Coma diabeticum

Krisenhafte Entgleisung des Zuckerstoffwechsels mit Störungen des Bewußtseins bis zum Bewußtseinsverlust. Die Häufigkeit des Coma diabeticum liegt etwa bei 3 Fällen pro 1000 Diabetikern pro Jahr, wobei jugendliche insulinbedürftige Diabetiker am häufigsten betroffen sind. Man unterscheidet 2 Formen: das ketoazidotische Coma und das hyperosmolare Coma, die sich beide in ihren Ursachen, dem klinischen Bild und auch in der Behandlung unterscheiden.

Ursache des ketoazidotischen Comas ist in erster Linie der Insulinmangel. Insulin ist ein Hormon mit vielfältigen Wirkungen, folglich kommt es bei einem Mangelzustand auch zu komplexen Stoffwechselstörungen. Zunächst einmal steigt der Blutzucker an, da der vorhandene Zucker nicht verwertet wird und die Zuckerneubildung in der Leber ohne die „Insulinbremse“ verstärkt abläuft. Neben dem Blutzuckeranstieg kommt es auch zu einem Anstieg der Ketonkörper (z.B. Azeton) aufgrund eines verstärkten Fettabbaus. Die Ketonkörper führen zu einer Übersäuerung des Körpers (Azidose), wodurch der Azetonnachweis im Urin deutlich positiv ausfällt. Ebenso wichtig wie der Insulinmangel ist in der Entstehung eines Coma diabetikum auch die Rolle der sogenannten – Streßhormone (Cortison, Ketecholamine, z.B. Adrenalin, Glucagon). Aus Erfahrung weiß man, dass Blutzuckerentgleisungen häufig mit Streßsituationen (z.B. Infektionen) in Zusammenhang stehen und so verstärkt Streßhormone ausgeschüttet werden. Diese wirken als Insulingegenspieler: sie erhöhen den Blutzucker und fördern den Fettabbau wodurch wiederum die Konzentration der Ketonkörper erhöht wird. Das klinische Bild der ketoazidotischen Entgleisung ist vor allem durch starke Flüssigkeits- und Salzverluste sowie durch die Übersäuerung (Azidose) geprägt. (Acetongeruch in der Atemluft!). Die Flüssigkeitsverluste entstehen dadurch, dass bei hohen Blutzuckerwerten zwangsläufig immer erhöhte Harnzuckerausscheidung auch zu einer verstärkten Wasserausscheidung führt. Häufiges Wasserlassen und Zunahme des Durstgefühls sind die Folge. Kann man den Wasserverlust nicht ausgleichen, – nicht selten bestehen auch Übelkeit und Erbrechen – so kommt es zu einem starken Austrocknen des Körpers. Im Gegensatz zum ketoazidotischen Coma entsteht beim hyperosmolaren Coma keine oder nur eine geringe Übersäuerung. Hier steht in erster Linie ein exzessiver Blutzuckeranstieg (oft über 1000 mg/dl) und Flüssigkeitsverlust im Vordergrund. Auslösender Faktor ist meist ein Flüssigkeitsmangel (z.B. bei Fieber) wodurch die Zellen austrocknen und unempfindlicher auf Insulin reagieren. Hyperosmolare Blutzuckerentgleisungen werden in aller Regel nur bei älteren Diabetikern beobachtet.