News-Archiv: 2012

Erfolgreiches Finale beim Köln Marathon

(18.10.2012)

Köln, 14. Oktober 2012 – Von den 140 Männern und Frauen mit Diabetes, die seit April unter sportwissenschaftlicher und medizinischer Aufsicht in verschiedenen deutschen Großstädten am deutschlandweit größten Lauf-Programm für Diabetiker teilgenommen haben, konnten insgesamt 89 Läuferinnen und Läufer am 14.10.2012 in Köln an den Start gehen. Davon liefen 36 Teilnehmer die 10 km, 39 den Halbmarathon und 14 trauten sich sogar die 42 km zu. Ohne Zwischenfälle erreichten alle Läuferinnen und Läufer bei optimalen Temperaturen und getragen vom großartigen Kölner Publikum das Ziel und zeigten sich im Anschluss hoch zufrieden und überglücklich mit ihrer Leistung.

Für die so wichtige Kontrolle der Blutzuckerwerte vor, nach und während des Laufs sorgten auf der Strecke insgesamt  acht Teams aus Ärzten, medizinischen Fachkräften und Apothekern unter der Leitung von Peter Loeff. „Es hat mich sehr beeindruckt, mit wie viel Freude und Elan die Gruppe bei der Sache war und dass alle Teilnehmer so viel Durchhaltevermögen auf der Strecke gezeigt haben“ lobte der Diabetologe und medizinische Leiter des Programms.

Aber auch die Resultate aus der sechsmonatigen Vorbereitungszeit können sehen lassen. So zeigte sich bei allen Teilnehmern des  Programms eine deutliche Gewichtsreduktion sowie ein verbesserter HbA1c Wert. Viele der Teilnehmer konnten ihre Medikamente reduzieren und einige sogar ganz absetzen. Diese deutlich verbesserten Parameter sind Folge des regelmäßigen und intensiven Trainings. Auch bei den Teilnehmern, die bereits im letzten Jahr bei dem Programm dabei waren, verbesserten sich die aus den Laktattests erhobenen Leistungsdaten auch in diesem Jahr noch weiter.

Herausragendes Merkmal des Diabetes Programm Deutschland, das als offizielles Patientenschulungsprogramm der Techniker Krankenkasse zertifiziert ist, stellt die professionelle und ganzheitliche Begleitung der Teilnehmer durch die Sporthochschule Köln dar, vertreten u.a. durch die beiden renommierten Professoren Hans-Georg Predel und Ingo Froböse sowie durch das Diabeteszentrum am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal mit dessen Leiter Dr. med. Peter Loeff. Darüber hinaus zählen das Biopharma-Unternehmen UCB, Bayer HealthCare, die Apotheken, die Internationale Vereinigung Diabetischer Sportler (IDAA) sowie diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zu den wichtigsten Partnern.

Weitere Informationen zu den Inhalten und Hintergründen des Diabetes Programm Deutschland finden Sie unter www.diabetes-programm-deutschland.de.


Adipositas paradox

(18.10.2012)

Berlin – Das Sterberisiko normalgewichtiger Menschen mit Diabetes mellitus ist doppelt so hoch wie von übergewichtigen Diabetes-Patienten, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Auf dieses „Adipositas paradox“ weist jetzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich einer Veröffentlichung amerikanischer Wissenschaftler hin. Auch bei schlanken Menschen sei es deshalb wichtig, einen Diabetes früh zu erkennen und entsprechend therapeutisch gegenzusteuern, so die DDG.

Nicht alle Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig. Etwa jeder zehnte hat ein normales Körpergewicht. Einer jüngst im Journal der amerikanischen Medizingesellschaft JAMA veröffentlichten Studie zufolge scheint dies zumindest beim Typ-2-Diabetes nicht von Vorteil. Die Analyse fasst die Ergebnisse aus fünf Langzeituntersuchungen zusammen. Forscher untersuchten darin die Daten von 2625 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes. Während der beobachteten zwei Jahrzehnte kam es zu 449 Todesfällen. Doch anders als erwartet, war das Sterberisiko unter den schlanken Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht niedriger, sondern doppelt so hoch wie bei den Typ-2-Diabetes-Patienten an der Grenze zum Übergewicht und darüber.

„Normalgewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes sind keinesfalls selten“, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Quakenbrück. In der Studie lag deren Anteil zwischen 10 und 20 Prozent. Diese Menschen lebten nicht gesünder als übergewichtige Diabetes-Patienten. Bei einigen liege womöglich eine „versteckte Fettleibigkeit“ vor, erläutert Diabetologe Matthaei: „Ausgeprägter Bewegungsmangel führt bei einigen Menschen zu einem Rückgang der Muskelmasse, die dann durch Fettgewebe ersetzt wird – auch Sarkopenie genannt.“ Das Körpergewicht liegt hier oft im oberen Bereich des Normalgewichts. Andere Menschen sind dazu veranlagt, also erblich bedingt schlank. Viele normalgewichtige Ostasiaten und farbige Amerikaner etwa haben einen Typ-2-Diabetes.

Auch bei anderen Erkrankungen tritt das „Adipositas paradox“ zu Tage. So scheinen beispielsweise normalgewichtige Nierenkranke, die sich einer Blutwäsche, der Dialyse, unterziehen müssen, ein höheres Sterberisiko zu haben als übergewichtige Dialyse-Patienten. Warum aber auch das Sterberisiko der schlanken „Zuckerkranken“ höher ist als bei übergewichtigen Menschen mit Diabetes, ist nicht bekannt. „Aus epidemiologischen Studien wie der vorliegenden können solche Fragen meist nicht beantwortet werden“, bedauert auch Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Tübingen. Die DDG vermute aber, dass ein Typ-2-Diabetes bei Normalgewichtigen später erkannt wird und dass sie die Therapie weniger konsequent durchführen. „Viele dieser Zuckerkranken und auch ihre Ärzte verzichten möglicherweise im falschen Vertrauen auf das Normalgewicht auf Ernährungsumstellung, körperliche Bewegung und Medikamente“, meint Fritsche. Bei ihnen schreite der Diabetes deshalb eventuell schneller voran als bei Übergewichtigen, die ihr Gewicht zu normalisieren versuchen.

Die Ergebnisse der Studie könnten die Früherkennung verändern. Denn nach Einschätzung der DDG wäre es falsch, ausschließlich Übergewichtige auf einen Diabetes zu untersuchen. Eine korrekte Bestimmung des Nüchternblutzuckers sollte heute zu den ersten Tests gehören, die ein Arzt bei einem neuen Patienten durchführt. Auch bei Krankenhauspatienten sollte immer nach einem versteckten Typ-2-Diabetes gesucht werden, fordert Professor Matthaei: „Folgeerkrankungen können nur verhindert werden, wenn die ursächliche Erkrankung frühzeitig erkannt wird.“

Diabetischer Retinopathie

(18.10.2012)

Tag des weißen Stocks am 15. Oktober 2012

Diabetischer Retinopathie vorbeugen, Augenschäden rechtzeitig behandeln. Bei Diabetes regelmäßig zur Augenkontrolle gehen

Berlin – In Deutschland erkranken jedes Jahr über 8.000 Menschen mit Diabetes neu an einer diabetischen Retinopathie und rund 1.700 davon Betroffene verlieren jährlich ihr Augenlicht. Die Netzhauterkrankung ist hierzulande die Hauptursache für Erblindung im erwerbsfähigen Alter. Sie gilt alsFolge eines schlecht eingestellten Diabetes und verläuft lange Zeit ohne Symptome. Daher wird sie häufig erst erkannt und behandelt, wenn die Augen bereits schwer geschädigt sind. Menschen mit Diabetes sollten daher regelmäßig ihre Augen kontrollieren lassen. Darauf macht diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zum „Tag der weißen Stocks“ am 15. Oktober 2012 aufmerksam.

Menschen mit Diabetes mellitus sind besonders gefährdet, ihr Sehvermögen zu verlieren: Bei der diabetischen Retinopathie kommt es durch den erhöhten Blutzucker und -druck zu Schäden an den Blutgefäßen in den Augen.Etwa 30.000 Menschen in Deutschland sind gegenwärtig aufgrund dieser Folgeerkrankung blind. Mehr als 80 Prozent aller Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben 25 Jahre nach Beginn der Erkrankung Schäden an der Netzhaut.

Diese Schäden entwickeln sich meist über einen langen Zeitraum hinweg schleichend ohne merkbare Sehstörungen. Ärzte können bei etwa jedem dritten Typ-2-Diabetiker bereits bei der Diabetes-Diagnose Schäden am Auge nachweisen. Daher sind für Diabetiker regelmäßige Untersuchungen der Netzhaut wichtig. Um die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, sollten Menschen mit Diabetes mindestens einmal im Jahr ihre Augen untersuchen lassen. Zur Vorbeugung sollten sie ihre Blutzuckerwerte senken und einen Blutdruckzielwert von 140/80 mmHg anstreben.

