Reisetipps

Veränderte körperliche Aktivität und veränderter Insulinbedarf

Oft unterscheidet sich die körperliche Aktivität im Urlaub von der Alltagssituation. Vermehrte Bewegung (z.B. längeres Schwimmen, Wandern, intensives Tanzen in der Disko) führt zu vermindertem Insulinbedarf mit Unterzuckergefahr. Starkes Schwitzen aber kann zu einer Erhöhung der Blutzuckerwerte bis zu 25% führen. Dies kann schon allein durch Flüssigkeitszufuhr wieder ausgeglichen werden. Besonders beim Auftreten von Infekten mit Fieber besteht die Gefahr der Entstehung einer Ketoazidose. Dies ist eine schwere Stoffwechselentgleisung mit deutlichem Azetonnachweis im Urin und Blutzuckerwerten über 240 mg/dl. Da die Ketoazidose selbst von Symptomen wie Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet wird, darf sie nicht mit einem Magendarm-Infekt verwechselt werden. Zum Vorgehen bei Ketoazidose sollte ein sogenanntes Ketoazidoseschema mitgeführt werden. Grundsätzlich wird bei einer Ketoazidose eine deutlich vermehrte Menge Insulin und Flüssigkeit benötigt.

Klimaveränderung

Insulin, aber auch Glucagon können bei extremen Temperaturen ihre Wirkung verlieren. Beide Stoffe sollen auf keinen Temperaturen über 40°C ausgesetzt, aber auch nicht gefroren werden. Solche Temperaturen werden beim Zurücklassen im Auto schnell erreicht!
Am besten eignen sich zum Schutz über viele Stunden kleine Kühltaschen oder eine kleine Styroporbox.
Insulin verliert zudem durch direkte Sonnenlicht-Einstrahlung seine Wirkung.
Auch Blutzuckermessgeräte reagieren auf extreme Temperaturen: Viele Messstreifen sind UV-empfindlich, messen bei sehr hohen Temperaturen zu hohe, bei sehr niederen Temperaturen zu niedere Blutzuckerwerte! Manche Geräte schalten bei hohen Temperaturen oder unter 0°C einfach ab.
Bei Polyneuropathie besteht erhöhte Gefahr für Kälteschäden und Erfrierungen, sowie Verbrennungen beim Barfußlaufen auf heißem Sand oder Fels.

Zeitzonen

Bei Flugreisen Richtung Westen (z.B. USA) kommt es zu einer Verlängerung des Tages, bei Flugreisen Richtung Osten (z.B. Asien) kommt es zu einer Verkürzung des Tages. Den angebrochenen Tag (Verlängerungsstunden nach Westen oder verkürzter Tag Richtung Osten) kann man mit kleinen Portionen von Normalinsulin ca. alle drei Stunden oder schnellem Analoginsulin (LysPro, Aspart oder Glulisin) alle 1½ bis 2 Stunden abdecken, d.h. während dieser Zeit sollte man auf lang wirkendes Basalinsulin verzichten.

Beispiel:
Angebrochener Tag : 9 Stunden.
24 Stunden-Basal-Insulinbedarf: 32 IE –
für 9 Stunden werden (32:24) x 9 = 12 IE Basal-Insulin benötigt.
Diese 12 IE Insulin teilt man auf in 3-Stunden Norm-Insulinportionen,
d.h. man spritzt alle 3 Stunden 4 IE Normal-Insulin.

Verbrauchsartikel, Reserveutensilien und Notfallmedikamente

Für alle Diabetes-Verbrauchsartikel sollte der Bedarf für die Zeit im Urlaub sorgfältig abgeschätzt und etwa das Doppelte mitgeführt werden:
Insuline und Tabletten; Traubenzucker und Glucagon; Pen mit Kanülen; Messgerät, Streifen, Stechhilfe und Tagebuch; Aceton-Messstreifen; ggf. BE-Austausch- Tabelle und Umrechnungstabelle von mg/dl zu mmol/l.
Die Reiseapotheke sollte die üblichen Notfallmedikamente enthalten:
Medikamente gegen Fieber und Medikamente (Paracetamol, ASS), gegen Übelkeit und Erbrechen (Metoclopramid), sowie gegen Durchfall (Kohletabletten).
Die allgemeinen Empfehlungen für Reiseimpfungen gelten auch für Menschen mit Diabetes.

Reiseunterlagen, Flughafen- und Zollbestimmungen

Ein mitgeführter Diabetikerausweis soll im Falle eines Unterzuckers rasche Hilfe sicherstellen.
Dies gilt natürlich auch im Ausland, sodass eine Version in der Landessprache vorliegen sollte.

