(19.10.2026) Menschen mit Typ-2-Diabetes können den Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels verzögern, wenn sie die Kohlenhydrate einer Mahlzeit zuletzt verzehren. Eine Auswertung mehrerer Studien durch das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) ergab, dass Personen, die zunächst Salat oder Gemüse und anschließend Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln oder Nudeln aßen, eine Stunde nach dem Essen niedrigere Blutzuckerwerte hatten als Personen in Vergleichsgruppen, die alles gleichzeitig aßen. Etwa zwei Stunden nach dem Essen kehrte sich das Verhältnis allerdings um: Die Personen, die alles gleichzeitig gegessen hatten, hatten dann im Durchschnitt die niedrigeren Blutzuckerwerte.
Ergebnisse erlauben noch keine Empfehlung bei Typ 2
Anlass der Untersuchung waren Erfahrungsberichte von Menschen mit Typ-2-Diabetes in den sozialen Medien. Dort warben sie für das sogenannte „Meal Sequencing“, da es angeblich zu stabileren Blutzuckerwerten, Gewichtsverlust und allgemeinen Gesundheitsvorteilen führt. Ob diese positiven Effekte tatsächlich allein auf die Reihenfolge beim Verzehr von Lebensmitteln zurückzuführen sind, lässt sich laut DDZ aufgrund der bisherigen Studienergebnisse aber nur schwer beurteilen. Die Studien hatten vergleichsweise wenige Teilnehmer. Zudem waren diese überwiegend jung und gesund, weshalb sich die Ergebnisse möglicherweise nicht verallgemeinern lassen.Nach Auffassung der Forscher müssen insbesondere die langfristigen Auswirkungen auf den Nüchternblutzucker und die HbA1c-Werte noch besser untersucht werden. Bislang gibt es allenfalls erste Hinweise auf mögliche positive Effekte. Aufgrund der bisherigen Studienergebnisse sei eine belastbare Empfehlung des „Meal Sequencing“ für Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes aber noch nicht möglich.
Ähnliche Effekte bei fettiger Ernährung nachgewiesen
Dass der Blutzucker beim „Meal Sequencing“ zunächst weniger stark ansteigt, ist indes nicht überraschend. Wenn die Ballaststoffe aus dem Salat oder Gemüse zuerst in den Magen-Darm-Trakt gelangen, kann dies die Aufnahme von Glukose aus den Kohlenhydraten verlangsamen. Ähnliche Effekte wurden in der Vergangenheit auch bei fettigen Mahlzeiten nachgewiesen. Die Blutzuckerwerte stiegen später jedoch ebenfalls an. Ein hoher Fettgehalt von Mahlzeiten kann bei einer Insulintherapie einige Stunden nach dem Essen zudem einen Mehrbedarf an Insulin auslösen.Mediterrane Ernährung ist nachweislich gesund
Letztlich weisen die DDZ-Forscher darauf hin, dass es auch beim „Meal Sequencing“ auf die passende Kalorienzufuhr ankommt. Bei Übergewicht ist eine Kalorienreduktion wichtiger als die Reihenfolge des Verzehrs von Lebensmitteln.Wissenschaftlich gut belegt ist im Übrigen der positive Effekt einer mediterranen Ernährung. Sie besteht überwiegend aus Gemüse, Obst, Nüssen, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch und Olivenöl sowie aus mäßigem Alkoholkonsum. Softdrinks, gewerbliche Backwaren, Süßigkeiten und Gebäck, Streichfette sowie rotes und verarbeitetes Fleisch werden dagegen nur in geringen Mengen konsumiert. Eine mediterrane Ernährung reduziert nachweislich das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Quellen:
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
diabinfo
eigene Recherche
