News-Archiv: 2009

Diabetische Folgeerkrankungen

(2009)

Vitamin B1 schützt die Netzhaut

Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen zunehmend, dass Vitamin B1 (Thiamin) und seine Vorstufe, das Benfotiamin, dazu beitragen können, vor schwerwiegenden Folgeerkrankungen des Diabetes wie beispielsweise Erblindungen zu schützen: Die italienische Wissenschaftlerin Elena Berrone von der Universität Turin berichtete am 30.9.09 auf dem Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft in Wien über neue experimentelle Studienergebnisse. Diesen neuen Erkenntnissen zufolge können Thiamin und Benfotiamin isolierte Blutgefäßzellen der Netzhaut des Auges (Retina) vor den zerstörerischen Auswirkungen schwankender Blutzuckerspiegel bewahren.

Die aktuellen Untersuchungen der Turiner Forscher zeigen auch, dass vor allem schwankende Blutzuckerkonzentrationen, wie z.B. Blutzuckerspitzen nach dem Essen, dramatisch den Untergang (Apoptose) der so genannten Perizyten in der Retina verstärken. Perizyten sind Zellen, die der Außenwand von kleinen Blutgefäßen anliegen und für deren Neubildung und Stabilisierung sehr wichtig sind. Werden Perizyten im Auge geschädigt, kann dies zur Erblindung führen.

Diabetes ist die häufigste Ursache für Erblindungen: Nach 15 Jahren Diabetesdauer sind 2% aller Diabetiker blind und bei 10% ist das Sehvermögen stark beeinträchtigt.

Die viel versprechende Erkenntnis der italienischen Wissenschaftler: Wurde Thiamin oder Benfotiamin zu den Perizyten-Zellkulturen hinzugefügt, konnte der schädliche Effekt der schwankenden Blutzuckerspiegel komplett vermieden werden. “Thiamin und Benfotiamin sind in der Lage, die Apoptose der Pericyten zu verhindern”, fasste Berrone zusammen. Das deute erneut darauf hin, dass das Vitamin ein Ansatz sein könnte, diabetischen Gefäßkomplikationen vorzubeugen und/oder diese zu behandeln, so die Wissenschaftlerin.

Schon in früheren internationalen Studien wurde nachgewiesen, dass Benfotiamin wirksam die gefäßschädigenden Mechanismen hemmt, die für Folgeerkrankungen des Diabetes verantwortlich gemacht werden. In der Prävention und Behandlung diabetischer Nervenschäden (Neuropathien) wird die gut verträgliche Thiamin-Vorstufe schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt.

Warum in der Praxis die Vitamin B1-Vorstufe Benfotiamin angewendet wird, erklärt die Gesellschaft für Biofaktoren (GfB): “Benfotiamin ist fettlöslich und wird dadurch vom Körper und den Geweben in wesentlich größeren Mengen aufgenommen als wasserlösliches Vitamin B1. In den Zellen wird Benfotiamin dann in Thiamin ungewandelt.” Das sei eine wichtige Voraussetzung, um gefäß- und nervschützende Effekte zu erzielen, heben die Wissenschaftler von der GfB hervor.

 

Bluthochdruck

(2009)

Viel Salz, hoher Blutdruck!

Der Welt-Hypertonie-Tag richtet die Aufmerksamkeit auf Risikofaktoren für Bluthochdruck und betont dieses Jahr den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck. Der 17. Mai steht unter dem Motto “Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!”

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nr.1 – die Zahl der Betroffenen nimmt in einem besorgniserregenden Maße stetig zu. Mindestens 30 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits zu hohen Blutdruck. Man schätzt, dass bei den über 60-Jährigen jeder zweite einen zu hohen Bluthochdruck hat.

Bluthochdruck hat gravierende Folgen, denn er erhöht das Risiko deutlich, gefährliche (kardio-)vaskuläre Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Retinopathie, Demenz) zu erleiden. In Deutschland werden gegenwärtig rund 200.000 Schlaganfälle pro Jahr registriert, von denen 90.000 tödlich verlaufen. Wenn man bedenkt, dass 40 Prozent dieser Schlaganfälle und die daraus resultierenden Todesfälle durch eine bessere Blutdruckeinstellung verhindert werden könnten, wird deutlich, wie wichtig die Prävention ist. Die Prävention umfasst eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck. Leider ist die Dunkelziffer der Hypertonie nach wie vor sehr hoch, denn ein zu hoher Blutdruck macht normalerweise keine Symptome. Der Bluthochdruck wird oftmals erst gar nicht bemerkt. Über die Hälfte der Patienten ist nicht diagnostiziert und nur jeder dritte diagnostizierte Patient wird auch behandelt.

Auch die Prävention von Bluthochdruck steckt noch in den Kinderschuhen

Zwar sind die Ursachen der essentiellen Hypertonie multifaktoriell und nicht endgültig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren sind bekannt und könnten gut beeinflusst werden. Dazu gehört neben dem Rauchen und dem Übergewicht auch die salzreiche Kost. Was den wenigsten Menschen bekannt ist: Ein hoher Salzkonsum stellt einen Risikofaktor dar und kann zu Bluthochdruck führen.

Der Salzkonsum ist besonders problematisch, da wir oft unwissentlich “verstecktes” Salz zu uns nehmen – und zwar via Konserven, Fertiggerichte oder Fastfood-Essen. Der durchschnittliche pro Kopf-Salzkonsum ist fast doppelt so hoch wie empfohlen. Nach Angaben der Welt-Hypertonie-Liga könnten jährlich weltweit 2,5 Millionen Todesfälle vermieden werden, wenn die Menschen ihren Salzkonsum auf maximal 6 Gramm/Tag halbieren würden. Der Welt-Hypertonie-Tag 2009 möchte darauf aufmerksam machen und das Bewusstsein für die Erkrankung Bluthochdruck schärfen. Das Motto des internationalen Aktionstages lautet: “Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!”