Vorschlag für einen Diabetikerausweis in gängigen Sprachen:

Deutsch
„Ich bin zuckerkrank und werde mit Insulin behandelt. Im Fall von Unwohlsein, anormalem Verhalten oder Bewusstseinsverlust geben Sie mir mehrere Stücke Zucker zu essen, Bonbons, Brot oder ein sehr süßes Getränk. Wenn ich nicht schlucken kann oder nicht sehr schnell zu mir komme, sollte man mir umgehend Glukagon injizieren. Dazu benachrichtigen Sie meine Familie oder einen Arzt oder lassen Sie mich sofort ins Krankenhaus bringen.“

Englisch
„I am a diabetic and take insulin injections. In case I seem to be ill or behave abnormally or lose consciousness, give me some sugar or something very sweet to drink. If I can’t swallow or if I don’t regain consiousness quickly I need a glucagon injection. Therefore, please get in touch with my family or a doctor, or have me brought to a hospital.”

Französisch
„Je suis diabétique et sous traitement insulinique. En cas de malaise, de comportement anormal ou d’évanouissement veuillez me donner du sucre, des bonbons, du pain ou une boisson très sucrée. Si je ne peux plus avaler ou si je ne reprends pas connaissance rapidement, on doit me donner une injection de glucagon. Veuillez avertir ma famille ou un docteur ou bien me transporter d’urgence a l’hôpital.“

WEITERE SPRACHEN http://www.diabetesde.org/gesund_leben/reisen/uebersetzungshilfe_fuer_ihren_diabetikerausweis

Vor Antritt der Reise sollte der behandelnde Arzt eine ärztliche Bescheinigung (in verschiedenen Sprachen, optimal in der Landesprache des Zielortes) ausstellen, die der Fluggast für eine Flugreise bei der Fluggastkontrolle vorweisen kann.
In dieser Bescheinigung werden der insulinpflichtige Diabetes mellitus bestätigt und die notwendigen Verbrauchsmaterialien aufführt: Insulinampullen, Nadeln, Pen oder Spritzen, ggf. Insulinpumpe, BZ-Messgeräte (1 Ersatzgerät mitnehmen), Stechhilfen und Mess-Sensoren.

Beispieltext:
(Name, Geburtsdatum und Adresse) is an insulin-dependent diabetic and therefore has to rely on a regular supply of insulin. In order to ensure correct therapy, the following should be carried when travelling:
insulin cartriges, insulin syringes, insulin pen, insulin pump with acceessories, tablets, glucagon syringe, urine glucose test strips, blood glucose test Strips, blood glucose meter, blood lancets with pricking device, ketone test strips, dextrose-containing sweets/lollies
(Name, Anschrift,Telefonnummer und Adresse des Arztes, Arztstempel)

Wir empfehlen, wie allgemein vorgeschrieben, einen durchsichtigen Plastikbeutel mitzuführen und darin die Insulinampullen sichtbar unterzubringen. (vgl. Vorschriften der EU: http://www.skyways.de/handgepaeck.html). Dieser Beutel sollte schon zuhause gerichtet werden. Ein einzelner Insulin-Pen darf extra, z.B. in der Jackentasche mitgeführt werden.
Insulin sollte nie im Koffer transportiert werden, da im Laderaum der Flugzeuge zu niedrige Temperaturen herrschen: Insulin verträgt keine Temperaturen unter +4°C und sollte auch keinen Temperaturen über +30°C ausgesetzt sein.
Deshalb: Gesamte benötigte Menge plus „Notvorrat“ in das Handgepäck.

Hand- und Großgepäck

Da auf Reisen mit dem Verlust von Gepäck gerechnet werden muss, sollten die wichtigen Artikel doppelt mitgeführt werden, aufgeteilt in Hand- und Großgepäck.

Handgepäck:
Pens, dazugehörige Nadeln (falls keine Injektionshilfe benutzt wird: Spritzen, Nadeln) Insulinpatronen bzw. Insulinfläschchen
Blutzuckermessgerät (mit Ersatzbatterie) und Teststreifen für Blutzucker und Aceton
Stechhilfe mit dazugehörigen Lanzetten
Traubenzucker
Zwischenmahlzeit (z. B. Vollkornkekse, Apfel)
1 Glucagon-Set
Diabetikertagebuch
Diabetikerausweis (wenn möglich in Landessprache)
Versichertenkarte bei Inlandreise oder Auslandskrankenschein und ggf. Reisekrankenversicherung
Bescheinigung für Diabetiker zur Vorlage beim Einchecken ins Flugzeug oder beim Zoll (siehe oben)

Großgepäck:
Ersatz-Pens und U-40- / U-100-Spritzen (für Pendefekt)
Ersatz-Messgerät und Teststreifen
Traubenzucker
Thermoskanne oder Styroporbox, falls extreme Temperaturen zu erwarten sind Ersatzzwischenmahlzeiten
BE -Tabellen mit Berücksichtigung der Landesspezialitäten
Medikamente, welche üblicherweise eingenommen werden
Pflaster, PVP-Salbe (braune Wundsalbe), Reiseapotheke