News-Archiv: 2009

Diabetes weltweit

(2009)

Verdopplung der Diabetesrate bei Jugendlichen

Kontrolle des Blutzuckerspiegels angesichts erwarteter Verdopplung der Diabetesrate bei Jugendlichen von zentraler Bedeutung

Ein kürzlich veröffentlichter Lancet-Artikel geht von einer Verdopplung neuer Fälle von Typ-1-Diabetes bei europäischen Kindern unter 5 Jahren und einem Anstieg von 70 Prozent bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren aus – eine Krankheitsrate, die über alle vorherigen Prognosen hinausgeht.(1) Studien aus den USA und anderen Ländern weisen auf ähnliche Trends hin.(2)

In der jüngsten Ausgabe von Diabetic Hypoglycemia (www.hypodiab.com) verfechten Dr. Tim Jones und Dr. Trang Ly von der University of Western Australia den Standpunkt, dass Hypoglykämie (Unterzuckerung) für diese jungen Patienten trotz modernster Therapieansätze nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist. Ihre Eltern und Ärzte sind besorgt, da viele Kinder zu jung sind, um ihren Blutzuckerspiegel selbst kontrollieren zu können. Dies wiederum kann zu einem erhöhten Hypoglykämie-Risiko führen. Jones und Ly stellen fest, dass „Kinder keine kleinen Erwachsenen sind“. Dementsprechend sollte für die Blutzuckerkontrolle bei diesen jungen Patienten auch ein anderer Ansatz gewählt werden als bei Erwachsenen. Die Autoren legen die physiologischen und verhaltensbezogenen Mechanismen dar, die diesen Unterschieden zugrunde liegen, erörtern andere Aspekte von Hypoglykämie bei Kindern und geben Richtlinien für eine Behandlung vor.

Ergänzend zum Leitartikel erörtert Professor Christopher Ryan vom redaktionellen Beirat die praktischen und ethischen Probleme, die experimentelle Studien von Hypoglykämie bei sehr jungen Kindern mit Diabetes einschränken. Er spricht sich für eine empirische Beobachtung aus und bemerkt: „Gut konzipierte Beobachtungsstudien werden zwar niemals all unsere Fragen beantworten, sie können jedoch unser Verständnis dessen verbessern, wie jüngere Kinder Hypoglykämie erkennen und wie sich ihre Reaktionen darauf auf ihren Geisteszustand und ihr Verhalten auswirken.“

Informationen zu Diabetic Hypoglycemia

Diabetic Hypoglycemia ist eine einflussreiche Online-Zeitschrift zum Thema Diabetes, die von Chefredakteur Professor Brian Frier (Edinburgh, GB) geleitet wird. Zu den Mitherausgebern zählen unter anderem: Professor Simon Heller (Sheffield, GB), Professor Christopher Ryan (Pittsburgh, USA) und Dr. Rory McCrimmon (Yale, USA). Diabetic Hypoglycemia erscheint drei Mal pro Jahr und bietet seinen Lesern ein interaktives Forum für den Austausch von praktischem Wissen und Meinungen zum Thema Hypoglykämie.

www.hypodiab.com/Teaser/hypodiab.html

Diabetic Hypoglycemia wird von ESP Bioscience herausgegeben. Die Zeitschrift wird durch eine uneingeschränkte Bildungsförderung von Novo Nordisk A/S (Bagsvaerd, Dänemark) unterstützt.

Wenn Arzneimittel zu Mineralstoff-Räubern werden

(2009)

Wenn Arzneimittel zu Vitamin- und Mineralstoff-Räubern werden

Wirkstoff-Check im Internet

Stuttgart (ots) – Viele Arzneimittel, die gerade chronisch Kranke wie Diabetiker oder Bluthochdruck-Patienten über Jahre hinweg einnehmen, können die Vitamin- oder Mineralstoff-Versorgung des Körpers erheblich stören und so Mangelzustände an diesen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen verursachen. „In der Praxis werden Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Biofaktoren kaum beachtet“, beklagt die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB). Dabei seien damit ernstzunehmende Gesundheitsrisiken verbunden, die sich leicht vermeiden ließen, warnen die Wissenschaftler.