Jeder Typ-1-Diabetiker sollte ab seinem fünften Erkrankungsjahr eine Netzhautuntersuchung nach vorheriger Pupillenerweiterung erhalten. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sollte sofor nach Erkennen der Erkrankung eine Netzhautuntersuchung erfolgen, anschließend in jährlichen Abständen. Sind schon Veränderungen an der Netzhaut eingetreten, ist eine Wiederholungsuntersuchung alle sechs beziehungsweise bei höheren Graden auch alle drei Monate sinnvoll.

Bereits eingetretene Schäden der Netzhaut muss ein darauf spezialisierter Facharzt mittels Laserbehandlung, Medikamenten oder Operation frühzeitig behandeln. Diese Therapien können zwar einen möglicherweise schon vorhandenen Sehkraftverlust nicht wieder rückgängig machen, aber schwere Sehbehinderungen oder einen vollständigen Verlust der Sehkraft verhindern.

Im Jahr 1969 riefen die Vereinten Nationen den „Internationalen Tag des weißen Stocks“ ins Leben, der jeweils am 15. Oktober begangen wird. Mit dem Aktionstag machen gemeinnützige Organisationen weltweit auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam.

Weitere Informationen im Internet:

www.diabetesde.org
www.seh-netz.info

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert altersgerechte Therapie

(18.10.2012)

Berlin – An Diabetes sind in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen erkrankt. In der Altersgruppe der 75- bis 80-Jährigen ist jeder Dritte bis Vierte betroffen, ab einem Lebensalter von 65 Jahren stellt Diabetes Typ 2 die häufigste Begleiterkrankung dar. Alte Patienten sind besonders gefährdet, eine Unterzuckerung zu erleiden, weil sie die Symptome einer Hypoglykämie häufig falsch deuten. Mit ernsten Folgen: Sinkt der Blutzuckerspiegel bei ihnen stark ab, steigt die Sturzgefahr. Zudem drohen Schlaganfall und Herzinfarkt. Welche besonderen Aspekte bei der Behandlung alter Diabetespatienten berücksichtigt werden müssen, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der 6. Diabetes Herbsttagung vom 16. bis 17. November 2012 im ICC Berlin.

Besonders gefährlich ist für Senioren die Hypoglykämie, umgangssprachlich Unterzuckerung genannt. Nach Ergebnissen der Live-Geri-Studie, in der Daten aus 32 ambulanten und 40 stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet wurden, kommt diese recht häufig vor: 6,2 Prozent der Senioren hatten eine schwere Hypoglykämie. „Die Betroffenen fühlen sich dann hilflos, können leicht stürzen und sind akut gefährdet, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden“, erläutert Dr. med. Ann-Kathrin Meyer, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Chefärztin der Abteilung für Geriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg. „Typische Warnzeichen der Unterzuckerung wie Zittern oder Schwindel bringen sie oft nicht mit dem Diabetes in Verbindung, sondern schieben sie auf ihr Alter oder andere Erkrankungen.“ Über diese Symptome sollte der behandelnde Arzt unbedingt aufklären.

Bei alten Menschen ist es besonders wichtig, die Hypoglykämie zu verhindern. Was bei Jüngeren in der Diabetestherapie gut funktioniert, ist für ältere Menschen zum Teil nicht geeignet. Alten Menschen beispielsweise zur Behandlung des Diabetes mehr Bewegung zu empfehlen, ist in der Praxis häufig nicht zielführend. Manche Patienten sind durch eine Hüft- oder Knie-Arthrose stark eingeschränkt. Auch in Jahrzehnten gefestigte Ernährungsgewohnheiten können nur begrenzt beeinflusst werden. „Deshalb sollte die Therapie in erster Linie bei der Gabe der Medikamente ansetzen und auf die optimale Einstellung des Blutzuckers abzielen“, betont Meyer. Bei alten Menschen müssten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, ergänzt die Expertin. Haben sie mehrere Krankheiten und müssen eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, müssen mögliche Wechselwirkungen bedacht werden. Bei jedem Arztbesuch sollte der Patient daher eine komplette Liste seiner Medikament mitbringen und mit dem Arzt darüber sprechen.

