Tipps zum Umgang mit Blutzucker-Messgeräten

Gebrauch:
Die Messgenauigkeit der Geräte sollte regelmäßig überprüft werden. Dies ist auf verschiedenen Wegen möglich:
  • Parallelmessungen mit geeichten Laborgeräten.

  • Kontrollmessungen mit Testflüssigkeiten. (z.B. 100 und 200 mg/dl, die allerdings nur jeweils von der entsprechenden Firma verwendet werden sollten)

  • Unterschiedliche Geräte wenden unterschiedliche Messverfahren an. Sie messen entweder Vollblut, Serum oder Plasma. Diese Messgrößen sind nicht miteinander vergleichbar und Abweichungen bis zu 20% sind möglich.

  • Teststreifen sind sehr empfindlich. Die Packung muss nach Gebrauch verschlossen werden. Besonders Feuchtigkeit kann die Streifen unbrauchbar machen.

  • Die Messtechnik muss gut erlernt werden. Gequetschte Fingerbeeren und Verunreinigungen der Hautoberfläche können die Messergebnisse verfälschen.

  • Sehr hilfreich ist eine gute Stechhilfe, die die Blutgewinnung erleichtert. Die Stechlanzetten müssen regelmäßig gewechselt werden.

Dokumentation:
  • Für die Beurteilung der Messergebnisse ist eine möglichst exakte Dokumentation der Werte unumgänglich. Blutzuckermessung ohne schriftliche Erfassung des Wertes mit Zeitangabe ist sinnlos.

  • Die Messergebnisse müssen dem Arzt vorgelegt und regelmässig besprochen werden.

  • Zusätzlich müssen alle Daten mit erfasst werden, die den Blutzucker beeinflussen. Z.B. Broteinheiten der jeweiligen Mahlzeit, körperliche Bewegung, Unterzuckerungen.

  • Die Speicher der Geräte sind für die Dokumentation nicht ausreichend.

  • Einige Messgeräte können mit dem Computer verbunden werden und die Messwerte können in einem Programm ausgewertet werden.

  • Inzwischen ist die Eingabe der Blutzuckerwerte entweder manuell oder über Schnittstelle in das Internet möglich und der Diabetiker kann auf diesem Wege mit seinem Arzt kommunizieren. Auf diabetestagebuch.de besteht bereits die Möglichkeit, mit wenig Aufwand ein umfassendes Diabetes-Tagebuch zu führen, das die Daten direkt analysiert und dem behandelnden Arzt jederzeit den Zugriff auf die Daten und damit die bestmögliche Kontrolle erlaubt.
Kosten:
  • Messstreifen sind sehr teuer! Eine Messung kostet etwas mehr als 60 Cent.

  • Die Preise von Blutzuckermessstreifen unterscheiden sich erheblich. Jeder Diabetiker kann sparen, indem er einen günstigen Anbieter wählt. Das kann die Apotheke am Ort sein, die unter Umständen gleich günstige Preise wie ein Versandhändler anbieten kann. Nachfragen ist aber in jedem Falle wichtig und sollte ggf. zum Wechsel der Bezugsquelle führen.

  • Messen Sie nicht unnötig. Eine Messung ist nur dann sinnvoll, wenn Sie mit dem Ergebnis Einfluss auf ihre Therapie oder Ihr Verhalten nehmen.
Politik:
  • Nach den Statuten der Krankenkassen dürfen Blutzuckermessgeräte nur bei Patienten mit einer Störung des Farbsehens verordnet werden. Die erfordert ein Attest des Augenarztes.

  • Blutzuckermessstreifen können nur für insulinpflichtige Diabetiker auf Rezept verordnet werden.

  • Die Teststreifen sind zwar praktisch gesehen Hilfsmittel, werden aber für den verordnenden Arzt im Medikamentenbudget berechnet. D.h., der Arzt muss bei Überschreitung seines Medikamentenbudgets unter Umständen die Teststreifen aus seiner eigenen Kasse bezahlen.

  • Deshalb sind viele Ärzte auf Grund der Gesetzeslage sehr zurückhaltend bei der Verordnung von Teststreifen.
Deshalb:
Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über dieses Thema. Trotz der ungünstigen gesetzlichen Situation finden sich oft Lösungen.

  • Die Testgeräte werden heute oft kulanterweise von den Firmen kostenlos überlassen.

  • Es kann in die Harnzuckermessung in vielen Fällen als kostengünstigere Alternative genutzt werden.

  • Oft reichen stichprobenhafte Messungen (z.B. ein Tagesprofil pro Woche) bei Diabetikern, die einen guten HbA1c-Wert aufweisen.

Dr. med. Wolfgang Stütz
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