Aus diesem Grund hat die Gesellschaft für Biofaktoren im Internet unter www.gf-biofaktoren.de einen Wirkstoff-Check mit einer Auswahl der wichtigsten Vitamin- oder Mineralstoff-raubenden Medikamente veröffentlicht. Hier kann sich jeder informieren, welche Arzneimittel die Aufnahme oder Wirkung von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen, welche Mangelsymptome und Gesundheitsstörungen das zur Folge haben kann und wie man gegensteuert.

Die Liste reicht von dem sehr häufig verordneten Diabetes-Medikament Metformin über Wirkstoffe gegen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen bis zur Anti-Baby-Pille. Insbesondere B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Kalium werden häufig Opfer der medikamentösen Behandlung.

„Werden Defizite an diesen Biofaktoren nicht ausgeglichen, kann die Therapie unter Umständen zum Bumerang werden“, warnen die Experten von der GfB: Ein Mangel an B-Vitaminen und Magnesium sei beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch Blutbildungsstörungen, Nervenerkrankungen, depressive Verstimmungen und nachlassende geistige Fähigkeiten können Folgen einer Unterversorgung mit diesen essentiellen Stoffen sein. „Besteht ein Mangel, sollte der entsprechende Biofaktor durch ein Präparat ergänzt werden“, raten die Wissenschaftler von der GfB. So könne eine notwendige medikamentöse Behandlung leicht abgesichert und ein überflüssiges Risiko verhindert werden. Zusätzlich sollte natürlich immer auf eine ausgewogene, biofaktorenreiche Ernährung geachtet werden – auch hierzu findet man Informationen im Internetportal der GfB: www.gf-biofaktoren.de.

Gesundheitsrisiko verringern

(2009)

Macht Gesundheitspolitik krank?

Ärzte gegen Steuerverschwendung des Gesundheitsministeriums

Bertram Steiner, Sprecher der Gruppe „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“: „Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verschwendet Steuergelder, um für die SPD Wahlkampf zu machen. Das BMG versucht im Vorwahlkampf, auf Kosten des Steuerzahlers die gescheiterte Gesundheits- und Honorarreform schönzureden“. Steiner hat die Gruppe „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“ im Online-Ärztenetzwerk „Hippokranet.de“ gegründet.

Diabetes-News Gesundheitspolitik Macht Krank

Die Anzeigenserie des Gesundheitsministeriums scheint eine verzweifelte Reaktion auf die in immer mehr Arztpraxen des Landes hängenden Plakate der „Aktion 15 Prozent für die SPD“ zu sein, die von anderen Ärzten im gleichen Netzwerk gestartet wurde, sagt der Berliner Zahnarzt. Seine Gruppe hat eine Gegenversion der Anzeige ins Internet gestellt, die ebenfalls von Arztpraxen geladen, ausgedruckt und in die Wartezimmer der Praxen gehängt werden wird.

„Im System der gesetzlichen Krankenversicherung fließt viel Geld. Insgesamt 150 Mrd. Euro. Doch für die niedergelassenen Ärzte gibt es davon nur etwa 15 Prozent. Eineinhalb Zehntel für die Ärzte, die für Sie Tag und Nacht da sind, wenn Sie sie brauchen. Der Rest wird für die Krankenhäuser, für Medikamente und anderes, vor allem für eine undurchsichtige Bürokratie verbraucht. Eine Bürokratie, unter der die Ärzte und die Patienten leiden“, heißt es unter anderem in der Anzeige, die unter der URL www.hippokranet.de/wahlkampf zu laden ist.

