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HbA1c-Messungen

In Deutschland herrscht Unterversorgung

Pro Jahr wächst die Zahl der Diabetiker um fünf Prozent - rund 300.000 Patienten stoßen jedes Jahr neu ins Versorgungssystem. Dies legt eine Kostensteigerung für das Gesundheitswesen nahe.

Die Kostensteigerung steht nach Ansicht von Prof. Dr. med. Hans Hauner von der TU München außer Zweifel. Während der Herbsttagung der DDG/AND hielt er einen Vortrag zum Thema "Qualität der medikamentösen Versorgung in Deutschland - ein europäischer Vergleich".

2001 gab es in Deutschland 5,7 Millionen Diabetiker, was rund 7% der deutschen Bevölkerung entspricht. Seit 1988 stieg die Zahl der Betroffenen um 43%. 30% von ihnen erhielten keine Medikamente - meist zu Beginn der Erkrankung; 2,5 Millionen wurden mit oralen Antidiabetika versorgt, rund 1,4 Millionen werden inzwischen mit Insulin behandelt - "mit stark steigender Tendenz." Die Insulinmonotherapie hat um 22% zugenommen, die Kombinationstherapie stieg ebenfalls stark an - im Gegensatz zu einer ausschließlichen Therapie mit oralen Diabetika. Dies ist ein Indiz für den derzeitigen Trend, Typ-2-Diabetiker viel früher als bisher mit Insulin zu behandeln: "Wie gut und sinnvoll dies ist, müssten wir viel kritischer diskutieren. Unter anderem wird dieser Trend z.B. durch Strukturverträge und moderne Therapiekonzepte gefördert", sagte Hauner u.a. zur Prävalenz des Diabetes mellitus (AOK-Versichertenstichprobe 1998-2001).

Der Diabetesmarkt

Der Insulinmarkt wächst jährlich um zehn Prozent - im Gegensatz dazu zeigt sich der Absatz oraler Antidiabetika rückläufig, berichtet der Experte. In den letzten Jahren nahm die Verordnung der Kurz- und Normalinsulina zu. Darin kommt die Einführung innovativer Insulintherapien zum Ausdruck - "dem größten Wandel, den wir in den letzten Jahren zu verzeichnen hatten". "Es muss aber gesagt werden, dass wir die besten und längsten Erfahrungen gerade bei Älteren mit den Mischinsulinen aufzuweisen haben. Wir wissen relativ wenig über die moderne Insulintherapie in dieser Patientengruppe", befindet Hauner. 40 % des Insulinumsatzes gehen auf das Konto der Insulinanaloga, jede zweite Verordnung eines kurz wirksamen Insulins ist ein Analogon.

Muster der Verordnung

27% erhielten 2001 Insulin, 56% orale Antidiabetika - insgesamt wurden 71% mit Antidiabetika therapiert. Im Jahr 2001 - dem Jahr der Datenerhebung - dominierten noch die kombinierten Insulinpräparate, doch hatten damals bereits die schnell wirkenden mit neun Prozent einen beachtlichen Anteil am Verordnungsgeschehen. Bei oralen Antidiabetika ist die Gruppe der Sulfonylharnstoffe immer noch die größte - 40% aller Betroffenen erhalten diese. 30% erhalten Metformin, z.T. auch in einer Kombination mit den Sulfonylharnstoffen. Der Anteil des Metformins nehme übrigens zu, der der Harnstoffe dagegen ab: "Hier zeigt sich ein Therapieverhalten, dass nahe an den Empfehlungen der Fachgesellschaft liegt", stellt der Münchner Professor fest.

HbA1c-Wert-Messungen

60% der bekannten Diabetiker haben im Laufe eines Jahres überhaupt eine HbA1c-Messung erhalten - dies ist zwar eine deutliche Verbesserung, kann aber noch nicht das Erreichen des Ziels markieren. Im Gegensatz zur Untersuchung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (ZI), deren Zahlen in diesem Punkt besser sind, floss hier kein selektiertes Patientengut ein. Auffällig war für Hauner auch die mittlere Anzahl an Messungen, die bei 1,3 lag: Auch dies liegt klar unter den Forderungen der Leitlinien, "so dass wir nur ein Viertel der HbA1c-Messungen haben, die wir laut Leitlinien bräuchten - dies ist ein klares Indiz für eine erhebliche Unterversorgung."


Europäischer Vergleich

Die mittleren HbA1c-Werte sind europaweit nicht sehr verschieden: Sie liegen bei 7,4%. Die Schwankungsbreite lag bei 7,0% in Schweden und 7,8% bei englischen Patienten - "die Unterschiede sind inzwischen dank der erreichten Einstellungsqualität gar nicht mehr so groß", erläuterte Hauner. In Deutschland werden dreimal so viele Typ-2-Diabetiker mit Insulin behandelt wie z.B. in Frankreich, trotz identischer durchschnittlicher HbA1c-Werte. Dies spricht nicht unbedingt für eine frühe Insulintherapie. Auch in Holland erhalten nur halb so viele Patienten Insulin. In Schweden erhalten sogar nur knapp 50% der Patienten eine antidiabetische Medikation - "offensichtlich wartet man dort länger mit der Verordnung", schlussfolgert Hauner.

In Deutschland wird immer noch mehr als in anderen europäischen Ländern mit Sulfonylharnstoffen behandelt. Was das Metformin angeht, liegt Deutschland hier noch etwas zurück - aber insgesamt gehen die Trends in die richtige Richtung. Die Häufigkeit von mikro- und makrovaskulären Komplikationen zeigt sich europaweit ähnlich.

[02.01.2006], Quelle: Diabetes>News Zeitung für die Diabetologie
6. Ausgabe November 2005




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