News-Archiv: 2009

Diabetiker verunsichert

(2009)

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Prof. Dr. Haak

Diabetiker unnötig verunsichert – Warum Todesfälle in einer US-Studie kein Grund sind, hohe Blutzuckerwerte zu akzeptieren

In den USA musste eine Studie mit Diabetikern (Langzeitergebnisse der Studien UKPD, ACCORD, ADVANCE) abgebrochen werden, weil unter den besonders intensiv behandelten Patienten unerwartet viele Todesfälle auftraten. Der wahrscheinliche Grund: Der Blutzuckerspiegel wurde zu rabiat gesenkt. Deshalb nennt Professor Dr. Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, die gelegentlich zu hörende Schlussfolgerung, höhere Blutzuckerwerte zu akzeptieren, “groben Unsinn”.

Die amerikanischen Kollegen hätten in einer Gruppe Langzeitwerte unter sechs Prozent angestrebt und dabei bis zu 5 Medikamente verabreicht. Bei diesen Patienten seien die Todesfälle aufgetreten. “Dieses Vorgehen entspricht nicht unserer täglich angewandten Therapie”, betont Haak in der “Apotheken Umschau”. Das Ziel sei vielmehr, den Langzeitwert unter 6,5 bis 7 Prozent zu bringen, ohne dabei Risiken wie unsichere Arzneikombinationen in Kauf zu nehmen. Die deutliche Senkung des Blutzuckers bleibe aber unverzichtbar, um dem Diabetiker Spätschäden möglichst zu ersparen. Besonders wichtig sei es, Unterzuckerungen zu vermeiden.

Professor Dr. Thomas Haak setzt nach Möglichkeit nur “ein einzelnes Medikament oder eine Zweierkombination” ein. “Außerdem haben wir aus den Studien gelernt, dass wir nicht um jeden Preis bestimmte Therapieziele anstreben sollten”, so Haak. “Die maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Patienten ist das Gebot der Stunde.”

Abnehmen mit Wassertrinken

(2009)

Wassertrinken vor dem Essen wirkt!

Forum Trinkwasser informiert: Wassertrinken ist doppelt gut beim Abnehmen

Wer vor dem Essen einen halben Liter Wasser trinkt, isst anschließend weniger und verbraucht außerdem mehr Kalorien. Forscher der Virginia Tech, Blacksburg/USA, erbrachten erstmals den Nachweis, dass Wassertrinken vor der Mahlzeit dazu führt, dass weniger Kalorien aufgenommen werden (1). Zusätzlich erhöht es den Energieverbrauch bei Übergewichtigen (2), wie eine vom Forum Trinkwasser unterstützte Studie der Charité zeigt. Normalgewichtige profitieren von diesem Effekt sogar noch stärker (3), so dass Wassertrinken vor dem Essen sogar eine Vorbeugemaßnahme sein kann, die das Dickwerden verhindern hilft.

Bisher wurde nur angenommen, dass das Wassertrinken vor dem Essen das Hungergefühl durch den gefüllten Magen reduziert. Diese Vermutung haben Forscher aus den USA nun bei übergewichtigen und adipösen Personen untersucht. Sie erhielten ein aussagekräftiges Ergebnis: Nach dem Trinken von einem halben Liter Wasser vor dem Essen reduzierte sich die Kalorienzufuhr durch das folgende Frühstück um durchschnittlich 75 Kilokalorien (1). Was zunächst wenig erscheint, wird zu einer Summe von 27.375 Kilokalorien, wenn man den Effekt auf ein Jahr hochrechnet. Diese Kalorienmenge entspricht dem Kalorienaufkommen, das in 3 Kilogramm Fett steckt!

Zusätzlich belegte eine Studie, dass auch normalgewichtige, ältere Probanden nach dem Wassertrinken weniger essen (4).

Wassertrinken vor dem Essen spart also nicht nur Kalorien, sondern es kurbelt auch den Kalorienverbrauch an: Wer etwa 2 Gläser Wasser vor dem Essen trinkt, verbraucht zusätzliche Kalorien (2). Bei 1,5 bis 2 l Leitungswasser täglich lässt sich ein Mehrverbrauch von bis zu 100 Kilokalorien hochrechnen.

Das regelmäßige Trinken von Leitungswasser vor einer Mahlzeit hat also gleich zwei positive Effekte: Das Hungergefühl wird überlistet, wodurch weniger gegessen wird, und der Kalorienverbrauch erhöht sich.

Literatur
(1) Davy et al. J Am Diet Assoc. 2008; 108
(2) Boschmann et al. J Clin Endocrinol Metab. 2007; 92
(3) Boschmann et al. J Clin Endodrinol Metab. 2003; 88
(4) Van Walleghen et al. Obesity. 2007; 15

 

BdSN Checkliste Urlaub

(2009)

Reisen mit Diabetes

Checkliste: Urlaubsplanung für Diabetiker

Diabetes ist kein Hindernis für einen schönen Urlaub, wenn Sie sich Zeit nehmen für die Reise-Vorbereitungen. Denn sowohl Unterzuckerung als auch Überzucker, der zu Stoffwechselentgleisungen führen kann, sollten vermieden werden. Um Ihnen bei Ihren Reise-Vorbereitungen zu helfen, hat der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) eine Checkliste erstellt, was Sie bei der Urlaubsplanung berücksichtigen sollten. Egal ob Kurztrip oder ausgedehnte Reise, ob aktive Entdeckungstour oder Entspannung am Strand – mit diesen Tipps wird jeder Urlaub auch mit Diabetes zu einem ungetrübten Urlaubserlebnis.