Die medikamentöse Diabetestherapie muss individualisiert, möglichst einfach und praxistauglich sein. Nüchtern sollte der Blutzucker Werte zwischen 120 und 180 mg/dl aufweisen. Zum Vergleich: Das für Jüngere gültige Ziel für den Nüchtern-Blutzucker liegt bei 60 – 100 mg/dl, 140 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Der Langzeitwert, auch HbA1c-Wert genannt, sollte bei Senioren um 7 bis maximal 8 Prozent betragen und ist damit ebenfalls deutlich höher als die pauschale Empfehlung eines Wertes von < 6,5 Prozent. „So lässt sich bei älteren Diabetespatienten ein Maximum an Lebensqualität herstellen“, erklärt Meyer. „Ein größtmöglichstes Maß an körperlicher, geistiger und emotionaler Gesundheit, mit sozialer Teilhabe und großer Alltagskompetenz.“

Alte Menschen mit Diabetes zu behandeln, erfordert ein dauerhaft auslotendes Vorgehen. Dr. Meyers Therapie-Motto bei der Dosisfindung der Medikamente orientiert sich an dem geriatrischen Grundsatz: “Start low, but go and go for enough.“ Niedrig beginnen, langsam steigern bis zu dem Punkt, an dem die optimale Dosis gefunden wird. Mit diesem Therapieverfahren lassen sich, so die Expertin, die meisten Komplikationen vermeiden beziehungsweise rechtzeitig erkennen.

Terminhinweis

Pressekonferenz der DDG im Rahmen der 6. Herbsttagung

Termin: Freitag, 16. November 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Raum 43 im ICC Berlin

Vorläufiges Programm:

Neues DDG Zertifikat: Wie Kliniken sich auf die „Nebendiagnose Diabetes“ spezialisieren können
Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Chefarzt des Diabetes-Zentrums am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ)

Programm-Highlights der Diabetes Herbsttagung: Neues aus der Forschung für die Praxis
Professor Dr. med. habil. Peter Schwarz, Tagungspräsident, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Diabetes bei geriatrischen Patienten: Was ist anders, was ist schwierig?
Dr. med. Ann-Kathrin Meyer, Chefärztin der Abteilung Geriatrie Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG

Individualisierte Diabetesprävention und Therapie: Wie können neue Studienergebnisse helfen?
Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Ulrich Häring, Mitglied des Vorstands des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München

Personalisierte Medizin: Wie bringt man Menschen mit Diabetes in Bewegung?
Univ.-Professorin Dr. Petra Wagner, Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health, Leipzig

Zuckerkrank und Autofahren: Was tun, wenn der Blutzuckerspiegel absinkt?
Dr. med. Hermann Finck, Niedergelassener Diabetologe, Schenklengsfeld, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG

10. Düsseldorfer Diabetes-Tag am 29. September 2012

(20.09.2012)

Der 10. Düsseldorfer Diabetes-Tag des Universitätsklinikums Düsseldorf, der Düsseldorfer Diabetes-Ärzte und der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M)/Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V., bringt Patienten, ihren Angehörigen und Interessierten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Diabetologie nahe: Weiterlesen

Kein Verkauf zuckerhaltiger Getränke an Schulen!

(22.08.2012)

Berlin – Der Konsum von Limonade und Co. macht auf Dauer dick. Deswegen sollte gesundes Trinkverhalten von Kindern und Jugendlichen dort gefördert werden, wo sie viel Zeit verbringen: an der Schule. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat heute der Berliner Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Sandra Scheeres, eine Petition zugestellt mit rund 700 Unterschriften für ein Verkaufsverbot zuckerhaltiger Getränke an Schulen. In einem symbolischen Akt kippte der Vorstandsvorsitzende Prof. Danne zusammen mit den beiden GRÜNEN-Politikern Renate Künast und Heiko Thomas Schubkarren mit genau der Menge an Zucker auf den Schulhof der Heinrich-Seidel-Grundschule in Berlin-Wedding, die Kinder und Jugendliche jährlich über Limonaden zu sich nehmen. Der Verkauf zuckerhaltiger Getränke an Schulen fördere die Entstehung ungesunder Trinkgewohnheiten, die Übergewicht und in der Folge auch Diabetes begünstigen können. Ein bundesweites Verkaufsverbot zuckerhaltiger Getränke an Schulen sei überfällig.

