Der Diabetes mellitus Typ 2 tritt meist im mittleren bis höheren Alter auf. Er kommt in Familien mit Diabetes mellitus Typ 2 gehäuft vor. 80 Prozent der Kinder von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 bekommen ebenfalls einen Diabetes mellitus.
Beim Diabetes mellitus Typ 2 liegt zunächst kein Insulinmangel vor. Aufgrund von Bewegungsmangel und Übergewicht kommt es zu einem Ansteigen der Insulinkonzentration im Blut. Die Rezeptoren an der Zellwand werden unempfindlich für das Insulin und die Inseln müssen immer mehr Insulin produzieren, um den Blutzuckerspiegel noch normal zu halten. Diese Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 nennt man eine gestörte Glukosetoleranz.
Da diese Patienten häufig mit steigendem Alter weiter zunehmen und sich noch weniger bewegen, reicht irgendwann die Insulinproduktion nicht mehr aus, um die Blutzuckerwerte im Normbereich zu halten. Dann steigen die Blutzuckerspiegel an, obwohl der Patient sehr hohe Insulinspiegel hat.
Die Behandlung besteht daher zunächst in einer Umstellung der Lebensweise, d.h. einer gesunden Ernährung und mehr Bewegung. Wird damit das Ziel einer normalen Einstellung nicht erreicht, müssen zusätzlich Medikamente in Form von Tabletten oder Insulin eingesetzt werden. Auch hier treten sonst nach ungefähr 10 Jahren die Folgeschäden auf, die die Lebensqualität und die Lebenserwartung stark beeinträchtigen.
Artikelbewertung/Kommentar: (28. Mai 2009)
Erteilte Note: schlecht
Ich bin 59 Jahre, schlank, viel Sport lebenslang (Tanzsport, Wandern, Schwimmen) + habe seit 2 Jahren Typ 2 - wie passt das mit Ihrer blöden Verallgemeinerung zusammen? Das führt dann dazu, dass sogar mein behandelnder Arzt erst beim dritten Besuch bemerkt hat, dass ich kein Übergewicht habe - köstlich! Denn Typ 2 ist ja immmer bewegungsfaul und frisst zuviel! Übrigens hatten ebenfalls meine Großmutter mütterlicherseits und deren Sohn, mein Onkel, als eher dürre Personen ein Typ 2. Hätte gerne mal eine Antwort von Ihnen, wie das zu "aufgrund von Bewegungsmangel ..." passt. Wie wäre es etwas wissenschaftlicher?
Antwort:
Sehr geehrte Leserin,
uns ist bewusst, dass sich unter dem Begriff "Diabetes mellitus Typ 2" sehr verschiedene Krankheiten verbergen - und sehr selten auch die
Biographie einer schlanken, sportlichen und sich viel bewegenden Patientin; bei der ausgeprägten familiären Belastung und dem schlanken Gewicht ist es aber in jedem Fall wichtig - auch für erfahrene Diagnostiker - zunächst innezuhalten und an andere seltenere Krankheitsbilder oder Typ-2-Varianten zu denken, die dann auch anders behandelt werden müssen. Sie betonen ja selbst, dass es auf der Hand liegt, Ihre Krankheit nicht mit Lifestyle-Intervention à la Gewichtsreduktion und mehr Bewegung anzugehen. Häufig nimmt der Typ-2-Diabetes bei schlanken Patienten einen ganz anderen Verlauf, wird viel früher insulinplichtig; oder es verbirgt sich eine milde Variante eines Typ-1-Diabetes hinter dem Verlauf.
Es ist also durchaus sinnvoll, das sehr viel Häufigere als typisch zu beschreiben, weil dadurch die Mehrzahl der Patienten profitiert. Wenn durch diese Beschreibung andere Patienten verletzt oder verärgert werden, ist das natürlich sehr bedauerlich.
Wenn Texte für alle Leser verständlich sein sollen, müssen sie einfach formuliert sein, da können sich dann Verallgemeinerungen einschleichen, die in der Tat nicht auf alle Patienten zutreffen; es sollte eher heißen "... in aller Regel aufgrund von Bewegungsmangel ...". Aber auch in dieser Formulierung würden Sie sich in Ihrer speziellen Form des Diabetes nicht wiederfinden.
Glauben Sie aber den Autoren dieser Seite: Nichts liegt uns ferner, als durch unsere Texte einzelne Patienten zu dirkreditieren. Wenn dies geschehen sein sollte, tut es uns Leid!
Mit freundlichen Grüßen
S. Zink
Diabetologe DDG
Karlsruhe
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