Allgemeines

  • Wenn Sie sich im Urlaub mehr bewegen als sonst, kann dies zu Blutzuckerschwankungen führen. Dies sollten Sie bei der Blutzuckermessung und Medikamenteneinstellung denken.
  • Um eine mögliche Unterzuckerung zu vermeiden, überlegen Sie sich schon vor der Reise, wie und wo Sie sich mit Zwischenmahlzeiten versorgen können. Sie können sich auch selbst ausreichend mit Reiseproviant versorgen, beispielsweise mit Knäckebrot oder Getränken. Hierbei müssen Sie allerdings je nach Urlaubsziel die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Auch zur Überbrückung unerwarteter Verzögerungen der (Weiter-) Reise sollte der Proviant ausreichen.
  • Auch im Urlaub müssen Sie wie zu Hause täglich Ihre Füße kontrollieren. Bereits kleine Verletzungen, Blasen oder Risse können bei Diabetikern schnell zu Entzündungen und damit zum diabetischen Fußsyndrom führen.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Insulin spritzen und sich intensiver Sonneneinwirkung aussetzen. Trifft die heiße Sonne auf die frische Injektionsstelle, kann die Insulinwirkung beschleunigt werden und so möglicherweise zu einer Unterzuckerung führen. Das Insulin darf keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Graben Sie es notfalls am Strand im Sand ein oder verwenden Sie eine Kühltasche – vermeiden Sie in diesem Fall jedoch einen direkten Kontakt des Insulins mit dem Eisbeutel!
  • Nicht nur für Diabetiker gilt: Sprechen Sie vor Ihrer Reise mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihren Impfstatus und lassen Sie eventuell fehlende Impfungen vornehmen.
  • Auch wenn Sie die Sprache Ihres Urlaubslandes sprechen, kann es hilfreich sein, sich wichtige Begriffe in der jeweiligen Landessprache zu notieren, wie z.B. die Namen bestimmter Lebensmittel oder Redewendungen wie “Ich bin …”, “Ich habe …”, “Ich brauche …” oder einzelne Worte wie “Diabetiker”, “Unterzuckerung”, “Insulin”, “Medikamente”, “Spritzen” oder “Arzt”.

Krankenversicherung

Bei Reisen ins Ausland sollten Sie unbedingt spätestens 6 Wochen vor Beginn der Reise Kontakt zu Ihrer Krankenversicherung aufnehmen, da der Versicherungsschutz nur im Inland gilt. Durch die europäische Krankenversicherungskarte gilt der Versicherungsschutz in der europäischen Union. Bei Reisen in Länder außerhalb der EU-Mitgliedsstaaten empfiehlt es sich, eine zusätzliche private Auslandsreisekrankenversicherung mit Krankenrücktransport abzuschließen.

Kofferpacken

Wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen ist es wichtig, dass sie beim Packen zwischen Handgepäck und Hauptgepäck unterscheiden, da es im Frachtraum, in dem das Hauptgepäck während des Fluges lagert, zu extremen Temperaturunterschieden kommen kann, die sowohl Insulin als auch die Enzyme in den Blutzuckerteststreifen schädigen können.

Ins Handgepäck, das Sie während des Fluges bei sich tragen, gehören deshalb

  • Gekühltes Insulin für die gesamte Reise
  • Pen oder Spritzen
  • Glucagonspritze, wenn benötigt
  • Blutzuckermessgerät und alle Teststreifen
  • Blutzuckertagebuch
  • Acetonteststreifen
  • Ausreichend Pennadeln und Lanzetten je nach Dauer des Fluges
  • Abwurfbehälter
  • Not-Broteinheiten
  • Diabetesausweis (in verschiedenen Sprachen), um bei den Kontrollen nachweisen zu können, dass die Flüssigkeit im Handgepäck (Insulin) für die Reise notwendig ist. Der Ausweis sollte in der jeweiligen Landessprache und in englischer Sprache verfasst sein.

In das Hauptgepäck packen Sie

  • Ersatzpen, Einmalpen oder Einmalspritze
  • Ersatz-Blutzuckermessgerät und Ersatzbatterien
  • BE-Tabelle
  • Pennadeln und Lanzetten
  • Kühlbox fürs Insulin
  • Andere Medikamente (z.B. Durchfalltabletten, Schmerztabletten, Insektenabwehr, Pflaster, Fieberthermometer)

Der individuelle Bedarf ist natürlich von Diabetiker zu Diabetiker unterschiedlich und hängt auch von der Länge des Fluges ab. Sollten Sie unsicher sein, welche Punkte dieser Auflistung für Sie relevant sind, sprechen Sie bitte vor dem Flug mit Ihrem Arzt.

Zeitzonen und Zeitverschiebung

Die Zeitzonen-Verschiebung beeinflusst Ihren Insulinbedarf unterschiedlich: Bei Flügen in den Westen werden die Tage länger und es kann zur Insulinmangelversorgung und so zu einer Überzuckerung mit der Gefahr einer Stoffwechselentgleisung kommen. Um die “Insulinlücken” mit der Ortszeit am Reiseziel in Einklang zu bringen, wird mehr Insulin benötigt. Bei Flügen in den Osten hingegen werden die Tage kürzer und es kann leichter zu einer Unterzuckerung kommen, da für den Tag weniger Insulin als gewöhnlich benötigt wird.

Beträgt die Zeitverschiebung bei Ihrer Reise weniger als 6 Stunden, können Sie den Insulinbedarf mit schnell wirksamem Bolusinsulin regeln, das Sie beispielsweise zur zusätzlichen Mahlzeit im Flugzeug spritzen können. Liegt die Zeitverschiebung bei über 6 Stunden, sollten sie Ihren Insulinbedarf mit dem Basalinsulin regulieren, das sie regelmäßig spritzen. Hierbei wird das Insulin vorsichtig erhöht oder verringert. Falls Sie Insulin spritzen oder Tabletten nehmen, die die Insulinausschüttung fördern, sprechen Sie auf jeden Fall vor der Reise mit Ihrem Arzt über die genaue Anpassung.

