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Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

Gute Blutzuckerwerte – ohne Angst vor jedem einzelnen Wert

Ein Gestationsdiabetes (auch Schwangerschaftsdiabetes genannt) bedeutet: Der Blutzucker ist zu hoch, und dies fällt erstmals während der Schwangerschaft auf. Er ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen in der Schwangerschaft. In Deutschland betrifft er etwa 9,6 % aller Schwangerschaften – und die Zahl steigt weiter.

Davon zu unterscheiden ist ein Diabetes, der schon vor der Schwangerschaft bestand oder in der Schwangerschaft entdeckt wird, aber bereits die Kriterien eines dauerhaften Diabetes erfüllt. Dann spricht man nicht von Gestationsdiabetes.

Wird ein Gestationsdiabetes früh erkannt und behandelt, lässt er sich heute meist gut in den Griff bekommen. Das Ziel ist dabei nicht der perfekte Einzelwert. Entscheidend sind wiederkehrende Muster, die Zuckerbelastung über längere Zeit und die Entwicklung des Kindes.

Warum entsteht ein Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)?

In jeder Schwangerschaft wirkt Insulin – das blutzuckersenkende Hormon – schlechter als sonst. Das ist gewollt: So steht dem Kind genug Zucker zur Verfügung. Die meisten Frauen gleichen dies aus, weil die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produziert. Genügt das nicht, steigt der Blutzucker. Die Ursachen ähneln damit denen eines Typ-2-Diabetes: verminderte Insulinwirkung und eine Bauchspeicheldrüse, die nicht ausreichend nachlegen kann.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)?

Das Risiko nimmt mit höherem Körpergewicht und steigendem Alter zu. Besonders bedeutsam sind ein Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft, Diabetes bei Eltern oder Geschwistern und ein hohes Geburtsgewicht früherer Kinder. Auch die familiäre Herkunft und eine Schwangerschaft nach hormoneller Kinderwunschbehandlung spielen eine Rolle.

Eine starre Altersgrenze von 45 Jahren ist deshalb nicht sinnvoll. Bei erhöhtem Risiko sollte schon früh in der Schwangerschaft geprüft werden, ob der Zuckerstoffwechsel bereits vorher gestört war.

Untersuchung auf Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft

In Deutschland gehört die Untersuchung auf Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zur regulären Mutterschaftsvorsorge. Es handelt sich um einen “Oralen Glukose-Toleranztest” (OGTT). Vorgesehen ist zunächst ein Vortest:

Die Schwangere trinkt – ohne nüchtern sein zu müssen – 50 g Zucker in Wasser aufgelöst. Eine Stunde später wird der Blutzucker im Labor bestimmt. Ab einem Blutzuckerwert von 135 mg/dl (7,5 mmol/l) folgt der eigentliche Zuckerbelastungstest – mit 75 g Zucker. Bei dieser Untersuchung gilt die Diagnose ab einem Blutzuckerwert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) als gesichert.

Fachlich bevorzugt die Deutsche Diabetes Gesellschaft allerdings, direkt den 75-g-Test durchzuführen (zwischen 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswochen). Grund: Beim zweistufigen Vorgehen werden Frauen übersehen, bei denen nur der Nüchternwert erhöht ist.

Wie läuft der 75-g-Zuckerbelastungstest ab?

Der Test findet morgens nüchtern statt, nach mindestens acht Stunden ohne Essen. In den drei Tagen davor sollte normal gegessen und nicht bewusst auf Kohlenhydrate verzichtet werden.

Zuerst wird der Nüchternblutzucker gemessen. Dann trinkt die Schwangere 75 g Zucker in etwa 300 ml Wasser aufgelöst innerhalb von drei bis fünf Minuten. Weitere Messungen des Blutzuckers folgen nach einer und nach zwei Stunden. Während des Tests soll die Schwangere sitzen; Rauchen ist nicht erlaubt.

Für die Diagnose ist eine Laboruntersuchung aus der Vene nötig. Ein normales Blutzuckermessgerät für die Selbstkontrolle reicht dafür nicht aus – für die spätere tägliche Messung zu Hause ist es dagegen genau richtig.

Wann liegt ein Gestationsdiabetes vor?

Für den 75-g-Test gelten international einheitliche Grenzwerte:

Schon ein einziger erreichter oder überschrittener Wert genügt für die Diagnose. Liegt der Nüchternwert bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher, besteht der Verdacht auf einen dauerhaften Diabetes. Dieser muss gesondert bestätigt und behandelt werden.

Welche Risiken bestehen bei einem Schwangerschaftsdiabetes für Mutter und Kind?

Ist der Blutzucker der Mutter erhöht, gelangt mehr Zucker über die Plazenta zum Kind. Das Kind bildet daraufhin selbst mehr Insulin. Das fördert vor allem den Aufbau von Fettgewebe und einen größeren Bauchumfang. Dadurch steigen die Risiken für ein sehr großes Kind, für Schwierigkeiten bei der Geburt (etwa, wenn die Schulter des Kindes stecken bleibt) und für Unterzuckerungen des Neugeborenen. Auch Atemprobleme, eine Neugeborenengelbsucht oder eine notwendige Überwachung nach der Geburt kommen häufiger vor. Bei der Mutter sind Bluthochdruck in der Schwangerschaft, eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) und ein Kaiserschnitt häufiger.

Eine große internationale Studie (HAPO-Studie) zeigte dabei einen wichtigen Punkt: Es gibt keine scharfe Grenze, ab der das Risiko plötzlich ansteigt. Es steigt vielmehr gleitend mit dem Blutzucker. Ein einzelner Wert von beispielsweise 145 statt 140 mg/dl (8,0 statt 7,7 mmol/l) bedeutet daher nicht, dass dem Kind etwas passiert ist.

Gute Werte – aber keine perfekten Werte

Für die Selbstmessung zu Hause gelten diese Blutzuckerwert als Orientierung:

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