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Interview mit der 1. Vorsitzenden des BVND
Positive Ansätze - laienhafte Durchführung
Mehr Planungssicherheit für die diabetologische Schwerpunktpraxis steht für Dr. med. Eva-Maria
Fach ganz oben auf der Wunschliste an die Gesundheitspoliltik, um dadurch eine bessere Versorgung der Menschen mit
Diabetes zu gewährleisten.
Diabetes>News: Das GMG (1)
ist inzwischen seit gut einem Jahr in Kraft. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Wir werden als Bundesverband der niedergelassenen Diabetologen etwas mehr
eingebunden in die Weiterentwicklung des DMP (2) Diabetes mellitus Typ 2, aber
diese Zusammenarbeit sollte noch intensiviert werden. Vieles wird am grünen Tisch entschieden, dabei hat kaum einer
entsprechende praktische Erfahrung.
Diabetes>News: Gibt es irgendetwas am GMG, das Sie als positiv beurteilen
würden?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Es gibt positive Ansätze, in der Durchführung sind sie allerdings zu
wenig durchstrukturiert, wie wir am Beispiel vom DMP Typ 2 sehen. Ich denke, es ist gut, wenn Patienten in gewisser Weise
gezwungen werden, ihre Krankheit ernst zu nehmen, wenn sie dazu gebracht werden, bestimmte Vorsorgeuntersuchungen
durchführen zu lassen. Aber es wird einerseits dabei übersehen - und das liegt jetzt nicht am GMG, sondern an den
Krankenkassen -, dass die Teilnahme freiwillig ist, und andererseits, dass Patienten eingeschrieben werden sollen, die von
dem DMP profitieren, also nicht Patienten, die beispielsweise im Altenheim bettlägerig sind. So steht es jedenfalls in
den Ausführungen zum DMP. Die Patienten werden jedoch mehr oder weniger gezwungen, am DMP teilzunehmen; nach Aussage von
Patienten erfolgt Telefonterror. Verständlich, die Krankenkasse bekommt aus dem RSA
(3) Geld nur für den eingeschriebenen Patienten. Nur die Patienten
stößt diese Art und Weise eher ab, als dass sie die positiven Aspekte sehen.
Diabetes>News: Macht es Ihnen persönlich noch Freude, Ärztin zu
sein?
Dr. med. Eva-Maria Fach: In unserer Praxis ist die Stimmung nach wie vor sehr gut. Das Vertrauen zwischen
den Patienten und unserem gesamten Team ist eher noch gewachsen. Die Patienten können auch mal ihren Unmut
äußern. Manche sagen: "Eigentlich tun Sie mir Leid. Sie müssen jetzt jedem erklären, ob das alles
sinnvoll ist oder nicht." Ich bin Ärztin aus Leidenschaft und habe diesen Beruf erwählt, weil es mir Freude
macht mit Patienten zu arbeiten.
Insgesamt ist der Bürokratieaufwand enorm. Noch wissen wir nicht, ob das DMP ein Erfolg wird. Ich selbst schreibe keine
Patienten in das DMP Typ 2 ein, da der koordinierende Arzt der Hausarzt sein sollte. Ich bin in diesem Fall die Facharztebene
und Ansprechpartnerin für die Patienten, die Probleme haben. Ich denke, das sollte auch so akzeptiert werden von den
Kassen. Es muss da eine klare Entscheidung geben. Für die Hausärzte ist der bürokratische Aufwand schon
frustrierend. Sie schreiben die Patienten ins DMP ein, füllen die DMP-Bögen mit über 50 Items aus und bekommen
dann kaum oder nur fehlerhafte Rückmeldungen, obwohl wirklich alles richtig war. Auch hier in Bayern, wo es ja bereits
über EDV läuft und wir die Rückkopplung über die Computer haben, ob alles richtig ausgefüllt wurde,
gibt es immer wieder Probleme mit der Datenstelle. Bayern ist Augenblick das zweitstärkste Bundesland in der
Einschreibung mit 270.000 Patienten. Das sind mehr Patienten, als wir im Strukturvertrag hatten. Das ist als Erfolg zu
werten.
Diabetes>News: Welche Gründe geben die Patienten an, die sich nicht
einschreiben lassen wollen?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Viele sagen: "Ich möchte es mir nicht verwehren lassen, zu Ihnen zu
kommen, weil Sie für mich in puncto Diabetes die Ansprechpartnerin sind. Hier bin ich gut beraten worden und es wurde
schon immer alles getan, was das DMP vorsieht." Auch haben manche Patienten die Sorge, dass sie zu Schulungen zur
Krankenkasse gehen müssen, die sie lieber in unserer Praxis machen. Und viele haben das Gefühl, sie werden zum
gläsernen Patienten.