Jetlag

Unser biologischer Rhythmus wird von der Drehung der Erde durch die Licht- und Dunkelphasen bestimmt. Bei Reisen durch mehrere Zeitzonen kann die innere Uhr gestört werden und es kommt zum “Jetlag”. Der Anpassungsprozess kann 3 bis 5 Tage dauern und zu zahlreichen Symptomen führen, wie gestörter Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Übelkeit. Diese Symptome sind schwer von einer Über- oder Unterzuckerung zu unterscheiden, so dass die regelmäßige Blutzuckermessung einen noch größeren Stellenwert bekommt.

Messen Sie Ihren Blutzucker immer dann, wenn Sie sich unsicher fühlen, spätestens jedoch nach drei Stunden. Generell gilt: Sprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und Diabetologen ab und lassen Sie sich von ihm darüber beraten, wie Sie Ihre Medikamenteneinstellung im Urlaub am besten der veränderten Situation anpassen.

Der BdSN

Im Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) haben sich über 100 niedergelassene Diabetologen organisiert und die bisherige positive Entwicklung in der Betreuung von Diabetes-Patienten mitgestaltet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung Diabeteskranker weiter zu verbessern.

Gutachten: lang wirksame Insulinanaloga

(2009)

Gutachten bestätigt Vorteile der lang wirksamen Insulinanaloga

Leichte und nächtliche Unterzuckerungen treten signifikant seltener auf als unter herkömmlichem Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin)

Ein aktuelles Gutachten (1) sieht einen relevanten positiven Effekt von Insulindetemir auf die Verringerung der Anzahl hypoglykämischer Ereignisse im Vergleich zu NPH-Insulin bei Typ 2 Diabetes. Das IQWiG (2) hat in seinem Bericht Hinweise hierfür auch beschrieben. “Leider wird dieser Zusatznutzen im Fazit des IQWiG-Berichtes nicht ausreichend berücksichtigt”, erklärt Dr. Willi Schnorpfeil, Direktor Public and Government Affairs bei Novo Nordisk Deutschland. “Wir haben daher den Leiter des an der klinischen Entwicklung von Insulindetemir beteiligten Forschungsinstitutes um die Erstellung des aktuellen Gutachtens gebeten, um die Ergebnisse des IQWiG nachzuvollziehen.”

Die Experten des IQWiG haben signifikante Vorteile der lang wirksamen Insulinanaloga in Form von Hinweisen und Belegen in ihrem Endbericht beschrieben, die aber nicht zu einem klaren positiven Fazit für Insulindetemir oder die gesamte Wirkstoffgruppe geführt haben. Das IQWiG hatte in seinem Bericht die etablierten statistischen Grenzen zu Ungunsten des Insulinanalogons verschoben: Die 95%-Konfidenzintervalle der so genannten Odds Ratios mussten komplett unterhalb von 0,75 statt wie sonst üblich unter 1 liegen. Ohne diese vom IQWiG vorgenommene statistische Datenkorrektur würden alle beim IQWiG zum Vergleich mit NPH-Insulin bei Typ 2 Diabetes eingereichten Studien bei den nächtlichen Hypoglykämien (nach Definition der amerikanischen Diabetesgesellschaft) einen positiven Effekt zeigen. “Das IQWiG erkennt an, dass es Hinweise auf einen Zusatznutzen von Insulindetemir im Bezug auf das Auftreten leichter hypoglykämischer Ereignisse gibt. Es erscheint fraglich, ob überhaupt eine Adjustierung für ein Verzerrungspotential vorgenommen werden muss, die noch über die bereits verwendeten Maßnahmen hinausgeht”, erklärt Dr. Tim Heise, CEO Clinical Science des Profil Instituts für Stoffwechselforschung und Autor des aktuellen Gutachtens. “Insgesamt besteht somit ein erhebliches Risiko, dass ein tatsächlicher und für die betroffenen Patienten relevanter positiver Effekt von Insulindetemir auf die Verringerung der Anzahl hypoglykämischer Ereignisse im Vergleich zu NPH-Insulin auf Grund der vom IQWiG verwendeten statistischen Methoden nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt nachgewiesen werden kann.”

Heise und Team haben in ihrem Gutachten die gleichen Daten wie das IQWiG ausgewertet und zum Vergleich beide Varianten berechnet. Ihr Fazit: Bei etablierter statistischer Vorgehensweise zeigen alle 4 untersuchten Vergleichsstudien zu NPH-Insulin einen signifikanten Vorteil von Insulindetemir bei der Vermeidung von nächtlichen leichten Unterzuckerungen und 3 davon zeigen auch signifikant weniger tagsüber aufgetretene leichte Hypoglykämien im Vergleich zu einer Behandlung mit NPH-Insulin. “Wir sind sehr zufrieden, dass sowohl der Abschlussbericht des IQWiG als auch das aktuelle Gutachten die Bedeutung der leichten und nächtlichen Hypoglykämien für die Behandlung der Typ 2 Diabetes Patienten anerkennt und gleichzeitig jetzt ein weiteres Dokument der Überlegenheit von Insulindetemir gegenüber NPH-Insulin vorliegt”, erklärt Schnorpfeil. “Unsere Experten sind natürlich jederzeit zu einem konstruktiven Dialog mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bereit, um beispielsweise die Unterschiede zwischen den Bewertungen der unabhängigen Institute zu diskutieren. Auch der Rückgriff auf oder die Durchführung von Versorgungsstudien könnte zur Klärung des Sachverhaltes weiter beitragen.”