„Bereits 6-jährige Jungen nehmen in Deutschland nur über Limonaden schon 5 kg Zucker/Jahr zu sich; im Alter von 14-17 Jahren sind es dann bereits 30 kg/ Jahr“, argumentiert Prof. Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Das sind überflüssige Kalorien, die nicht satt machen und immer extra zu Buche schlagen“, so der Pädiater und Vater von vier Kindern. „Wir sollten es Kindern in allen Schulen leicht machen, sich gesundes Trinken anzugewöhnen“, so Danne. Deshalb sollte das Trinken von Leitungswasser gefördert werden, z. B. über Trinkwasseranlagen. „Trinkwasser hat jedoch in Konkurrenz zum ‚Blubber-Zuckerwasser‘ keine Chance – deswegen setzt die Förderung des Trinkwasserkonsums an Schulen ein gleichzeitiges Verkaufsverbot zuckerhaltiger Getränke voraus.“

„Berlin sollte hier mit gutem Beispiel für eine bundesweite Regelung vorangehen“, fordert die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. „Gerade hat das Robert-Koch-Institut wieder bestätigt, dass Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland unverändert ein Problem darstellt, insbesondere junge Männer haben sogar weiter an Gewicht zugelegt. Die schwarz-gelbe Bundesregierung verschließt vor diesem Problem die Augen.“ Im Jahr 2011 sind die Gesundheitsausgaben in Deutschland auf den Rekordwert von 350 Milliarden Euro Krankheitsausgaben gestiegen, nur 4,5-5 Milliarden werden für Prävention ausgegeben. „Wir finanzieren Krankheit und leisten uns einen kostenintensiven Reparaturbetrieb. Wir sollten mehr in Gesundheit und Prävention investieren“, so Künast.

„Zuckerreiche Getränke und Lebensmittel sind nicht kindgerecht, auch wenn uns die Werbung das Gegenteil suggeriert“, so Heiko Thomas, gesundheitspolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Schule erziehe immer mit – nicht nur im Unterricht, sondern auch durch gelebte Praxis in den Pausen. „Eltern sollten sich keine Sorgen machen müssen, was ihre Kinder den Tag über in der Schule essen und trinken“, so Thomas. Ebenso wie die Umsetzung von Qualitätskriterien für die Mittagsmahlzeit und die Erarbeitung des Themas Gesunder Lebensstil im Unterricht sollte auch das Getränkeangebot an Schulen in das Konzept eines gesunde Lebensstils passen.

„An unserer Schule gibt es bereits seit vielen Jahren eine Trinkwasseranlage, die bei Schülern und Lehrern recht beliebt ist. Wir freuen uns, dass wir als Positivbeispiel ausgesucht wurden und unterstützen diese Aktion sehr gerne“, freut sich Cornelia Flader, Schulleiterin der Heinrich-Seidel-Grundschule in Berlin-Wedding. Die Schule wurde bereits 2009 für ihr Engagement auch im Gesundheitswesen mit dem Deutschen Präventionspreis im Bereich „Gebundene Ganztagsschule“ ausgezeichnet.

Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft unterstützt die Aktion.

Mehr Informationen und Pressefotos zum Download im Internet:

http://www.diabetesde.org/presse/pressematerial/

Deutsche Diabetes Gesellschaft erforscht Ursachen

(13.06.2012)

Berlin – Dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Hormon Insulin den Blutzucker nicht ausreichend senkt, könnte an veränderten Eiweißen (Proteinen) der Muskulatur liegen. Proteine bestimmen maßgeblich Struktur, Stoffwechsel und Funktion von Zellen. Neue Einsichten über deren Veränderungen bei Übergewicht und Diabetes erbrachte jetzt eine jüngst veröffentlichte Studie an der Ruhr-Univer­sität Bochum in Kooperation mit der Universität Odense, Dänemark. Professor Dr. med. Harald Klein, Direktor der Medizinischen Klinik I am Berufsgenossenschaft­lichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, und seine Forscherkollegen führten eine sogenannte „Proteomanalyse“ durch, bei der nicht einzelne Eiweiße, sondern der gesamte zelluläre Bestand auf einmal untersucht wird.

Ein wichtiger Mechanismus der Blutzuckersenkung besteht darin, dass Insulin die Aufnahme des Zuckers in den Muskeln steigert und so dem Blut entzieht. Dieser Mecha­nismus ist bei Übergewicht, und noch mehr bei Typ-2-Diabetes, gestört. Übergewichtige gleichen dies durch höhere Insulinspiegel aus. Können die Insulinspiegel nicht entsprech­end gesteigert werden, steigt der Blutzucker, und es entsteht ein Typ-2-Diabetes. In den vergangenen Jahren wurden zwar zahlreiche Aspekte der verminderten Wirksamkeit des Insulins (Insulinresistenz) geklärt etwa wie der Transport des Zuckers durch die Zellmem­bran in die Muskelzelle hinein funktioniert. „Das Verfahren der Proteomanalyse bietet jedoch erstmals die Möglichkeit, die gesamte Komplexität der Proteinveränderungen auf einmal zu erfassen und Schlussfolgerungen für ganz verschiedene Stoffwechselwege zu ziehen“, so Professor Klein, der auch Vorsitzender des Ausschusses Pharmakotherapie des Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist.

