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Entzündungen können Folgeschäden bei Diabetes auslösen

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzschwäche und Nierenerkrankungen – selbst dann, wenn ihre Blutzuckerwerte gut eingestellt sind. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg hat nun einen möglichen Grund dafür gefunden.

(28.02.2026) Eine neue Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg zeigt, dass Entzündungen bei Menschen mit Diabetes das Risiko für Organschäden erhöhen. Folgeerkrankungen wie Herz- und Nierenschwäche sind demnach nicht ausschließlich auf erhöhte Blutzuckerwerte zurückzuführen, erklären die Forscher.

Im Mittelpunkt der Studie steht ein Enzym mit dem Namen Peptidylarginin-Deiminase 4 (PAD4). Die Forschenden beschreiben es als eine Art zentrales Bindeglied zwischen Diabetes und schädlichen Entzündungsprozessen in Herz und Niere. Um deren Entstehung zu verhindern, sollte das Enzym gehemmt werden, das diese fehlgeleitete Immunreaktion auslöst, empfehlen die Wissenschaftler.

Gesundes Gewebe kann Schaden nehmen

Immunreaktionen des Körpers dienen eigentlich dazu, Krankheitserreger zu bekämpfen. Eine anhaltende Entzündungsreaktion kann jedoch auch gesundes Gewebe angreifen und schädigen. Im Rahmen der neuen Studie wurde unter anderem das Herzgewebe von Menschen mit Herzschwäche untersucht. Wenn diese zusätzlich an Diabetes litten, war ihre Herzfunktion stärker eingeschränkt und es fanden sich mehr Ablagerungen im Gewebe. Die Forscher führten dies auf schädliche Immunreaktionen zurück. Auch Tierversuche mit Mäusen zeigten, dass diese als Entzündungsreaktion typische diabetesbedingte Schäden wie eine verminderte Herzleistung, Narbenbildung im Gewebe und eine eingeschränkte Nierenfunktion entwickelten.

Dass Menschen mit Diabetes häufiger unter Infektionen und Entzündungen leiden, ist schon lange bekannt und hat mehrere Ursachen. Da erhöhte Blutzuckerwerte das Immunsystem schwächen, breiten sich Infektionen schneller im Körper aus als bei stoffwechselgesunden Menschen. Darüber hinaus heilen Wunden bei Betroffenen oftmals langsamer. Zudem können Nervenschäden dazu führen, dass Menschen mit Diabetes Verletzungen oder Infektionen später bemerken, was Entzündungen auslösen kann. Dies kommt unter anderem beim diabetischen Fußsyndrom vor.

Nicht nur Herz und Nieren betroffen

Nicht nur Herz und Nieren sind häufiger von Entzündungen betroffen. Menschen mit Diabetes erkranken zum Beispiel auch an Harnwegs- und Hautinfektionen überdurchschnittlich häufig. Das Risiko, eine Zahnfleischentzündung (Parodontitis) zu entwickeln, ist bei ihnen etwa dreimal so hoch. Überdies belasten Entzündungen die Stoffwechsellage zusätzlich, da sie zu höheren Blutzuckerwerten führen.

Zur Vorbeugung raten Fachleute zu einem gesunden Lebenswandel mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung. Da Menschen mit Diabetes jedoch selbst bei einer guten Stoffwechseleinstellung häufiger unter Entzündungen leiden als stoffwechselgesunde Menschen, empfehlen die Forscher aus Freiburg, bei der Vorbeugung und Therapie von Organschäden nicht ausschließlich auf die Kontrolle des Blutzuckers zu setzen. Ihre Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht und eröffnet nach Auffassung der Autoren neue therapeutische Perspektiven.

Quellen:
Universitätsklinikum Freiburg
diabinfo
Bundesärztekammer
European Heart Journal
eigene Recherche

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