(08.11.2026) Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat die Bundesregierung erneut dazu aufgefordert, eine Zuckersteuer auf stark gesüßte Getränke einzuführen. Damit sollen Verbraucher besser vor Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt werden. Auch die Bundesärztekammer setzt sich bereits seit Jahren für die Einführung einer solchen Steuer ein, da diese aus Sicht der Mediziner dazu beitragen kann, den Zuckergehalt von Lebensmitteln zu senken und gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Die Kammer sieht es mit Sorge, dass die Zustimmung der Regierungsfraktionen im Bundestag zum erforderlichen Gesetz nun wieder infrage steht.
Zur Erinnerung: Im Frühjahr hat die Regierungskommission Gesundheit die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke empfohlen. Damit sollen Einsparungen im Gesundheitssystem erreicht und zusätzliche Steuereinnahmen generiert werden, von denen die Krankenkassen profitieren könnten. Die Expertenkommission geht davon aus, dass langfristig Tausende von Folgeerkrankungen eines hohen Zuckerkonsums vermieden werden können. Da es jedoch weitere Risikofaktoren für das Entstehen von Adipositas oder auch Typ-2-Diabetes gibt, ist der unmittelbare Effekt einer solchen Steuer auf die Gesundheit nur schwer messbar. Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) betont deshalb ebenfalls, dass eine Zuckersteuer nur ein Baustein unter mehreren sein kann, um die Anzahl der Diabetes-Neuerkrankungen in der Bevölkerung zu senken.
Großbritannien hat Zuckersteuer 2018 eingeführt
Befürworter einer Zuckersteuer verweisen häufig auf Großbritannien als Vorbild. Dort wurde im Jahr 2018 eine solche Steuer eingeführt. In der Folge verringerten viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke nachweislich, um massive Preisanstiege zu verhindern. Die Kunden mussten also nicht zwangsläufig mehr für die Produkte bezahlen. Kritiker der Steuer, wie die Zuckerverbände, verweisen allerdings darauf, dass die Anzahl übergewichtiger Menschen in Großbritannien nach Einführung der Steuer nicht gesunken ist. Die Frage, wie lange es dauert, bis sich dieser Effekt möglicherweise einstellt, wird noch immer kontrovers diskutiert.Neben medizinischen Fachverbänden sprechen sich auch Verbraucherschützer regelmäßig für die Einführung einer Zuckersteuer aus. So sollen die Hersteller unter Druck gesetzt werden, die Zusammensetzung ihrer Getränke zu verändern. Für Verbraucher ist es oft schwierig zu erkennen, ob bzw. wie viel Zucker Lebensmittel enthalten. Umfragen zeigen, dass Formulierungen wie „Ohne Zuckerzusatz“ häufig missverstanden werden. So können Fruchtsäfte zum Beispiel ähnlich viel Zucker enthalten wie Softdrinks und dennoch eine derartige Kennzeichnung tragen. Selbst die Angabe „zuckerfrei“ garantiert laut Verbraucherzentrale nicht, dass tatsächlich gar kein Zucker in dem entsprechenden Produkt enthalten ist.
Kein Allheilmittel, aber ein Baustein der Präventionspolitik
Damit eine Zuckersteuer die gewünschte Wirkung entfalten kann, ist laut Experten eine Preisstaffelung sinnvoll, die sich am tatsächlichen Zuckergehalt orientiert. Eine Veränderung der Zusammensetzung von gesüßten Getränken und des Konsumverhaltens sei nur zu erwarten, wenn stark gesüßte Getränke spürbar teurer sind als weniger stark gesüßte Getränke. Wenn die Steuer, wie zwischenzeitlich diskutiert, auch auf Light- und Zero-Getränke erhoben wird, drohe die gesundheitspolitische Wirkung hingegen zu verpuffen.Abschließend weist die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) darauf hin, dass der regelmäßige Konsum stark zuckerhaltiger Getränke nachweislich ungesund ist, auch wenn die Zuckerindustrie dies weiterhin bestreitet. Die Zuckersteuer sei zwar kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein im Kampf gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und ein wichtiger Schritt hin zu einer wirksamen Präventionspolitik, so das Wissenschaftsbündnis.
Quellen:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Deutsches Ärzteblatt
Bundesgesundheitsministerium
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Tagesschau
Die Zuckerverbände
Verbraucherzentrale
Technische Universität Berlin
eigene Recherche