Die Forschergruppe um Professor Klein hat das „Proteom“ im Muskel von zehn Menschen mit Typ-2-Diabetes mit dem von elf Übergewichtigen und zehn schlanken Menschen verglichen. Dabei stellten die Forscher Unterschiede fest: Etwas überraschend kamen im Muskel der Patienten mit Diabetes und der Übergewichtigen vermehrt Enzyme vor, die den Zucker in Zwischenprodukte abbauen. Es fehlte aber an Enzymen, die in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Muskelzellen, aus diesen Zwischenprodukten Energie für die Zellen gewinnen. Dies könnte zu einer Anhäufung der Zwischenprodukte beitragen, die dann vermehrt zu Fett umgebaut werden. Fetteinlagerungen im Muskel und in anderen Organen wie der Leber werden bei Patienten mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes gefunden und sind in hohem Maße mit der gestörten Insulinwirkung korreliert.

Auch die Verteilung der Myosin-Eiweiße war verändert. Diese bewegen unter Einsatz des „Kraftstoffs“ ATP die Muskeln. Der Anteil der langsam reagierenden Myosine hatte sich hin zu den schnell reagierenden verschoben. Schließlich wurden auch Veränderungen bei Proteinen gefunden, bei denen man bisher überhaupt keinen Zusammenhang mit Über­gewicht oder Diabetes kannte. „Es ist einer der Vorteile der Methode, dass ohne Voreinge­nommenheit alle Eiweiße der Zelle untersucht werden und so auch die Entdeckung völlig neuer Zusammenhänge möglich ist“, sagt Klein. „Einige dieser Hypothesen müssen nun mit anderen Methoden bestätigt oder verworfen werden.“

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft engagiert sich als Fachgesellschaft besonders für die Diabetes-Forschung. Neben zahlreichen Forschungspreisen unterstützt die DDG durch Einzelprojektförderungen wissenschaftliche Arbeiten in der Diabetologie.

Lungenentzündung bei Diabetikern häufig tödlich

(11.06.2012)

Berlin – Erkranken Menschen mit erhöhtem Blutzucker oder Diabetes mellitus an einer Lungenentzündung, ist ihr Sterberisiko deutlich höher als bei Menschen mit normalen Blutzuckerspiegeln. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung von Daten des deutschen Kompetenznetzes für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNETZ), die jetzt im British Medical Journal (BMJ) erschienen ist. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist darauf hin, dass qualifizierte Diabetologen im Krankenhaus diese Zusammenhänge frühzeitig erkennen und die Patienten durch angemessene Therapie retten könnten. Es sei deshalb wichtig, das große und auch kleine Krankenhäuser die nötige diabetologische Expertise bieten.

Die Studie basiert auf Daten von 6891 Patienten. Sie hatten zwischen 2003 und 2009 wegen akuter Lungenentzündung Kliniken und Praxen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgesucht. Dabei zeigte sich, dass bei Patienten mit hohen Blutzuckerspiegeln das Risiko steigt, 28 beziehungsweise 90 Tage nach Aufnahme ins Krankenhaus an der Pneumonie verstorben zu sein. Schon ein leicht erhöhter Blutzucker ging mit einem erhöhten Sterberisiko einher. Bei Patienten mit einem Blutzuckerspiegel von mehr als 14 Millimol pro Liter Blut war das Risiko sogar 2,37-fach erhöht.

„Unabhängig davon, ob ein Diabetes zuvor bekannt ist, stellt ein hoher Blutzuckerwert einen eindeutigen Risikomarker für Komplikationen und Tod bei schwerer Lungenentzündung dar“, sagt DDG-Präsident Professor Dr. med. Stephan Matthaei. Patienten, die bereits vor der Aufnahme ins Krankenhaus an Diabetes litten, hatten insgesamt eine 2,47-fach erhöhte Sterberate. „Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass eine differenzierte Behandlung des Blutzuckerstoffwechsels bei Patienten mit schwerer Lungenentzündung Leben rettet“, fügt Matthaei hinzu, der Leiter des Diabetes-Zentrums am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück ist.