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat dem G-BA bereits eine Beratung zu der Thematik angeboten. Hintergrund der Dialogofferten ist die baldige Entscheidung des G-BA, ob gesetzliche Krankenkassen lang wirksame Insulinanaloga in der Therapie des Typ 2 Diabetes weiterhin erstatten. Grundlage der Entscheidung des G-BA ist der Abschlussbericht des IQWiG.

DDG & DDB pro lang wirksame Insulinanaloga

Damit die Entscheidung des G-BA im Sinne der Aufrechterhaltung einer weiterhin hohen Versorgungsqualität der Typ 2 Diabetiker erfolgt, engagieren sich derzeit sowohl der Deutsche Diabetiker Bund als auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft öffentlich für eine Anerkennung des patientenrelevanten Zusatznutzens der lang wirksamen Insulinanaloga: Die Senkung der Häufigkeit schädlicher Unterzuckerungen verbessere die Diabetes-Therapie und erhöhe die Arzneimittelsicherheit. Die Forderung der Diabetes Fachgesellschaft und der Patientenvertretung ist verständlich, denn “die Verminderung von Unterzuckerungen in der Insulintherapie spielt in der Patientenführung eine besondere Rolle und ist damit höchstgradig versorgungsrelevant. Das haben gerade im letzten Jahr große Studien wie ACCORD gezeigt”, erklärte Professor Thomas Haak, Präsident der DDG, am 3. April in einem offenem Brief an Herrn Dr. Rainer Hess vom G-BA.

Information zu Insulindetemir (Levemir®)

Insulindetemir kann den Zusatznutzen gegenüber NPH-Insulin bei der Vermeidung von Hypoglykämien bereits seit seiner Markteinführung im Jahr 2004 in der Fachinformation nachweisen. Das IQWiG bezieht sich im Übrigen in seinem Abschlussbericht auf Seite 339 auch auf Daten der EMEA, die in der Fachinfo genannt werden. Auszug der Fachinformation Levemir®: “In Studien zur Kombinationstherapie von oralen Antidiabetika mit Insulin führte die Therapie mit Levemir® verglichen mit NPH-Insulin zu einem 61 – 65 % niedrigeren Risiko für leichte nächtliche Hypoglykämien.

In Langzeitbehandlungsstudien bei Patienten mit Typ 1 Diabetes war der Nüchtern-Plasmaglucosespiegel von Patienten (u. a. bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren), die mit einer Basis-Bolus-Therapie behandelt wurden, mit Levemir® verbessert im Vergleich mit NPH-Insulin. Die glykämische Einstellung (HbA1c) mit Levemir® ist mit NPH-Insulin vergleichbar, wobei das Risiko nächtlicher Hypoglykämien geringer und keine Gewichtszunahme damit verbunden ist. In klinischen Studien, in denen eine Basis-Bolus-Therapie eingesetzt wurde, waren die Hypoglykämie-Gesamtraten mit Levemir® und NPH-Insulin ähnlich. Die Analysen nächtlicher Hypoglykämien bei Patienten mit Typ 1 Diabetes ergaben ein signifikant niedrigeres Risiko für leichte nächtliche Hypoglykämien (selbstbehandelbar und bestätigt durch kapilläre Glucosekonzentration unter 2,8 mmol/l bzw. 3,1 mmol/l, wenn als Plasmaglucose angegeben) als bei NPH-Insulin, während bei Typ 2 Diabetes kein Unterschied festgestellt wurde. Weiterhin war das Gesamtrisiko für nächtliche Hypoglykämien bei Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes im Alter von 6 bis 17 Jahren unter Levemir® im Vergleich zu NPH-Insulin signifikant niedriger.

Stellungnahmen von Experten der DDG und des DDB

Statements von Professor Hermann von Lilienfeld-Toal vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB) und Professor Andreas Fritsche vom Ausschuss Pharmakotherapie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), 2.April

Patientenschutz

(2009)

diabetes-news-deutscher-diabetiker-bund 

Besserer Schutz nach Behandlungsfehlern

Patientenrechte in Bürgerlichen Rechtsvorschriften verankern

Im März dieses Jahres folgte eine Delegation des Deutschen Diabetiker Bundes einer Einladung der SPD-Bundestagsfraktion in den Berliner Reichstag zu einem Expertengespräch. Thema war ein “Patientenrechtegesetz”. Vertreter der SPD-Bundestagsfraktion kündigten die Entwicklung einer entsprechenden Gesetzgebungsinitiative in der nächsten Legislaturperiode an.

In der Besprechung verwiesen die Politiker darauf, dass Patienten angesichts sich häufender schwerer Behandlungsfehler einen besseren Schutz als bisher benötigten. Mit den Vorbereitungen des Gesetzesentwurfes wurde der Bremer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Francke beauftragt. Es wurde in Aussicht gestellt, das Patientenrechtegesetz in bürgerlichen Rechtsvorschriften zu verankern. Dort sollen vorrangig materielle Schadensersatzansprüche und deren Durchsetzung einer gesetzlichen Regelung zugeführt werden.

Der Vorsitzende des Deutschen Diabetikerbundes, der Meininger Rechtsanwalt Dieter Möhler, beklagte in der anschließenden Diskussion, dass dieses Patientenrechtegesetz nach den vorliegenden Plänen lediglich wie eine Art “Reparaturwerkstatt” funktionieren könne, wenn der eigentliche Schadensfall bereits eingetreten sei. Das Arzt-Patienten-Verhältnis müsse von Vertrauen geprägt bleiben. Die geplante Regelung sei zwar hinsichtlich der Einzelheiten durchaus begrüßenswert (Veränderung von Darlegungs- und Beweislast in Arzthaftpflichtfällen zugunsten des Patienten), käme aber für die Patienten in der Regel zu spät.