„Die Ärzte appellieren an die Vernunft aller Bundesbürger: Ergreifen Sie die Chancen, die eine Bundestagswahl bietet. Machen Sie durch Ihre Wahl deutlich, dass Sie nicht mehr bereit sind, das von dieser Regierung angerichtete Chaos hinzunehmen“, appelliert die „Aktion Ärzte gegen Steuerverschwendung“ an die Patienten: „Wir haben noch Abermillionen Patientenkontakte bis zur Wahl. Die werden zehntausende von Kollegen zur Patientenaufklärung über die gescheiterte Gesundheitspolitik der großen Koalition nutzen, Tag für Tag“, kündigt Steiner an

Das Online-Netzwerk Hippokranet.com ist die gemeinsame Forums- und Netzwerkplattform der Fachinformationsdienste Facharzt.de, Hausarzt.de und zaend.de. Insgesamt sind hier weit über 40.000 Nutzer registriert, es finden sich in unzähligen Gruppen mehrere 100.000 Beiträge. Einzigartig im Internet: Die Plattform wird seit Jahren von ihren eigenen Lesern finanziert. Mehr als 7.000 Abonnenten zahlen freiwillig für die Nutzung, die sie problemlos auch kostenlos haben könnten.

Schweinegrippe

(2009)

Schweinegrippe: Chronisch Kranke müssen vorrangig geimpft werden

Angelaufene Impfaktion zeigt Mängel

Die angelaufene Impfaktion gegen die so genannte „Schweinegrippe“ zeigt nach Auffassung des Deutschen Diabetiker Bundes deutlich auf, dass sich nicht alle Bundesländer gleich gut darauf vorbereitet haben. Der explosionsartige Ausbreitung der Infektion in den letzten Tagen macht dies sehr deutlich. Durch eine teilweise zu geringe Vorhaltung des Impfstoffes ist die geplante vorrangige Versorgung von chronisch kranken Mitbürgern, und damit auch von Diabetikern, nicht sichergestellt. Trotz der wochenlangen Diskussionen über den möglichen Verlauf der Pandemie haben sich nicht alle Bundesländer ausreichend mit Impfstoff eingedeckt. Der Vorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Dieter Möhler, fordert deshalb nachdrücklich dazu auf, eine schnelle und ausreichende Verfügbarkeit des Impfstoffs zu gewährleisten. „Der Staat muss seiner Fürsorgeverpflichtung gegenüber den chronisch Kranken gerecht werden“, so Dieter Möhler.

In diesem Zusammenhang will der DDB ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, dass sich Diabetiker vor dieser Krankheit schützen. Der Deutsche Diabetiker Bund empfiehlt deshalb allen Diabetikern, sich wegen der Notwendigkeit einer Impfung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Insbesondere an Diabetes erkrankte Kinder sowie ältere Menschen gelten als besonders gefährdet.

Ehrlich bleiben

(2009)

Zusatznutzen lang wirksamer Insulinanaloga anerkennen

Lang wirksame Insulinanaloga sind bisher Teil des Therapieangebotes auch für Menschen mit Diabetes Typ 2. Diese Insulinanaloga haben den Vorteil, dass sie meist nur einmal am Tag gespritzt werden müssen, damit der Grundbedarf an Insulin gedeckt ist. Studien haben ergeben, dass bedrohliche Unterzuckerungen mit lang wirksamen Insulinanaloga seltener vorkommen. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE sind deshalb der Ansicht, dass lang wirksame Insulinanaloga die Diabetestherapie gerade bei Patienten verbessern, die unter nächtlichen Unterzuckerungen zu leiden haben. Außderdem erhöhen sie die Arzneimittelsicherheit.

Lang wirksame Insulinanaloga sind gentechnisch veränderte Insuline. Sie zerfallen sehr langsam nach dem Spritzen und wirken dadurch gleichmäßiger und länger. Viele Diabetiker kommen mit einer Injektion täglich aus, um ihren Grundbedarf an Insulin zu decken. Außerdem kommt ein zu starkes Absinken des Blutzuckerspiegels, die so genannte Hypoglykämie, im Vergleich zu herkömmlichen Verzögerungsinsulinen seltener vor.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) wird demnächst entscheiden, ob Gesetzliche Krankenkassen weiterhin lang wirksame Insulinanaloga in der Therapie des Diabetes Typ 2 erstatten. Grundlage dieser Entscheidung ist der kürzlich veröffentlichte Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Er benennt Studienergebnisse, nach denen Hypoglykämien bei lang wirksamen Insulinanaloga im Vergleich zu herkömmlichem Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) deutlich seltener vorkommen. Es ist nicht zu verstehen, dass dieser Zusatznutzen im Fazit des IQWiG-Berichtes keine Berücksichtigung findet!