Die Erkrankung Bluthochdruck stellt eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft dar und ist bereits jetzt die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen. Der Bluthochdruck steht daher auch in diesem Jahr im Mittelpunkt des Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. in Wiesbaden unter der Kongresspräsidentschaft von Prof. Dr. med. Rainer E. Kolloch (Bielefeld). Im Rahmen der Kongresspressekonferenz am 20.04.2009 wurden die verschiedenen Aspekte der Hypertonie beleuchtet und Präventionsmaßnahmen dargestellt. Prof. Dr. med. Joachim Hoyer (Marburg), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. und der Deutschen Hypertonie Gesellschaft, wird auf der Pressekonferenz zur “weißen Gefahr” sprechen – sein dringender Appell lautet: “Weniger Salz für alle!”

Durch konsequente Präventionsmaßnahmen können Bluthochdruck und die daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen vermieden werden. Am Welt-Hypertonie-Tag, am 17. Mai 2009, werden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen und kostenlose Blutdruckmess-Aktionen durchgeführt, zu denen die Deutsche Hochdruckliga aufgerufen hat (Liste unter www.hochdruckliga.de). Zudem hat die Hochdruckliga einen Informationsflyer zum Thema “Salz und Bluthochdruck” erstellt, der ebenfalls online eingesehen und angefordert werden kann.

Diabetes News Welt Hypertonie Tag 2009

Insulinanaloga

(2009)

Deutscher Diabetikerbund fordert weitere Verordnungsfähigkeit langwirksamer Insulinanaloga

Der Bundesvorstand des Deutschen Diabetiker Bundes e.V. fordert nach wie vor vehement den Erhalt der Verordnungsfähigkeit langwirksamer Insulinanaloga bei Typ 2 Diabetes. Schätzungsweise acht Millionen Bundesbürger leiden an der Volkskrankheit Diabetes. Lediglich auf Kostenüberlegungen reduziert, zeichnet sich eine zunehmende Tendenz der gesetzlichen Krankenversicherer ab, die Versorgungsqualität einzudämmen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIQ) beauftragt, langwirksame Insulinanaloga auf Vorteile gegenüber dem Humaninsulin als Standardtherapie zu untersuchen. In Kürze soll im G-BA ein Beschluss darüber gefasst werden, ob diese wichtigen Medikamente für Typ 2 Diabetiker weiter verordnungsfähig bleiben oder nicht. Die IQWIQ-Bewertung, die der Beschlussfassung des G-BA als Vorlage dienen soll, ist in sich nicht schlüssig. Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. rügt daher, dass im Bericht selbst von “positiven Effekten” gesprochen wird, die in der Reduktion von Hypoglykämien liegen. Im Fazit wird seitens des IQWIQ ein Nutzen jedoch in Abrede gestellt. Das macht den Bericht für uns im Ergebnis nicht verwertbar. Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. wirft in diesem Zusammenhang den IQWIQ-Verantwortlichen Zynismus vor. Aus Sicht des Deutschen Diabetiker Bundes ist die Verordnungs-fähigkeit unbedingt zu erhalten, weil sowohl schwere, als auch nicht schwere Hypoglykämien reduziert werden können. Ein Außerachtlassen auch des Rückganges nicht schwerer Hypoglykämien als Nutzenaspekt verbietet sich. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes e.V., Dieter Möhler, hierzu: “Volle Hörsäle mit Betroffenen zum Thema Hypoglykämiewahrnehmung und die Diskussionen hierzu zeigen, dass häufige leichte Hypoglykämien vielfach in spätere schwere Hypoglykämien münden.”

Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. fordert dementsprechend die Verordnungsfähigkeit für alle Fälle häufiger Hypoglykämien, unabhängig von deren Schweregrad. Dieter Möhler weiter: “Wer die Verordnungsfähigkeit beseitigt, gefährdet sehenden Auges den Patienten. Es ist allgemeine Auffassung auch in der Rechtsprechung, dass eine mit dem Beschluss notwendig werdende Therapieumstellung dem Patienten nicht zuzumuten ist, wenn diese mit gesundheitlichen Risiken verbunden wäre. Hierbei kommt es auf das konkrete Ausmaß der Risiken überhaupt nicht an.” Und weiter ergeht ein deutlicher Hinweis in Richtung zukünftiger Verordnungspraxis durch die Ärzteschaft: “Der ärztliche Sorgfaltsmaßstab bemisst sich nach den Maßstäben der Medizin. Insoweit ist eine Patientengefährdung nicht durch wirtschaftliche Aspekte zu legitimieren”.

Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. teilt weiterhin mit, den Bundesvorsitzenden Dieter Möhler in den Gemeinsamen Bundesausschuss zur Frage der Verordnungsfähigkeit der langwirksamen Insulinanaloga entsendet zu haben. Er nimmt an den Erörterungen teil, allerdings nach gegenwärtiger Gesetzeslage ohne Stimmrecht.

Hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

(2009)

Studien-Zwischenergebnis zur Kombinationstherapie Insulin plus Pioglitazon

Kombinierte Therapie hilft bei Diabetes Typ 2-Insulinresistenz

Berlin – Eine Ursache des Diabetes Typ 2 besteht in der Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber der biologische Wirkung von Insulin. Ist diese Insulinresistenz ausgeprägt, wirkt auch das zugeführte Insulin im Rahmen einer Diabetes-Therapie nicht effektiv genug. Sogenannte Insulin-Sensitizer erhöhen die Insulin-Empflindlichkeit wieder. Seit 2007 ist in Deutschland eine kombinierte Therapie des Wirkstoffes Pioglitazon mit Insulin zugelassen. Die kürzlich veröffentlichte Zwischenauswertung einer laufenden Studie zeigt, dass diese Kombination effektiv und sicher ist.

Ärzte können die Kombination aus Insulin plus Insulin-Sensitizer Pioglitazon bei Menschen mit Diabetes Typ 2 und einer ausgeprägten Insulinresistenz einsetzen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass bei ihnen die Standard-Kombination Insulin und Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen nicht möglich ist. Diesen Patienten gelingt es trotz sehr hoher Insulindosen nicht, den Blutzucker langfristig zu normalisieren.