Die DDG fordert deshalb, Menschen mit Diabetes stationär möglichst in zertifizierten Fachabteilungen zu behandeln. Dies gelte auch für jene Diabetespatienten, die zusätzlich schwer erkrankt sind und etwa an einer Lungenentzündung, Herz-Kreislauf-, Gefäß- oder Nierenerkrankungen leiden. „Diese Patienten gehören in die Hände von Diabetologen und Ärzten in diabetologischen Fachabteilungen“, betont DDG-Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen.

Wie stark der Blutzucker bei Pneumonie-Patienten gesenkt werden muss, um die Sterblichkeit zu vermindern, ist noch nicht ausreichend untersucht. Eine aggressive Senkung des Blutzuckers führt mitunter zu Unterzucker und den damit verbundenen Komplikationen, bis hin zum Verlust des Bewusstseins. Stattdessen sei es hier besonders wichtig, so die Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft, den Blutzucker mit viel Fingerspitzengefühl zu regulieren: „Hier kann nur ein Experte – also ein Diabetologe – gegensteuern, der alle Risiken einzuschätzen vermag“, erläutert Professor Fritsche. Deshalb sei es wichtig, dass Universitätskliniken und große Allgemeinkrankenhäusern diabetologische Fachabteilungen vorhalten. Kleinere Krankenhäuser sollten in jedem Fall zertifizierte Diabetologen beschäftigen.

DGE warnt vor Weichmachern in Plastik:

(29.05.2012)

Altdorf – Bestimmte Weichmacher in Kunststoffen, sogenannte Phthalate, fördern offenbar die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2. Einer aktuellen schwedischen Studie zufolge sind Menschen mit Diabetes auffällig mit Phthalaten belastet. Weichmacher stecken etwa in Verpackungen und vielen Kosmetikartikeln, aber auch in Medikamenten und Medizinprodukten wie Kathetern oder Blutbeuteln. Frühere Untersuchungen ergaben, dass bestimmte Phthalate Männer unfruchtbar machen oder zu genitalen Fehlbildungen bei Kindern führen können. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) fordert, diese Weichmacher durch unschädliche Stoffe zu ersetzen. 

Phthalate werden in sehr großen Mengen industriell erzeugt und als Weichmacher für Kunststoffe wie etwa PVC verwendet. Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Endokrinologe aus Bochum und Mediensprecher der DGE: „Man weiß heute, dass diese Stoffe die Gesundheit des Menschen schädigen. Sie sind daher innerhalb der Europäischen Union (EU) etwa in Kinderspielzeug verboten.“ Für Verpackungen von Lebensmitteln wurden die Richtwerte für Phthalatgehalte inzwischen gesenkt. Aber viele Medizinprodukte wie Blut- und Infusionsbeutel, Schläuche oder Katheter enthalten noch immer Phthalate in höheren Konzentrationen. Die Stoffe lösen sich leicht aus dem Kunststoff und gelangen auf diese Weise in den menschlichen Körper. Die EU hat im März 2010 zumindest eine Kennzeichnungspflicht für Medizinprodukte, welche Di(2-ethylhexyl)-Phthalat enthalten, erlassen.

Etliche Weichmacher stören als „endokrine Disruptoren“ das menschliche Hormonsystem, indem sie zum Beispiel männliche Sexualhormone hemmen. Studien aus Deutschland und den USA fanden wiederholt hormonell aktive Phthalate im Urin der Bevölkerung. Teilweise überschritten die Konzentrationen sogar die empfohlenen Richtwerte. Zudem können sich unterschiedliche Phthalate in ihrer schädigenden Wirkung steigern. Bei Männern können sie Unfruchtbarkeit fördern und bei Neugeborenen Fehlbildungen der Geschlechtsorgane hervorrufen.

Die neue schwedische Untersuchung (1) zeigt nun einen Zusammenhang zwischen Phthalaten und Diabetes Typ 2. Die Forscher der Universität Uppsala untersuchten gut 1000 Menschen im Alter über 70 Jahren auf die Erkrankung. Etwa jeder neunte Teilnehmer litt an einem Diabetes. Bei fast allen Patienten fanden die Forscher mindestens vier von zehn Abbauprodukten von Phthalaten. Drei dieser Metabolite gingen mit einem erhöhten Diabetesrisiko einher. Die Forscher vermuten in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“, dass die betroffenen Weichmacher den Glukosehaushalt beeinflussen. Eine kleine mexikanische Untersuchungsreihe (2) wies ebenfalls auf ein erhöhtes Diabetesrisiko durch Phthalate hin.

