Diabetes und Partnerschaft

Tipps für eine erfüllte Beziehung trotz Diabetes

Der Leseraufruf "Ist Diabetes ein Beziehungskiller?" des Diabetiker-Ratgebers zeigte, wie sehr Diabetes eine Partnerschaft belasten kann. Jeder Fünfte gab an, dass seine Beziehung durch diabetesbedingte Lustlosigkeit oder Potenzprobleme belastet wird.

Doch das muss nicht sein. Häufig genannt wurden in der Befragung auch Angst vor Folgeschäden, schlechte Laune, dauernde Müdigkeit und Probleme bei Unterzuckerung sowie Einschränkungen beim Essen. Es wird deutlich, dass Diabetes nicht nur Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen selbst hat, sondern auch auf die Menschen in seiner Umgebung - insbesondere natürlich auf den Partner.

Wird bei einem Menschen Diabetes diagnostiziert, kann das großen Einfluss auf die Partnerschaft und das gemeinsame Leben haben. Mit der richtigen Behandlung ist auch mit der Erkrankung ein fast normales Leben möglich und das sollte auch für die Partnerschaft gelten. Indem die krankheitsbedingten Probleme in offenen Gesprächen thematisiert und Hilfsangebote sowie Therapiemöglichkeiten wahrgenommen werden, können unnötige Konflikte, die die Partnerschaft belasten, vermieden werden.

Unterstützung ja - Überbehütung nein

Die Unterstützung des Partners kann dem Betroffenen das Leben mit Diabetes erleichtern. Es ist jedoch wichtig, dass die Unterstützung nicht in Überfürsorglichkeit umschlägt. Es ist verständlich, dass der Partner sich vermehrt Sorgen um den Betroffenen macht. Diese Sorge sollte jedoch nicht dazu führen, dass der Betroffene in Watte gepackt wird und man mit ihm nicht mehr über seine Sorgen und Probleme spricht, um ihn nicht zusätzlich zu belasten.

Übervorsichtige Rücksichtnahme schadet der Beziehung langfristig mehr als dass sie nützt. Dass der Partner gerade kurz nach der Diagnose besonders besorgt ist und den Betroffenen vielleicht häufiger als normal anruft, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist, ist verständlich. Die Angst, dass der Betroffene, z.B. beim Autofahren, Unterzucker bekommt, kann zu einem ständigen Begleiter werden. Es können jedoch Maßnahmen ergriffen werden, um diese Angst zu reduzieren, beispielsweise können feste Zeiten vereinbart werden, zu denen man telefoniert. Diese Absprachen sollte man in einem ruhigen Gespräch gemeinsam festlegen. Allerdings darf der Betroffene nicht das Gefühl haben, überwacht und überbehütet zu werden, denn dann kann es passieren, dass er sich gegen gut gemeinte Ratschläge wehrt, Hilfe ablehnt und sich zurückzieht.

Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, dass der Betroffene nicht in Abhängigkeit von seinem Partner gerät, weil er Teilbereiche der notwendigen Selbstbehandlung, wie etwa die geeignete Ernährung, an den Partner delegiert. So wichtig die Unterstützung von anderen ist, sollte der Betroffene doch in erster Linie selbst für seine Behandlung zuständig sein.


Verhalten bei Unterzuckerung

Unterzucker wirkt sich auf die Stimmung des Diabetikers aus. Häufig merkt der Partner vor dem Betroffenen, dass dieser eine Unterzuckerung hat. Dabei kann es vorkommen, dass der Betroffene seinen Zustand selber nicht erkennt und aggressiv jede Hilfe ablehnt. "In dieser Situation macht es keinen Sinn, eine Diskussion vom Zaun zu brechen oder selber aggressiv zu werden. Man sollte sich klar machen, dass das Verhalten des Partners nicht persönlich gemeint ist, sondern eine Folge des Energiemangels im Gehirn", sagt Diplom-Psychologe Dr. Bernhard Kulzer vom Diabetes Zentrum Bad Mergentheim, Vorsitzender des Vereins "Psychologie und Diabetes" und der Arbeitsgemeinschaft "Psychologie und Verhaltensmedizin" der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Er rät, das Verhalten des Betroffenen nicht persönlich zu nehmen, ruhig zu bleiben und darauf zu beharren, dass der Betroffene z.B. Traubenzucker zu sich nimmt. Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Traubenzucker mit Gewalt zu verabreichen.

Die mögliche Belastung für die Beziehung, die aus einer solchen Situation entstehen kann, kann entschäft werden, indem im Vorfeld gemeinsam abgesprochen wird, wie man sich in einer solchen Krisensituation verhalten soll. Auf diese Absprachen kann der Partner sich dann berufen und das Verhalten muss nicht bei bzw. nach jeder Unterzuckerung neu diskutiert werden.

Diabetes und Sexualität

Bei Diabetikern kommt es relativ häufig zu Störungen des Empfindens und der Potenz. Oft kommt es auch zu einem Verlust des sexuellen Verlangens, nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen mit Diabetes. Sexuelle Störungen können eine Beziehung sehr belasten. Bei der Bewältigung dieses Problems sollten sich die Partner bewusst machen, dass die Erkrankung die Ursache ist und nicht ein Problem in der Partnerschaft. Während das Problem bei Männern mit Diabetes bekannt ist, wird kaum erwähnt, dass Diabetes auch bei Frauen zu sexuellen Störungen führen kann. Allgemein ist es wichtig, mit sexuellen Störungen einfühlsam umzugehen, um Schuldgefühle oder zukünftige Versagensängste zu vermeiden.

