Vitamine und Diabetes

Vitamine gehören zu den Mikronährstoffen, d.h. es werden nur geringe Mengen benötigt, damit sie ihre Funktion im Stoffwechsel zu erfüllen. Unser Organismus ist nicht in der Lage, die meisten Vitamine selbst zu bilden, deshalb sind wir auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Zu den Mikronährstoffen gehören neben den Vitaminen die Mineralstoffe und Spurenelemente.

Empfehlungen der Fachgesellschaften zu Vitaminen

Die Ernährungsproblematik wird von den Fachgesellschaften erkannt. Die FDA, Amerikas bedeutendste Nahrungsmittel-Überwachungsbehörde, ebenso die  entsprechenden Expertengremien der Europäischen Gemeinschaft empfehlen „five a day“,  d.h. fünfmal täglich frisches Obst und / oder Gemüse.  Aber nicht jeder hat die empfohlenen Mengen Obst und Gemüse täglich zur Verfügung, sei es aus logistischen oder aus finanziellen Gründen. Auch ist zu bedenken, dass der von den Fachgesellschaften empfohlene Vitaminbedarf sich nur auf gesunde Erwachsene bezieht.

Probleme der industriellen Nahrungsmittelproduktion

Moderner Ackerbau und Viehzucht verändern die Zusammensetzung unserer Nahrung. Obst und Gemüse sind nicht genügend gereift, werden lange gelagert, zu lange gekocht und enthalten deshalb weniger Vitamine. Im Fleisch sind als Folge der Tiermast mehr Fett, Hormone, Antibiotika und andere chemische Substanzen. Aber nicht nur die Nahrung, sondern auch unsere Ernährungsgewohnheiten haben sich verändert. Wir essen zu viel und zu oft, wir essen zu viel Eiweiß, zu viel gesättigte Fette und zu viel ballastarme Kohlenhydrate. Wir konsumieren Fastfood, nicht nur in den dazu animierenden Kultstätten.

Vitaminmangel

Ein Vitaminmangel entsteht bei einseitiger oder unzureichender Ernährung, z.B. bei überwiegender Ernährung mit Fertiggerichten. Ein erhöhter Vitaminbedarf besteht z.B. während Schwangerschaft und Stillzeit, bei chronischen Darmkrankheiten, Alkoholmissbrauch, Rauchen. Insbesondere ältere Menschen Neigen zu einem Mangel an B-Vitaminen und Vitamin D.  In Studien wurde auch festgestellt dass der Stuhl von Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes weniger Vitamin B12 enthält als der von Gesunden.

 B-Vitamine

Diabetespatienten neigen häufiger zu einem Vitamin B1 Mangel. Ähnlich wie Vitamin D hemmt Vitamin B1 Entzündungsstoffe, die eine Arterienverkalkung und damit Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen.  Vitamin B1, bzw. dessen Vorstufe Benfotiamin,  das vom Körper in B1 umgewandelt wird, kann die Symptome einer diabetesbedingten Nervenschädigung lindern, wobei immer wieder darauf hingewiesen werden muss, dass die wichtigste Voraussetzung zur Linderung und Verhinderung diabetesbedingter Nerven-schädigungen eine optimale Blutzuckereinstellung ist. Auch ein Vitamin B12 Mangel kommt bei Diabetespatienten häufiger vor. Patienten, die das häufig verordnete blutzuckersenkende Medikament Metformin einnehmen, können durch die Einnahme dieses Medikaments einen Vitamin-B12-Mangel entwickeln, insbesondere ältere Patienten. Ein Mangel an Vitamin B12 führt zu einer Schädigung der Nerven, aber auch zu einer Blutarmut. Deshalb sollte man bei entsprechenden neurologischen Symptomen oder Blutbildveränderungen eine Laborkontrolle mit Bestimmung des Vitamin B12 Spiegels durchführen lassen.

Vitamin D

Über 2/3 des Vitamin-D Bedarfs produziert unsere Haut mithilfe des Sonnenlichts, der Rest sollte aus der Nahrung kommen. Sowohl die Eigenproduktion durch die Haut als auch die Ernährung sind hier problematisch. Die meisten Menschen in den westlichen Ländern halten sich den überwiegenden Teil des Tages in geschlossenen Räumen auf oder meiden direkte Sonnenbestrahlung wegen der daraus drohenden Lichtschäden der Haut, noch gravierender wird diese Situation im Winter.

Auch  eine ausreichende Vitamin-D Zufuhr über die Nahrung ist nicht immer ausreichend , da Vitamin-D vorwiegend in fettreichem Fisch vorkommt, in geringerer Konzentration auch in Eiern und Pilzen.

Eine wesentliche Rolle spielt Vitamin-D bei der Regulierung Calcium-Spiegels im Blut und beim Knochenaufbau. Bei Vitamin D-Mangel wird ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall,  Herzleistungsschwäche beobachtet. Einen Vitamin-D Mangel stellt man über eine Blutuntersuchung fest. Hier misst man  den 25(OH)Vitamin-D3-Spiegel. Der Normbereich liegt bei 30-60 ng/ml,  ein relevanter Vitamin-D-Mangel besteht bei Werten unter 20 ng/ml.

Multivitamin-Präparate

Multivitamin-Präparate sind auf Grund der geringen Konzentration einzelner Vitamine bei manifestem Vitaminmangel nur von eingeschränktem Wert. Auch sollten sie keinesfalls als Ersatz für eine gesunde, vitaminreiche Ernährung gesehen werden. Allgemein gilt, dass Vitamine, welche möglichst unverändert mit den entsprechenden Nahrungsmitteln zusammen mit den darin enthaltenen Ballaststoffen aufgenommen werden, gesünder sind, als die ungezielte Einnahme von „Vitaminpillen“. Welche Vitamine für Sie vorbeugend oder sinnvoll oder therapeutisch erforderlich sind, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt, Internisten oder Diabetologen besprechen.