(21.06.2026) Ein neuer CGM-Sensor der Firma Abbott kann neben Glukosewerten auch Ketone im Körper kontinuierlich messen. Das Produkt mit den Namen „Libre Duo“ und „Libre Duo 10 Day“ hat unlängst die CE-Kennzeichnung erhalten. Sie ist Voraussetzung für einen Vertrieb in der Europäischen Union. Das Pharmaunternehmen hat daraufhin angekündigt, das System noch im Jahr 2026 in ausgewählten europäischen Ländern einzuführen. Ein Datum für den deutschen Markt wurde noch nicht genannt.
Eine Ketoazidose entsteht, wenn der Körper zur Energieversorgung auf Fett zurückgreift, weil Glukose nicht in ausreichender Menge verfügbar ist. Bei Menschen mit Diabetes ist die Ursache hierfür in der Regel ein Insulinmangel. Bei der Energiegewinnung durch Fett entstehen Ketonkörper, die eine Übersäuerung des Bluts verursachen können. Mögliche Anzeichen hierfür sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung kommen.
Selbstkontrolle bei hohen Blutzuckerwerten empfohlen
Da bei einer diabetischen Ketoazidose die Blutzuckerwerte üblicherweise ebenfalls erhöht sind, wird bei Werten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) eine Selbstkontrolle der Ketonwerte empfohlen. Hierfür gibt es Urinteststreifen und Messgeräte, mit denen sich Ketone im Blut bestimmen lassen. Viele Menschen mit Diabetes behandeln dieses Thema jedoch stiefmütterlich. Die Firma Abbott zitiert in diesem Zusammenhang eine in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlichte Studie. Demnach sind die Krankenhauseinweisungen mit einer Ketoazidose in den USA in den vergangenen zehn Jahren um 55 Prozent gestiegen.Insbesondere Menschen mit Typ-1-Diabetes, die mit einer Insulinpumpe behandelt werden, sind gefährdet. Bei ihnen kommt es besonders schnell zu einem Insulinmangel, wenn die Versorgung unterbrochen ist, beispielsweise infolge eines Problems mit dem Katheter. Darüber hinaus können Ketoazidosen auch als Nebenwirkung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auftreten, die mit sogenannten SGLT-2-Hemmern behandelt werden. Da ihre Blutzuckerwerte bei einer Ketoazidose nicht zwangsläufig erhöht sind, ist die Früherkennung bei ihnen besonders schwierig.
Sicherheitsgewinn für Menschen mit Diabetes
Abbott arbeitet neben anderen Pharmaunternehmen schon seit einigen Jahren an der Entwicklung eines Sensors, der auch Ketone im Körper messen und den Träger bei einem gefährlichen Anstieg warnen kann. Experten sehen darin einen Sicherheitsgewinn für Menschen mit Diabetes. Die bereits verfügbaren CGM-Systeme haben das Risiko einer kritischen Ketoazidose schon verringert, da die Träger ihre Glukosewerte kontinuierlich im Blick behalten und schwere Hyperglykämien bei Nutzung eines solchen Systems seltener auftreten. Nichtsdestotrotz kann es auch bei Nutzern eines herkömmlichen CGM-Systems zu einer Ketoazidose kommen, wenn die Ketone schneller und früher steigen als die Glukosewerte. Darüber hinaus bietet die Keton-Messfunktion der neuen Sensoren zusätzliche Sicherheit bei Krankheiten und Infektionen, die ähnliche Symptome wie eine Ketoazidose verursachen.Das System „Libre Duo“ ist laut Abbott für Erwachsene ab 18 Jahren konzipiert und kann bis zu 15 Tage getragen werden. Der Sensor „Libre Duo 10 Day“ ist die Variante für Kinder und Jugendliche und kann bis zu zehn Tage getragen werden. Ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, ist noch offen.
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Quellen:
Abbott
Europäische Union (EU)
Diabetes Care
Diabetes Kids
DocCheck
Springer Nature
Diabetes-Anker
eigene Recherche