Neben körperlichen Ursachen spielen häufig auch seelische Probleme eine bedeutende Rolle. Wenn diese die Hauptursache für sexuelle Störungen sind, kommt psychologischer Beratung und Psychotherapie eine besondere Bedeutung bei der Behandlung zu. Unter Umständen ist auch eine Sexualberatung und/oder Familientherapie sinnvoll. Liegt die Ursache der sexuellen Störung überwiegend bei erhöhten Blutzuckerwerten, kann eine Normalisierung der Blutzuckerwerte das sexuelle Verlangen und die Empfindungs- bzw. Erektionsfähigkeit deutlich steigern und sich günstig auf die allgemeine Stimmung, das sexuelle Verlangen und die sexuelle Empfindungsfähigkeit auswirken.

Spezielle Funktionsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten bei Männern

Bei Männern mit Diabetes tritt häufig eine erektile Dysfunktion auf, d.h., das Glied wird nicht ausreichend oder gar nicht steif. Die häufigste körperliche Ursache dafür ist eine so genannte Neuropathie. Das bedeutet, dass in Folge der Erkrankung die Nerven im Genitalbereich allmählich ihre Funktion verlieren und so eine ausreichend lange und kräftige Versteifung des Penis immer seltener zustande kommt. Sexuelle Störungen können auch durch Durchblutungsstörungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Hormonstörungen oder stark erhöhte Blutzuckerwerte entstehen. Neben den körperlichen Ursachen spielen die oben genannten seelischen Probleme bei etwa jedem zweiten Diabetiker mit Impotenz eine bedeutsame Rolle.

Heutzutage gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Behandlung, der ein ausführliches Gespräch und eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt vorausgehen sollte. Die körperlich bedingte erektile Dysfunktion kann z.B. durch den Einsatz einer Vakuumpumpe, einer Penis-Prothese oder das Einspritzen bzw. Einnehmen von Medikamenten behandelt werden. Welche Behandlungsmethode gewählt wird, sollte das Paar gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entscheiden.

Spezielle Funktionsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten bei Frauen

Die Beeinträchtigung der Sexualität von Frauen hat ihre Ursache oft in depressiven Verstimmungen oder Hormonschwankungen (z.B. während der Wechseljahre). Bei Diabetikerinnen können darüber hinaus insbesondere schmerzhafte Entzündungen und trockene Schleimhäute im Genitalbereich den sexuellen Kontakt beeinträchtigen.

Gute Zuckerwerte verbessern die Feuchtigkeit der Scheide und verhindern Infektionen des Genitalbereichs und der Harnwege. Bleiben die Schleimhäute in der Scheide dennoch trocken, können Gleitcremes helfen. Infektionen und Entzündungen sollten rasch und gründlich behandelt werden. Liegt die Ursache in depressiven Verstimmungen, kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen. Bei durch die Wechseljahre bedingten Störungen kann eine Hormonbehandlung angesetzt werden, die in enger Abstimmung mit dem Frauenarzt erfolgen sollte.

Fazit

Diabetes kann eine Beziehung belasten, jedoch auch positive Auswirkungen auf den gemeinsamen Lebenswandel haben. Sie kann den Anstoß zu einem gesünderen Lebensstil mit mehr Sport und gesünderer Ernährung geben, von dem beide Partner profitieren. Offene Gespräche können Konflikten vorbeugen und die Partnerschaft festigen. Auf keinen Fall sollte man der Krankheit erlauben, zum Mittelpunkt des partnerschaftlichen Lebens zu werden. Die Partner sollten ganz bewusst gemeinsame Aktivitäten und Interessen pflegen. Denn je lebendiger und erfüllter die Partnerschaft ist, desto besser kann man aus ihr Kraft ziehen, um mit der Erkrankung Diabetes besser zurechtzukommen.

Fachkundige Hilfe

Betroffene und ihre Partner sollten sich nicht scheuen, fachkundige Hilfe anzunehmen, wenn eine eigene Problemlösung schwierig erscheint. Spezielle Diabetes-Schulungen können ungewohnten Situationen, wie z.B. Unterzuckerungen, den Schrecken nehmen und Betroffenen und ihren Partnern Wege für ein erfülltes Leben mit Diabetes aufzeigen.

Diabeteszentren bieten Wahrnehmungskurse an, die eine Unterzucker-Schulung ("Hypotraining") auch für den Partner beinhalten.

Manchen Betroffenen hilft der regelmäßige Besuch bei einem Psychologen, besser mit ihren Gefühlen klarzukommen und umzugehen.

Eine Liste von Psychologen/ Psychotherapeuten, die mit diabetesspezifischen Problemen Erfahrung haben, erhalten Sie unter www.diabetespsychologie. de oder bei: Dipl.-Psych. Bernd Kulzer, Stichwort "Psychotherapeutenführer", Diabeteszentrum Mergentheim, 97980 Bad Mergentheim, Theodor-Klotzbücherstr. 12 (Adressiertes Rückkuvert DIN A 5 mit 1,45 Euro beilegen).

Anke Tennemann, Myriam Spätling

Quelle: www.curado.de


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