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Patentschutz für Abnehmspritze endet in ersten Ländern

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Diabetes- und Abnehm-Medikamente mit dem Wirkstoff Semaglutid sind nach wie vor stark gefragt. Die Präparate sind allerdings teuer und belasten den Etat der Krankenkassen sowie den der Selbstzahler. Das könnte sich mittelfristig durch das Ende des Patentschutzes ändern. In einigen Ländern beginnt die Produktion von günstigeren Alternativen bereits.

(31.03.2026) Die sogenannte Abnehmspritze wird in einigen Ländern deutlich günstiger. Grund dafür ist das Auslaufen des Patentschutzes für den Wirkstoff Semaglutid in Indien und einigen weiteren Ländern, wie die Nachrichtenagentur Reuters unlängst berichtete. Semaglutid-Medikamente wurden dort bisher exklusiv vom dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk vertrieben. Als Diabetes-Medikamente sind sie unter dem Handelsnamen Ozempic bekannt, zur Behandlung von Adipositas werden sie unter dem Namen Wegovy vermarktet.

Das Ende des Patentschutzes in Indien im März 2026 ermöglicht es anderen Pharmakonzernen, Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff auf den Markt zu bringen. Wenn derartige Generika verfügbar sind, sinkt der Preis eines Medikaments in der Regel deutlich. Künftig soll die Monatsdosis des Präparats in Indien weniger als 100 Euro kosten. Bislang mussten Selbstzahler, abhängig von der jeweiligen Dosis, zwischen 200 und 500 Euro pro Monat für das Medikament zahlen.

Patentschutz in Europa endet erst in fünf Jahren

Mit einem raschen Preisrutsch in Deutschland ist allerdings nicht zu rechnen. Der Patentschutz für Semaglutid endet in Europa und den USA erst in den Jahren 2031 bzw. 2032. Importe aus Indien oder anderen Ländern, in denen der Patentschutz früher endet, sind nicht erlaubt. Trotzdem könnten die Preise für Semaglutid-Medikamente auch in Deutschland allmählich sinken, wenn Novo Nordisk und das Konkurrenzunternehmen Eli Lilly durch Generika international unter Preisdruck geraten. Deutsche Krankenkassen drängen dann üblicherweise auf Abschluss von Rabattverträgen, um auch in Deutschland die Kosten zu senken und mehr Menschen Zugang zum Wirkstoff zu verschaffen.

Zwar endet der Patentschutz für den Wirkstoff Tirzepatid (Handelsnamen Mounjaro und Zepbound) von Eli Lilly erst im Jahr 2036. Die günstigeren Semaglutid-Medikamente, die nun in Asien entwickelt werden, dürften aber auch den Preisdruck beim Konkurrenzprodukt erhöhen. Zudem läuft auch in China der Patentschutz für Semaglutid in diesem Jahr aus, sodass dort ebenfalls Pharmakonzerne mit der Herstellung günstiger Generika beginnen werden. In Indien kündigen derzeit mehr als 40 Unternehmen die Einführung entsprechender Präparate an.

Bisher keine Kostenübernahme bei Adipositas

In Deutschland sind Medikamente mit den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid verschreibungspflichtig. Die Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten bisher jedoch nur für die Therapie von Typ-2-Diabetes. Patienten mit starkem Übergewicht, die nicht an Diabetes erkrankt sind, können sich die Medikamente zwar verschreiben lassen. Sie müssen die Behandlungskosten jedoch selbst tragen. Wenn die Wirkstoffe abgesetzt werden, nehmen die meisten Betroffenen in der Regel schnell wieder zu.

Auch in Deutschland ist der Markt für Semaglutid- und Tirzepatid-Medikamente groß. Mehr als neun Millionen Menschen sind an Typ-2-Diabetes erkrankt, häufig in Kombination mit Übergewicht. Jeder fünfte Deutsche gilt als adipös. Theoretisch könnten somit Millionen von Menschen von den Wirkstoffen profitieren. Aufgrund der hohen Kosten und zeitweiliger Lieferengpässe nutzen in Deutschland jedoch erst einige Hunderttausend Patienten entsprechende Medikamente. Die Entwicklung in Indien wird nun auch als Testlauf für den europäischen Markt gesehen. Vom Kauf vermeintlich günstiger Alternativen aus dem Internet wird weiterhin dringend abgeraten, da es sich dabei um Fälschungen mit unbekannter Wirkung handeln kann.

Quellen:
Reuters
Deutschlandfunk
Verband Forschender Arzneimittelhersteller
DocMorris
Pharma+Food
Bundesgesundheitsministerium
Focus Online
Pharmprom
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
EMA
eigene Recherche

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