Ich versuche den Patienten zu erklären, warum ihre Einschreibung wichtig ist, sage auch, dass die Krankenkasse Geld
dafür bekommt und dass mit diesem Geld auch die Schwerpunktpraxis finanziert wird und diese betriebswirtschaftlich
darauf angewiesen ist. Das sehen die Patienten ein, auch wenn sie sich fragen, warum plötzlich so ein Gewicht auf den
Diabetes gelegt wird, der vorher eher nicht so wichtig war.
Diabetes>News: Ein anderes Thema: Welche berufspolitischen Schwerpunkte
plant der BVND für die nächsten Monate?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Auf alle Fälle wollen wir versuchen, beim DMP Typ 1 von Anfang an mehr
Mitspracherecht zu haben. Das DMP Typ 2 wurde zu der Zeit konzipiert, als unser Verband gerade gegründet wurde. Als
zweites wollen wir versuchen, die Qualitätssicherung - DQM - für unsere Praxen durchzubekommen, und das beinhaltet
auch, dass Qualität entsprechend bezahlt wird. Dann versuchen wir weiter am Ball zu bleiben, was das DMP Typ 2
anbelangt: Zu den Tagungen des Koordinierungsausschusses werden wir Stellungnahmen abgeben. Außerdem sind wir in der
Diskussion mit den Krankenkassen über die Schulungen. Laut DMP dürfen Patienten, die nicht eingeschrieben sind,
nicht schlechter versorgt sein als eingeschriebene Patienten. In vielen Bundesländern ist es so, dass nur DMP-Patienten
auf Krankenkassenkosten geschult werden dürfen. Das ist eigentlich nicht statthaft. Ich finde, jeder Patient hat das
Recht auf Schulung, nicht nur weil es so im DMP steht, und die Schulung sollte von der Krankenkasse bezahlt werden, denn der
Patient ist schließlich versichert, um im Krankheitsfall versorgt zu sein. Auch die Schulung von Typ-1-Diabetikern ist
von der Krankenkasse zu übernehmen.
Wir versuchen auch die Weiterbildung unserer Kollegen unter anderem im Hinblick auf den diabetischen Fuß zu
stärken - nicht alle Kollegen können zum Beispiel in der AG Diabetischer Fuß der DDG sein. Außerdem
werden wir mit den KVen und den Kassen im Gespräch bleiben, was die Integrierte Versorgung anbelangt. Hier sehen wir uns
als Ebene 2, also als die Facharztebene, die dem Hausarzt zur Seite steht und die ambulante Versorgung der Menschen mit
Diabetes gewährleistet, ehe der Patient eventuell in eine spezialisierte Klinik muss.
Diabetes>News: Sind Sie auf der Regionalkonferenz Ende Januar (Bericht
auf dieser Seite) vorangekommen, was die einzelnen Schritte für die KV-Bereiche anbelangt?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Wichtig war uns, den Status quo zu erheben: Was passiert in welchem Bundesland? Wir
haben uns untereinander informieren können, wer macht was und wie er das macht. Hier können wir voneinander lernen.
Jeder Vertrag ist anders geartet, und für den Patienten und uns wichtige Punkte sollte keiner von uns vergessen. Wir
haben auch schon ein zweites Treffen anberaumt für den Dienstagabend während der DDG-Tagung (siehe Seite 3).
Diabetes>News: Welche Wünsche haben Sie an die Gesundheitspolitik?
Dr. med. Eva-Maria Fach: Wichtig ist eine offizielle Anerkennung des Diabetologen und der diabetologischen
Schwerpunktpraxis als zweite Ebene und dass dies so verankert wird, dass wir wirtschaftlich eine längere
Planungsmöglichkeit haben. Ich habe eine Schwerpunktpraxis, behandele fast zu 100 Prozent Diabetiker. Sehr viele
Kollegen haben jedoch Angst, sich allein auf diesen Schwerpunkt zu spezialisieren, bieten also auch noch Gastroenterologie,
Kardiologie und Weiteres an. Ihre Angst vor der Refinanzierung ihrer Praxis ist sehr groß. In diesem Punkt eine gewisse
betriebswirtschaftliche Planungssicherheit zu bekommen, wäre äußert sinnvoll, auch im Sinne unserer
Diabetiker.
Diabetes>News: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Dr. Karin Kreuel für
Diabetes>News.
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[14.03.2005], Quelle: Diabetes>News
Zeitung für die Diabetologie, 2. Ausgabe März 2005
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(1) GMG = Gesetzentwurf zur Modernisierung des Gesundheitssystems
(2) DMP = Disease-Management-Programm
(3) RSA = Risiko-Struktur-Ausgleich
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