An der laufenden Studie beteiligen sich mehr als 4000 Patienten, die mit der Kombination Insulin und Pioglitazon behandelt werden. Die Befunde wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten erhoben. Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 2086 Patienten aus 408 diabetologischen Studienzentren zeigt positive Ergebnisse: “Die Blutzuckerwerte sanken um nahezu einen Prozentpunkt von 8,22 auf 7,26 Prozent”, erläutert Erstautor Privatdozent Dr. med. Rainer Lundershausen, Erfurt. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE empfehlen 6,5 Prozent als Ziel in der Diabetestherapie. Gleichzeitig benötigten die Patienten 22 Prozent weniger Insulin. Eine weitere günstige Begleiterscheinung der Behandlung waren bessere Blutdruck- und Blutfett-Werte der Studienteilnehmer. Die Therapie war mehrheitlich gewichtsneutral: Einige stark Übergewichtige nahmen deutlich ab, während einige andere Patienten an Gewicht zulegten.

Die meisten Patienten vertrugen die Kombination der beiden Medikamente gut. Bei jedem siebten Patienten kam es zu Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Ödeme bildeten sich aber unter der Therapie mit einem harntreibenden Mittel zurück. Kein Patient musste die Therapie deshalb abbrechen. Andere, bereits bekannte Komplikationen von Pioglitazon, wurden nicht beobachtet. Insbesondere können neben Wassereinlagerungen auch Herzschwäche oder erhöhte Anzahl von Knochenbrüchen bei Frauen auftreten.

Erhalten Patienten die Kombinationstherapie zum ersten Mal, sollte der Arzt die Insulindosis individuell reduzieren, um Unterzuckerungen vorzubeugen. diabetesDE und die DDG empfehlen, diese Patienten in den ersten Wochen intensiv zu beobachten, insbesondere im Hinblick auf das Auftreten von Herzinsuffizienzsymptomen. “Die Auswertungen zeigen, dass Pioglitazon in Kombination mit Insulin schneller zur Wirkung kommt als in der Pioglitazon-Monotherapie”, betont Diabetologe Lundershausen. Entscheidend für einen unproblematischen Einstieg in diese Therapieform sei deshalb die kontinuierliche Anpassung der Insulindosis.

Zugelassene Insulin-Sensitizer sind in Deutschland Rosiglitazon und Pioglitazon. Sie erhöhen unter anderem die Insulinempfindlichkeit von Leberzellen, Muskulatur und Fettgewebe: Die Zellen nehmen dadurch mehr Zucker auf. Die Leber hingegen schränkt ihre Glukoseproduktion ein. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel sowohl nüchtern als auch nach Mahlzeiten.

Hautpflege im Sommer

(2009)

Hautpflege im Sommer

Wenn die Sonne länger lacht

Die Sonne lacht und lockt ins Freie. Egal ob Schwimmen im Freibad, ausgiebige Spaziergänge, ein kühles Blondes im Biergarten oder kulturelle Besichtigungen, die Sonne ist dabei stets eine ständige Begleiterin, doch ihr Lächeln ist mit Vorsicht zu genießen.

Die Sonne strahlt

UV-Strahlung ist nicht nur für den akuten Sonnenbrand und den langfristig entstehenden Hautkrebs verantwortlich, die ultravioletten Strahlen, insbesondere die UV-A Strahlen, sind auch eine Hauptursache für vorzeitig alternde Haut. Während UV-B Strahlen für die Bräunung unserer Haut sorgen, aber auch Sonnenbrand und eine Schädigung des Erbgutes verursachen können, dringen die UV-A Strahlen mit einer Wellenlänge zwischen 320 und 400 nm wesentlich tiefer in die Haut ein. Sie erreichen sogar die Unterhaut und können dort strukturelle Veränderungen an den elastischen Fasern (Kollagen und Elastin) auslösen, wodurch das Bindegewebe geschwächt wird und seine Elastizität verliert. Die Haut erschlafft und wird faltig. Speziell bei Diabetikern können Hautalterungsprozesse aufgrund der gestörten Stoffwechsellage noch schneller ablaufen. Grund dafür ist u.a. die Veränderung der Eiweißmoleküle, die das Wasserbindungsvermögen der Haut reduziert und somit Falten, Juckreiz und Schuppen entstehen lässt. Um sich und seine Haut umfassend vor der Sonne zu schützen, ist zunächst die Wahl des richtigen Sonnenschutzmittels wichtig. Die Auswahl des passenden Lichtschutzmittels sollte unter Beachtung des Hauttyps und der Formelgrundlage erfolgen. Optimalen Schutz bieten vor allem Produkte, welche neben den notwendigen UV-A und UV-B Filtern auch noch zusätzlich sogenannte “Actives”, also aktive Wirkstoffe beinhalten. Diese aktiven Wirkstoffe schützen die tiefer liegenden Hautschichten und sind sogar in der Lage UV- induzierte Hautschäden zu reparieren.

Aktive Wirkstoffe- ein wichtiger Bestandteil des Sonnenschutzes

Einer dieser aktiven Wirkstoffe ist zum Beispiel die natürliche Substanz Licochalcone A, ein Extrakt aus der Süßholzwurzel. Die vorwiegend in Asien beheimatete Pflanze hat einen hohen Eigenschutzmechanismus entwickelt und schützt sich mit Hilfe des Antioxidans Licochalcone A vor Zellschädigung durch UV-Strahlung. Eben dieser Mechanismus kann auf die menschlichen Zellen übertragen werden. Sonnenschutzprodukte mit Licochalcone A schützen besonders tiefer liegende Hautareale, indem sie die Bildung von freien Radikalen reduzieren. Dieser Dreifachschutz bestehend aus UVA- Filter, UV-B Filtern und dem zusätzlichen Tiefenzellschutz gewährleistet ein Höchstmaß an Sicherheit vor sonnenbedingten Schäden.

Eine weitere Substanz für den Tiefenzellschutz sind die im grünen Tee enthaltenen Polyphenole, auch diese sind aufgrund ihrer protektiven Kapazität heute ein Bestandteil in einigen Sonnenschutzmitteln. Außerdem wirksame aktive Wirkstoffe sind das Algen-Enzym Photolyase oder Extrakte der Kaktusfeige.