Nach Meinung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und nach Meinung von diabetesDE bedeutet die geringere Hypoglykämie-Rate eine erhöhte Sicherheit für die Patienten und stellt deshalb einen belegbaren Zusatznutzen dar, der eindeutig im Bericht des IQWiG formuliert sein sollte, aber einfach weggelassen wurde.

Der Gemeinsame Bundesausschuss sollte seine Entscheidung daher auf der Grundlage der wissenschaftlichen Datenlage treffen.

30.000 Fußamputationen pro Jahr

(2009)

DDG-Jahrestagung machte Defizite deutlich

Pressemitteilung des Deutschen Diabetiker Bundes e. V. (Kassel, den 26. Mai 2009)

Zurück von der 44. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig, 20.-22.04.2009, zeigte sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes enttäuscht über die Ergebnisse dieser Tagung. Dieter Möhler stellte fest, dass eine Zusammenarbeit der in der DDG organisierten Ärzte mit anderen Facharztverbänden, gerade unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Patienten, noch viel zu wenig gesucht wird. Wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, verdeutlichte Dieter Möhler am Beispiel des Diabetischen Fußsyndroms.

Jährlich werden in Deutschland über 30.000 Fußamputationen vorgenommen, bei denen Diabetes mellitus als Auslöser anzusehen ist. Diese Zahl steigt ständig. Wenn man berücksichtigt, dass Deutschland bei den Amputationen im europaweiten Vergleich in der Spitzengruppe liegt, erhält die Anzahl der Fußamputationen in Deutschland eine gewisse Brisanz. Die Frage, warum die Menge der Amputationen in Deutschland so hoch ist, beantwortet Dieter Möhler dahingehend, dass die fehlende Kommunikation zwischen den Ärzten verschiedener Fachrichtungen und den Patienten auch als eine Ursache anzusehen ist. Die Einschränkungen von Therapiemöglichkeiten und Medikamenten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wirke sich zusätzlich problematisch aus. Der Aufrechterhaltung und Entwicklung alternativer Therapien zur Verhinderung von Amputationen werde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das Wissen und die Erfahrungen der Betroffenen müssen für die Willensbildung im G-BA entscheidend sein. Die Leistungserbringer müssen die Selbsthilfeorganisation DDB als die jetzt und in Zukunft bedeutendste Patientenvertretung der Diabetiker in Deutschland stärker in die Diskussionen mit einbeziehen. Der DDB soll als ein zuverlässiger Partner verstanden werden. Nur durch den Erfahrungsaustausch der Leistungserbringer mit den vom DDB entsandten Patientenvertretern im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) kann für die Patienten das Beste erreicht werden.

Dieter Möhler und die Mitglieder des Bundesvorstandes stellen die Forderung auf, dass man von der abstrakten Ausrichtung unseres Gesundheitswesens weg muss. Es müssen konkrete, auf jeden einzelnen Fall ausgerichtete Therapien und Medikamente zur Verfügung gestellt und finanziert werden. Dieter Möhler abschließend: „Die Betroffenen brauchen den Deutschen Diabetiker Bund. Wir sind lebendig wie schon lange nicht mehr!“

Glukosekontrolle wichtiger denn je

(2009)

Der Körper vergisst keine Überzuckerung

Gute Glukosekontrolle wichtiger denn je

LifeScan-Symposium im Rahmen der 44. Jahrestagung der DDG: Wie kann bei gestörter Glukosetoleranz die Manifestation eines Typ-2-Diabetes möglichst lange hinausgezögert werden? Wie muss ein modernes Glukosemonitoring gestaltet sein, damit diabetes­bedingte Folgeerkrankungen, die den Hauptkostenfaktor im Indikationsgebiet Diabetes ausmachen, weitgehend verhindert werden können? Mit diese zentralen Fragen beschäftigte sich das LifeScan-Symposium „Glykämische Variabiltät & Metabolisches Gedächtnis – Von der Kontroverse zum Konsens“.

