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Hyperglykämie, Azetonämie und Koma

Überzucker, Azeton und Koma

Ziel der Zuckerbehandlung ist Beschwerdefreiheit und die Verhinderung der Folgeerkrankungen. Hierzu werden die erhöhten Blutzuckerwerte mit Diät und Bewegung, Tabletten und Insulin gesenkt.

In der Regel werden normale Blutzuckerwerte (90-120 mg/dl / 5-6,7 mmol/l) angestrebt. Höhere Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) führen zu leichten bis starken Beschwerden (bis zu Bewußtlosigkeit!), langfristig zu Folgeerkrankungen.


Beschwerden

Leichte Blutzuckererhöhungen bleiben oft unbemerkt. Frühe Zeichen erhöhter Werte wie Müdigkeit und Kraftlosigkeit werden nicht selten unterschätzt, gerade bei älteren Menschen. Dies ist der Grund, weshalb die Diagnose "Diabetes" oft sehr spät, manchmal erst bei einer schweren Entgleisung mit Koma erstmals gestellt wird.

Frühe Zeichen einer Blutzuckererhöhung:

  • Kraftlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • vermehrter Durst und trockener Mund
  • vermehrtes Wasserlassen
  • Sehstörungen
  • Juckreiz der Haut
Zeichen bei steigenden und sehr hohen Blutzuckerwerten:

  • Gewichtsverlust
  • Muskelschmerzen und Krämpfe
  • Bauchschmerz
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verwirrung und Bewusstseinstrübung
  • tiefe Atmung mit Azetongeruch
  • Bewusstlosigkeit

Ursachen

Häufige Ursachen sind ein erhöhter Insulinbedarf (typischerweise bei Infekt, Fieber oder Entzündung und unter bestimmten Medikamenten) und eine Unterversorgung mit Insulin (Spritzen vergessen, Pen-Defekt, verfallenes Insulin oder Weglassen von Insulin, wenn nicht gegessen wird, Katheterproblem bei Insulinpumpenpatienten).

Der Insulinbedarf kann aber auch ohne jeden "Fehler" durch Nachlassen der körpereigenen Insulinausschüttung und Entwicklung einer Resistenz (z.B. bei Gewichtszunahme) langsam zunehmen, so dass die Dosis angepasst werden muss.

Checkliste bei hohen Zuckerwerten:

  • Fieber, Infekt, Schmerzen?
  • Neue Medikamente (z.B. Cortison)?
  • Zuverlässig gespritzt?
  • Nässen von Pen-Patrone?
  • Nadel verstopft? 2-4 Einheiten unter Sichtkontrolle auf Taschentuch oder in Tasse spritzen!
  • Verfallsdatum der Ampulle?
  • Fehler bei der Blutzuckermessung (Teststreifen über Verfallsdatum? Fehlerhafte Codierung)?
  • Spritzstellenproblem (Verhärtung, Fettgewebswucherung)?


Azeton und Koma

Bei steigenden Blutzuckerwerten (höher 240 mg/dl / 13,3 mmol/l) kann eine bedrohliche Situation mit kompliziertem Verlauf entstehen, die in jedem Fall verhindert werden muss.

Jeder Diabetiker muß über die Entstehung dieser Komplikation, über das frühzeitige Erkennen und Gegenmaßnahmen unterrichtet werden (Schulung!).

Mit steigenden Blutzuckerwerten spielen folgende Vorgänge eine gefährliche Rolle:

  • Der Körper versucht die großen Zuckermengen durch vermehrtes Wasserlassen loszuwerden. Dies führt zu starken Wasserverlusten mit gefährlichen Verschiebungen im Mineralhaushalt und Kreislaufstörungen bis zum Schock.

  • Zur Energiegewinnung wird Fett verbrannt. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper (Azeton) mit Übersäuerung des Blutes.

    Diese Ketonkörper bedingen Übelkeit und Erbrechen (weiterer Flüssigkeitsverlust, keine Nahrungsaufnahme und oft fälschlicherweise dann auch keine Insulingabe), zudem auch Unempfindlichkeit gegen Insulin (Resistenz). Deshalb sind höhere Insulinmengen zum Senken des erhöhten Blutzuckers notwendig, als sonst erforderlich sind.

  • Im Weiteren treten Bewusstseinstrübung und Bewusstlosigkeit ein - das sogenannte Azeton-Koma, eine lebensbedrohliche Situation.