Pflege nach der Sonne

Spezielle After-Sun-Präparate sollten entzündungshemmende Eigenschaften z.B. Hamamelisdestillat ausweisen, beruhigend und kühlend wirken. Da nach der Sonnenbestrahlung die Haut häufig trocken ist und die durch Diabetes bedingte trockene Haut zusätzlich belastet wird, eignet sich auch eine Nachpflege mit einer schnell einziehenden Öl – in – Wasser Körperlotionen mit Urea. Zusätzlich zu dem sorgfältigen Eincremen mit einem Sonnenschutzprodukt mit Dreifachschutz gibt es noch ein paar Tipps, mit denen einem unbeschwerten Aufenthalt in der Sonne nichts mehr im Wege steht.

  • Generell sollten alle Familienmitglieder die starke Mittagssonne meiden, Babies und Kleinkinder sollten gar nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.
  • Kinder sollten mit speziellen Kindersonnenschutzmitteln geschützt werden. Am Besten sind solche die einen besonders hohen Lichtschutzfaktor haben, klinisch getestet wurden und extra wasserfest sind.
  • Nur regelmäßiges Nachcremen, insbesondere nach dem Baden, Plantschen und Toben, erhält den Sonnenschutz.
  • Zusätzlich zu einem Sonnenschutzmittel, helfen auch Kleidungsstücke die Haut zu schützen. Sinnvoll kann es sein, für betroffene Kinder oder auch Erwachsene, UV-Schutzkleidung anzuschaffen. Diese wird auf Mikrofaserbasis hergestellt und ist daher auch besonders für empfindliche Haut geeignet.
  • Der Kopf sollte mit einem breitkrempigen Hut und die Augen mit einer adäquaten Sonnenbrille (mindestens Label “UV 400″) geschützt werden.
  • Nach einem Tag draußen sollte am Abend die Haut sorgfältig gereinigt und anschließend mit einer pflegenden reichhaltigen Lotion eingecremt werden.
  • Da viele Arzneimittel die Sonnenempfindlichkeit steigern können, sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker um eine entsprechende Aufklärung bitten.
  • Auf Kosmetika wie Deodorants und Parfüms sollte verzichtet werden, da diese zu Pigmentstörungen führen können.

Interview

(2009)

Nephro-Kongress Tübingen

Klassiker nach wie vor Blutdruckkontrolle
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Der Sprecher der Gesellschaft für Nephrologie Prof. Dr. med. Jan Galle im Interview mit unserer Zeitung über Änderungen in der Verbandslandschaft sowie Neues und Bekanntes aus der Schnittmenge von Diabetologie und Nephrologie

Diabetes >News: Was sind die interessantesten Neuigkeiten aus der Nephrologie im Bereich Diabetes?

Das Wichtigste der Jahrestagung in Tübingen in 2008 ist nicht im engen Sinne medizinisch: Es ist die Nachricht, dass die nephrologischen Fachgesellschaften sich zusammengeschlossen haben und die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie DGfN gegründet haben. Das ist eine wichtige Nachricht für die gesamte Medizin, weil damit die Nephrologie zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten wieder mit einer Stimme spricht. Wir hatten verschiedene Gesellschaften, die Gesellschaft für Nephrologie, die Arbeitsgemeinschaft für klinische Nephrologie und die Vereinigung der niedergelassenen Nephrologen. Diese 3 Gesellschaften haben jetzt einen gemeinsamen Vorstand gegründet, eben den Vorstand der DGfN. Die Niedergelassenen werden als kooperierendes Mitglied dabei sein, haben aber einen Vertreter im fünfköpfigen Vorstand, die anderen 4 Mitglieder sind klinisch, universitär und grundlagenwissenschaftlich tätige Nephrologen.

Was in diesem Jahr im Bereich der Diabetologie publiziert wurde mit Überlappung zur Nephrologie, sind zwei große Studien, die Accord-Studie und die Advance-Studie sowie eine Follow-up-Untersuchung der Steno-2-Studie mit nephrologisch relevanten Endpunkten. Studien, die im Bereich der Diabetologen für Interesse und Aufsehen sorgen und die auch im Kreis der Nephrologen diskutiert und vorgestellt wurden. Wir haben ja eine große Überlappung mit diabetischen Patienten, etwa ein Drittel der Patienten, die heute neu an die Dialyse kommen, kommen dorthin aufgrund der diabetischen Nephropathie. Mitbehandlung von Diabetikern ist für Nephrologen eine Selbstverständlichkeit und etwas, das mit großem Interesse gesehen wird.

Diabetes >News: Was ist an den beiden Studien für Nephrologen interessant?

Es gibt eine Unteranalyse aus diesen Studien, die zeigt, dass die strenge Blutzuckereinstellung für die renalen Endpunkte wichtig war. Bei der Advance-Studie war ein prästratifizierter Endpunkt mit mikrovaskulären Endpunkten festgelegt und der ist signifikant positiv beeinflusst worden durch die intensive Behandlung und diese positive Beeinflussung fand hauptsächlich auf Ebene der Niere statt. In den Endpunkt waren insbesondere die diabetische Retinopathie und die diabetische Nephropathie aufgenommen und gerade bei der Nephropathie gab es einen deutlichen Vorteil mit einer relativen Risikoreduktion von 21 Prozent. Das ist etwas, das die Nephrologen wahrnehmen sollen und müssen, weil sie damit im Einklang mit älteren Ergebnissen der UKPDS-Studie oder auch Analysen aus der Steno-2-Studie Hinweise darauf haben, dass sich die strenge Blutzuckereinstellung eben auch für unsere nephrologischen Probleme lohnt.

Diabetes >News: Die GfN spricht davon, dass mit Blick auf Prävention und Früherkennung größere Anstrengungen notwendig seien, um bei gefährdeten Personen wie Diabetikern durch geeignete therapeutische Maßnahmen das Fortschreiten des Nierenversagens zu verlangsamen oder einen geplanten Beginn der Dialyse sicherzustellen. Gibt es da konkrete Maßnahmen?

