Diabetiker auf Reisen

Bei richtiger Planung keine Einschränkung

Vor einer Reise muss ein Diabetiker das Wissen neu auffrischen, das er im Alltag, in Schulungen und in Gesprächen mit dem Diabetes-Team erworben hat. Falls nötig muss er es ergänzen. Dann gibt es bei richtiger Planung keine Einschränkungen des Reiseziels.

Richtig planen

Besonders zu berücksichtigen sind:

  • ungewohnte Zusammensetzung der Ernährung,
  • veränderte körperliche Aktivität,
  • ungewohntes Klima
  • veränderter Tagesrhythmus.

Bei fremden Spezialitäten kann der Kohlenhydratanteil häufig mit ähnlichen bekannten Nahrungsbestandteilen verglichen werden. Oft helfen erweiterte BE-Tabellen. Auskunft gibt auch der Diabetikerbund.

Messen und Korrigieren

Häufigeres Messen und Korrigieren ist notwendig, besonders in den ersten Tagen. Oft unterscheidet sich die körperliche Aktivität im Urlaub von der Alltagssituation. Vermehrte Bewegung (z.B. längeres Schwimmen, Bergwandern, intensives Tanzen in der Disko) führt zu einer Verminderung des Insulinbedarfs. Auch sollte die Gefahr eines Unterzuckers nach vermehrtem Alkoholgenuss bedacht werden. Beim Skifahren kann der Insulinbedarf sowohl erhöht als auch erniedrigt sein. Starkes Schwitzen kann zu einer Erhöhung der Blutzuckerwerte von bis zu 25% führen. Dies kann allein durch Flüssigkeitszufuhr wieder ausgeglichen werden.

Vorsicht bei extremen klimatischen Bedingungen

Beim Aufenthalt in heißem Klima sollte man daran denken, dass die Insulinwirkung schneller eintreten kann. Das in Benutzung befindliche Insulin kann auch in warmen Ländern ohne besondere Vorkehrungsmaßnahmen am Körper mitgeführt werden. Insulin darf nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder im erwärmten Auto zurückgelassen werden. Das Reserve-Insulin kann z.B. in einer kalt ausgespülten Thermoskanne mitgeführt werden; die Insulinpatronen werden dabei in einen feuchten Lappen eingeschlagen und in eine Plastiktüte gesteckt. Auf diese Weise lässt sich das Insulin auch bei hohen Außentemperaturen über viele Stunden sicher aufbewahren. Anstelle einer Thermoskanne kann auch eine kleine Styroporbox verwendet werden. Diese kann für wenig Geld gekauft werden. Sie schützt, ebenso wie die Thermoskanne, auch gegen möglichen Frost beim Wintersport.

Bei Fieber: Gefahr der Ketoacidose

Neben einer Unterzuckerung besteht besonders beim Auftreten von Infekten mit Fieber die Gefahr der Entstehung einer Ketoacidose. Dies ist eine schwere Stoffwechselentgleisung mit deutlichem Acetonnachweis im Urin und Blutzuckerwerten über 240 mg/dl. Da die Ketoacidose selbst von Symptomen wie Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet wird, darf sie nicht mit einem Magendarm-Infekt verwechselt werden. Zum Vorgehen bei Ketoacidose sollte ein sogenanntes Ketoacidoseschema mitgeführt werden. Grundsätzlich wird bei einer Ketoacidose eine deutlich vermehrte Menge Insulin und Flüssigkeit benötigt.

Zeitverschiebung bei Flugreisen

Bei Flugreisen Richtung Westen (z.B. USA) kommt es zu einer Verlängerung des Tages, bei Flugreisen Richtung Osten (z.B. Asien) kommt es zu einer Verkürzung des Tages. Den angebrochenen Tag (Verlängerungsstunden nach Westen oder verkürzter Tag Richtung Osten) kann man ausschließlich mit kleinen Portionen von Normalinsulin ca. alle drei Stunden oder schnellem Analoginsulin (LysPro/Aspartat) alle 1½ bis 2 Stunden abdecken, d.h. während dieser Zeit sollte man auf Basalinsulin verzichten.

Beispiel:

Angebrochener Tag : 9 Stunden, 24 Stunden-Basal-Insulinbedarf: 32 IE
Für 9 Stunden werden (32:24) x 9 = 12 IE Basal-Insulin benötigt.
Diese 12 IE Insulin teilt man auf in 3-Stunden Norm-Insulinportionen, d. h. man spritzt alle 3 Stunden 4 IE Normal-Insulin.