Rechtsanwalt Dieter Möhler weiter: Wenn die Anzahl der Behandlungsfehler zum Problem geworden sei, müsse nach den eigentlichen Ursachen geforscht werden: War der Zugang der Patienten zu aktuellen Therapiemöglichkeiten und Medikamenten in ausreichendem Umfang gewährleistet? Hätte man Behandlungsfehler verhindern können?

Trotz Notwendigkeit und Dringlichkeit ist vieles nicht mehr verordnungsfähig. Aus Sicht des Deutschen Diabetiker Bundes konnten die Initiatoren der Veranstaltung keine befriedigenden Antworten zu den Ursachen und Wirkungen geben.

Für den Deutschen Diabetiker Bund ist und bleibt auch künftig die Verordnung von wirkungsvollen Therapien und Medikamenten eine zwingende Notwendigkeit, um Behandlungsfehler auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Der Deutsche Diabetiker Bund bekundete seinen Entschluss, im Bezug auf die Stärkung der Patientenrechte inklusive einer Ausrichtung auf eine Prävention von Behandlungsfehlern bei allen Fraktionen des Deutschen Bundestages entsprechende Willensbekundungen einholen zu wollen.

Metformin

(2009)

Wirkstoff des Monats: Metformin

Normalisiert überhöhten Blutzuckerspiegel

Diabetes Typ II ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit in Deutschland und weltweit. Bei dieser Krankheitsvariante sinkt die Empfindlichkeit des Körpers auf das “Anti-Zucker-Hormon” Insulin. Die daraus relutierende Folge ist ein überhöhter Blutzuckerwert. Die Erkrankung beruht in der Regel auf einem ungesunden Lebenswandel, sie trifft vor allem Menschen mit Übergewicht.

Während sie früher meist erst im Erwachsenenalter auftrat, leiden heute auch immer mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ II. Häufig verläuft der Diabetes Typ II in der Anfangsphase ohne Symptome. Erste Anzeichen können ständige Müdigkeit oder eine Verschlechterung des Sehvermögens sein. Die Überzuckerung des Blutes führt zu Veränderungen der Blutgefäße, die ihrerseits gravierende Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenprobleme und Nervenschäden auslösen können.

Die ersten und wichtigsten Therapiemaßnahmen bei einem Diabetes Typ II sind Gewichtsreduktion und Sport. Sinken die Blutzuckerwerte dadurch jedoch nicht ab, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Meist ist Metformin das Mittel der Wahl. Metformin normalisiert den Blutzucker, indem es an mehreren Stellen in dessen Stoffwechsel eingreift: Er reduziert die körpereigene Zuckerproduktion in der Leber, er erhöht die Sensibilität des Muskel- und Fettgewebes für Insulin und er verhindert die Aufnahme von Zucker aus dem Darm in das Blut. Metformin verringert den Blutzuckerspiegel durchschnittlich um 20%.

Bei Metformin besteht keine Gefahr einer gefährlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie). Zu seinen unerwünschten Wirkungen gehören insbesondere Übelkeit, Blähungen, Durchfall und ein metallischer Geschmack im Mund. Eine sehr seltene, aber äußerst schwerwiegende Komplikation ist die Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure. Da Metformin bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht angewendet werden darf, ist der Wirkstoff bei älteren Patienten meistens kontraindiziert. Metformin wird sowohl als Monopräparat als auch in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten verwandt.

Metformin kam im Jahr 1973 auf den deutschen Markt. Dem unabhängigen Marktforschungsinstitut INSIGHT Health zufolge liegt sein Umsatzvolumen derzeit bei 51 Millionen Euro pro Jahr. Das erste Metformin-Generikum gab es 1993. Mittlerweile entfällt auf die preisgünstigen Generika mit diesem Wirkstoff nach Umsatz ein Marktanteil von rund 95%.

www.progenerika.de/de/12583627184204766/show/publik/wirkstoff.html

DDG-DAG-Kongress Berlin 2009

(2009)

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Prof. Dr. Christoph Rosak

Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes

“Mehr als 80% der Menschen mit einem Typ 2 Diabetes sind übergewichtig”. Deshalb beschäftigt sich der DDG-DAG-Kongress in Berlin mit der Prävention, Diagnostik und Therapie von Adipositas und Typ 2 Diabetes. Interview von Susan Röse mit dem Kongresspräsidenten Herrn Prof. Dr. Rosak

Herr Prof. Dr. Rosak können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Christoph Rosak. Ich bin derzeitig Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung Endokrinologie/Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt. Meine internistische und endokrinologisch/diabetologische Ausbildung habe ich am Zentrum für Innere Medizin des Universtitätsklinikums Frankfurt bei Prof. Dr. Karl Schöffling erhalten. 2 Jahre Post-Doctoral-Fellowship an der University of Massachuesetts in den Vereinigten Staaten. Seit 1987 Chefarzt am Krankenhaus Sachsenhausen.

