Remission

(lat. Remisso = gleich Nachlassen, Erholung) Unter Remission versteht man eine kurze Zeit nach dem Erstauftreten eines Diabetes mellitus Typ-1 zu beobachtende spontane Stoffwechselverbesserung. Typischerweise kommt es zu einer Verminderung des Insulinbedarfs bis hin zur völligen Insulinfreiheit. Für die Annahme einer Remission wird gefordert, dass bei guter Blutzuckereinstellung der Insulinbedarf unter 0,5 E/kg Körpergewicht täglich liegt. Dies wäre eine partielle Remission. Eine totale Remission liegt vor, wenn bei normalen Blutzuckerwerten (Normoglykämie) kein Insulin gespritzt werden muß, d.h. eine normale Insulinsekretion besteht. Die Häufigkeit einer Remission wird unterschiedlich angegeben. 6 Monate nach Erstauftreten eines Typ-1-Diabetes wird sie in etwa 20% der Fälle beobachtet. Ihre Dauer ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von 4 Wochen bis zu 2 Jahren, in jedem Fall kommt es jedoch zu einem Wiederauftreten des Diabetes. Die Hoffnung, dass mit Eintreten der Remission der Typ-1-Diabetes „geheilt“ sein könnte, ist leider trügerisch.
Warum es zu einer Remission kommt und warum sie nach einem überschaubaren Zeitraum wieder zu Ende geht, ist unklar. Günstig auf die Dauer der Remission wirkt sich eine von Anfang an aggressive Insulin-Therapie aus. Das Ende der Remission wird nicht selten von Infekten bzw. Infektionen angekündigt. Interessant ist sicher, dass bei Patienten, die mit immunsuppressiver Therapie (z.B. Cyclosporin A) behandelt werden, die Remission im Schnitt länger dauert als bei nicht Behandelten. Immunsuppressiva sind Medikamente, die nach Organverpflanzungen durch Unterdrückung der körpereigenen Abwehrkräfte Abstoßungsreaktionen vermeiden helfen. Der Einsatz der Immunsuppressiva bei Diabetikern geht auf die Annahme zurück, dass es sich beim Typ-1-Diabetes um eine Erkrankung handelt, bei der der Körper sein eigenes Gewebe (in diesem Falle seine Inselzellen) abstößt. Solche Erkrankungen nennt man auch Autoimmunerkrankungen. Da Immunsuppressiva erhebliche Nebenwirkungen haben, ist ein routinemäßiger Einsatz bei neu entstandenem Typ-1-Diabetes nur dann sinnvoll, wenn der Nutzen dieser Behandlung durch Studien belegt ist. Solche Studien laufen derzeit in mehreren Ländern.