Standardtherapie zu untersuchen. In Kürze soll im G-BA ein Beschluss darüber gefasst werden, ob diese wichtigen Medikamente für Typ 2 Diabetiker weiter verordnungsfähig bleiben oder nicht. Die IQWIQ-Bewertung, die der Beschlussfassung des G-BA als Vorlage dienen soll, ist in sich nicht schlüssig. Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. rügt daher, dass im Bericht selbst von “positiven Effekten” gesprochen wird, die in der Reduktion von Hypoglykämien liegen. Im Fazit wird seitens des IQWIQ ein Nutzen jedoch in Abrede gestellt. Das macht den Bericht für uns im Ergebnis nicht verwertbar. Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. wirft in diesem Zusammenhang den IQWIQ-Verantwortlichen Zynismus vor. Aus Sicht des Deutschen Diabetiker Bundes ist die Verordnungs-fähigkeit unbedingt zu erhalten, weil sowohl schwere, als auch nicht schwere Hypoglykämien reduziert werden können. Ein Außerachtlassen auch des Rückganges nicht schwerer Hypoglykämien als Nutzenaspekt verbietet sich. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes e.V., Dieter Möhler, hierzu: “Volle Hörsäle mit Betroffenen zum Thema Hypoglykämiewahrnehmung und die Diskussionen hierzu zeigen, dass häufige leichte Hypoglykämien vielfach in spätere schwere Hypoglykämien münden.”

Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. fordert dementsprechend die Verordnungsfähigkeit für alle Fälle häufiger Hypoglykämien, unabhängig von deren Schweregrad. Dieter Möhler weiter: “Wer die Verordnungsfähigkeit beseitigt, gefährdet sehenden Auges den Patienten. Es ist allgemeine Auffassung auch in der Rechtsprechung, dass eine mit dem Beschluss notwendig werdende Therapieumstellung dem Patienten nicht zuzumuten ist, wenn diese mit gesundheitlichen Risiken verbunden wäre. Hierbei kommt es auf das konkrete Ausmaß der Risiken überhaupt nicht an.” Und weiter ergeht ein deutlicher Hinweis in Richtung zukünftiger Verordnungspraxis durch die Ärzteschaft: “Der ärztliche Sorgfaltsmaßstab bemisst sich nach den Maßstäben der Medizin. Insoweit ist eine Patientengefährdung nicht durch wirtschaftliche Aspekte zu legitimieren”.

Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. teilt weiterhin mit, den Bundesvorsitzenden Dieter Möhler in den Gemeinsamen Bundesausschuss zur Frage der Verordnungsfähigkeit der langwirksamen Insulinanaloga entsendet zu haben. Er nimmt an den Erörterungen teil, allerdings nach gegenwärtiger Gesetzeslage ohne Stimmrecht.

Hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

(2009)

Studien-Zwischenergebnis zur Kombinationstherapie Insulin plus Pioglitazon

Kombinierte Therapie hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Berlin – Eine Ursache des Diabetes Typ 2 besteht in der Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber der biologische Wirkung von Insulin. Ist diese Insulinresistenz ausgeprägt, wirkt auch das zugeführte Insulin im Rahmen einer Diabetes-Therapie nicht effektiv genug. Sogenannte Insulin-Sensitizer erhöhen die Insulin-Empflindlichkeit wieder. Seit 2007 ist in Deutschland eine kombinierte Therapie des Wirkstoffes Pioglitazon mit Insulin zugelassen. Die kürzlich veröffentlichte Zwischenauswertung einer laufenden Studie zeigt, dass diese Kombination effektiv und sicher ist.

Ärzte können die Kombination aus Insulin plus Insulin-Sensitizer Pioglitazon bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und einer ausgeprägten Insulinresistenz einsetzen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei ihnen die Standard-Kombination Insulin und Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht möglich ist. Diesen Patienten gelingt es trotz sehr hoher Insulindosen nicht, den Blutzucker langfristig zu normalisieren.

An der laufenden Studie beteiligen sich mehr als 4000 Patienten, die mit der Kombination Insulin und Pioglitazon behandelt werden. Die Befunde wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben. Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 2086 Patienten aus 408 diabetologischen Studienzentren zeigt positive Ergebnisse: “Die Blutzuckerwerte sanken um nahezu einen Prozentpunkt von 8,22 auf 7,26 Prozent”, erläutert Erstautor Privatdozent Dr. med. Rainer Lundershausen, Erfurt. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE empfehlen 6,5 Prozent als Ziel in der Diabetestherapie. Gleichzeitig benötigten die Patienten 22 Prozent weniger Insulin. Eine weitere günstige Begleiterscheinung der Behandlung waren bessere Blutdruck- und Blutfett-Werte der Studienteilnehmer. Die Therapie war mehrheitlich gewichtsneutral: Einige stark Übergewichtige nahmen deutlich ab, während einige andere Patienten an Gewicht zulegten.

Die meisten Patienten vertrugen die Kombination der beiden Medikamente gut. Bei jedem siebten Patienten kam es zu Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Ödeme bildeten sich aber unter der Therapie mit einem harntreibenden Mittel zurück. Kein Patient musste die Therapie deshalb abbrechen. Andere, bereits bekannte Komplikationen von Pioglitazon, wurden nicht beobachtet. Insbesondere können neben Wassereinlagerungen auch Herzschwäche oder erhöhte Anzahl von Knochenbrüchen bei Frauen auftreten.

Erhalten Patienten die Kombinationstherapie zum ersten Mal, sollte der Arzt die Insulindosis individuell reduzieren, um Unterzuckerungen vorzubeugen. diabetesDE und die DDG empfehlen, diese Patienten in den ersten Wochen intensiv zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Auftreten von Herzinsuffizienzsymptomen. “Die Auswertungen zeigen, dass Pioglitazon in Kombination mit Insulin schneller zur Wirkung kommt als in der Pioglitazon-Monotherapie”, betont Diabetologe Lundershausen. Entscheidend für einen unproblematischen Einstieg in diese Therapieform sei deshalb die kontinuierliche Anpassung der Insulindosis.

Zugelassene Insulin-Sensitizer sind in Deutschland Rosiglitazon und Pioglitazon. Sie erhöhen unter anderem die Insulinempfindlichkeit von Leberzellen, Muskulatur und Fettgewebe: Die Zellen nehmen dadurch mehr Zucker auf. Die Leber hingegen schränkt ihre Glukoseproduktion ein. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel sowohl nüchtern als auch nach Mahlzeiten.