Sie sagen, dass für beide Erkrankungen die nicht pharmakologischen Maßnahmen mit Ernährungsmodifikation und Bewegungstherapie Grundlage einer jeden Behandlung sind, welche neuen Erkenntnisse gibt es auf dem Gebiet der Ernährung und der Bewegungstherapie, sollten beide nicht absolute Priorität in der Behandlung beider Krankheitsbilder haben?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre ist der Zusammenhang von Zunahme der Fettgewebsmasse und sekretorischer Aktivität des Fettgewebes. Bei zunehmendem Körpergewicht werden “entzündungsfördernde Substanzen” wie TNF-a und Interleukin-6 gebildet, die in Kombination mit verminderter Adiponektin-Sekretion die Basis zu früher und verstärkter Atherogenese an den Gefäßwänden bilden. Diese Vulnerabilität wird durch Dislipidämie (Erhöhung der freien Fettsäuren), erhöhte Tromboseneigung (verstärkte Bildung von PAI-1) und verstärkte Angiotensinogenbildung, welche Hypertonie induziert, verstärkt. Zusammen führen diese Phänomene zu verstärkter und verfrühter Makro- und Mikroangiopathie.

Sie sagen, dass bei den pharmakologischen Strategien nicht nur neue Therapieansätze diskutiert werden, sondern deren Umsetzung und Anwendung, wie soll man sich das genau vorstellen, welches sind Ihrer Meinung nach die besten Ansätze für die Zukunft?

Die Anwendung der derzeitigen Pharmaka und von Insulin muss sich vor dem Hintergrund der ACCORD-Studie neu definieren:

  1. Voraussetzung ist eine Zielwertdefinition des HbA1c-Wertes für den individuellen Patienten.
  2. Vermeidung von Hypoglykämien
  3. Vermeidung von Gewichtszunahme

Dies wird sich nur dann realisieren lassen, wenn man den repetitiv geschulten Patienten wieder in den Mittelpunkt stellt, auf lang wirksame Sulfonylharnstoffe weitgehend verzichtet. Eine Option könnten die DPP-4-Inhibitoren und Inkretin-Mimetika sein. Patienten, die unter Humaninsulin unter Hypoglykämien leiden, sollten auf Insulinanaloga umstellt werden.

Sollte nicht die Prävention, die Früherkennung und die gesellschaftspolitische Verantwortung (frühe Aufklärung und Information, stärkerer
Verbraucherschutz), dieser beiden Krankheitsbilder stärker in den Vordergrund gerückt werden?

Die Antiraucherkampagne hat gezeigt, dass es möglich ist, einen gesellschaftlichen Trend umzukehren. Im Hinblick auf den Diabetes brauchen wir eine ähnliche multimediale Anstrengung, um die derzeitige negative Ernährungsweise in einen positiven Trend umzukehren. Dies erfordert Aufklärung und Kampagnen in den Massenmedien, bessere Kennzeichnung der Lebensmittel und Zugang zu Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen im Sinne präventiver Aufklärung und Schulung. Diese Maßnahmen sind auch bei Patienten erforderlich, die bereits medikamentös ihren Diabetes behandeln müssen.

Welche Neuheiten gibt es im Bereich der Diabetologie?

Die Erforschung der Inkretine und ihrer Stoffwechselwirkungen hat zur Entwicklung der Inkretin-Mimetika (Exenatide und Liraglutide) und der DPP-4-Inhibitoren (Sitagliptin, Vildagliptin, und Saxagliptin) geführt. DPP-4-Inhibitoren führen über die Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 zu dem verzögerten Abbau des Hormons GLP-1 und somit zu einer Erhöhung seiner Konzentration um das 2-3 fache.

Die DPP-4-Inhibitoren zeichnen sich durch eine blutzuckerdefinierte Verstärkung der Insulinsekretion bei gleichzeitiger Senkung der erhöhten Glukagonspiegel unter Vermeidung von Hypoglykämien aus. Dadurch werden Nüchternblutzucker und postprandialer Blutzucker gesenkt. Die Verzögerung der Magenentleerung bedingt eine verlängerte und verminderte Kohlenhydratanflutung nach den Mahlzeiten. Als zentraler Angriffspunkt wird das Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit eher aktiviert. Die Inkretin-Mimetika führen darüber hinaus zu einer deutlichen Gewichtsreduktion, im Mittel um 4-6 kg.

Herr Prof. Dr. Rosak wie sieht die Zukunft in der Diabetologie aus (auch in Zusammenhang mit Adipositas)?

Auf die Verstärkung der präventiven und nicht-pharmakologischen Maßnahmen wurde bereits hingewiesen. An den entstehenden Kosten müssen sich die Kostenträger entsprechend beteiligen. Pharmakotherapeutisch wird man um die Ablösung bzw. um den Einsatz der lang wirkenden Sulfonylharnstoffe nicht herumkommen, die sich durch Gewichtszunahme und eine hohe Hypoglykämierate auszeichnen. Die glukozentrische Sicht der Diabeteserkrankung wird abgelöst durch einen komplexeren Ansatz mit Behandlung der Glukose- und Fettstoffwechselstörung sowie des Hypertonus und der Adipositas.

Herr Prof. Dr. Rosak, danke für das Interview

Pressekontakt
Susan Röse – Freie Journalistin
Avenariusstraße 15
22587 Hamburg/Germany

Spitzenreiter Deutschland

(2009)

Fett und Kalorien in deutschen Gerichten

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen
“Men’s Health”-Jury kürt die ungesündesten Hauptmahlzeiten und Desserts – Pfälzer Saumagen ist “das teuflischste aller Gerichte”

diabetes-news-schweinebraten Die klassische deutsche Küche strotzt vor Fett und Kalorien. Zwar hat jede Region ihre kulinarischen Eigenheiten – doch die Liebe zu deftigen Speisen vereint alle Bundesbürger. Deutschland steht auf Platz 1 der Hitliste der dicksten Menschen Europas. Gemeinsam mit einer Experten-Jury, bestehend aus dem Sternekoch Frank Buchholz aus Mainz, der Ökotrophologin Franca Mangiameli vom Kompetenzzentrum für Ernährungsberatung in Gießen und dem Men’s Health Foodredakteur Rufus Rieder, hat das Männer-Lifestylemagazins “Men’s Health” (Ausgabe 11/2009, EVT 14.10.2009) jetzt die Sieger im Wettbewerb um die schlimmsten Hauptgerichte und Desserts aus Deutschland gekürt.