Die Morbidität der Patienten, wenn sie einmal an die Dialyse gekommen sind, ist sehr hoch, das ist klar. Die Zahlen sind etwas unterschiedlich publiziert, in den USA ist die Rede davon, dass zum Beispiel ein Typ-2-Diabetiker, wenn er an die Dialyse kommt, eine Wahrscheinlichkeit von etwa 35 Prozent hat, nach zwei Jahren zu versterben. Das ist eine extrem hohe Mortalität, wahrscheinlich liegen die Zahlen in Deutschland etwas günstiger, so wie wir das aus Auswertungen von zum Beispiel der 4D-Studie kennen. Dass man sich auf verschiedenen Ebenen um diese Patienten zu kümmern hat, folgt schließlich aus dieser erwiesenermaßen hohen Mortalität, man muss versuchen, alle Risikofaktoren, die diese Patienten mitbringen, im Fokus zu haben, Diabetes, Hyperlipidämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es reicht nicht nur, ausschließlich Dialyse-Therapie zu machen, sondern man muss auch die Begleiterkrankungen behandeln.

Es gibt Projektpläne, dass man im Prädialyse-Bereich die Schnittstelle zwischen Hausarzt und Nephrologe verbessert, im Sinne eines Präventionsprogramms. Das ist in Arbeit, es wird verhandelt zwischen Vertretern der Bundes-KV und Vertretern der Dialyseanbieter und an einem Papier gearbeitet, was eben diese Schnittstelle definieren soll, damit es leichter wird, Patienten rechtzeitig, noch bevor die Nierenerkrankung weit fortgeschritten ist, zu identifizieren. Mit der Schnittstelle Hausarzt – Nephrologe sollen die Betroffenen einer, was die Niere anbelangt, spezialisierten Medizin zugeführt werden, ohne dass man die Patienten dem Hausarzt wegnimmt. Das ist ein Gebot der Politik, an dem verschiedene Gruppen arbeiten.
Diabetes >News: Wie steht es um die Zukunft der Proteomanalyse, wenn es um Marker der diabetischen Nephropathie geht?

Das ist noch alles weit entfernt von der Praxisanwendbarkeit. Es mag so sein, dass man in mittelfristiger Zukunft über solche Analysen Patienten mit Diabetes identifizieren kann, die ein höheres Risiko haben, wirklich eine manifeste diabetische Nephropathie zu entwickeln. Das ist durchaus wichtig, weil viele Patienten, auch wenn sie zehn, fünfzehn Jahre einen nicht gut eingestellten Diabetes haben, keine diabetische Nephropathie entwickeln. Oder anders gesagt: Es sind von den genannten Patienten nur so etwa 30 bis 40 Prozent, die auch eine diabetische Nephropathie entwickeln, die anderen tun das nicht. Die unterscheiden sich, und das kann man durch so eine Analyse irgendwann herausbekommen. Aber ab wann das etwas ist, das am Patienten zum Einsatz gebracht wird im Sinne einer Risikostratifizierung, das kann ich wirklich noch nicht sagen. Ob das überhaupt für die Praxis insgesamt sehr relevant sein wird, würde ich auch noch dahingestellt lassen; es ist natürlich wissenschaftlich sehr interessant, aber ich denke, nach wie vor ist die Bestimmung der Albuminurie ein kostengünstiger, breit anzuwendender Test um festzustellen, wann eine diabetische Nephropathie anfängt.

Wir weisen immer wieder quasi gebetsmühlenartig darauf hin, dass wir bei den großen Risiko-Gruppen der Hypertoniker und Diabetiker mit einfachen Testverfahren viel erreichen können, also sie identifizieren können. Es ist immer wieder die Bestimmung der Albuminurie im Urin mittels Teststreifentest und die Kalkulation der Nierenfunktion, um Patienten rechtzeitig zu erkennen. Dass bei den Ü35-Vorsorgeuntersuchungen auf jeden Fall Mikroalbuminurie mitbestimmt werden soll und man das auch regelmäßig wiederholt bei diesen Risikokollektiven ist etwas, das wir immer wieder an die Hausärzte herantragen.

Diabetes >News: Was würden Sie in Sachen Therapie den mit Diabetes befassten Ärzten mitgeben?

Der Klassiker ist nach wie vor die Blutdruckkontrolle hin in den Normalbereich. Während für die Allgemeinbevölkerung die Grenze 140/90 mmHg gilt, sind Hochrisikopatienten wie eben zum Beispiel Diabetiker auf Werte unter 130/80 mmHg einzustellen. Mehr ist nach wie vor nicht wirklich klar, ob auch die Kontrolle in den Unternormalbereich von Vorteil für die Patienten ist oder diese mehr gefährdet, das wissen wir nach wie vor nicht gut. Es ist zunächst einmal auch irrelevant, mit welchen Medikamenten das gemacht wird, Hauptsache der Patient kommt in den Normalbereich.

Allerdings fordern wir Nephrologen, dass, wann immer eine signifikante Proteinurie dabei ist, man Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems einsetzt. Hier ist eine Studie vielleicht zu erwähnen, weil sie auf ein neues therapeutisches Prinzip eingeht: Es gibt ja mittlerweile die Möglichkeit, in das RAS auch direkt ganz oben in der Kaskade einzugreifen mit den direkten Renin-Inhibitoren. Im Juni wurde die Avoid-Studie publiziert, man hat den Effekt einer zusätzlichen Aliskiren-Medikation auf die Proteinurie bei Typ-2-Diabetikern mit diabetischer Nephropathie untersucht. Die Patienten waren mit einer Standard-Blutdrucktherapie inklusive eines Sartans versehen. Die zusätzliche Gabe von Aliskiren hatte noch mal eine 20-prozentige Senkung der Proteinurie zur Folge, so dass sich dieses Wirkprinzip auch anbietet. Die Studie war allerdings nur mit dem Endpunkt Proteinurie versehen, keinem harten renalen Endpunkt wie Organerhalt oder Verhinderung von Dialysepflichtigkeit.

Redaktion: Marcus Sefrin

Jetzt auch wissenschaftlich belegt

(2009)

Lachen ist gesund!

Lachen ist für Diabetiker die beste Zusatzmedizin, haben amerikanische Forscher jetzt gezeigt.