Anlässlich der diesjährigen Jahrestagung der DDG in Leipzig haben namhafte Experten am 20. Mai 2009 zur Glukosekontrolle bei Diabetes mellitus diskutiert. Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Sachsen mit drei Fortbildungspunkten zertifiziert und war damit bundesweit zur Zertifizierung anerkannt. In seiner Begrüßung brachte der Vorsitzende des Symposiums, Professor Stephan Matthaei, Chefarzt des Diabetes-Zentrums Quakenbrück, die wesentliche Botschaft der großen klinischen Studien zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes aus 2008 auf den Punkt: Eine nahe-normo­glykämische Blutzuckereinstellung unter Vermeidung von Nebenwirkungen, insbesondere schwerer Hypoglykämien und ausgeprägter Gewichtszunahme, sollte angestrebt werden. Eine sichere HbA1c-Zielwerterreichung ist damit wichtiger Bestandteil einer multifaktoriellen, zielwertorientierten Therapie des Typ-2-Diabetes, um diabetische Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Einführend betonte Professor Manfred Dreyer, Diabetologe und Leiter des Zentrums für Innere Medizin im Asklepios Westklinikum Hamburg, dass der HbA1c als Parameter international akzeptiert und etabliert sei und bleibe. „Allerdings können die beobachteten diabetischen Folgekomplikationen nur teilweise mit den Abweichungen vom HbA1c-Zielwert erklärt werden – neben genetischen Faktoren könnten daher weitere pathophysiologische Schädigungsmechanismen, wie eine erhöhte Variabilität der Blutglukose, zukünftig von Bedeutung sein. Insbesondere wird die Prävention von Hypoglykämien eine eigenständige, besondere und noch wichtigere Rolle spielen.“

Dysglykämische Effekte auf zellulärer Ebene

Dr. Michael Morcos, Diabetologe an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg, vertiefte den Aspekt, dass die Güte der Stoffwechseleinstellung zu Beginn der Diagnose auch noch viele Jahre später das Risiko für das Auftreten diabetischer Folgeerkrankungen signifikant beeinflusst. Dieser Mechanismus wird als „Legacy Effect“ bzw. „Metabolic Memory“ bezeichnet. Er basiert u. a. auf der Aktivierung zellulärer Abwehrsysteme, oxidativem Stress und der Bildung so genannter „Advanced Glycation End-Products“ (AGEs). Von großer Bedeutung für anzustrebende Zielwerte in der Diabetestherapie ist hierbei, dass die durch Hyperglykämie induzierten Mechanismen gerade auch bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels zum Tragen kommen. Die glykämische Variabilität muss also als eigenständiger Risikofaktor für das Auftreten diabetesbedingter Komplikationen angesehen werden.

Diabetesprävention konkretisiert

Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, übertrug in seinem Vortrag die auf Zellebene gewonnenen Erkenntnisse von Morcos in Vorschläge für konkrete Präventionsmaßnahmen. „Die Diabetesprävalenz liegt schon heute bei acht Millionen diagnostizierten Typ-2-Diabetikern. Bis zum Jahr 2010 werden weitere 1,5 Millionen hinzu kommen. Dramatisch hierbei ist, dass über 50% der Typ-2-Diabetiker bereits mit mikrovaskulären und kardiovaskulären Folgeerkrankungen diagnostiziert werden.“ Ein frühes, allgemeines Screening sei lohnenswert, da dann durch die Änderung des Lebensstils eine sehr erfolgreiche Diabetesprävention möglich wäre. Der glykämischen Variabilität, bei Prädiabetes insbesondere durch postprandiale Hyperglykämien, sollte auch nach Ansicht von Schwarz besonderes Augenmerk gelten.

Modernes Glukosemonitoring mit der Glukosetrias

Der Dresdner Professor Markolf Hanefeld, Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer der TU Dresden, führte die wesentlichen Erkenntnisse aus den Beiträgen seiner Vorredner für ein modernes Glukosemonitoring unter einem Begriff zusammen: Die Glukosetrias bestehend aus Nüchternblutzucker, postprandialer Glukose und glykämischer Variabiltät. „Diese drei Parameter sind entscheidend für eine effektive Glukosekontrolle und müssen im vereinbarten Zielkorridor gemanagt werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Messzeitpunkte des Patienten werden dabei je nach Art der Therapie und der persönlichen Lebenssituation festgelegt“, so Hanefeld.

