(09.03.26) Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken deutlich häufiger an Darmkrebs als Stoffwechselgesunde. Studien* zeigen, dass ihr Risiko für ein kolorektales Karzinom um bis zu 50 Prozent erhöht ist und auch die Sterblichkeit höher liegt. Vor diesem Hintergrund mahnt der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) zum Darmkrebsmonat März, Vorsorgeangebote konsequent zu nutzen und auf eine stabile Blutzuckereinstellung zu achten.
Warum ist das Risiko für Darmkrebs bei Typ-2-Diabetes erhöht?
Ursache des erhöhten Risikos ist vor allem das dauerhaft gestörte Stoffwechselmilieu bei Typ-2-Diabetes, nicht selten verbunden mit Übergewicht und chronischen, oft unbemerkten Entzündungen. „Dieses Zusammenspiel setzt die Darmzellen unter Stress, regt ihre Vermehrung an und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus zunächst gutartigen Veränderungen Krebs entwickelt“, erklärt Sebastian Bittner, Vorstandsmitglied des VDBD und Diabetesberater an der Fachklinik Bad Heilbrunn. Beim Typ-1-Diabetes sei das allgemeine Krebsrisiko zwar leicht erhöht, der spezifische Zusammenhang mit Darmkrebs aber deutlich schwächer und weniger einheitlich belegt, so Bittner.Darmkrebsvorsorge kann Leben retten
Als einfacher Einstieg in die Darmkrebsvorsorge gilt der immunologische Stuhltest (iFOBT), der verborgenes Blut im Stuhl nachweist. Er ist in der Arztpraxis erhältlich und kann zuhause durchgeführt werden. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen in der Regel ab dem dem 50. Lebensjahr.Der immunologische Stuhltest kann die Darmspiegelung allerdings nicht ersetzen, weil er nur etwa die Hälfte der fortgeschrittenen Polypen erkennt. Im Rahmen der Darmspiegelung werden hingegen der Großteil der invasiven Karzinome und der fortgeschrittenen Adenome entdeckt und können direkt entfernt werden. In Deutschland haben gesetzlich Krankenversicherte ab dem Alter von 50 Jahren darauf Anspruch. „Viele wissen jedoch nicht, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen früher Anspruch auf eine Darmspiegelung haben“, so Dr. med. Maren Weiß, niedergelassene Gastroenterologin aus Berlin. So übernehmen Krankenkassen für Menschen mit erhöhtem Gefährdungsprofil, etwa familiärer Belastung, inzwischen auch die Kosten für eine Vorsorgekoloskopie vor dem 50. Lebensjahr – bei Männern teilweise ab 40, bei Frauen ab 45 Jahren. „Diabetes Typ 2 allein ist leider bislang kein Grund für ein früheres Screening – das wäre aufgrund des erhöhten Risikoprofils aber durchaus sinnvoll“, betont Weiß.
Blutzucker einstellen heißt Krebsrisiko senken
Diabetesberaterinnen und Diabetesberater können gemeinsam mit Patientinnen und Patienten prüfen, wie hoch das individuelle Risiko ist, ob es familiäre Belastungen gibt und wie gut der Stoffwechsel eingestellt ist. „Darmkrebsprävention beginnt nicht erst bei der Vorsorgeuntersuchung, sondern im Alltag – durch eine konsequente Stoffwechselkontrolle und einen gesundheitsfördernden Lebensstil”, erklärt Sebastian Bittner. „Darmkrebsprävention gehört in jede Diabetesberatung. Wer Typ-2-Diabetes behandelt, muss auch über Krebsrisiken sprechen. Gute Beratung schafft Wissen – und Wissen rettet Leben”, so Bittner weiter.Quelle: Medieninformation Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) vom 3. März 2026.
* Larsson SC, Orsini N, Wolk A. Diabetes mellitus and risk of colorectal cancer: a meta-analysis. J Natl Cancer Inst. 2005;97(22):1679-1687.
Lawler T, Walts ZL, Steinwandel M, Lipworth L, Murff HJ, Zheng W, Andersen SW. Type 2 Diabetes and Colorectal Cancer Risk. JAMA Netw Open. 2023;6(11):e2343333. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.43333. PMID: 37962884; PMCID: PMC10646729.
** 4Liu Y, Zhang H, Zhang L, Xie Y, Ren S, Wu Y, et al. Effect of hyperglycemia on the occurrence and prognosis of colorectal cancer. Am J Transl Res. 2024;16(5):2070-2081.
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