Eine definierte Zusatzportion Heiterkeit am Tag, in Form eines lustigen Films, hebt das gute Cholesterin und kann das Infarktrisiko senken. Messbare Veränderungen am Hormonhaushalt am Beispiel des Diabetes Typ 2 haben amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie erstmals belegen können.

Was wir schon immer ahnten …

Einflüsse der Psyche auf die körperliche Gesundheit werden seit zwei Jahrzehnten von der Wissenschaft erforscht. Ein Ergebnis, das nicht verwundert ist: Heiterkeit kann seelische Spannungen lösen, mobilisiert Lebensenergien und stabilisiert das emotionale Gleichgewicht. Neu ist, dass sie sich positiv auf den Hormonhaushalt auswirkt. Beispielsweise stimuliert schon die Vorfreude auf einen lustigen Film die Ausschüttung von Wachstumshormon und von Endorphinen, wie Forscher der Universität Loma Linda in Kalifornien herausfanden. Gleichzeitig sinkt die Ausschüttung von Stresshormonen.

Die auf einer Tagung der American Physiological Society in New Orleans vorgestellte Untersuchung belegt jetzt erstmals den günstigen Effekt von Freude und Heiterkeit auf eine Diabeteserkrankung. Gemeinsam mit dem Diabetesspezialisten Stanley Tan untersuchten die Forscher zwanzig Menschen mit Diabetes mellitus, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck. Die Hochrisiko-Patienten benötigten nicht nur mehrere Blutzuckermedikamente, sondern auch Blutdruck- und Cholesterinsenker. Der Hälfte der Patienten, der Gruppe L (“Lachen”) verordneten die Ärzte zusätzlich eine halbe Stunde Heiterkeit täglich – in Form eines lustigen Films.

… Heiterkeit ist gesund!

Positive Auswirkungen zeigten sich schon nach zwei Monaten: Die »Lachtherapie« hatte nicht nur die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin gesenkt. Auch Blutfette und entzündungsfördernde Botenstoffe wie das CRP – beide fördern die Arterienverkalkung – gingen zurück. Nach einem Jahr war die Konzentration des vorteilhaften HDL-Cholesterins in Gruppe L um ein sattes Viertel angestiegen. Der Entzündungsmarker CRP war um zwei Drittel abgefallen, 40% mehr als in der Vergleichsgruppe, deren Teilnehmer keine Videos gesehen hatten.

Die Humorstudie von Berk und Tan ist nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ernstzunehmende klinische Forschung. Nichts spricht dagegen, dergleichen in die Diabetes-Therapie zu integrieren.

Neue Ansätze in der Diabetes-Forschung

(2009)

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Professor Dr. Elmar Peschke, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Weltweit ist die Wissenschaft auf der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes mellitus, weil eine stetig ansteigende Anzahl Menschen von dieser meist als Wohlstandskrankheit auftretenden Erkrankung betroffen ist. Allein in Deutschland sind es nahezu acht Millionen Patienten, denen jede neue Erkenntnis über den Diabetes zugutekommt. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Anatomie und Zellbiologie) haben einen neuen Ansatz gefunden, der möglicherweise in eine neue Therapieform münden kann.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Elmar Peschke entdeckten unter anderem, dass bei Diabetikern im Vergleich zum Gesunden das Hormon Melatonin deutlich verringert im Blut zu finden ist. Da Melatonin einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Insulinproduktion nimmt, sieht Professor Peschke in diesen Erkenntnissen einen neuen Ansatz für weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die dann in eine neue Therapie des Diabetes münden könnten. In Zellexperimenten konnten die Wissenschaftler belegen, dass Melatonin die stimulierte Insulinsekretion hemmt.

Melatonin ist ein Hormon, welches vor allem in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen maßgeblich beeinflusst. Die Melatoninkonzentration ist nachts am höchsten. Jetlag und Schichtarbeit sind mit gestörter Synthese und Ausschüttung von Melatonin verbunden. Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann zu Schlafstörungen führen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Melatoninproduktion ab. Die Arbeitsgruppe um Professor Peschke fand heraus, dass die Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse Melatoninrezeptoren aufweisen, die möglicherweise auf die tagesrhythmische Insulinproduktion Einfluss nehmen. Der enge funktionelle Zusammenhang zwischen Insulin und Melatonin sowie die wechselseitige Beeinflussung gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Arbeitsgruppe und begründet die Hoffnung, dass sich perspektivisch aus dieser Kenntnis Therapiestrategien ergeben könnten.

Das Langzeitforschungsprojekt der Arbeitsgruppe Peschke “Zeitstrukturen endokriner Systeme” wird von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig auch in den kommenden fast vier Jahren gefördert, damit diese ergebnisreiche Forschung fortgesetzt werden kann. Das ist das Ergebnis einer soeben erfolgten Evaluierung durch eine externe Kommission, die das Projekt positiv begutachtet und der Union der Akademien Deutschlands zur Weiterführung empfohlen hat. Der Evaluierungskommission konnten 48 Publikationen und 71 Kurzpublikationen sowie 3 Endokrinologie-Bände vorgelegt werden, die im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind. Projektbegleitend wurden ferner 42 Kolloquien mit internationaler Beteiligung durchgeführt, die gemeinsam von der halleschen Universität mit der Sächsischen Akademie veranstaltet wurden und der Öffentlichkeit zugänglich waren. Bereits seit 2000 unterstützt die Sächsische Akademie (Landesakademie für die Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen) die Projektarbeit. Geldgeber sind je zur Hälfte der Bund und das Land Sachsen-Anhalt. Ingesamt werden etwa zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgereicht, davon etwa 600.000 Euro in den kommenden Jahren bis Ende 2012. Von den Fördergeldern werden zwei Wissenschaftler und eine technische Mitarbeiterin sowie Verbrauchsmaterialien bezahlt.