Schließlich fasste der Vorsitzende Matthaei den Stufenplan der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes zusammen und betonte dabei die Bedeutung einer rechtzeitigen Insulintherapie bei Nichterreichen der Zielwerte.

Langzeitwert HbA1c

(2009)

Seniorengerechte Diabetes-Therapie

diabetesDE fordert individuell angepasste Behandlung: Sinnvolle Therapieziele für ältere Diabetiker

 

2 Drittel aller an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen sind über 60 Jahre alt. Bei ihnen kann eine Diabeteserkrankung wie bei jüngeren Diabetikern das Leben verkürzen. Die Blutzuckerkontrolle bleibt deshalb ein wichtiger Bestandteil der Diabetes-Therapie. Sie muss aber Rücksicht auf das Alter der Patienten nehmen, fordern diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG). Wie ältere Patienten gut versorgt werden können, erläutert Dr. med. Ann-Kathrin Meyer, Hamburg, in einem Übersichtsartikel der Fachzeitschrift „Diabetologie und Stoffwechsel“.

Jüngeren Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 raten die Ärzte heute dazu, einen normalen Blutzucker anzustreben. Der Langzeitwert HbA1c sollte 6,5% nicht überschreiten. Ein Teil der Typ-2-Diabetiker erreicht dieses Ziel mit einer gesunden Lebensweise, andere benötigen blutzuckersenkende Tabletten. Oft ist das Spritzen von Insulin notwendig. Ist bei älteren Menschen ein idealer HbA1c-Wert nur noch unter Einsatz mehrerer Mittel zu erreichen, können die Nachteile möglicher Nebenwirkungen die Vorteile der Blutzuckersenkung überwiegen. diabetesDE und DDG raten in solchen Fällen dazu, das Therapieziel entsprechend anzupassen und einen höheren HbA1c-Wert zu tolerieren. Diese Empfehlungen gründen auf einer im letzten Jahr publizierten US-Studie mit über 10.000 Typ-2-Diabetikern (ACCORD-Studie). Die im Durchschnitt 62 Jahre alten Teilnehmer hatten zu Beginn HBA1c-Werte von über 8%, ein aus Sicht der DDG inakzeptabler Wert. Die Hälfte der Patienten strebte in der Studie einen HbA1c von 7,0% bis 7,9% an, ein für Senioren realistisches Ziel, das die meisten Teilnehmer der Studie unter Einsatz von einem oder zwei Antidiabetika erreichten. Einige spritzten zusätzlich Insulin.

In der zweiten Gruppe sollten die Diabetiker den HbA1c-Wert auf unter 6% senken. Erlaubt war der Einsatz aller verfügbaren Antidiabetika. Die Mehrzahl der Teilnehmer nahm im folgenden Jahr 3 bis 5 Medikamente ein. Doch das Ziel wurde nicht vollständig erreicht. Am Ende lag der HbA1c-Wert im Durchschnitt bei 6,4% und damit signifikant besser als der der Kontrollgruppe. Die Studie wurde jedoch abgebrochen, weil es unter der aggressiven Blutzuckersenkung zu mehr Todesfällen gekommen war.

Die Gründe dafür sehen Experten in der höheren Rate von lebensgefährlichen Unterzuckerungen und der deutlichen Gewichtszunahme vieler Patienten. Außerdem könnte die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente schaden: Gerade bei alten Menschen steigt beim Einsatz mehrerer Medikamente die Gefahr, dass Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der einzelnen Wirkstoffe nicht mehr kontrollierbar sind. Schon bei einzelnen Medikamenten kann die Dosierung wegen der nachlassenden Nierenleistung schwierig werden. Außerdem fällt es vielen älteren Menschen schwer, unfangreiche Medikationen einzuhalten. Hinzu kommt die im Alter oft einseitige und eingeschränkte Ernährung, die die Aufnahme der Wirkstoffe im Darm beeinflusst. Viele hochbetagte Patienten sind nicht mehr in der Lage, sich körperlich zu betätigen, was sich günstig auf den Blutzucker auswirken würde. Und die bedarfsabhängige Insulinbehandlung bereitet Senioren mitunter Schwierigkeiten. Alle diese Faktoren müssen die Ärzte bei der Betreuung von betagten Typ-2-Diabetetikern beachten. Das bedeutet aber nicht, dass alte Menschen keine günstigen HBA1c-Werte erreichen können. In einer weiteren Studie (ADVANCE) gelang es den Teilnehmern, unter einer umsichtigen Therapie den HBA1c-Wert auf 6,5% zu senken, ohne dass es zu vermehrten Komplikationen kam. Dort hatten die Ärzte auf bewährte Medikamente gesetzt und es war gelungen, das Körpergewicht zu halten und andere Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Das Ergebnis war eine geringere Rate von Diabetesschäden an der Niere als in einer Vergleichsgruppe mit höheren HbA1c-Werten.

