Website-Icon diabetes-news

Erste Abnehmpille für Menschen ohne Diabetes zugelassen

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Medikamente mit den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid sind wirksam bei Typ-2-Diabetes und Übergewicht. In der Regel werden sie per Injektion verabreicht. In den USA ist nun erstmals eine Pille zum Abnehmen zugelassen worden, die von Menschen ohne Diabetes eingenommen werden kann. Sie soll im Laufe des Jahres 2026 auch in der EU erhältlich sein.

(18.01.2026) Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland leidet an Adipositas. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind 13 Millionen Menschen betroffen. Die Zahlen haben sich in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Allerdings haben sich in den vergangenen Jahren auch die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Bei regelmäßiger Anwendung über einen längeren Zeitraum können Arzneimittel mit den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid bei Menschen mit Übergewicht zu einem Gewichtsverlust von etwa 15 bis 20 Prozent führen.

In den USA ist nun erstmals eine Abnehmpille mit dem Wirkstoff Semaglutid zugelassen worden, die für Menschen mit Übergewicht, die nicht an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, geeignet ist. Laut dem Hersteller Novo Nordisk ist die Tablette genauso wirkungsvoll wie die bereits für diese Patientengruppe zugelassene Abnehmspritze. Allerdings muss die Pille täglich eingenommen werden (30 Minuten vor der ersten Mahlzeit des Tages), während Wegovy als Spritze nur einmal pro Woche verabreicht wird.

Bei Diabetes wird meist die Spritze verordnet

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist Semaglutid unter dem Handelsnamen Rybelsus schon seit einigen Jahren in Tablettenform verfügbar. Im Vergleich zur Spritze mit dem Handelsnamen Ozempic wird es eher selten verordnet. Für Betroffene, die Injektionen vermeiden wollen, ist es aber eine Alternative. Zwar ist die Herstellung der Tabletten günstiger. Beim Verabreichen des Medikaments in Pillenform ist jedoch eine deutlich höhere Dosis erforderlich. Die Behandlungskosten liegen deshalb auf vergleichbarem Niveau.

In den USA besteht nun die Hoffnung, dass die Behandlung von Adipositas durch die neue Pille günstiger wird und sich somit mehr Menschen das Medikament leisten können. Die amerikanische Regierung hat mit dem Hersteller ausgehandelt, dass die monatliche Dosis der Abnehmpille künftig rund 200 Euro kosten soll. Bislang war Wegovy in den USA deutlich teurer. Neben Novo Nordisk will auch der Hersteller Eli Lilly ein vergleichbares Medikament auf den Markt bringen. Es wird angenommen, dass die Verfügbarkeit eines Konkurrenzprodukts die Preise weiter senken wird, sodass die Monatsdosis in den USA dann deutlich unter 200 Euro kosten wird.

Meist keine Kostenübernahme bei Adipositas

Auch in Europa ist die Verfügbarkeit von Adipositasmedikamenten vor allem eine Kostenfrage. Während die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten bei Typ-2-Diabetes zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden dürfen, gibt es die Medikamente zur Behandlung von Adipositas bislang nur auf Privatrezept. Die monatlichen Kosten für die Abnehmspritze Wegovy liegen in Deutschland bei ungefähr 250 bis 350 Euro. Nach Absetzen des Medikaments nehmen die meisten Betroffenen wieder zu.

Novo Nordisk rechnet damit, dass in den kommenden sechs Monaten eine Entscheidung über die Zulassung der Wegovy-Tablette in der EU getroffen wird. Das Konkurrenzprodukt von Eli Lilly soll im Laufe des Frühjahrs die Zulassung für den amerikanischen Markt erhalten. Derzeit ist noch unklar, welche Auswirkungen die amerikanische Preispolitik auf den europäischen Markt haben wird.

Neben GLP-1-Rezeptoragonisten wird das Medikament Orlistat zur Behandlung von Adipositas verordnet. Der Gewichtsverlust bei Anwendung ist jedoch in der Regel geringer. Bei extremem Übergewicht kann auch eine chirurgische Therapie in Erwägung gezogen werden.

Quellen:
Deutscher Bundestag
Springer Nature
Ärzteblatt
golighter.de
Diabetologie-Online
Handelsblatt
Abnehmspritze Ratgeber
Doktor ABC
Ärztezeitung
DiabInfo
eigene Recherche

Die mobile Version verlassen