Den Experten geht es dabei allerdings nicht um den Verzicht auf die leckeren Katastrophen, sondern sie geben ihren Lesern Tipps zur effektiven Reduzierung der Kalorien. Meist sind in der Tat nur sehr geringe Änderungen des Rezeptes nötig, um aus einem kulinarischen Dickmacher ein ernährungsphysiologisch wertvolles Essen zu machen.

Mit 1.022 Kalorien und 75 Gramm Fett pro Portion liegt der berühmte Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut an der einsamen Spitze der von der Jury gekürten katastrophalen Gerichte. Diese Schweinefleisch-Spezialität aus dem Südwesten ist nach Ansicht der Experten sogar “das teuflischste aller Gerichte” in Deutschland. Auf Platz 2 der kulinarischen Katastrophen schaffte es die nicht nur im Rheinland beliebte Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei: 1.018 Kalorien und 79 Gramm Fett pro Portion wirft die Blutwurst-Mahlzeit in die Waagschale, denn die Wurst besteht zu 70 Prozent aus reiner Schwarte. Auf Platz 3 kam das “entsetzliche Eisbein” mit Sauerkraut und Semmelknödeln aus Deutschlands Nordosten. 991 Kalorien und 47 Gramm Fett enthält eine durchschnittliche Portion dieser zumindest für die Gesundheit fragwürdigen Spezialität. Dabei ist die Entschärfung der Kalorien-Bomben überhaupt kein Kunststück. Bratkartoffeln kann man durch fettlos im Ofen gebackene Kartoffeln ersetzen, Kartoffelbrei schmeckt auch ohne Butter gut, mageres Fleisch gibt es in allen Varianten, und schließlich lässt sich der Zuckeranteil vieler Speisen leicht reduzieren – das gilt auch für kalorienreiche Desserts.

Die Hitliste der kulinarischen Katastrophen aus Deutschlands Regionen

Hauptgerichte

  1. Pfälzer Saumagen mit Bratkartoffeln und Sauerkraut (Südwesten) – 1.022 Kalorien/75 Gramm Fett pro Portion
  2. Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei (Rheinland) – 1.018 Kalorien/79 Gramm Fett pro Portion
  3. Eisbein mit Sauerkraut und Semmelknödeln (Nordosten) – 991 Kalorien/47 Gramm Fett pro Portion
  4. Weißwurst mit süßem Senf, Brezel und Hefeweizen (Süden) – 982 Kalorien/52 Gramm Fett pro Portion
  5. Holsteiner Grützwurst mit Kartoffelbrei und Apfelkompott (Nordwesten) – 903 Kalorien/51 Gramm Fett pro Portion
  6. Schwartenmagen mit Sahnepüree, Sauerkraut und Brot (Hessen) – 696 Kalorien/34 Gramm Fett pro Portion
  7. Mutzbraten mit Brot und Sauerkraut (Südosten) – 681 Kalorien/35 Gramm Fett pro Portion

Desserts

  1. Germknödel mit Vanillesoße und Mohnzucker (Süden) – 687 Kalorien/16 Gramm Fett pro Portion
  2. Windbeutel (Nordosten) – 630 Kalorien/39 Gramm Fett pro Portion
  3. Badische Linzertorte ((Südwesten) – 501 Kalorien/28 Gramm Fett pro Portion
  4. Pfützenkuchen (Hessen) – 439 Kalorien/31 Gramm Fett pro Portion
  5. Milchreis mit Zucker und Zimt (Rheinland) – 434 Kalorien/12 Gramm Fett pro Portion
  6. Baumkuchen (Südosten) – 427 Kalorien/22 Gramm Fett pro Portion
  7. Franzbrötchen (Nordwesten) – 323 Kalorien/15 Gramm Fett pro Portion

Insulinpumpen sinnvoll bei Diabetes Typ 1 einsetzen

(2009)

Hohe Blutzuckerwerte oder gefährliche Unterzuckerungen vermeiden

Insulinpumpen sinnvoll bei Diabetes Typ 1 einsetzen

Berlin – Viele Menschen mit Diabetes Typ 1, deren Stoffwechsel sich mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) nicht ausreichend einstellen lässt, profitieren von den Vorteilen einer Insulinpumpe. Vor dem Erhalt einer solchen Insulinpumpe, muss der Krankenkasse der bisherige Verlauf der Diabetes-Erkrankung und -Therapie jedoch umfangreich dokumentiert werden. Erst dann wird eine Insulinpumpe von der Krankenkasse genehmigt, oft sind aber Formfehler der Grund, weshalb Pumpen nicht genehmigt werden. Dass Ärzte diese Pumpen für sinnvoll halten wird hierbei nicht berücksichtigt. DiabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) raten daher Patienten, Eltern und Ärzten, die Anträge sehr sorgfältig und umfassend auszufüllen. Mehr zum Erhalt und Beantragung der Pumpe ist als Schwerpunktthema in der Fachzeitschrift “Der Diabetologe” zu finden.

