(31.08.2026) Immer mehr Menschen mit Diabetes nutzen CGM-Systeme. Insbesondere bei Typ-1-Diabetes ist die kontinuierliche Glukosemessung weit verbreitet. Die Messergebnisse der Sensoren beeinflussen auch Therapieentscheidungen, da eine möglichst lange Zeit im Zielbereich („Time in Range“, TIR) angestrebt wird. Vor diesem Hintergrund sorgen die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Diabetes-Technologie in Ulm für Aufsehen. Die Wissenschaftler stellten dort fest, dass die Ergebnisse unterschiedlicher CGM-Systeme teilweise deutlich voneinander abweichen können.
Für die Studie trugen 23 Teilnehmer mit Typ-1-Diabetes 14 Tage lang die CGM-Systeme FreeStyle Libre 3, Dexcom G7 und Medtronic Simplera parallel. Verglichen wurde unter anderem die Zeit unterhalb des Zielbereichs („Time Below Range“, TBR), also der Anteil der Messwerte unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Während 70 Prozent der Teilnehmer mit dem Freestyle-Libre-Sensor das Ziel erreichten, weniger als vier Prozent der Zeit im Hypoglykämie-Bereich zu liegen, waren es bei den Teilnehmern mit dem Dexcom-Sensor nur 48 Prozent und bei den Teilnehmern mit dem Medtronic-Sensor nur 26 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer waren sich die Systeme nicht einig, ob das Therapieziel erreicht wurde. Auch bei der Ermittlung der Zeit im Zielbereich wichen die Ergebnisse bei mehr als 20 Prozent der Teilnehmer voneinander ab.
Experten fordern Mindeststandards für mehr Vergleichbarkeit
Da die unterschiedlichen Messergebnisse direkten Einfluss auf Therapieentscheidungen haben, fordert ein Bündnis aus der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), dem Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND), dem Bundesverband Klinischer Diabetes-Einrichtungen (BVKD) sowie der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) nun einheitliche und verbindliche Bewertungsstandards für CGM-Systeme, die mit der europäischen Medizinprodukteverordnung harmonisiert sind. Dies geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Organisationen hervor.Hintergrund: Für herkömmliche Blutzuckermesssysteme gibt es bereits seit vielen Jahren Mindeststandards, die für eine Marktzulassung eingehalten werden müssen. Für CGM-Systeme gibt es bislang keine vergleichbare Normierung, kritisiert das Expertenbündnis. Zwar seien die meisten in Europa verfügbaren CGM-Systeme sicher und leistungsfähig, heißt es in der Pressemitteilung. Da die Hersteller jedoch unterschiedliche Algorithmen nutzen, um die Glukosewerte und die Durchschnittswerte zu berechnen, kommt es zu abweichenden Ergebnissen. Eine bessere Vergleichbarkeit der Daten unterschiedlicher Systeme würde ihre Bewertung erleichtern und die Patientensicherheit stärken, argumentieren die Organisationen.
Im Zweifelsfall lieber mit herkömmlichem System nachmessen
Die Ergebnisse der Studie sagen nichts über die Qualität der verglichenen Messsysteme aus. Es ging den Wissenschaftlern nicht darum, mögliche Abweichungen der CGM-Sensoren von Laborwerten zu ermitteln, sondern lediglich um die Vergleichbarkeit der Messergebnisse von Sensoren unterschiedlicher Hersteller.Wenn Patienten das Gefühl haben, dass ein Sensor möglicherweise fehlerhaft misst, sollten sie grundsätzlich eine Vergleichsmessung mit einem herkömmlichen Blutzuckermessgerät durchführen. CGM-Messergebnisse können unter anderem verfälscht sein, wenn der Sensor zu locker sitzt oder unter Druck steht. Auch einige Medikamente oder Entzündungen können die Messung stören. Bei herkömmlichen Blutzuckermessungen sind die Hauptursachen für fehlerhafte Ergebnisse verdünntes oder verunreinigtes Blut durch Rückstände auf der Haut. Herkömmliche Messergebnisse aus dem Blut der Fingerkuppe eignen sich sehr gut, um kurzfristig einen möglichst genauen Wert zu ermitteln. CGM-Systeme liefern hingegen mehr Daten und Erkenntnisse für eine langfristige Therapiesteuerung.
Quellen:
Diabetes Journals
Ärztezeitung
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
DIN Media GmbH
Apotheken-Umschau
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
eigene Recherche