„Anscheinend hemmen bestimmte Phthalate die Bildung von Insulin“, erläutert Professor Schatz. „Andere begünstigen dagegen vermutlich eine Resistenz gegen das Hormon. Dieser Zusammenhang muss nun möglichst rasch durch Studien geklärt werden.“ Da bestimmte Weichmacher offenbar auch andere gesundheitliche Schäden hervorrufen können, fordert die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, phthalathaltige Medizinprodukte durch phthalatfreie zu ersetzen.

Paradigmenwechsel bei Leitlinie 2012 zur Behandlung des Typ-2-Diabetes

(23.05.2012)

Altdorf – Vor kurzem erschien online die neue, gemeinsame Leitlinie der Amerikanischen (ADA) und der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. „Im Unterschied zur bisherigen Leitlinie der beiden Gesellschaften und auch zu vielen anderen Leitlinien von Fachgesellschaften macht diese deutlich weniger genaue Vorschriften und Empfehlungen zu den Therapiezielen und Medikamenten in Form von Algorhythmen. Vielmehr rückt die neue Leitlinie den individuellen Patienten in den Mittelpunkt“, kommentiert Professor Dr. med. Dr. h. c.Helmut Schatz, Bochum, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Das Therapieziel, definiert als Zielwert des „Langzeit-Blutzuckers“ HbA1c, legt die Leitlinie nicht mehr mit einer starren Zahl, zum Beispiel 6,5 Prozent oder 7 Prozent, fest. Stattdessen soll es für jeden einzelnen Patienten individuell bestimmt werden: Ein älterer Mensch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa und lange bestehendem Diabetes wird weniger streng einzustellen sein als ein junger Diabetespatient. Als erste Therapiemaßnahme nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes empfiehlt die Leitlinie erneut allein Lebensstiländerungen wie Ernährungsumstellung und Bewegung, verbunden mit intensiver Schulung. Eine sofortige Gabe von Tabletten sieht sie dagegen nicht vor. Erst wenn sich die „nicht-pharmakologische“ Therapie als unwirksam erweise, seien Tabletten indiziert. Hier stehe an erster Stelle nach wie vor möglichst Metformin, sagt Professor Schatz: „Was im nächsten Schritt gegeben werden soll, ist derzeit schwer zu entscheiden, da es für die Kombinationstherapien kaum „Outcome-Studien“, also Langzeituntersuchungen, gibt“. Denn nur diese könnten etwas darüber aussagen, unter welcher Arzneimittel-Kombination etwa weniger Herzinfarkte auftreten oder der Patient länger lebt. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, die Wahl des zweiten Medikaments entsprechend den individuellen Merkmalen des Patienten zu treffen – etwa seinem Gewicht – und dies gemeinsam mit ihm festzulegen. Dies kann ein zweites Präparat in Tablettenform sein, aber auch die Injektion der neueren „GLP-1-Analoga“ oder Insulin. Wolle ein Patient keine Injektionen, sollte der Arzt davon möglichst absehen. „Freilich wird nach längerer Krankheitsdauer Insulin unumgänglich sein“, fügt Professor Schatz hinzu.

Betrachte man diesen Paradigmenwechsel bei den Leitlinien medizinhistorisch, so Schatz, entspreche dieser den unterschiedlichen Auffassungen, die schon vor 2500 Jahren zwischen den griechischen Medizinschulen bestanden: Im Gegensatz zu der Schule von Knidos stellte Hippokrates auf der Insel Kos das individuelle Krankheitsgeschehen in den Mittelpunkt und hob die Wichtigkeit der Einzelbeobachtung am Krankenbett und die Berücksichtigung von Umwelteinflüssen hervor. „Hier kann man durchaus Parallelen ziehen zu den heutigen Konzepten einer – wie leider oft – nur verkürzt verstandenen evidenzbasierten Medizin und einer individualisierten, personalisierten Medizin“, so Schatz. Denn die statistischen Durchschnittsergebnisse der prospektiven, randomisierten und plazebo-kontrollierten Studien mit ihren Ein- und Ausschlusskriterien träfen immer nur auf einen Teil der Patienten in der täglichen Praxis zu. Die Therapieentscheidung habe stets der Arzt gemeinsam mit dem Patienten individuell zu treffen – jeweils unter Berücksichtigung aller Begleitumstände und Wünsche (2).