Tipps für Zeitverschiebung bei Interkontinentalreisen

Reisegepäck

Flugreisen – Handgepäck für Diabetes-Patienten – Aktuelle Hinweise

Insulinpflichtige Diabetes-Patienten sollten vor Flugantritt bei ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft melden und angeben, was sie als ihren medizinischen Bedarf mit an Bord nehmen müssen. Die Fluggesellschaften vermerken in ihren Fluglisten, auf welchem Platz der insulinpflichtige Diabetiker sitzt, und dass dieser Fluggast Insulin, Mess- und Spritzutensilien dabei hat. Bei der Fluggastkontrolle muss der Fluggast eine ärztliche Bescheinigung seines behandelnden Arztes vorweisen. In dieser Bescheinigung wird der insulinpflichtige Diabetes mellitus bestätigt. Desweiteren müssen aufgeführt werden Insulinampullen, Nadeln, Spritzen, ggf. Insulinpumpe, BZ-Messgeräte (1 Ersatzgerät mitnehmen), Stechhilfen und Mess-Sensoren.

Wir empfehlen, wie allgemein vorgeschrieben, einen durchsichtigen Plastikbeutel mitzuführen und darin die Insulinampullen sichtbar unterzubringen. Dieser Beutel kann schon zuhause gerichtet werden. Ein einzelner Insulin-Pen darf extra, z.B. in der Jackentasche mitgeführt werden.

Insulin sollte nie im Koffer transportiert werden, da im Laderaum der Flugzeuge zu niedrige Temperaturen herrschen: Insulin verträgt keine Temperaturen unter +4°C! (Und sollte auch keinen Temperaturen über +30°C ausgesetzt sein!). Deshalb die gesamte benötigte Menge plus „Notvorrat“ ins Handgepäck.

  • Bescheinung für Diabetiker zur Vorlage beim Einchecken ins Flugzeug oder beim Zoll (Download einer Musterbescheinigung als pdf-Datei (ca. 46 kb) oder als Word-Datei (ca. 69 kb)).

Da auf Reisen mit dem Verlust von Gepäck gerechnet werden muss, sollten die für den Diabetiker wichtigen Artikel doppelt mitgeführt werden, aufgeteilt in Hand- und Großgepäck.

 Handgepäck:

  • Pens, dazugehörige Nadeln, (falls keine Inkjektionshilfe benutzt wird: Spritzen, Nadeln)
  • Insulinpatronen bzw. Insulinfläschchen
  • Blutzuckermessgerät
  • Teststreifen für Blutzucker und Aceton
  • Stechhilfe mit dazugehörigen Lanzetten
  • Traubenzucker
  • Zwischenmahlzeit (z. B. Vollkornkekse, Apfel)
  • 1 Ampulle Glucagon
  • Diabetikertagebuch
  • Diabetikerausweis (eventuell mit Ergänzung in Landessprache)
  • Versichertenkarte
  • Auslandskrankenschein oder Reisekrankenversicherung
  • Bescheinung für Diabetiker zur Vorlage beim Einchecken ins Flugzeug oder beim Zoll (Download einer Musterbescheinigung als pdf-Datei (ca. 46 kb) oder als Word-Datei (ca. 69 kb)).

Großgepäck:

  • Ersatz-Pens,
  • Ersatz-Messgerät
  • Teststreifen
  • Traubenzucker
  • Thermoskanne oder Styroporbox falls andernorts extreme Temperaturen herrschen
  • Ersatzzwischenmahlzeiten
  • BE -Tabellen mit Berücksichtigung der Landesspezialitäten
  • Medikamente, welche üblicherweise eingenommen werden
  • Pflaster
  • PVP-Salbe (braune Wundsalbe)

Besonderheiten für Typ2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen

Hier soll nochmals daran erinnert werden, dass auch bei der Einnahme von Tabletten (Inhaltsstoffe: Sulfonylharnstoffe, Glinide, Glitazone) z.B. Euglucon, Amaryl, NovoNorm, Actos, Avandia, ein Unterzucker auftreten kann. Bis auf die notwendigen Bestandteile der Insulintherapie und die BE-Tabellen gelten die oben aufgeführten Checklisten inklusive Blutzuckermessgeräten und Teststreifen. Gegebenenfalls sollte auch ein Blutdruckmessgerät mitgenommen werden.

Dr. med. Limberg