Studie gegen Vorurteile

(2009)

Insulinbehandlung macht nicht dick

Laut einer Studie ist eine Diabetesbehandlung mit Insulin besser als ihr Ruf Diabetologen-Berufsverband BdSN erfreut über neue Ergebnisse

Die Behandlung von Diabetes mit Insulin macht entgegen aller bisherigen Vorurteile nicht dick. Dies belegt eine vor Kurzem veröffentlichte Studie des Deutschen Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Die teilnehmenden Patienten nahmen in 2 Jahren je nach Behandlungsart durchschnittlich nur 0,4 bis 2,1 kg zu. „Die Ergebnisse sind bemerkenswert, da sie erstmals zeigen, dass es keinen Grund gibt, eine medizinisch sinnvolle Insulinbehandlung wegen der gefürchteten Gewichtszunahme abzulehnen oder zu verzögern“, so Dr. Matthias Riedel vom Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN).

Früher lehnten Diabetespatienten immer wieder die erforderliche Insulinbehandlung ab, weil sie erwarteten, durch die Behandlung mit Insulin stark zuzunehmen. „Es gibt zwar einzelne Patienten, die falsch oder gar nicht beraten wurden und während einer Behandlung mit Insulin statt mit Tabletten drastisch zugenommen haben“, erklärt Dr. Riedel, „Dies sind aber Einzelfälle.“

Die Studie basiert auf Daten von 3.000 neu auf Insulin eingestellten Diabetes-Patienten aus dem Disease-Management-Programm (DMP). Das DMP regelt die Versorgung der Diabetiker, so dass Diabetologen, Kliniken und Hausärzte die Behandlung der Patienten und die Therapieverlaufskontrolle optimal abstimmen können. Von den 3.000 Patienten wurden 444 auf moderne Analoginsuline und 1700 auf Standardinsuline eingestellt. Analoginsuline wirken schneller und Zwischenmahlzeiten können entfallen. Bei Standardinsulinen sind diese Mahlzeiten nötig, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Die übrigen Patienten erhielten Mischungen aus Standard- und Analoginsulinen. Innerhalb 2 Jahren zeigte sich, dass von den Patienten, die mit Standardinsulinen behandelt wurden, Männer im Schnitt nur 1,25 kg zunahmen und Frauen 2,15 kg. Männer, die Insulin-Mischungen erhielten, hatten eine Gewichtszunahme von lediglich 1,4 kg und Frauen 1,1 kg. Am niedrigsten war die Gewichtszunahme bei den Patienten, die auf Analoginsuline eingestellt worden waren: Sie nahmen durchschnittlich nur 0,5 kg zu (Männer 0,54 kg und Frauen 0,41 kg). Zudem ergab die Studie, dass Patienten, die vor Beginn der Insulintherapie bereits Übergewicht hatten, unter der Behandlung vergleichsweise am wenigsten zunahmen.

„Diese Studie zeigt uns 3 Dinge“, stellt Dr. Riedel fest: „Erstens führt eine Insulinbehandlung nicht zu Übergewicht. Zweitens sehen wir, dass die Behandlung einiger Patienten mit den neuen Analoginsulinen durchaus sinnvoll sein kann, wenn eine Gewichtszunahme vermieden werden soll.“ Das dritte wichtige Ergebnis der Studie sei, dass die Versorgung diabeteskranker Menschen verbessert werden könne, wenn die Daten aus dem DMP sinnvoll ausgewertet würden. In Nordrhein geschieht dies bereits seit Jahren zu verschiedensten Zwecken, zum Beispiel um die Behandlungskosten zu rechtfertigen.

