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Diabetes-Risiko ist auch eine soziale Frage

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Menschen mit geringem Einkommen und geringer Bildung sind besonders stark gefährdet. Das hat auch Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung.

(26.07.2026) In Deutschland ist das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, auch vom sozialen Status abhängig. Das zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Zwar sind die Erkrankungszahlen in den vergangenen Jahren in allen Bildungs- und Einkommensschichten gestiegen. Auswertungen des RKI belegen jedoch, dass Personen mit niedrigem Bildungsniveau zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als Menschen mit einem höheren sozialen Status.

Zwar haben Bildung und Einkommen keinen unmittelbaren Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Sozial benachteiligte Menschen leiden jedoch doppelt so häufig an Adipositas und bewegen sich vergleichsweise wenig. Übergewicht und Bewegungsmangel sind bekanntlich zwei Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Typ-2-Diabetes. In unteren und mittleren Bildungsgruppen wird zudem häufiger geraucht, was ebenfalls einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko hat. Somit begünstigen die oftmals schlechteren Lebensbedingungen bei niedrigem sozialen Status das Entstehen dieser Stoffwechselerkrankung.

Auswirkungen auf die Lebenserwartung

Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen steigt allerdings auch in der Gesamtbevölkerung weiter an. Laut RKI sind inzwischen 11 bis 12 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland betroffen. Mit aktuell mehr als 9,3 Millionen Erkrankten ist Typ-2-Diabetes mit Abstand die häufigste Form. Das Bundesinstitut schätzt außerdem, dass es noch weitere ein bis zwei Millionen Menschen gibt, die bereits erkrankt sind und es noch nicht wissen. Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der Betroffenen auf etwa 12,3 Millionen ansteigen, so die Schätzungen des RKI.

Die soziale Lage hat dabei auch Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Laut RKI und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wächst die Lücke zwischen wohlhabenden und sozioökonomisch benachteiligten Menschen mit der Zeit immer weiter. So leben Frauen aus höheren Bildungs- und Einkommensschichten im Durchschnitt 4,4 Jahre länger als Frauen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status. Bei Männern beträgt der Unterschied sogar 8,6 Jahre.

Einfluss auf Erkrankungsverlauf auch bei Typ 1

Die Zahlen des RKI zeigen zudem, dass das Diabetes-Risiko in sozioökonomisch benachteiligten Regionen höher ist. In Gegenden mit geringem Einkommen, höherer Arbeitslosigkeit und niedriger Bildung gibt es demnach mehr Neuerkrankungen als in wohlhabenden Regionen. Als Hauptursachen werden ein geringeres Bewusstsein für gesundheitliche Prävention sowie ungesündere Ernährungsgewohnheiten genannt.

Da es sich bei Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung handelt, spielt der soziale Status bei der Prognose des Erkrankungsrisikos keine Rolle. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass der sozioökonomische Status den Krankheitsverlauf bei Typ-1-Diabetes beeinflusst. So treten bei Patienten mit niedriger Bildung und geringem Einkommen häufiger Komplikationen wie zum Beispiel Ketoazidosen auf. Auch werden die HbA1c-Zielwerte in dieser Gruppe seltener erreicht.

Quellen:
Robert Koch Institut (RKI)
Gelbe Liste Online
diabInfo
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
Diabetic Medicine
eigene Recherche

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