Treten trotz aller Anstrengungen bei den Patienten hohe Langzeitblutzuckerwerte sowie häufiger Unterzucker oder das Dawn-Phänomen ( hohe Blutzuckerwerte am frühen Morgen ) auf, sollte sich der Arzt für eine Insulinpumpentherapie entscheiden. Langfristigen Schäden und auch kurzfristigen lebensgefährlichen Normabweichungen kann dadurch sinnvoll vorgebeugt werden. Die Verordnung einer Insulinpumpe wird vorab vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen ( MDK ) geprüft. Wie bereits angesprochen kann jedoch aufgrund des hohen bürokratischen Aufwands der kleinste Formfehler zu einer Ablehnung des Antrags führen.

Eine Insulinpumpentherapie ist rechtlich nur dann von der Krankenkasse finanzierbar, wenn der Stoffwechsel mit der ICT unter Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten nicht ausreichend einstellbar ist. Der MDK erstellt anhand genauer ärztlicher Dokumentationen der Erkrankung und der medizinischen bereits angewandten Maßnahmen ein umfassendes Gutachten. Auch der Patient muss seine Bemühungen, den Blutzucker durch eine ICT kontrolliert zu haben durch ein zwölf Wochen geführtes Blutzuckertagebuch nachweisen können. Ein Blutzuckertagebuch enthält Informationen über, enthält täglich gemessene Blutzuckerwerte, Insulindosis, durch die Nahrung aufgenommene Brot- oder Kohlenhydrateinheiten, sportliche und besondere körperliche Aktivitäten sowie akute Erkrankungen.

Wird der Antrag vom MDK genehmigt, erhält der Patient zunächst probeweise eine Insulinpumpe für die Dauer von 4 Monaten. Eine ICT für den Erhalt einer Insulinpumpe ist im Säuglings- und Kleinkindalter nicht notwendig. Ein Nachweis über die Motivation und den Umgang mit der Insulintherapie der Eltern sowie die Dokumentation der bisherigen Therapie ist bei älteren Kinder erforderlich. Neben der Dokumentation der bisherigen Therapiemethoden ist es wichtig die Notwendigkeit sowie die Fragebögen des MDK bei allen Anträgen sorgfältig auszufüllen! Eine Insulinpumpe ist derzeit überwiegend nur für Patienten mit Diabetes Typ 1 vorgesehen.

Neue Forschungsergebnisse zu Fettleibigkeit

(2009)

Nach Einschätzungen einer britischen Studie sterben stark übergewichtige Männer bis zu 10 Jahre früher

Eine neue Studie der Cass Business School zeigt, dass ein junger, stark übergewichtiger Mann mit einem Körpermasseindex (Body Mass Index, BMI) von über 40 bzw. einem Taille-zu-Höhe-Verhältnis (Waist to Height Ratio, WHtR) von über 0,74 vermutlich mehr als 10 Jahre, wahrscheinlich sogar an die 20 Jahre früher stirbt als ein Mann mit optimalen Werten. Diese Zahlen beziehen sich auf Nichtraucher. Die Studie beruht auf in Großbritannien erhobenen Daten und stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer geringeren Lebenserwartung her.

Für ihre Forschungsarbeit “A study into the detrimental effects of obesity on life expectancy”, die die Cass Business School gemeinsam mit dem Berufsstand der Aktuare veröffentlicht hat, führte die Schule versicherungsmathematische Berechnungen mittels BMI- und WHtR-Werten (BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]) durch, um die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die Sterblichkeitsrate zu messen.

Dr. Ben Rickayzen, Koautor der Studie und Leiter der Fakultät für Aktuarswissenschaften und Versicherungswesen an der Cass Business School sagt: “Die vorliegende Studie befasst sich mit einem Thema, das das britische Gesundheits- und Versicherungssystem sowie die Sozialpolitik in Großbritannien gleichermaßen betrifft und die jüngste Regierungspolitik in ihrer umfassenden Ernährungskampagne bestätigt. Nach neuesten Berichten der englischen Gesundheitsbehörde sind etwa 24% der Bevölkerung fettleibig. Fettleibigkeit ist ein relativ neues Phänomen. Die Medizin kann dieses durch Ernährungs- und Sportprogramme bis zu einem gewissen Grad abfangen, die höheren Gesundheitsausgaben wird jedoch die Gesellschaft tragen. Sollte die Anzahl der Fettleibigen zudem weiter steigen, rechnen die Krankenkassen mit noch größeren Belastungen, da Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen zunehmen.”

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Starke Fettleibigkeit vermindert besonders bei Männern die Lebenserwartung. Eine 30-jährige Frau mit einem BMI von 45 bzw. einem WHtR von über 0,8 stirbt durchschnittlich 13 Jahre früher. Im Vergleich zu einer Frau mit normalen Werten entspricht dies einer Verringerung der Lebenserwartung um 23%. Ein Mann stirbt im Durchschnitt 20,8 Jahre früher, was einem Verlust von 42% der ursprünglichen Lebenserwartung entspricht. Diese Ergebnisse beruhen auf einer relativ kleinen Stichprobe und sind deshalb nicht ohne Vorbehalt zu betrachten.

Selbst Männer mit nur leichtem Übergewicht haben eine verringerte Lebenserwartung! Ein 30-Jähriger mit einem BMI von 34 stirbt durchschnittlich 4 Jahre früher, eine gleichaltrige Frau mit gleichem BMI nur 2 Jahre früher. Die gute Nachricht ist jedoch, dass übergewichtige Männer und Frauen ihre Lebenserwartung steigern können, indem sie ihren BMI oder WHtR reduzieren. Beispielsweise lebt ein 30 Jahre alter Mann 2,3 Jahre länger, wenn er statt 107 nur noch 97 kg wiegt. Die Forschungsergebnisse lassen somit vermuten, dass eine einfache Gewichtabnahme die Lebenserwartung steigert.