Hintergrund: Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung von Diabetikern weiter zu verbessern.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

(2009)

Wie viele Einstiche verträgt eine Kinderseele?

Es kann jedes Kind treffen, von einer Minute auf die andere, ohne große Vorwarnung: zuckerkrank!

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 2.000 Kinder neu an dieser unheilbaren Krankheit. Der Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist eine Autoimmunkrankheit, bei der es zu einer Selbstzerstörung der insulinproduzierenden ß-Zellen kommt, die Ursache hierfür ist bis heute immer noch ungeklärt. In der breiten Öffentlichkeit ist die Zuckerkrankheit bei Kindern meist unbekannt, obwohl in Deutschland jeden Tag 3 – 4 neu diagnostizierte kleine Patienten hinzukommen – über 25.000 Kinder und Jugendliche sind bereits davon betroffen. Besorgniserregend ist der ständige, rapide Anstieg des kindlichen Diabetes: In den letzten 10 Jahren hat sich die Zuckerkrankheit bei Kindern verdoppelt!

Bis noch vor einigen Jahrzehnten war der Diabetes Typ 1 eine tödliche Diagnose und erst die Entdeckung und Herstellung des Insulins vor 90 Jahren brachte die Wende. Aber bis heute muss das Insulin jeden Tag gespritzt werden. Eine Behandlung, die besonders Kinder hart trifft. Je besser der Diabetes behandelt wird, umso sicherer sind die Kinder vor den fatalen Spätfolgen wie Erblindung, Amputation, Nieren- und Nervenschäden. Aber eine gute Behandlung erfordert, dass täglich mehrmals Insulin gespritzt wird, bis zu 8 Injektionen am Tag, oft auch nachts – so kann es ein, dass zuckerkranke Kinder bis zu ihrem 15. Lebensjahr 27.000 Mal eine Spritze ertragen müssen. Vor jeder Spritze muss am Finger ein Blutstropfen entnommen werden, damit die Höhe des Zuckers im Blut gemessen werden kann. Viele Kinder wehren sich gegen die Spritze, aber die Eltern müssen das lebensnotwendige Insulin spritzen. So spielt sich der Alptraum jeden Tag aufs Neue ab: Das Kind läuft vor der Spritze weg, versteckt sich und muss festgehalten werden. Das belastet das Eltern-Kind-Verhältnis sehr. Viele Eltern sind schon nach einiger Zeit der lebenslangen Behandlung erschöpft und ausgebrannt.

Aber das Insulin ist nur ein Teil der Behandlung. Ebenso wichtig ist die Umstellung der Ernährung. Das Essen muss abgewogen, berechnet und eingeteilt werden. Spontane Süßigkeiten gehören bei Kindern mit Diabetes der Vergangenheit an. Für die Mutter eines 4-jährigen zuckerkranken Mädchens ist dies eine der größten Belastungen: „Wenn im Kindergarten spontan etwas gefeiert wird, sitzt meine Tochter tapfer aber traurig daneben und isst ihre eigene Mahlzeit“.

Obwohl die medizinische Behandlung Fortschritte bringt, bleiben die seelischen Folgen der Krankheit meist ungelöst. Betroffene Familien brauchen besonders nach der gravierenden Diagnose und bei den vielen psychischen und sozialen Belastungen, denen sie Tag für Tag ausgesetzt sind, intensive Unterstützung, damit sie die Kraft nicht verlieren, die Kinder bestmöglichst zu versorgen.

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Genau hier wirkt die Stiftung „Dianiño – Kindern mit Diabetes eine Zukunft“ durch konkrete Maßnahmen entlastend und unterstützend. Dianiño kümmert sich aktiv um erkrankte Kinder, betroffene Familien und betreut sie in akuten Notfällen bei ihren Sorgen und Problemen. Durch diese Hilfe kann oft weiteres Leid verhindert werden.