Stichwort "Ketonkörper"

Bei der Energiegewinnung durch Fettabbau entstehen im Körper alltäglich geringe Mengen Acetoacetat, die aber sofort abgebaut werden. Nur bei übermäßigem Fettabbau steigt Acetoacetat im Blut stark an (Ketonämie) und wird im Urin meßbar ausgeschieden. Der Insulinbedarf ist dann deutlich gesteigert.

Ketonkörper entstehen aber auch beim Gesunden nach längerem Fasten und nach starker körperlicher Anstrengung.


Das Azeton-Koma ist immer Folge eines absoluten Insulinmangels. Es tritt deshalb in der Regel nur bei Typ-1-Diabetes auf.

Beim Typ-2-Diabetes ist typischerweise noch Insulin vorhanden, so dass keine Fettverbrennung mit Azeton-Bildung stattfindet. Deshalb können sehr hohe Blutzuckerwerte auftreten (> 600 mg/dl / > 33 mmol/l), bevor Bewusstlosigkeit eintritt - hyperosmolares Koma.


Erkennen und Behandlung

Die beschriebenen Symptome erhöhter Blutzuckerwerte sind unspezifisch, deshalb muß grundsätzlich eine Zuckerbestimmung durchgeführt werden.

Teststreifen zum Nachweis von Ketonkörpern / Azeton Die Behandlung richtet sich zunächst nach der festgelegten Behandlungsart, z.B. zusätzliche Dosis Insulin zur Korrektur entsprechend einer festgelegten Tabelle.

Achtung: Wenn Ketonkörper (Azeton) entstehen, besteht besondere Gefahr und gelten andere Regeln zur Korrektur. Die Ketonkörper können im Urin nachgewiesen werden (z.B. Ketur-Test - vgl. Bild).

Bei Werten über 240 mg/dl / 13,3 mmol/l sollte der Urin auf Ketonkörper / Azeton getestet werden. Der Nachweis von Ketonkörpern / Azeton ist ein ernstes Krankheitszeichen:

Notfallregeln bei nachweisbaren Ketonkörpern:

  • möglichst nicht allein sein
  • wenig bewegen
  • viel Wasser trinken (in 1 Stunde 1 Liter)
  • Insulin spritzen, auch wenn Sie nichts essen können oder erbrechen:
    20% des gesamten Insulintagesbedarfs (schnelles und Verzögerungsinsulin! - siehe Beispiel)
  • Blutzucker- und Azeton-Messung alle 2 Stunden
    1. Werte über 240 mg/dl / 13,3 mmol/l, Azeton positiv:
      Erneut 20 % des Gesamtinsulinbedarfs
    2. Werte 180-240 mg/dl / 10-13,3 mmol/l), Azeton positiv:
      10 % des Gesamtinsulinbedarfs
    3. Werte unter 180 mg/dl / 10 mmol/l, kein Azeton:
      Kein zusätzliches Insulin, weiterhin trinken, 2 Zusatz-BEs essen
  • bei weiterem Blutzuckeranstieg oder Kontrollverlust Kontaktaufnahme mit Arzt / Klinik
  • Nach Normalisierung des Blutzuckers und negativem Azeton: Ursachenanalyse!


Beispiel:

Sie spritzen normalerweise morgens und zur Nacht jeweils 10 IE Verzögerungsinsulin (NPH), zu den Hauptmahlzeiten im Schnitt morgens 10 IE, mittags 15 IE und abends 15 IE Alt-Insulin / Normalinsulin.

In der Summe werden also 60 IE Insulin pro Tag gespritzt.

Jetzt ist der Zucker durch einen Infekt auf 280 mg/dl erhöht, Azeton im Urintest 3-fach positiv.

Vorgehen: Sie spritzen 20 %, also 12 IE Normalinsulin und messen in 2 Stunden erneut Blutzucker und Azeton im Urin.



Das hyperosmolare Koma entwickelt sich in der Regel langsam und ist durch zusätzliches Insulin in jeder Phase vor der Bewusstseinstrübung gut behandelbar. Wichtigste begleitende Maßnahme ist eine ausreichende Trinkmenge. Bei beginnend eingeschränktem Bewusstsein ist eine Behandlung in der Klinik unbedingt erforderlich und muss rasch veranlasst werden.


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