Professor Elmar Peschke freut sich über die positive Begutachtung und die Fortsetzung der Förderung: “Wir sehen darin eine Anerkennung unserer wissenschaftlichen Arbeit und sehen uns bestärkt, unsere wissenschaftlichen Ansätze weiter zu verfolgen.” Mittlerweile knüpfen zahlreiche Forschergruppen, unter anderem in den Vereinigten Staaten und in Schweden, an die in Halle erzielten Ergebnisse an. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen, unter anderem in “Nature genetics”, wird auf die halleschen Erkenntnisse Bezug genommen. Perspektivisch wollen die halleschen Forscher vorrangig klären, durch welche Mechanismen ein gestörter Melatoninhaushalt auf die Entstehung des Diabetes mellitus Einfluss nehmen könnte. Von einer klinischen Anwendung der Erkenntnisse am Patienten ist die Wissenschaft allerdings noch weit entfernt. “Viel Forschungsarbeit”, sagt Professor Elmar Peschke, “liegt noch vor uns.”

Diabetesforschung

(2009)

Diabetes-Pipeline

Klassenneuling vom Rhein

Der Pharmahersteller Boehringer Ingelheim setzt auf Diabetesforschung. Der DPP-4-Inhibitor Ondero und zwei SGLT-2-Inhibitoren gehören zu den Substanzen, die sich in den Phasen II und III klinischer Prüfung befinden. Zugegeben, wer eine 3D-Brille trägt, sieht nicht gerade intelligent aus. Aber was man sieht, ist das, was zählt, und wenn Seitenkette für Seitenkette ein Molekül an das aktive Zentrum des Enzyms DPP-4 angepasst werden soll, ist die räumliche Darstellung schon hilfreich. Die kurze Vorstellung im 3D-Kino des Forschungsstandorts Biberach veranschaulicht am plastischsten die Ambition von Boehringer Ingelheim.

Mit einer best-in-class-Substanz will der süddeutsche Pharmahersteller das Feld der DPP-4-Inhibitoren von hinten aufrollen, momentan laufen zu BI 1356, so das noch unspektakuläre Kürzel des Hoffnungsträgers, Phase III-Studien in rund 50 Ländern, die Zulassung soll 2010 beantragt werden. Läuft alles nach Plan, wird Ondera, wie der Markenname einmal lauten soll, das erste Antidiabetikum aus dem Hause Boehringer sein, seit 2001 forscht der Pharmakonzern vom Rhein auf dem Gebiet Diabetes. Das Ziel des Klassenbesten glaubt man erreichen zu können, weil BI 1356 der bisher potenteste DPP-4-Inhibitor zu sein scheint, mit einer therapeutischen Dosis von 5 Milligramm erreicht man eine Enzym-Inhibition von 70 bis 80 Prozent, optimal für die Blutzuckersenkung, so Prof. Dr. med. Klaus Dugi.

Glukose einfach ausscheiden

Das andere Eisen im Feuer der Pharmaschmiede sind zwei SGLT-2-Inhibitoren. Der Sodium Glucose Co-Transporter 2 ist verantwortlich für die renale Reabsorption von Glukose in das Blut, eine Blockade des Transporters konnte laut präklinischen Daten die Glukosespiegel im Urin erhöhen und im Blut verringern, entsprechende Substanzen erniedrigen die Schwelle deutlich, ab der Glukose in den Urin ausgeschieden wird.

Klinische Daten zeigen, dass das Prinzip auch im Menschen funktioniert, zwei Substanzen hat Boehringer momentan in Phase II: BI 44847 unter Lizenz von Ajinomoto und BI 10773 aus der eigenen Forschung. “Sehr effektiv und gut verträglich” seien die Wirkstoffe nach bisherigen Ergebnissen, große Phase IIb-Studien laufen gerade an. Laut Dugi gibt es auch Menschen mit einem angeborenem kompletten Fehlen des SGLT-2, die pro Tag zwischen 50 und 150 Gramm Glukose am Tag ausscheiden und ansonsten völlig gesund sind. Er erwartet von entsprechenden Inhibitoren auch eine klinisch relevante Gewichtsabnahme, skeptisch zeigt er sich gegenüber einer Verwendung als reine Anti-Adipositas-Pille, wenn auch die nicht auszuschließen ist. Zu den Boehringer-Substanzen gibt es bisher maximal Daten über vier Wochen, zum SGLT-2-Inhibitor Dapagliflozin von Bristol-Myers Squibb und AstraZeneca über zwölf Wochen.

Mit weiteren Aktivitäten will Boehringer sein Diabetes-Portfolio noch erweitern. So werden zusammen mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Vitae seit 2007 11ß-HSD1-Inhibitoren entwickelt, die durch die Hemmung des an der Kortisol-Produktion beteiligten Enzyms nicht nur für die Behandlung des Diabetes, sondern auch anderer Aspekte des metabolischen Syndroms wie Adipositas, Dyslipidämie und Bluthochdruck interessant sein könnten. Auch mit der Dresdner Technischen Universität sowie dem dortigen Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik bestehen wissenschaftliche Kollaborationen im Bereich der Grundlagenforschung zu Diabetes.

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Boehringers DPP-4-Hemmer BI 1356 bindet eng am aktiven Zentrum des Enzyms

“Potenteste Substanz” – Über die Chancen des DPP-4-Inhibitors von Boehringer Ingelheim sprachen wir mit Prof. Dr. med. Klaus Dugi, Vizepräsident Medical Affairs des Unternehmens

Diabetes>News Zeitung: Was werden voraussichtlich die Unterscheidungsmerkmale sein, mit denen Sie Ihr Ziel “best in class” erreichen wollen?

Prof. Dr. med. Klaus Dugi: Das klinisch relevanteste Merkmal ist die Tatsache, dass BI 1356 von den DPP-4-Inhibitoren, die wir bis jetzt kennen, der einzige zu sein scheint, der überwiegend nicht renal eliminiert wird. Davon kann man erwarten, dass Patienten mit Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung benötigen. Wir wissen: 30 bis 50 Prozent der Patienten mit Typ-2-Diabetes haben eine gewisse Form der Nierenfunktionsstörung, 20 bis 40 Prozent haben eine diabetische Nephropathie.

