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Diabetes Typ 1: Sollten mehr Kinder gescreent werden?

Foto von CDC auf Unsplash

Seit einigen Jahren ist es möglich, Anzeichen für einen Typ-1-Diabetes schon lange vor dem eigentlichen Erkrankungsbeginn festzustellen. Eine Expertengruppe empfiehlt nun die Einführung eines bundesweiten Screenings von Kindern, um schwere Komplikationen beim Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Es gibt jedoch auch skeptische Stimmen.

(15.09.2026) Seit rund zehn Jahren testet das Helmholtz-Zentrum München Kinder auf frühe Anzeichen von Typ-1-Diabetes. Das ursprünglich im Rahmen der Fr1da-Studie in Bayern eingeführte Angebot ist inzwischen in zwölf Bundesländern verfügbar. Nun empfiehlt ein internationales Expertenteam, das Screening auf Kinder in der Gesamtbevölkerung auszudehnen. Die Tests erlauben eine sichere Prognose darüber, ob ein Kind in den nächsten Jahren an Typ-1-Diabetes erkranken wird. Wenn die Krankheit im Frühstadium erkannt wird, können schwere Stoffwechselentgleisungen wie eine diabetische Ketoazidose meist vermieden werden, so die Argumentation der Screening-Befürworter.

Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen: So sieht die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) derzeit noch keine Grundlage für ein bevölkerungsweites Screening von Kindern auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes. Das geht aus einer Stellungnahme der Fachgesellschaft hervor. Die Hauptargumente: Die Krankheit lässt sich trotz Früherkennung nicht verhindern. Zudem wissen die betroffenen Familien nicht genau, wann ihr Kind erkranken wird, und ein positives Testergebnis könnte für sie eine psychische Belastung darstellen. Nicht zuletzt wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis infrage gestellt.

Krankheitsbeginn verläuft nach Test meist milder

Hintergrund: Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Die charakteristischen Inselautoantikörper lassen sich laut dem Helmholtz-Zentrum schon im Blut nachweisen, bevor die ersten Beschwerden auftreten. Wenn betroffene Kinder nach einem positiven Testergebnis regelmäßig überwacht werden, beginnt die Krankheit in der Regel milder. Oft kann ein stationärer Krankenhausaufenthalt vermieden werden. Zudem haben die Familien Zeit, sich auf die Behandlung vorzubereiten.

Der Test sagt das Erkrankungsrisiko zuverlässig voraus. Bei 25 Prozent der betroffenen Kinder beginnt die Insulinbehandlung innerhalb von drei Jahren. Nach zehn Jahren haben 80 Prozent der positiv getesteten Kinder Typ-1-Diabetes. Nach 20 Jahren sind es nahezu 100 Prozent. Das internationale Expertenteam empfiehlt ein erstes Screening im Alter von zwei bis vier Jahren. „Werden dabei keine Inselautoantikörper nachgewiesen, sollen weitere Screenings im Alter von sechs bis acht sowie von zehn bis fünfzehn Jahren folgen“, heißt es in der Pressemitteilung. Seit Beginn der Fr1da-Studie wurden mehr als 200.000 Kinder getestet. Bei 0,3 Prozent der Teilnehmenden wurde ein Typ-1-Diabetes im Frühstadium diagnostiziert.

Nachsorge bei positivem Testergebnis erforderlich

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) wirft unter anderem die Frage auf, ob der Aufwand eines bundesweiten Screenings von Kindern gesundheitsökonomisch zu vertreten ist. Weiterhin weist die Fachgesellschaft darauf hin, dass ein positives Testergebnis eine Nachbetreuung erfordert. Nur mit entsprechenden Versorgungsstrukturen habe das Screening einen Nutzen, heißt es sinngemäß in der Stellungnahme.

Eine mögliche Behandlung nach einem positiven Test besteht darin, den Beginn der Erkrankung medikamentös hinauszuzögern. Der entsprechende Wirkstoff Teplizumab ist inzwischen auch in der EU zugelassen. Wenn das Medikament zum richtigen Zeitpunkt verabreicht wird, kann es den Beginn der ersten Symptome um etwa zwei bis drei Jahre verzögern. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist auch in diesem Fall noch umstritten. Die Forschung arbeitet jedoch weiterhin daran, die Medikamente so zu verbessern, dass der Ausbruch der Erkrankung künftig um mehr als zwei bis drei Jahre verzögert werden kann.

Quellen:
Helmholtz Zentrum München
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Institut für Diabetesforschung Helmholtz Munich
Herz- und Diabeteszentrum NRW
eigene Recherche

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