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Warum Insulin?

Was ist Insulin?

Insulin ist ein lebenswichtiges, blutzuckersenkendes, wachstumsförderndes Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Das "Speicherhormon" Insulin
  • fördert die Aufnahme von Glukose in die Muskel- und Fettzellen
  • fördert in Leber-, Fett- und Muskelzellen den Aufbau der Energiespeicher Glykogen und Fett aus Glukose
  • hemmt den Abbau dieser Energiespeicher
  • senkt die Glukose-Neubildung in der Leber (Glukoneogenese)
Alle Stoffwechselwirkungen von Insulin senken den Blutzucker. Insulin ist in dieser Rolle unersetzlich.

Gegenspieler von Insulin sind Hormone wie Glukagon, Adrenalin und Somatotropin. Alle wirken in einem Regelkreis zusammen, der beim Gesunden den Nüchtern-Blutzucker in der Spanne zwischen 55 und 100 Milligramm/Deziliter (mg/dl) konstant hält.

Wie wirkt Insulin?
An der Oberfläche der Zellen, an denen Insulin wirkt (z.B. Muskelzellen, Fettzellen, Leberzellen) befinden sich Insulinrezeptoren. Sie reagieren mit Insulin und werden dadurch aktiviert. Es folgt eine chemische Kettenreaktion, die sich bis zur Zellkernmembran fortsetzt. Diese Membran ist eine dünne Schicht, die den Zellkern umgibt. Im Zellkern befinden sich die Gene, das Erbgut des Menschen. Wie auf der Zelloberfläche liegen auch auf der Zellkernmembran Rezeptoren, so auch der Rezeptor PPAR Gamma.

Wird dieser Rezeptor aufgrund der Kettenreaktion aktiviert, beginnen bestimmte Gene im Zellkern mit der vermehrten Bildung von Glukosetransportern (z.B.GLUT4). Gelangen diese an die Zelloberfläche, kann Blutzucker in die Zelle aufgenommen werden.

Ein Insulinmangel führt unbehandelt
  • kurzfristig zu Überzucker und Stoffwechselentgleisung
  • langfristig zu Schäden an kleinen und großen Gefäßen und an Nerven
  • letztendlich zu Erblindung, Impotenz, Amputationen, Herzinfarkt und Schlaganfall

Insulinmangel bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Beim Typ-1-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse sind zerstört und sondern kein Insulin mehr ab. Der Mangel an Insulin muss beim Typ-1-Diabetiker von Anfang an ausgeglichen (substituiert) werden. Ohne Insulin versterben Typ-1-Diabetiker in jungen Jahren.

Beim Typ-2-Diabetiker liegt ein relativer Insulinmangel vor: Der Körper kann die zunehmende Insulinresistenz bzw. die nachlassende Insulinproduktion anfangs noch ausgleichen: durch mehr körperliche Aktivität und Abnehmen. Gelingt dies nicht, müssen zusätzlich Medikamente genommen werden, die den Blutzucker und/oder die Insulinresistenz senken (vgl. orale Antidiabetika). Die natürliche (physiologische) blutzuckersenkende Behandlung ist die Insulingabe.

Wann muss Insulin zugeführt werden?

Beim Typ-1-Diabetiker: immer.

Beim Typ-2-Diabetiker sieht der Stufenplan der Behandlung als Basistherapie Schulung, Ernährungsverbesserung, Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität vor.

Ihr Arzt vereinbart mit Ihnen ein bestimmtes Therapieziel. Als Maßstab dient ein HbA1c-Wert von 6,5% (HbA1c: Menge an glykosyliertem Blutfarbstoff als Maß für die Blutzuckereinstellung der letzten Wochen). Wird der Zielwert durch die Basismaßnahmen nach drei Monaten nicht erreicht, kommen in der Regel orale Antidiabetika zum Zuge, manchmal auch Insulin.

Zeit für eine Insulinbehandlung ist es beim Typ-2-Diabetiker spätestens dann, wenn das Therapieziel (i.d.R. HbA1c-Wert von 6,5%, bei älteren Diabetikern auch 7,5%) nicht durch die Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung und orale Antidiabetika erreicht werden kann (vgl. Insulintherapie)! Eine Insulinbehandlung ist beim Typ-2-Diabetiker außerdem angezeigt bei schweren Entzündungen oder Infektionen (z.B. Infarkt, infizierter diabetischer Fuß), vor Operationen und in der Schwangerschaft.

Ziel einer Insulintherapie ist
  • eine optimale Einstellung des Stoffwechsels
  • eine möglichst flexible Lebensweise und bessere Lebensqualität

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