Ein zweiter Aspekt ist das therapeutische Fenster. Dadurch dass die Substanz die potenteste Substanz ist, haben wir eine niedrige Dosis von fünf Milligramm, was man am Anfang der klinischen Prüfung noch nicht wusste. Da haben wir auch 600 Milligramm getestet – und das wurde perfekt vertragen. Wir wissen, dass Verschreiber manchmal Antidiabetika unterdosiert haben aus Sorge vor Nebenwirkungen wie Unterzuckerungen. Wir haben hier eine Substanz, die wir in 120-facher Dosis gegeben haben ohne Verträglichkeitsprobleme, das gibt dem Verschreiber vielleicht auch die Sicherheit, die Substanz auch bei Patienten einzusetzen, die viele andere Medikamente haben, älter sind oder andere Organfunktionsstörungen haben.

Dann haben wir noch gesehen, dass durch die enge Bindung an das DPP-4-Protein die Wirkung sehr lange anhält, 24 Stunden und länger. Wenn der Patient am Morgen vergisst, die Tablette zu nehmen, kann er sie auch am Abend noch nehmen, auch wenn er einen Tag aussetzt, hat er bei der Wirksamkeit wahrscheinlich keinen Nachteil.

Diabetes>News Zeitung: BI 1356 ist sehr selektiv für DPP-4 im Vergleich zu DPP-8 und -9. Warum könnte das ein Vorteil sein?

Prof. Dr. med. Klaus Dugi: Man hat einige DPP-4-Inhibitoren in der Entwicklung gesehen, die eingestellt werden mussten, weil man in Tierversuchen Toxizität gesehen hat. Wir haben den Kollegen von Merck die Erkenntnis zu verdanken, dass es neben DPP-4 noch andere DPP-Proteine gibt, dazu gehören eben -8 und -9. Es gibt Substanzen, die selektiv sind, zum Beispiel Sitagliptin und auch BI 1356, und es gibt eben Substanzen, die nicht so selektiv sind und auch DPP-8 und -9 zu einem bestimmten Prozentsatz hemmen. Als Probleme bekannt sind Hautläsionen an den Fingern, Zehen oder Ohren, da hat die FDA auch alle Firmen, die DPP-4-Inhibitoren entwickeln, gebeten, Versuche an Affen zu machen. Wir haben eine über 1000-fache Exposition im Vergleich zur therapeutischen Dosis getestet und haben mittlerweile auch Jahresstudien, die FDA-Auflage waren nur 13-Wochen-Studien, und nicht ein Affe hat Hautläsionen gehabt.

Das Interview führte Marcus Sefrin

Infarktrisiko: Lipidwerte sagen nicht alles

(2009)

Das HDL-Dogma wankt – Menschen mit vererbt niedrigem Spiegel an HDL-Cholesterin sind nicht stärker herzgefährdet als andere – zumindest zeigt dies ein Experiment der Natur

Diabetiker haben bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Als wichtiger Risikofaktor gilt gemeinhin ein verändertes Blutfettprofil. Die gefährliche Konstellation besteht nach der Lehrmeinung in erniedrigten Blutspiegeln an HDL (High-Density-Lipoprotein, eine bestimmte Fraktion des Blutcholesterins), erhöhten Spiegeln für Triglyzeride und kleinen, dichten LDL-Partikeln (Low-Density-Lipoprotein). Schon vor 30 Jahren wurde die These vom reversen Cholesterintransport aufgestellt. Danach transportieren HDL-Teilchen gefäßverengendes Cholesterin aus der Gefäßwand zurück zur Leber. Sie sind der gefäßschützende Gegenspieler der LDL-Teilchen. “Ein Experiment der Natur” bei Menschen, deren HDL-Spiegel genetisch bedingt niedrig sind, bringt diese pauschale Annahme ins Wanken.

KHK-Risiko sogar geringer als üblich

Dänische Forscher untersuchten Menschen mit einer bestimmten Genmutation (siehe unten), die besonders niedrige HDL-Spiegel aufweisen. Die Betroffenen hatten einen durchschnittlichen HDL-Spiegel von 41 mg/dl, gegenüber 58 mg/dl im Gesamtkollektiv von über 56000 Persoenen, aus denen diese Fälle stammten. Die Differenz von 17 mg/dl würde statistisch eine Erhöhung des KHK-Risikos um den Faktor 1,7 bedeuten. Jedoch lag das relative KHK-Risiko der Personen mit mutiertem Gen nur bei 0,93. Das eher erniedrigte Risiko war auch nicht mit niedrigen LDL-Spiegeln zu erklären; sie lagen im Normbereich.

Umgekehrt trifft auch die Annahme nicht immer zu, dass besonders hohe Spiegel an HDL-Cholesterin vor koronarer Herzkrankheit schützen. Die dänischen Forscher vermuten nun, dass es für das Gefäßrisiko gar nicht auf die Höhe des HDL-Cholesterins ankommt, sondern auf seine Qualität. Scheinbar gibt es gefäßschützende, aber auch entzündungsfördernde Varianten des Lipoproteins. Letztere würden die Atherosklerose fördern statt vermindern.

HDL über 60 mg/dl gilt als herzschützend

Die meisten Forscher sind aber der Meinung, dass die Ausnahmen nicht die Regel aufheben, wonach HDL über 60 mg/dl als kardioprotektiv angesehen wird. Der Grenzwert für niedriges HDL wird bei 40 mg/dl gesehen.

Selten: Vererbter HDL-Mangel

An der Entstehung der HDL-Teilchen, die überschüssiges Cholesterin aus der Gefäßwand abtransportieren und so die Gefäße schützen, ist das Gen und Protein ABCA1 beteiligt. Das Protein transportiert Cholesterin und Phospholipide aus dem Zellinneren von Makrophagen an die Oberfläche, wo dann das High-Density-Lipoprotein (HDL) gebildet wird. Bei Menschen mit der sehr seltenen Tangier-Erbkrankheit liegen reinerbig (homozygot) bestimmte Mutationen im Gen ABCA1 vor. Dies führt zu unmessbar niedrigen HDL-Blutspiegeln. Bei nur teilweiser Vererbung (Heterozygotie) entsteht der “familiäre HDL-Mangel”, die HDL-Spiegel sind deutlich erniedrigt. Triglyzeride sind nicht verändert.

Redaktion: Ralf Schlenger, Apotheker